Nationale Strafverfolgung völkerrechtlicher Verbrechen; National Prosecution of International Crimes
Das unter der Leitung von Albin Eser, Ulrich Sieber und Helmut
Kreicker durchgeführte Forschungsprojekt "Nationale
Strafverfolgung völkerrechtlicher Verbrechen - National Prosecution
of International Crimes" geht vor dem Hintergrund der
komplementären Zuständigkeit des Internationalen Strafgerichtshofs
der Frage nach, in welchem Umfang und in welcher Weise verschiedene
Staaten eine Ahndung von Völkerstraftaten durch eigene nationale
Gerichte ermöglichen. In Form von Landesberichten werden die
Strafrechtsordnungen von über 30 Staaten aus allen Kontinenten
analysiert.
Der vorliegende dritte Band enthält die Landesberichte zu Kroatien
von Petar Novoselec, zu Österreich von Ingeborg Zerbes, zu
Slowenien von Damjan Korosec sowie zu Serbien und Montenegro von
Milan Skulic. Diese Studien von Strafrechtsexperten aus den
einzelnen Ländern zeigen, wie vielgestaltig die nationalen
Regelungen sind: In Österreich werden allein Völkermordtaten durch
einen Spezialtatbestand erfasst, in den aus dem Zerfall der
Sozialistischen Bundesrepublik Jugoslawien hervorgegangenen Staaten
Kroatien, Slowenien sowie Serbien und Montenegro sind darüber
hinaus auch Kriegsverbrechen durch besondere Tatbestände unter
Strafe gestellt. Verbrechen gegen die Menschlichkeit dagegen können
in allen Ländern nur unter Rückgriff auf das allgemeine Strafrecht
geahndet werden. Die detaillierte und facettenreiche Darstellung
der Möglichkeiten und Grenzen einer nationalen Strafverfolgung
völkerrechtlicher Verbrechen macht die Beiträge nicht nur für
Strafrechtswissenschaftler und Völkerrechtler interessant, sondern
auch für die Internationalen Strafgerichtshöfe, für staatliche
Strafverfolgungsorgane und für Menschenrechtsorganisationen.
Deutschsprachige Übersetzungen der einschlägigen Spezialtatbestände
runden die Darstellung ab.
Schriftenreihe des Max-Planck-Instituts für ausländisches und internationales Strafrecht. Reihe S: S Bd
Deutsch
Abmessung: 233mm x 157mm x 30mm
Gewicht: 550g
ISBN-13: 9783428117741
ISBN-10: 3428117743
Best.Nr.: 13651596
"[Die umfassende Ahndung völkerrechtlicher Verbrechen auf nationaler und internationaler Ebene ist eine der großen strafrechtlichen Herausforderung unserer Zeit. Die beiden vorliegenden Bände [s. a. MPIS 95/5.]enthalten eine Fülle wertvoller Informationen über die Ausgestaltung und Umsetzung des Völkerstrafrechts in den ausgewählten Nationalstaaten. Aufgezeigt werden die Stärken und Defizite der unterschiedlichen Konzepte. Alle Länderberichte folgen demselben Gliederungsschema und sind daher optimal miteinander vergleichbar. Sie bilden damit eine ausgezeichnete Grundlage für einen umfassenden Rechtsvergleich. Insgesamt können die einzelnen Berichte einen wertvollen Beitrag zur weiteren Entwicklung des nationalen Völkerstrafrechts leisten. Aber auch aus internationaler Sicht kommt dem Forschungsprojekt erhebliche Bedeutung zu. Im Jahr 2009 wird eine Überprüfungskonferenz über Änderungen des Rom-Statuts beraten. Mögliche Themen werden die weitere Angleichung der Strafbarkeit von Kriegsverbrechen im nationalen und internationalen Konflikt, der Tatbestand der Aggression und die Ausdehnung der sachlichen Zuständigkeit des IStGH auf terroristische Akte sein. Die vorliegende Darstellung des nationalen Völkerstrafrechts liefert hierfür eine hervorragende Diskussionsgrundlage und wird wertvolle Dienste bei Ermittlung des Völkergewohnheitsrechts leisten. [ ]Fazit [...]: zwei äußerst informative Bände einer beeindruckenden Forschungsprojekts, die eine Bereicherung nicht nur für jeden völkerstrafrechtlich Interessierten, sondern auch für die nationale und internationale Rechtsentwicklung darstellen." (Stefanie Bock, in: ZIS Zeitschrift für internationale Strafrechtsdogmatik, 1/2007)
Professor Dr. Ulrich Sieber ist Inhaber des Lehrstuhls für Strafrecht, Strafprozessrecht, Informationsrecht und Rechtsinformatik an der Universität Würzburg. Er arbeitet seit über 20 Jahren schwerpunktmäßig auf dem Gebiet des Computerrechts, war persönlicher Sonderberater von zwei EG-Kommissaren und unterstützte zahlreiche deutsche und ausländische Regulierungsstellen, internationale Organisationen und Firmen.
Inhaltsangabe
Aus dem Inhalt: U. Sieber, Geleitwort A. Eser / U. Sieber / H. Kreicker, Vorwort A. Eser / H. Kreicker, Einführung in das Projekt. Fragenkatalog und Gliederungsschema. Grundlagen der Strafverfolgung völkerrechtlicher Verbrechen: P. Novoselec, Kroatien - I. Zerbes, Österreich - M. Skulic, Serbien und Montenegro - D. Korosec, Slowenien
Anhang: Auszug aus dem Römischen Statut des Internationalen Strafgerichtshofs