Jan sagte: "Das ist ein Abschiedszeichen, wir werden uns nicht
mehr sehen." Er drückte mich noch wie immer an sein Herz, und
der letzte Kuss in unserem Leben beendete unser Zusammensein. Maria
und Jan verlieben sich zur falschen Zeit: Es ist mitten im Krieg,
und Jan ist ein polnischer Zwangsarbeiter. Karoline, deren Bruder
Nationalsozialist ist, heiratet den Juden Gustl Kohn und wird von
ihrer Familie verstoßen. Gertrud erwartet ein Kind von dem
amerikanischen Soldaten Bill, der eines Tages für immer geht. Sechs
Frauen erzählen von der Liebe in ihrem Leben. Von verbotener,
unmöglicher, unglücklicher, aber auch erfüllter Liebe. Von Liebe
vor dem Hintergrund von Nationalsozialismus, Krieg und
Nachkriegszeit. Eindringlich und unsentimental berichten diese
Frauen darüber, wie sehr ihre persönlichen Vorstellungen von Liebe,
Ehe und Partnerschaft durch Politik und äußere Umstände beeinflusst
wurden.
Manche fanden die eine große Liebe, andere nur bedingt; einige
Geschichten enden unglücklich. In der Zeit von Nationalsozialismus
und Krieg blieb es vielen verwehrt, die eigenen Vorstellungen von
Partnerschaft, Ehe und Familie zu verwirklichen. Langjährige
Trennungen oder Abschiede für immer gehörten zum Alltag.
Der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich im Jahr 1938 machte
aus den Liebesbeziehungen zweier Autorinnen unerwünschte
Verbindungen. Zwei weitere Frauen verliebten sich in Angehörige
feindlicher Nationen. Erst in den 1950er Jahren wurde es möglich,
Liebe und Partnerschaft annähernd so zu erleben, wie es vom
bürgerlichen Liebes- und Familienideal schon lange versprochen
wurde.
Von der Liebe erzählen
Karoline Kohn
Ilse Winter
Gertrud Kantor
Maria Zach
Mathilde Faschingleitner
Maria Elisabeth Windisch