Und ich schüttelte einen Liebling - Mayröcker, Friederike

Und ich schüttelte einen Liebling

Friederike Mayröcker 

Broschiertes Buch
 
versandkostenfrei
innerhalb Deutschlands
26 ebmiles sammeln
EUR 8,50
Sofort lieferbar
Alle Preise inkl. MwSt.
Bewerten EmpfehlenMerken ErinnernAuf Lieblingsliste


Andere Kunden interessierten sich auch für

Und ich schüttelte einen Liebling

Friederike Mayröcker hat nach dem Tod ihres Schreib- und Lebensgefährten Ernst Jandl Erinnerungen und Träume, Gespräche und Zitate, Eindrücke und Beobachtungen auf Notizzetteln gesammelt, hat ihren Text geschüttelt und den fruchtbaren Augenblick abgepaßt, da Schreiben und Ernten in eins und die Wörter und Sätze wie reife Früchte zu Papier fallen. Entstanden ist eine poetische "Ausschweifung des Gedächtnisses", die noch die armseligsten und vergänglichsten Dinge in "Magie Partikelchen" verwandelt und sie so bewahrt: "herzhermetisch" geborgen im Innern der Sprache. Und ich schüttelte einen Liebling ist ein bewegendes Buch über die Kraft der Trauer, der Liebe und der Dichtung: Abschied und Wiederkunft in einem.


Produktinformation

  • Verlag: Suhrkamp
  • 2006
  • 2. Auflage.
  • Ausstattung/Bilder: 2006. 237 S. 177 mm
  • Seitenzahl: 237
  • Suhrkamp Taschenbücher Nr.3822
  • Best.Nr. des Verlages: 45822
  • Deutsch
  • Abmessung: 175mm x 111mm x 15mm
  • Gewicht: 148g
  • ISBN-13: 9783518458228
  • ISBN-10: 3518458221
  • Best.Nr.: 20841008
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 04.09.2005

Machen Sie öfters mal boingg-boingg
Etwas an Glück: Fünf Jahre nach dem Tod ihres Lebensgefährten Ernst Jandl veröffentlicht Friederike Mayröcker ihre Erinnerungen an ihn

Jetzt hat sie es endlich geschrieben und fertig geschrieben. Wie oft wurde sie danach gefragt, wann sie denn schreiben werde über ihren Lebensmenschen, über ihren Dichterfreund, über Ernst Jandl, der im Sommer 2000 gestorben ist. Und sie hat immer gesagt: ja, ja und vielleicht und sicher bald und hat zunächst ein Requiem für ihn geschrieben und einige Gedichte und wahrscheinlich hundert Blätter voller Erinnerung und Schmerz und Abschiedsworte.

So kennt man sie ja immer von den Bildern, eine große schwarze Frisur, vergraben zwischen Manuskriptbergen, die, einer wundersamen Tektonik folgend, nie einzustürzen scheinen. Es gibt, so scheint es manchmal, mehr Fotos von den Manuskripten Friederike Mayröckers als von ihr selbst. Und dann natürlich die Fotos zusammen mit ihm. Mit Ernst Jandl. Die beiden waren das schönste deutschsprachige Dichterpaar der Nachkriegsliteratur, ein Lebensliebespaar, wie es nicht viele gibt. Ihr ganzer Lebenslauf verlief so eigentümlich …

Weiter lesen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 04.10.2005

Das Schreiben ist nur möglich, wenn ich diese Fittiche habe
Friederike Mayröckers Abschiedsbuch für den toten Gefährten Ernst Jandl: „Und ich schüttelte einen Liebling”
Eine flatterhafte Nervosität präludiert dieses Abschiedsbuch einer großen Liebe. Und sofort ist alles da: die rasende Angst vor dem Abgrund, aber auch die selige Leichtfertigkeit, die über ihn hinweg hilft, sobald man weiß, dass es von nun an nichts mehr zu verlieren gibt. „Und ich schüttelte einen Liebling”, dieser Trauergesang über den Verlust des nächsten Menschen, ist zugleich eine sehr diskrete, aber doch kenntliche Feier der eigenen Vitalität. „Er fehlt mir so bitterlich”, dieser Satz, der erst spät fällt, ist das gesamte Buch über wahr und spürbar. Aber auch die unterschwellige Verblüffung, selbst noch am Leben zu sein: „das Alleinsein ist eine kuriose Sache, nicht wahr, eine Mischung aus Angst und Stolz”.
Ernst Jandl, so erfuhr Friederike Mayröcker nach seinem Tod, hat schon zu Lebzeiten die Freunde gebeten, ihr beizustehen, wenn es einmal so weit sein sollte. Diese Fürsorge berührt. Sie besondert diese ungewöhnliche Dichterliebe, und ist doch zugleich …

Weiter lesen

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

" Über weite Strecken mit Genuß ist Rezensent Harald Hartung den seismografischen Ausschlägen dieser "Prosafantasie" über die Beziehung Friederike Mayröckers zu Erich Jandl gefolgt. Allerdings warnt er sehr dezidiert davor, außerhalb des Textes nach den darin verhandelten Figuren zu suchen, etwa um biografische Neugier zu stillen. Schon der Buchtitel schließlich lasse offen, was für ein Liebling hier eigentlich geschüttelt werde. Zwar erscheint Mayröckers "Lebensmensch" Hartung zufolge im Buch unter dem Kürzel EJ, doch werde er "im Flor der Sprache zugleich evoziert wie verborgen". Wie der tote Geliebte der Autorin erscheine Jandls Gestalt in einer Schattenwelt, lebe ausschließlich vom "Sprachblut, das ihm gespendet" wird, wie Hartung mit der vampiristischen Befriedigung des Lyrikers feststellen kann. Nicht anders verfahre die Autorin auch mit den anderen Figuren aus dem gemeinsamen Leben, die Hartung wie auf- und abtauchende Schemen behandelt sieht. Hier hat das Werk aus seiner Sicht auch Schwächen, weil Friederike Mayröcker das große Bild verliere, "um winzige Epiphanien zu erleben".

© Perlentaucher Medien GmbH"

Machen Sie öfters mal boingg-boingg
Etwas an Glück: Fünf Jahre nach dem Tod ihres Lebensgefährten Ernst Jandl veröffentlicht Friederike Mayröcker ihre Erinnerungen an ihn

Jetzt hat sie es endlich geschrieben und fertig geschrieben. Wie oft wurde sie danach gefragt, wann sie denn schreiben werde über ihren Lebensmenschen, über ihren Dichterfreund, über Ernst Jandl, der im Sommer 2000 gestorben ist. Und sie hat immer gesagt: ja, ja und vielleicht und sicher bald und hat zunächst ein Requiem für ihn geschrieben und einige Gedichte und wahrscheinlich hundert Blätter voller Erinnerung und Schmerz und Abschiedsworte.

So kennt man sie ja immer von den Bildern, eine große schwarze Frisur, vergraben zwischen Manuskriptbergen, die, einer wundersamen Tektonik folgend, nie einzustürzen scheinen. Es gibt, so scheint es manchmal, mehr Fotos von den Manuskripten Friederike Mayröckers als von ihr selbst. Und dann natürlich die Fotos zusammen mit ihm. Mit Ernst Jandl. Die beiden waren das schönste deutschsprachige Dichterpaar der Nachkriegsliteratur, ein Lebensliebespaar, wie es nicht viele gibt. Ihr ganzer Lebenslauf verlief so eigentümlich parallel.

Das schönste Paar

Beide wurden sie in Wien geboren, sie im Dezember 1924, er acht Monate später. Beide arbeiten nach dem Krieg als Lehrer. Zunächst aus Idealismus, dann aus Pflichtgefühl. Beide veröffentlichen 1956 ihr erstes Buch, das bei beiden eher unbeachtet bleibt. So schweigen beide zehn Jahre lang, und dann erscheinen ihre Bücher, die sie berühmt machen. "Tod durch Musen" heißt das von Mayröcker, "Laut und Luise" Jandls Buch. Da kannten sie sich schon zwei Jahre. Jandl erinnerte sich: "Es war ein Glück, daß ich mit der Dichterin Friederike Mayröcker zusammentraf, die schon damals einen guten Namen besaß, und ich schrieb an ihrer Seite viele Gedichte. Wir sind bis heute eng verbunden, aber wir leben nicht mitsammen, denn ich verstand es nicht, etwas an Glück dauerhaft zu machen."

Kurze Zeit nur haben sie eine Wohnung geteilt. Schnell haben sie das wieder aufgegeben. Lebten schön getrennt mitsammen, nicht weit weg voneinander, in Wien, beinahe fünfzig Jahre lang, haben sich besucht, fast jeden Tag, sich immer wieder Gedichte geschrieben und gewidmet. Mayröcker zum Beispiel dieses besonders schöne: "Lassen Sie die Wörter aufjaulen / Machen Sie öfters mal boingg-boingg! / Vergessen Sie die ganze Sprache. / Legen Sie Silben aufs Eis! Wärmen Sie sich an den Deklinationen die Füsze! / Stören Sie die Sprache ein wenig mehr! / Drücken Sie sie gegen die Wand bis sie schreit."

Ein Stück Wiese

Was für ein schönes weltfreundliches, welterfreuendes, wunderbares Paar. Scheinbar ohne Konkurrenz und Neid miteinander, nebeneinander dichtend, ein Leben lang. Voller Bewunderung für den anderen. Jandls Gedichte sind immer viel populärer, volksnäher, erfolgreicher gewesen als die oft schwierige Wortkunst Mayröckers. Er hat das nie als Leistung bewertet. Im Gegenteil: "F. M. schreibt große Literatur, und ich erhalte den deutschen Kleinkunstpreis", hat er gesagt. Und nein, das war keine Ironie. Seine Bewunderung für seine ferne, nahe Lebenspartnerin war grenzenlos. Auch über den Tod hinaus sollte die Liebe gehen: "Begraben möchten wir gemeinsam werden", hat er einmal gedichtet, "und zwar noch lange nicht, und auch nicht unbedingt gleichzeitig."

Jetzt ist er mehr als fünf Jahre schon tot. Und Friederike Mayröcker lebt und hat ihm dieses Buch geschrieben: "Und ich schüttelte einen Liebling". Ein Liebesbuch, ein Abschiedsbuch, das Traumbuch einer Liebe, die besteht, über den Tod hinaus. So fängt es an: "meine Nerven waren sehr aufgeregt, und Gertrude Stein sagt, in dem Gesicht stand, dasz er, wenn er ein Stück Wiese angeschaut hatte, es immer ein Stück Wiese für ihn gewesen wäre, aber dann habe er die getroffen, die er liebte, und wenn er dann auf ein Stück Wiese geschaut hätte, seien auf dem Stück Wiese Vögel und Schmetterlinge gewesen, die vorher nicht da waren, das also ist Liebe."

Und in dem Buch geht es nun also darum, diese Liebe festzuhalten, die Erinnerung an "EJ", wie sie ihn nennt, oder "Ely", die Erinnerung daran, wie alles begann mit diesem Leben zu zweit. Und es geht darum, das Leben festzuhalten, ihr Leben, weiterzuleben, ohne ihn. Ein Leben, das so eng verbunden war mit einem anderen, daß nun die eigene Identität verloren scheint und zweifelhaft, das eigene Leben wertlos scheint, das eigene Dichten nun - für wen? "Und ich in Tränen ausbrach, denn ich mache alles ihm zuliebe, Ely zuliebe, EJ zuliebe, finde mich nicht mehr zurecht in der Welt, und alles belastet mich, und habe mich immer belastet gefühlt von allen möglichen Verpflichtungen, Vorstellungen, Befürchtungen, Selbstschuldzuweisungen und fühle mich verfolgt von krassen Augenblicksbildern und war von Vogelsachen zerfetzt und sinke nieder und wische mir das Blut aus den Haaren, oh es ist schrecklich, kaum wage ich diesen Schritt auf die Straße: eine Seelenkrankheit, frage ich mich, habe ich eine Seelenkrankheit?"

Und ist doch nur die Erinnerung. Der Schmerz, die Leere. Ein Leben allein.

Das Leben nach ihm

Er beschützt sie nicht mehr. So wie er ihr damals im Kino, wenn die gefährlichen Stellen kamen, die Hände vor die Augen gelegt hat, oder er nahm ihre Hand und sagte: "Jetzt schau nicht hin und als es vorüber war, sagte er jetzt kannst du die Augen wieder aufmachen." Und so war es auch mit seinem Tod, und er wollte sie vor diesem letzten großen Schrecken schützen und konnte es nicht, und so war es, als sie ihn sah, "EJ ein, zwei Jahre vor seinem Tod sich an Freunde wenden, in meiner Abwesenheit, und sagen, ihr müszt ihr beistehen, dann, wenn es soweit ist, weil er darüber mit mir nicht zu sprechen wagte, und sogleich, ich, wenn die Rede darauf kam, zu weinen begann weil ich nicht wollte, dasz er stürbe."

Es ist ein Buch, in dem es um alles geht. Und vor allem darum, am Leben zu bleiben. Schnell nach dem Tod ihres Gefährten ist Friederike Mayröcker klar, daß sie nicht weiterleben möchte ohne ihn, daß sie "Schlusz machen würde" ohne ihn, und es ist nur das Schreiben, das sie am Leben hält, und es ist das Schreiben an diesem letzten Buch, von dem sie sagt, "dasz ich mich tragen lasse von meiner Sprache und da waren wieder die hohen Fittiche nämlich als sei ich ausgestattet mit Schwingen". Und was wird sein, wenn dieses Buch zu Ende ist, wenn die Schwingen nicht mehr tragen, wenn dieser letzte Lebenszweck verfliegt? "Ich wollte in alle Ewigkeit weiterschreiben, denn wenn ich jetzt aufhörte, was sollte ich dann Neues schreiben, ich konnte nichts Neues schreiben, ich konnte es nicht wagen, etwas Neues zu beginnen, nicht wahr."

Und irgendwann ist es doch zu Ende, dieses Buch einer Liebe. Einer Lebensliebe. Der großen Liebe der deutschsprachigen Literatur. Jetzt muß es weitergehen, das Leben. "Das Atemwäldchen tropfte und taute grünes Blut, wir saszen da und hielten uns an der Hand heute morgen hörte ich zwei Gedichte von Reiner Kunze, verzweifelt, die sich verzweigen in meiner Brust, vorher und nachher geweint weil die Welt so verlassen, Sonntag früh, kahler Morgen -"

VOLKER WEIDERMANN

Friederike Mayröcker: "Und ich schüttelte einen Liebling". Suhrkamp-Verlag 2005. 238 Seiten, 19,80 Euro.

Über Ernst Jandl ist soeben im Zsolnay-Verlag in der Reihe Profile das Buch "Ernst Jandl - Musik Rhythmus Radikale Dichtung", herausgegeben von Bernhard Fetz, erschienen. 255 Seiten, 17,90 Euro.

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
Friederike Mayröcker, Jahrgang 1924, ist eine besessene Vielschreiberin und Sprach-Experimentiererin, die mit den Methoden der freien Assoziation und der surrealistischen Collage arbeitet und deren dichterisches Werk über 80 Bände umfasst. 2009 wurde sie mit dem Hermann-Lenz-Preis geehrt, im Jahr 2010 wird ihr der Horst-Bienek-Preis für Lyrik der Bayerischen Akademie der Schönen Künste verliehen.

8 Marktplatz-Angebote für "Und ich schüttelte einen Liebling" ab EUR 3,99

Zustand Preis Porto Zahlung Verkäufer Rating
leichte Gebrauchsspuren 3,99 2,50 offene Rechnung (Vorkasse vorbehalten), Banküberweisung ARVELLE Buch- und Medienversand e.K. 99,0% ansehen
leichte Gebrauchsspuren 4,25 0,00 offene Rechnung (Vorkasse vorbehalten), PayPal, Banküberweisung Versandbuchhandlung Kisch & Co. 99,7% ansehen
leichte Gebrauchsspuren 5,00 0,00 offene Rechnung (Vorkasse vorbehalten), PayPal, Banküberweisung Che & Chandler Versandbuchhandlung u. An 99,5% ansehen
gebraucht; gut 5,00 0,90 offene Rechnung (Vorkasse vorbehalten), Selbstabholung und Barzahlung Antiquariat Hinterladen 100,0% ansehen
wie neu 5,75 1,25 Banküberweisung mdericks 100,0% ansehen
gebraucht; gut 6,00 2,70 offene Rechnung, offene Rechnung (Vorkasse vorbehalten) Antiquariat Schwörer 99,4% ansehen
leichte Gebrauchsspuren 6,35 1,20 Banküberweisung, PayPal, Selbstabholung und Barzahlung buchmarie.de 99,7% ansehen
Wie neu 8,30 1,60 Selbstabholung und Barzahlung, Banküberweisung Hausmanns Büchershop 98,6% ansehen