Das Fest des Ziegenbocks - Vargas Llosa, Mario

Mario Vargas Llosa 

Das Fest des Ziegenbocks

Roman

Aus d. Span. v. Elke Wehr
Broschiertes Buch
 
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Das Fest des Ziegenbocks

Im eisigen Zentrum von Mario Vargas Llosas jüngstem Roman steht die nur allzu reale Gestalt des Generals Leónidas Trujillo, genannt "Der Ziegenbock". Doch der Blick des Schriftstellers dringt unter die historische Haut, macht uns zu Zeitgenossen, zu Mitwissern: Er zeigt die Verführung der Macht ebenso wie die seelischen Verkrüppelungen, die ein korruptes Gewaltregime bei Opfern und Tätern anrichtet. Allen gibt der Erzähler seine eindringliche Stimme. Und er schürzt den dramatischen Knoten so gekonnt, daß die Psychographie der Macht und ihrer Verheerungen wie ein Thriller zu lesen ist.

Als Urania Cabral nach langen New Yorker Exiljahren nach Santo Domingo zurückkehrt, auf die Insel, die sie nie wieder betreten wollte, findet sie ihren Vater stumm und im Rollstuhl vor. Der einstige Senatspräsident und Günstling des Diktators blickt sie auf ihre schweren Vorwürfe nur starr an, und Urania bleibt allein mit ihren Erinnerungen an die Zeit der Willkür - und an ein ungeheuerliches Geschehen. Mit ihr kehren wir zurück ins Jahr 1961, als die dominikanische Hauptstadt noch Ciudad Trujillo heißt. Dort herrscht ein Mann, der nie schwitzt, mit absoluter Macht über drei Millionen Untertanen, nackte Gewalt ausübend, wo sie ihm nutzt, Charme und intellektuelle Überlegenheit ausspielend, wo er die Gebildeten und die Oberschicht ins Kalkül zieht. Uranias Vater ist da nur eine Schachfigur im perfiden Spiel des Diktators. Während der "Große Wohltäter", der fast das ganze Land in seinen persönlichen Besitz gebracht hat, Militär, Kirche, amerikanische Botschaft im Schach zu hal ten vermeint, sind seine Attentäter längst unterwegs - ohne ihrerseits zu ahnen, dass in ihrem Rücken ein machiavellistischer Machtwechsel im Gange ist. Im eisigen Zentrum von Vargas Llosas Roman steht die nur allzu reale Gestalt des General L. Trujillo, genannt "Der Ziegenbock". Doch der Blick des Schriftstellers dringt unter die historische Haut, macht uns zu Zeitgenossen, zu Mitwissern. Den Verschwörern mit ihrer brennenden Begierde, ihren Demütiger zu beseitigen, den intelligenten Politschranzen und den Opfern gibt der Erzähler seine eindringliche Stimme. Und er schürzt den dramatischen Knoten so gekonnt, dass diese Psychographie der Macht und ihrer Verheerungen wie ein Thriller zu lesen ist.


Produktinformation

  • Verlag: Suhrkamp
  • 2007
  • 4. Aufl.
  • Ausstattung/Bilder: 538 S.
  • Seitenzahl: 540
  • Suhrkamp Taschenbücher Nr.3427
  • Best.Nr. des Verlages: 39927
  • Deutsch
  • Abmessung: 192mm x 121mm x 35mm
  • Gewicht: 490g
  • ISBN-13: 9783518399279
  • ISBN-10: 3518399276
  • Best.Nr.: 10886462
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 15.05.2000

Grausamer Ziegenbock
Mario Vargas Llosas meisterhafter neuer Diktatorenroman

MADRID, 14. Mai

Mario Vargas Llosa hat sicher schon fast alles getan, was man von einem politisch engagierten Intellektuellen aus Lateinamerika erwartet. Er kandidierte sogar für die Präsidentschaft seines Geburtslandes Peru, gewann die erste Runde und verlor die Stichwahl gegen den Autokraten Fujimori, den loszuwerden sich heute, zwölf Jahre später, die meisten auch der Peruaner bemühen, die ihn damals gewählt haben. Der Schriftsteller mit spanischem und peruanischem Pass veröffentlicht im Madrider "El País" und in zahlreichen anderen großen Zeitungen auf dem europäischen und dem amerikanischen Kontinent alle vierzehn Tage einen langen Kommentar zu den Ereignissen oder den großen Debatten der internationalen Politik. Mario Vargas Llosa ist ein Autor, der überall Gehör findet, mit seinen oft provozierenden Thesen häufig Proteste und Polemiken hervorruft, doch immer ernst genommen wird.

Im umfangreichen erzählerischen Werk von Vargas Llosa fehlte bisher noch der Diktatorenroman. Eine ganze Reihe von großen Romanen der lateinamerikanischen, …

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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Andreas Breitenstein kann diesem Roman über den Diktator Trujillo, der von 1930-1961 in der dominikanischen Republik eine Schreckensherrschaft ausübte, kaum etwas abgewinnen. Auch wenn er im Detail "Stärken" entdeckt hat, findet er den Roman insgesamt "diffus" und wenig überzeugend. Gerade die Hauptfigur - den Diktator - kritisiert der Rezensent als enttäuschend "flach". Auch verdächtigt er den Autor, aus reiner Sensationslust die vielen Vergewaltigungs- und Folterszenen beschrieben zu haben. Dabei wirke der Versuch, am Diktator eine "ernsthafte Psychoanalyse der Macht" zu exemplifizieren schlichtweg unglaubwürdig, so Breitenstein verstimmt. Auch die Verschwörer, die Trujillo nach dem Leben trachten, gewinnen für den Rezensenten nicht an Individualität und Tiefenzeichnung und bleiben für ihn seltsam "amorph". Dass sie in einer äußerst angespannten Situation des Wartens mittels "langfädigen Rückblenden" ihre jeweilige Motivation für das folgende Attentat ausbreiten, kritisiert Breitenstein als "umständliche Schürzung des Handlungsknotens", die in der speziellen Erzählsituation unwahrscheinlich wirke. Das Einzige, was seine Zustimmung erhält, ist der "atemberaubende Schlussteil", der für manche Langatmigkeit entschädige. Der sei nun endlich auch formal geglückt, so der Rezensent erleichtert.

© Perlentaucher Medien GmbH
Mario Vargas Llosa wurde am 28. März 1936 in Arequipa (Peru) geboren. Seine Kindheit verbrachte er in Bolivien, Piura (Nordperu) und Lima. Im Alter von 18 Jahren heiratete er Julia Urquidi, mit der er neun Jahre zusammenlebte. Diese Beziehung verarbeitete er später in seinem Roman Tante Julia und der Kunstschreiber . Bereits während seines Studiums der Geistes- und Rechtswissenschaften in Lima und Madrid (Promotion über Gabriel García Márquez) schrieb er für verschiedene Zeitschriften und Zeitungen und veröffentlichte erste Erzählungen. 1963 erschien sein erster Roman La ciudad y los perros (dt. Die Stadt und die Hunde ), der auf eigenen Erfahrungen in der Kadettenanstalt Leoncio Prado in Lima beruht. Der Roman wurde in Spanien mehrfach ausgezeichnet und in über 20 Sprachen übersetzt. Vargas Llosa war als Gastprofessor in Washington, Puerto Rico, London, New York und Cambridge tätig. 1989 bewarb er sich als Kandidat der oppositionellen Frente Democrático für die peruanischen Präsidentschaftswahlen und unterlag 1990 im zweiten Wahlgang. Daraufhin zog er sich aus der aktiven Politik zurück. Mario Vargas Llosa ist Ehrendoktor verschiedener amerikanischer und europäischer Universitäten und hielt Gastprofessuren unter anderem in Harvard (1992), Princeton (1993) und

Kundenbewertungen zu "Das Fest des Ziegenbocks" von "Mario Vargas Llosa"

2 Kundenbewertungen (Durchschnitt 4 von 5 Sterne bei 2 Bewertungen ***** sehr gut)
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Bewertung von csuess aus Aschaffenburg am 06.01.2011 ***** gut
Dieses Buch ist an Brutalität kaum zu überbieten. Man muss schon einiges aushalten können, um bis zum Ende dabei zu bleiben. Der Autor schildert bis ins Detail die Exzesse des brutalen Regimes an seinen Gegnern. Das ist natürlich reine Geschmackssache.

Was ich als Laie nicht beantworten kann, ist die Frage, weshalb der Autor einige Passagen in seinem Buch wiederholt (obwohl für das Verständnis nicht notwendig). Möglicherweise ist das ein bewusstes Stilmittel. Oder aber schlichte Faulheit (es noch einmal zu überarbeiten und zu straffen). Wie auch immer - insgesamt scheint das Buch zu langatmig und der Autor zu detailverliebt: Es kommen seeeehr viele verschiene Namen vor, eine Hauptperson ist schwer zu erkennen. Die verschiedenen Handlungstränge und Zeitebenen scheinen manchmal willkürlich aneinandergereiht, was die Lektüre nicht gerade erleichtert. Kein Buch für den Nachttisch - zumal bei dem Thema.

Eines scheint mir sicher: Auch wenn das Buch mit großer Sachkenntnis und sprachlich ansprechend geschrieben ist, kann Vargas Llosa alleine dafür nicht den Nobelpreis für Literatur bekommen haben.

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Bewertung von JR aus Neu-Isenburg am 27.10.2010 ***** ausgezeichnet
sehr schönes Buch, empfehlenswert !

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