In jener Nacht, in der das Auto über die Schweizer Grenze rast, ist
der Schlagbaum auf deutscher Seite nicht geschlossen: Die
Entführung des Journalisten Friedrich Benjamin geschieht im Auftrag
deutscher Behörden. Sie ist Teil einer Kampagne der
Nationalsozialisten gegen die Emigrantenpresse. Ein Tauziehen
beginnt zwischen der NS-Parteizentrale und den in Paris lebenden
Exilanten um das Leben des Mannes Benjamin, um die Existenz der
Zeitung "Pariser Nachrichten". Private Interessen mischen
sich mit politischen, das Engagement für oder gegen Benjamin, für
oder gegen die Redaktion bleibt nicht ohne Wirkung auf
Lebensschicksale der Emigranten und ihrer nationalsozialistischen
Gegenspieler. - Feuchtwanger schrieb diesen Roman aus genauer
Kenntnis der zerklüfteten deutschen Emigration, dieses
"erbärmlichen Flohzirkus", der viele zerrieb, klein und
elend machte, wenige härtete und einigen Weite gab.
Lion Feuchtwanger wurde 1884 in München geboren. Nach vielseitigen Studien gab er die Kulturzeitschrift "Der Spiegel" heraus, schrieb Theaterkritiken und arbeitete an Siegfried Jacobsohns "Schaubühne" mit. Bei Ausbruch des ersten Weltkrieges wurde Feuchtwanger in Tunis interniert, konnte jedoch fliehen. In München vom Wehrdienst suspendiert, nahm er die Übersetzung und Bearbeitung indischer, griechischer und spanischer Dramen wieder auf, zudem entstanden eigene Stücke und Antikriegsdichtung. 1925 siedelte er nach Berlin über. Als die Nazis die Macht übernahmen, befand er sich auf einer Vortragsreise in den USA. Seine Bücher wurden verboten, Haus und Vermögen konfisziert. Sanary-sur-mer, Feuchtwangers neuer Lebensort, war zeitweilig ein Zentrum deutscher Emigranten. 1940 internierten ihn die Franzosen. Ab 1941 lebte er in Kalifornien, wo weitere große historische Romane, Erzählungen, Stücke und Essays entstanden. Feuchtwanger starb 1958 in Pacific Palisades.