 | Besprechung von 06.10.2003 |
Philosophie studiert man wegen des praktischen Nutzens für die
Karriere oder einfach, um die Tricks zu erlernen, seine Gegner
argumentativ fertig zu machen. Der große Schopenhauer hatte es
vorgemacht in seinem Büchlein „Eristische Dialektik oder Die Kunst,
Recht zu behalten, in 38 Kunstgriffen dargestellt”. Eine
aktualisierte Version hat jetzt Jens Soentgen vorgelegt,
liebreizend illustriert von Nadia Budde (Selbstdenken! 20 Praktiken
der Philosophie. Peter Hammer Verlag, Wuppertal 2003. 223 Seiten,
19,90 Euro). Hier findet der Leser die seriösen Erkenntnismethoden
der Philosophen erklärt wie Logik und Gedanken-
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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension
Nichts leichter als selber Denken, so die Devise dieses Buches, einer Einführung ins Philosophieren. So einfach nämlich geht es, erklärt der upj. zeichnende Rezensent: "Sage mir deinen Gedanken, und ich mache daraus einen zweiten, mit dem du nicht gerechnet hast." Demonstriert wird das in zwanzig Kapiteln, die unterschiedliche Techniken und Praktiken vorführen, die man zum Denken braucht, vom Parodieren und Kombinieren bis zur argumentativen Umkehrung, die an Frank Zappa vorgeführt wird, der einem Moderator einst die Ansicht, seine langen Haare machten ihn zum Mädchen, mit der Erwiderung vergalt, dessen Holzbein mache ihn zum Tisch. Nun ja. Dem Rezensenten jedenfalls hat's gefallen.
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Gabriele Hoffmann, Harry & Pooh 2007/2008 "Ein wahrer Philosoph muss vor allem philosophieren können. Philosophiegeschichtliche Kenntnisse sind von sekundärer Bedeutung, eigenständige Denk-Tätigkeit ist das primäre Kennzeichen von Philosophie. Diese Gedanken stammen von Kant, und der hat sie von Sokrates. Doch schon von Anfang an begleitete die Philosophie die Frage: Wie macht man das eigentlich, philosophieren? Soentgen hat dazu eine richtig gute Praxisanleitung vorgelegt, inzwischen glücklicherweise auch als preiswertes Taschenbuch. Die Leser erfahren hier Grundlegendes in verständlicher Sprache, z. B. was ""definieren"" bedeutet, ""Logik"" oder ""Ursachen"". Und der Autor erläutert das ganz konkret: Er liefert zunächst ein Alltagsbeispiel, das dann in guter philosophischer Manier auseinander genommen und in seinem Hintersinn erläutert wird. Nebenbei bekommt man dadurch dann auch mancherlei philosophische Grundpositionen mitgeliefert, und wer will, findet am Ende eines jeden Kapitels weiterführende wissenschaftliche Literatur. Die Kapitel schließen mit Anregungen zum eigenen Denken, mit Aufgaben, Rätseln und Spielen. Die Pointe des Buchs ist, dass Soentgen nicht nur vordergründig ""langweilige"" traditionelle Praktiken erläutert wie z. B. ""kombinieren"", sondern auch freche, ungewöhnliche wie ""provozieren"", ""sammeln"", ""parodieren"" oder auch ""warten"": Das Aussitzen von Problemen mag im politischen Alltag zwar problematisch sein, für das Philosophieren aber ist es notwendig, sich alle Zeit der Welt lassen zu können. Diese in unserer schnellen Welt kühn erscheinende Einsicht ist Grund genug, sich dieses Buch schnellstens anzueignen."
Jens Soentgen, geboren 1967 in Bensberg, studierte Chemie, promovierte aber in Philosophie. Lehraufträge führten ihn an verschiedene Universitäten der Bundesrepublik. Von 1999 bis 2000 war er als Gastprofessor in Brasilien tätig. Seit 2002 ist er Geschäftsführer des Wissenschaftszentrums Umwelt der Universität Augsburg.