Blaise Pascal - Attali, Jacques

Jacques Attali 

Blaise Pascal

Biographie eines Genies

Herausgeber: Schmidt, Hans-Peter
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Blaise Pascal

"... Es macht den Reiz dieser Biographie eines Genies aus, dass Jacques Attali dem verborgenen ich Blaise Pascals auf die Spur kommen wollte, ohne seine verschiedenen Identitäten, seine "unendlich schillernde und verführerische Persönlichkeit" zu verleugnen. ..."
Manfred Geier (Süddeutsche Zeitung, 21.11.2006)
"... Es ist das größte Verdienst der vorliegenden Biographie, daß sie die Vielseitigkeit Pascals vor Augen führt: Er war nicht nur ein Genie; in ihm steckten sechs Genies, meist gleichzeitig ..."
Kurt Flasch (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.10.2006)
Blaise Pascal (1623-1662) war ein Wunderkind und das größte Genie Frankreichs: ein rastloser, nervöser Querdenker, ein zweifelnder und verzweifelnder Christ. Seine Erkenntnisse in Mathematik und Philosophie waren bahnbrechend, und unsterblich sind seine Gedanken über Würde und Elend des menschlichen Daseins.
Sein Biograph entwirft mit Leidenschaft das große Drama dieses universellen Geistes.
Ohne fremde Hilfe leitete das 13jährige Wunderkind Blaise Pascal (1623 - 1662) die Grundlagen der Geometrie und Mathematik ab, entwarf als junger Mann die der Wahrscheinlichkeitsrechnung und Statistik. Die Binomischen Formeln gehen auf ihn zurück, eine Abhandlung über Kegelschnitte verfaßte er mit 16 Jahren, skizzierte die erste Rechenmaschine mit 19 Jahren und formulierte mathematische Einsichten für die Infinitesimalrechnung, ohne die moderne Techniken undenkbar wären - eine rastlose, nervöse Existenz.
Vorläufer von Newton und Leibniz, Vordenker von Nietzsche, Kafka, Camus und Sartre ist er ein innerlich zerrissener Christ, der eine Wette für die Existenz Gottes einging und doch an seinen Zweifeln litt: Pascal ist der erste, der die Dramatik, den Glanz und das Elend menschlichen Daseins hellsichtig, virtuos und vollendet formuliert hat - ein Genie für das 21. Jahrhundert.


Produktinformation

  • Verlag: Klett-Cotta
  • 2006
  • Ausstattung/Bilder: 2006. 470 S. m. 24 z. Tl. farb. Abb. auf 16 Taf.
  • Seitenzahl: 470
  • Deutsch
  • Abmessung: 237mm x 164mm x 38mm
  • Gewicht: 827g
  • ISBN-13: 9783608943351
  • ISBN-10: 3608943358
  • Best.Nr.: 20856303

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Ausnehmend positiv beurteilt Rezensent Kurt Flasch diese Biografie Blaise Pascals (1623 - 1662)von Jacques Attali. Die Stärke dieser Arbeit besteht für ihn darin, dass sie die ganze Vielseitigkeit dieses Genies aufzeigt. Neben den großen Leistungen auf dem Feld der Mathematik und der Physik nennt Flasch auch Pascals Arbeiten im Bereich der Philosophie und der Theologie. Überdies würdigt er ihn als einen der "größten Schriftsteller französischer Sprache". An Attalis Biografie schätzt er besonders die Einbettung von Pascals Leben in den historischen Kontext, die Wirren der Politik, die Pariser Szene und die religionspolitischen Debatten der Zeit. Außerdem lobt er die Ausführungen über die Familie Pascals sowie die über dessen Werk zur Apologie des christlichen Glaubens. Kritik übt Flasch nur an der Zitierpraxis des Autors, die ihm schlicht "abenteuerlich" erscheint.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 21.11.2006

Das gequetschte Genie
Radikal als Zweifler, humorlos als Theologe, aggressiv als Polemiker, abstrakt als Mathematiker, liebevoll als Pädagoge: Jacques Attali entschlüsselt die multiple Persönlichkeit Blaise Pascals Von Manfred Geier
In den letzten Jahren seines kurzen Lebens – er wurde nur 39 Jahre alt – machte sich Blaise Pascal (1623­1662) vor allem Gedanken über das Dasein des Menschen. Das Studium der abstrakten Wissenschaften Mathematik und Geometrie, in denen er Hervorragendes geleistet hatte, war ihm verleidet, weil es ihn von dem entfremdete, was er für das menschliche Leben als wesentlich hielt. Erst nach seinem Tode sind des „Herrn Pascals Gedanken über die Religion und einige andere Themen” veröffentlicht worden und haben den Denker der „Pensées” als eine zentrale Gestalt jenes Grand Siècle erkennen lassen, in dem die französische Sprache, angeregt und getragen durch einen einzigartigen enthusiastischen Geist, ihre geschliffenste Form entwickelte.
Um den „entscheidenden Moment ihrer glanzvollen Geschichte verständlich zu machen”, hat Jacques Attali seine Biographie des französischen Wissenschaftlers und Philosophen Blaise …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 04.10.2006

Sechs Genies in einem
Jacques Attalis Biographie über Pascal / Von Kurt Flasch

Nietzsche hat über Pascal gesagt: Er war "an Redlichkeit und Geist der erste aller Christen". Nietzsche kannte auch andere berühmte Christen, Augustinus und Luther etwa, aber er gab Pascal den Vorzug, der von sich gesagt hat, wenn er etwas beobachte, könne er es nicht ertragen, die Ursache nicht zu kennen. Konflikte waren unvermeidlich, denn er hielt sich für verpflichtet, die Wahrheit öffentlich zu sagen, wenn er sie wußte. So zerrieb er sein kurzes Leben - er wurde 39 Jahre alt - in unermüdlicher Forschung, im Kampf gegen seine Krankheit und gegen das staatliche und kirchliche Establishment. Er verschenkte sein Vermögen an die Armen.

Mit zwölf Jahren entwickelte er selbständig die Axiome des Euklid, mit siebzehn Jahren schrieb er eine Abhandlung über die Theorie der Kegelschnitte. Er schuf die Wahrscheinlichkeitsrechnung und erfand mit neunzehn Jahren die Rechenmaschine. Mit dreiundzwanzig maß er als erster Mensch den Luftdruck und widerlegte das jahrhundertealte Vorurteil, es gebe in der Natur kein Vakuum. Er entdeckte das Gesetz der kommunizierenden …

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"... Es macht den Reiz dieser Biographie eines Genies aus, dass Jacques Attali dem verborgenen ich Blaise Pascals auf die Spur kommen wollte, ohne seine verschiedenen Identitäten, seine "unendlich schillernde und verführerische Persönlichkeit" zu verleugnen. ..." Manfred Geier (Süddeutsche Zeitung, 21.11.2006) "... Es ist das größte Verdienst der vorliegenden Biographie, daß sie die Vielseitigkeit Pascals vor Augen führt: Er war nicht nur ein Genie; in ihm steckten sechs Genies, meist gleichzeitig ..." Kurt Flasch (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.10.2006) "... Sein Buch ist ... lesenswert, weil es Ihm in eindrucksvoller Weise gelingt, stets den ganzen Menschen Pascal vor unsere Augen zu stellen und ihn nicht in die vielen Rollen zerfallen zu lassen, die dieser in seinem Leben zu spielen hatte ..." (Die Literarische Welt, 07.10.2006) "... Jacques Attali hat eine diesem Leben adäquate Biographie des Menschen Blaise Pascal zwischen Wunderkind und Verzweiflung vorgelegt." (Neue Zürcher Zeitung, 9.9.2006) "... Attali nutzt die Biographie Pascals zu einem hochgebildeten Ausflug in die Geistesgeschichte des 17. Jahrhunderts und verfolgt diesen universellen Ansatz in seinem Schlusskapitel "Tod und Auferstehung" bis zum Ende des 20. Jahrhunderts. Auch diese Wirkungsgeschichte Pascals über fast dreieinhalb Jahrhunderte nach seinem Tod ist - wie das ganze Werk - ein einzigartiges intellektuelles Lesevergnügen, das zum Verständnis Frankreichs, auch in seinem heutigen Abwehrkampf gegen das Verdrängen des Französischen durch das Angelsächsische, sehr viel beiträgt." (Saarbrücker Zeitung, 29.09.2006)
Jacques Attali, geboren am 1. November 1943 in Algier, ist Ökonom und ehemaliger Berater von François Mitterrand. Promotion in Wirtschaftswissenschaften, Diplom der École polytechnique, der Bergbauschule, des Instituts politischer Studien in Paris und der ENA, hat eine Professur inne und war Mitglied des Conseil d'État. Er galt als das "enfant terrible" der französischen Politik- und Kulturszene im Umfeld von François Mitterrand.


Leseprobe zu "Blaise Pascal" von Jacques Attali

EINLEITUNG
[...] Es gibt zahlreiche Gründe, sich für Blaise Pascal zu interessieren: seine Reflexionen über das menschliche Dasein, seine wissenschaftlichen Entdekkungen, seine mystischen Erleuchtungen oder seine unerbittliche Leidenschaft, mit der er als Pamphletist in Erscheinung trat. In alldem leuchtet die ungeheure Vielfalt und Intensität seiner Persönlichkeit auf. Seine Intelligenz und sein Glaube, seine Liebe und seine Einsamkeit, sein Wille, seine Demut und sein Stolz entfachen diesen einzigartigen enthusiastischen Geist, in dem und durch den sich die französische Sprache zu höchstem Glanz erhebt.
Die Geschichte des Glanzes dieser Sprache und Epoche beginnt mit der Geburt von La Fontaine im Jahre 1621 sowie der von Molière im Jahre 1622 und endet 1663, als der königliche Herrscher die Sonne zu seinem Wahrzeichen erwählte. Zwischen beiden Ereignissen liegt die Herrschaft von Maria de? Medici , Ludwig XIII., Richelieu , Anna von Österreich, Mazarin , der Fronde, des jungen Ludwig XIV. sowie Port-Royal, Jansenius , Descartes , Fermat , La Rochefoucauld , Cyrano de Bergerac , Racine , Boileau und Corneille ...
Im Verlauf dieser kurzen Zeitspanne, die Pascal mit seinem Genie entscheidend beeinflußt hat, erhob sich ein unerbittlicher Widerstreit zwischen Wissenschaft und Kirche, den Prinzen und dem König, den Provinzen und dem Staat, der Wirtschaft und der Politik, dem Universalismus und dem Partikularismus, der Freiheit und der Vorsehung, dem Stolz und der Unterwürfigkeit, der Seelengemeinschaft und der Unabhängigkeit des Leibes, dem Barock und der Klassik, der Redefreiheit und der Zensur, der Wahrheit und der Verleumdung - das französische Genie, eine Ausnahmeerscheinung, erwachte.
Ein Genie war Blaise Pascal ohne jeden Zweifel: Mit zwölf Jahren entdeckte er eigenständig die euklidische Mathematik neu; mit sechzehn entwikkelte er die darstellende Geometrie, die noch heute in der Mechanik und den Ingenieurswissenschaften Anwendung findet; mit neunzehn erfand er die erste Rechenmaschine, von deren Prinzip sich noch immer sämtliche Computer ableiten; mit dreiundzwanzig begründete er die Experimentalphysik, berechnete das Gewicht der Luft, entwarf die hydraulische Presse und brach mit einer jahrtausendealten Theorie, wonach die Natur angeblich "Abscheu vor der Leere", horror vacui hat. Mit vierundzwanzig erfand er die Wahrscheinlichkeitsrechnung, die zur Stütze für alle heutigen Sozialwissenschaften sowie für die Physik geworden ist. Mit dreißig trug er dazu bei, die französische Sprache auszuformen, und wurde zu einem Begründer des polemischen Journalismus. Mit fünfunddreißig löste er, obwohl ihn heftigste Schmerzen quälten, eines der schwierigsten mathematischen Probleme, wobei er nebenbei die Integralrechnung erfand. In der schönsten französischen Prosa, wie sie vor ihm noch niemand geschrieben hatte, verfaßte er unsterbliche Passagen über das Dasein des Menschen, über die Beziehungen zwischen Wissenschaft und Glauben, Freiheit und Einbildung, Glück und Mitleid, Macht und Gewalt, wobei er immer wieder Zufall und Gesetz, Natur und Gewohnheit, Geist und Herz, Wissenschaft und Erfahrung sowie das Irdische und das Mystische miteinander verband. Stets ließ er sich dabei von dem Willen leiten, die verborgenen Gründe selbst der unbedeutendsten menschlichen Gemeinheiten zu enthüllen, zu klassifizieren und zu erklären, als wären sie die bedeutendsten Ereignisse.
All dies gelang ihm, ohne seine Forschung einer strikten Planung zu unterwerfen und sich bestimmte Vorhaben zum Ziel zu setzen. Er hatte keinen Ehrgeiz, etwas zu veröffentlichen, wollte keine Spuren hinterlassen, es sei denn hinter den Pseudonymen von sieben verschiedenen Identitäten, die er jeweils mit einer eigenen Persönlichkeit ausstattete. Seine Forschungen fanden ihren Anstoß allein in den geistigen Herausforderungen, auf die er durch Freunde oder durch Zufall aufmerksam wurde, wobei seine Zwangsvorstellungen von Armut,

Inhaltsangabe

Einleitung
Bibliographische Bemerkungen
ERSTER TEIL - LICHTWERDUNG (1623-1650)
1 DIE WUNDERKINDER (1623-1640)
Die Geburt und die Hexe (1623-1626)
Die Erziehung durch den Vater - Clermont-Ferrand (1626 -1631)
Jene Jahre, die große Welt ...
Das Wunderkind betritt die Bühne - die Ankunft in Paris (1631-1637)
Die Flucht nach Clermont (1638)
Jacqueline und Richelieu (1636 -1638)
Die Kegelschnitte und die Berufung nach Rouen (1639)
Der Aufenthalt in Rouen - die Hand des Königs (1640)
2 DIE DENKMASCHINE (1641-1650)
Die Macht in Rouen (1641-1642)
Die Rechenmaschine (1642-1645)
Die Entdeckung des Jansenismus - die Triebfedern der menschlichen Maschine
Der Unfall Étienne Pascals (1646 -1647)
Das Kalkül der Leere - Rouen (1646 -Sommer 1647)
Descartes und Pascal - die bedeutendsten Genies Frankreichs begegnen sich (23./24. September 1647)
Die Entdeckung von Port-Royal
Blaise und Jacqueline im Jahr 1648 - ein Paar
Der Ausbruch der parlamentarischen Fronde. Étiennes Rückkehr nach Paris (1648)
Die Luft, die Leere und das Nichts - Experimente in der Auvergne (September 1648).
Die Berufung Jacquelines und der Rückzug nach Clermont (September 1648-Dezember 1650)
ZWEITER TEIL - GLANZ (1650-1662)
3 GLÜCKSSPIELE UND LIEBE (November 1650-23. November 1654)
Der Skeptizismus in den Salons (1651-1652)
Der Tod des Vaters (24. September 1651)
Jacqueline im Kloster (4. Januar 1652)
Die physikalischen Abhandlungen - das Experiment und der Fortschritt (1651-1654)
Die Dreiecke des Zufalls (1654)
Von Zahlen und Buchstaben
Die Spiele der Liebe: Narziß und Ödipus (1652-1654)
Bis zur Nacht des Mémorial - der Zenit seines Lebens (Dezember 1653-23. November 1654)
4 KINDER DES FRIEDENS (23. November 1654-Juli 1657)
Beichtväter, Kasuisten und Gewissenslenker
Port-Royal gegen die Jesuiten
Pascals Auftritt (Januar-Dezember 1655)
Also werden die Briefe in die Provinz geschrieben (Januar 1656)
Die ersten fünf Briefe an einen aus der Provinz - Blamage der Kasuisten (23. Januar 1656 -24. März 1656)
Die Schriften über die Gnade (1656)
Das Wunder des Heiligen Dorns (24. März 1656)
Die dreizehn anderen Provinzbriefe (März 1656 -März 1657)
Das Ende der Welt - Trennung von Charlotte de Roannez (1656 -Juli 1657)
5 DER SCHMERZ DER HOFFNUNG (Juli 1657-19. August 1662)
Die Pfarrer von Paris treten in den Kampf ein (Juli 1657-Februar 1659)
Den Hochadel unterrichten, um die Politik zu verändern (Juli 1657-Februar 1659)
Die Geometrie des Unendlichen (Juli 1657-Februar 1659)
Das Herz und der Verstand - Vorbereitung der Pensées (Juli 1657-Februar 1659)
Der erneute Ausbruch der Krankheit (Januar 1659-Juni 1660)
Hell und dunkel - die Schwierigkeiten der Pensées (Oktober 1660)
Das Elend des gottlosen Menschen - die Zerstreuung als Flucht
Die Begegnung des Menschen - mit Gott, ohne Jesus
Die Herrlichkeit des Menschen - mit Gott und Jesus
Die Wette - die Wahrscheinlichkeit der Leere Gottes
Jacquelines Tod (Oktober 1660-Oktober 1661)
Der Kutschwagen Gottes (1662)
Pascal stirbt
DRITTER TEIL - AUFKLÄRUNG (1663-2000)
6 TOD UND AUFERSTEHUNG (1663-2000)
Aufarbeitung, Zensur und Verfälschung.
Das Ende von Port-Royal.
Aufklärung über Pascal
Geburt eines Mythos: Von Abbé Grégoire bis Victor Cousin
Rückkehr des "Herzens" angesichts der Massaker im 20. Jahrhundert
Freud, Marx und die anderen
7 EIN UNIVERSALGENIE
Das Genie der französischen Sprache
Das Genie Frankreichs - "Lust auf Universalität"
Eine französische Haltung - der Intellektuelle
Das Unbegrenzte
Verloren im Unendlichen
ANHANG
Danksagung
Bildnachweis.
Anmerkungen
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