Hallo! Aufwachen!! Es ist mal wieder Rollenspiel-AddOn Zeit. Ein knappes Jahr nach Sacred 2 ist nun die Erweiterung Ice and Blood der epischen Fantasyaction verfügbar und wartet auf abenteuerlustige Helden und Heldinnen. Immer ein Moment der Besinnung (Heilige Möhre, wo ist der verdammte Spielstand geblieben?) und schönster nostalgischer Erinnerungen (Mann hatte der ein Schwert, das war soooo groß und geleuchtet hat es auch, dass Blut, das spritzte ja meilenweit wenn....).
Das muss man sich mal bildhaft vorstellen: Da sitzt ein etwas übergewichtiger und bis zum Gehtnichtmehr aufgepimpter Schattenkriegerklotz in seiner feudalen Villa und betrachtet leise schaudernd seine makabre Trophäenwand. Eingerahmt von zwei riesenhaften Drachenköpfen findet sich dort ein wüstes Sammelsurium an exotischen Fellen, diversen Elfenteilen, 354 Gnomenköpfen sowie eine Sammlung reichverzierter Glasamphoren mit Dämoneninnereien und, ähm, Karamelbonbons für die kleine Sünde zwischendurch. Versonnen massiert er seine schmerzenden Füße, die nach den schier endlosen Latschereien nie wieder Tanzboden-tauglich wurden. Welche Mühsal er erdulden musste. Das nächtliche Campieren irgendwo in der Pampas, die elende Alteisen-Schlepperei, die Hektoliter fader Heiltränke, bäh! Und dennoch, er wird ein letztes Mal der Verlockung nachgeben, das Abenteuer suchen und die zwei neuentdeckten Ländereien bereisen. Mühsam stemmt er sich mit knackenden Kniegelenken hoch, greift sich den bewährten Megatöter, strafft noch einmal seine hochgewachsene Gestalt und verlässt federnden Schrittes das Haus. Zurück bleibt der Widerhall großer Taten, ein Hauch von Vergessen, Stille, die nur durchbrochen wird vom Flüstern eines verschrumpelten Gnomenkopfes, der seinem Nachbarn leise zuraunt: 'Die arme Sau...'.
Der Drache als Freund und Helfer
Beim Kauf eines AddOns stellt sich immer die Frage nach der Motivation: Was will ich und was bekomme ich für knappe 25 €? Da lockt zunächst mit der Einführung des Drachenmagiers eine neue berufliche Perspektive, ein interessanter Charakter, der vielleicht den einen oder anderen Gast von Ancaria verlockt, noch einmal bei Adam und Eva, also ganz von vorne anzufangen. Der Drachenmagier bekommt es zu Beginn seiner Karriere direkt mit ganz großem Geflügel zu tun. Ein leibhaftiger Großdrache eröffnet ihm eine strahlende Zukunft als oberster Magier des Ordens, dafür müssen nur ein paar lästige Mitbewerber beseitigt werden. Abgesehen von der charakterspezifischen Quest verläuft der Rest der Handlung natürlich genauso wie im Hauptspiel. Der reich tätowierte Stabträger ist wie alle Stoffis nicht gerade ein Freund des Nahkampfs, allerdings können hier einige Gegner eine unangenehme Überraschung erleben. Der Magier hat nämlich einen besonders guten Draht zu Drachen und besitzt die Fähigkeit des Gestaltwandelns. In kritischen Situationen verwandelt er sich in die unempfindliche und mächtig austeilende Drachenberserkerform oder die feuerspeiende fliegende Variante. Das sieht nicht nur gut aus, sondern ist auch sehr effektiv, ohne Mühe und ohne ins Schwitzen zu geraten, geht der Drachenmagier seinen Weg. Wie allen Charakteren stehen dem Drachenfreund mit der Drachenmagie, der Elementarmagie und dem Mentalisten insgesamt drei Skillbäume zur Wahl. Ein kleiner geflügelter Buffdrache ist sein ständiger Begleiter und mit seiner farbenfrohen Rüstung ist er der Liebling der Kinder und aller leicht zu beeindruckenden jungen Frauen. Die Stimmlage seines Synchronsprechers ist angenehm, seine Kommentare teils witzig, teils nervend.
Kristalle und Blut, viel Blut!
Zwei neue Gebiete, hoch im Norden und tief im Süden warten auf erfahrene Abenteurer. Die Kristallebenen, ein künstlich angelegtes Jagdgebiet der Seraphim, wird bevölkert von Yetis, Wölfen, Bären und weiterem exotischen Kroppzeug. Sehr schick sind die allerorts sprießenden Kristallformationen, das spiegelt und gleißt ganz ordentlich. Zerlegen kann und muss man die Schmuckstücke auch und ganz wundersam steigen sie dann in Splittern gen Himmel. Sonst ist das Leben hier eher langweilig, viele Sammelquests und keine zündende Hauptmission. Der Weg ist das Ziel und irgendwann wartet der Endboss.
Wesentlich atmosphärischer geht es da im verfluchten Blutwald zu. Das Ambiente ist düster, Blutflüsse, halb lebendige Vegetation, Zombiesiedlungen, fliegende Augen und die Geschichte um einen endlose Jahrhunderte währenden Krieg der Untoten lassen Stimmung aufkommen. Selbst die Texte der Questgeber sind durch die Bank witziger und pointierter. Beide Gebiete sind von überschaubarer Größe und in etwa 15 Stunden durchzuspielen.
Karamelbonbons für Helden
Zudem haben einige weitere, zumeist spielerleichternde und der Bequemlichkeit dienende Neuerungen Einzug in Ancaria gehalten. Ein kleiner Kistenträgerdämon erscheint jederzeit auf Knopfdruck und entspannt das ewige Inventarproblem ganz erheblich, denn weiterhin regnet es Unmengen an nützlichen, auch brandneuen Ausrüstungen, sowie schrottigen Teilen auf den Spieler hernieder. Lange Laufwege können jetzt mittels Mausclick auf den letzten erreichten Seelenstein oder Portal auf der Weltkarte vermieden werden, das wurde aber auch höchste Zeit. Zauberbegabte können nun mit ihren Stäben magische Geschosse abschießen und ein paar neue exotische Reittiere (Flammenpferd!) sind bei gut sortierten Händlern käuflich zu erwerben. Bei der Charaktererschaffung kann neu erstellten Charakteren und ihren Kistenträgern eine individuelle Hautfarbe per Schieberegler verpasst werden und als weitere Option steht mit 'Meisterhand' eine Konzentration auf einen der jeweiligen Kampfaspekte zur Wahl.
Den Stärken und Schwächen des Hauptspiel gegenüber hat sich beim AddOn wenig verändert. Nach wie vor ist Ancaria eine sehr sehenswerte und stimmige Rollenspielwelt, die aber letztlich mangels eines spannenden Plots zu wenig aus der Klassevorlage herausholt. So bleiben lediglich eine ausufernde Monsterhatz, viel Ausrüstungsmanagement und beeindruckende Schauwerte - immerhin.
Als nette Beilage finden wir in der Box eine aktualisierte Karte Ancarias und den zweiten Teil des Schattenkrieger-Hörspiels.
Fazit: Ein AddOn für Fans und Freunde des Hauptspiels. Mehr vom Gleichen, zwei neue Gebiete und ein neuer Charakter bieten was man erwarten durfte. Eine bleibende Erinnerung wird Ice & Blood aber nicht hinterlassen.
Wertung: 79 von 100 Punkten
(Michael Mombeck/GameCaptain.de)
Quelle/Copyright: Captain-Fantastic-Besprechung
Videoclip zu "Sacred 2 – Ice & Blood Add-On (Download für Windows)"
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