Gut gegen Nordwind - Glattauer, Daniel

Daniel Glattauer 

Gut gegen Nordwind

Roman

Broschiertes Buch
 
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Produktbeschreibung zu Gut gegen Nordwind

Gibt es in einer vom Alltag besetzten Wirklichkeit einen besseren Raum für gelebte Sehnsüchte als den virtuellen?
Bei Leo Leike landen irrtümlich E-Mails einer ihm unbekannten Emmi Rothner. Aus Höflichkeit antwortet er ihr. Und weil sich Emmi angezogen fühlt, schreibt sie zurück.
Ein reger Austausch entsteht, schnell spielen Gefühle mit. Vor einem Treffen aber schrecken beide zurück. Denn Emmi ist verheiratet und Leo laboriert noch an einer gescheiterten Beziehung. Und überhaupt: Werden die elektronisch überbrachten Liebesgefühle einer Begegnung standhalten? Und wenn ja: Lohnt es sich, alles auf eine Karte zu setzen - für eine Liebe, die aus nichts als einem Zufall entstanden ist?

"Eine schnelle, witzige Version des Briefromans im Zeitalter des Powerbooks, die all jenen das Gegenteil beweist, die das kulturpessimistische Vorurteil nachplappern, E-Mails hätten keine Tiefe." -- Silja Ukena, KulturSpiegel

"Virtuos komponiert. Ein gelungener unterhaltsamer Liebesroman." -- Katharina Mahrenholz, NDR Info

"Das ist Kommunikationskunst auf höchstem Niveau. Man liest und liest und liest. Man liest seiner Umgebung seitenweise vor aus diesem Musterbeispiel modernen Fernbalzens." -- Elmar Krekeler, Die Literarische Welt

Produktinformation


  • Verlag: (Goldmann)
  • 2008
  • Ausstattung/Bilder: 2008. 222 S.
  • Seitenzahl: 224
  • Goldmann Taschenbücher Bd.46586
  • Deutsch
  • Abmessung: 188mm x 120mm x 20mm
  • Gewicht: 186g
  • ISBN-13: 9783442465866
  • ISBN-10: 3442465869
  • Best.Nr.: 23327216
"... einer der zauberhaftesten Liebesdialoge der Gegenwartsliteratur ..." Volker Hage, Der Spiegel

"Das ist Kommunikationskunst auf höchstem Niveau. Man liest und liest und liest. Man liest seiner Umgebung seitenweise vor aus diesem Musterbeispiel modernen Fernbalzens." Elmar Krekeler, Die Literarische Welt

"Eine schnelle, witzige Version des Briefromans im Zeitalter des Powerbooks, die all jenen das Gegenteil beweist, die das kulturpessimistische Vorurteil nachplappern, E-Mails hätten keine Tiefe." Silja Ukena, KulturSpiegel

"Virtuos komponiert. Ein gelungener unterhaltsamer Liebesroman." Katharina Mahrenholz, NDR Info

"Das Dilemma der beiden Verliebten fesselt bis zum Schluss." HR-online

"Es klingt ja abgedroschen, wenn ich sage: "Dieses Buch konnte ich nicht aus der Hand legen", aber es war wirklich so. Ich habe es abends aufgeschlagen, um nur mal reinzulesen. Ich war müde, ich wollte schlafen, aber es ging nicht - ich konnte es tatsächlich nicht aus der Hand legen, egal wie doof das klingt, ich musste weiterlesen. Und ehrlich: Meine Hand hat sogar gezittert, als ich die letzte Seite umgeblättert habe. Bisschen peinlich, aber was soll's - so spannend ist dieses Buch. Ich will natürlich nichts über das Ende verraten, aber ich habe noch tagelang drüber nachgedacht." WDR 2

"Das ist Kommunikationskunst auf höchstem Niveau. Man liest und liest und liest. Man liest seiner Umgebung seitenweise vor aus diesem Musterbeispiel modernen Fernbalzens."

kulturnews - RezensionBesprechung
Bereitgestellt von kulturnews.de
(c) bunkverlag
Schon mal Angst gehabt, dass sich in eine sehr private E-Mail ein klitzekleiner Fehler einschleicht - und plötzlich ein völlig Fremder die Nachricht bekommt? Emmi Rothner passiert das genaue Gegenteil. Eigentlich will sie nur ein Zeitschriftenabo kündigen. Doch durch einen Tippfehler landet die E-Mail bei Leo Leike, und zwischen den beiden entflammt ein zunächst zaghafter, mit der Zeit immer leidenschaftlicher Onlineflirt. Daniel Glattauer erfasst mit "Gut gegen Nordwind" den besonderen Zauber, den der Briefwechsel mit einer fremden Person auslösen kann, die reizvolle Mischung aus totaler Distanz und unverbindlicher Intimität. Andrea Sawatzki und Christian Berkel verleihen dem Roman, der ausschließlich aus den hin- und hergeschickten E-Mails besteht, mit ihrer Lesung zusätzliche Intensität - sie betonen mal fordernd, mal zurückhaltend, mal aufreizend, mal besorgt. So trägt das Schauspielerpaar dazu bei, dass die Geschichte, obwohl sie eine arg romantische ist, nie in den Kitsch abrutscht. (jul)

Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Ganz hübsch, aber ohne großen literarischen Mehrwert ist dieser Roman aus Sicht von Rezensentin Marion Löhndorf. Daniel Glattauer erzählt darin die Geschichte zweier Menschen, die sich per Email näher kommen. Das hat für Löhndorf insgesamt einen gewissen Unterhaltungswert, weil er sie an den Hollywoodfilm "Email für Dich" mit Tom Hanks und Meg Ryan erinnert. Doch so effektsicher und manipulativ Glattauer die Rezensentin auch durch die Geschichte zu steuern versteht, ganz glücklich wird sie nicht damit. Zu sehr gleicht die Intention des Autors aus ihrer Sicht der seiner Figuren, nämlich bei jeder schriftlichen Auslassung auf den Erfolg beim Empfänger zu schielen. Insgesamt sind ihr dann die Seelenanalysen zu oberflächlich, die Figuren zu plakativ geraten.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 07.11.2006

Ach, wenn Ihr Kabel nicht wär'
Oberflächenpolitur: David Glattauer flirtet per E-Mail

Hegel hielt die beim Publikum zu seinem Ärger kolossal beliebte Kunstgattung des Romans für Kunst nach dem Ende der Kunst - für den Gipfel der Bedeutungslosigkeit also. Auf diese Palme hatte ihn die prosaische Hanswurstigkeit moderner Erzählkunst gebracht. Ausgewalzt werde hier das pubertäre Aufbegehren gegen die Welt, mit dem einzigen Ziel, zuletzt doch ein Plätzchen am Ofen zu finden. In den "Ästhetik"-Vorlesungen reüssiert der Roman als trauriges Mittelding: nicht mehr die ganze Welt umspannender Ausdruck des absoluten Geistes im episch-antiken Sinne und noch keine philosophische Reflexion, sondern lediglich der Zweikampf des Individuums mit den Verhältnissen. Doch sollte die große Zeit der Mitteldinger, vulgo Medien, erst anbrechen. Sie wuchern geradezu zwischen klinischem und faktischem Tod der Kunst, schieben das Ende unendlich auf, verlängern die Wurst ad infinitum.

Literaturgeschichtlich war Hegels Ausbruch indes barer Unsinn, betraf sein Verdikt doch ausgerechnet Goethes hochkomplexen "Wilhelm Meister". Weit privater ging es allerdings im …

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"Eine minimalistische, quicklebendige Liebesgeschichte. Die Frühromantiker hätten an diesem Liebesballett ihre Freude gehabt, zweifach: Erstens durchleben die beiden alle Farben und Töne der guten alten romantischen Sehnsucht, die aufblüht, indem sie sich aufzehrt. Und zweitens tun sie es mit genau dem Witz, der den Romantikern so wichtig war ... Man greift sich ans Herz, wünscht den beiden alles Gute und träfe sie gerne einmal wieder." Andreas Isenschmid, Neue Zürcher Zeitung, 17.12.06 "Ein fabelhaft romantischer und witziger Roman." Thomas Stillbauer, Frankfurter Rundschau, 04.07.07
Daniel Glattauer, geb. 1960 in Wien, ist seit 1985 als Journalist und Autor tätig und schreibt für die Tageszeitung Der Standard.

Leseprobe zu "Gut gegen Nordwind" von Daniel Glattauer

Zwei Stunden später

AW:

Liebe Frau Rothner, schön, dass Sie mir schreiben, ich habe Sie schon vermisst. Ich war bereits knapp dran, mir ein Like-Abonnement zuzulegen. (Vorsicht, aufkeimender Humor!) Und Sie haben mich tatsächlich per "Google" gesucht? Das finde ich überaus schmeichelhaft. Dass ich für Sie ein "Professor" sein könnte, gefällt mir, ehrlich gestanden, eher weniger. Sie halten mich für einen alten Sack, stimmt's? Steif, pedantisch, besserwisserisch. Nun, ich werde mich nicht krampfhaft bemühen, Ihnen das Gegenteil zu beweisen, sonst wird es peinlich. Vermutlich schreibe ich derzeit einfach älter, als ich bin. Und, mein Verdacht: Sie schreiben jünger, als Sie sind. Ich bin übrigens Kommunikationsberater und Uni-Assistent für Sprachpsychologie. Wir arbeiten gerade an einer Studie über den Einfluss der E-Mail auf unser Sprachverhalten und - der noch wesentlich interessantere Teil - über die E-Mail als Transportmittel von Emotionen. Deshalb neige ich ein wenig zum Fachsimpeln, ich werde mich aber künftig zurückhalten, das verspreche ich Ihnen.

Dann überstehen Sie einmal die Faschingsfeierlichkeiten gut! Wie ich Sie einschätze, haben Sie sich bestimmt ein schönes Kontingent an Pappnasen und Tröten zugelegt. :-)

Alles Liebe, Leo Leike.

22 Minuten später

RE:

Lieber Herr Sprachpsychologe, jetzt teste ich Sie einmal: Was glauben Sie wohl, welcher Ihrer soeben erhaltenen Sätze für mich der interessanteste war, so interessant, dass ich Ihnen gleich eine Frage dazu stellen müsste (würde ich Sie nicht vorher testen)?

Und hier noch ein guter Tipp, Ihren Humor betreffend: Ihren Satz "Ich war bereits knapp dran, mir ein Like-Abonnement zuzulegen" habe ich als zur Hoffung Anlass gebend empfunden! Mit Ihrer Zusatzbemerkung "(Vorsicht, aufkeimender Humor)" haben Sie leider wieder alles verpatzt: Einfach weglassen! Und auch die Sache mit den Pappnasen und Tröten fand ich lustig. Wir haben offenbar den gleichen Nicht-Humor. Trauen Sie mir aber ruhig zu, Ihre Ironie zu erkennen und verzichten Sie auf den Smiley! Alles Liebe, ich find es echt angenehm, mit Ihnen zu plaudern. Emmi Rothner.

Zehn Minuten später

AW:

Liebe Emmi Rothner, danke für Ihre Humortipps. Sie werden am Ende noch einen lustigen Mann aus mir machen. Noch mehr danke ich für den Test! Er gibt mir Gelegenheit Ihnen zu zeigen, dass ich doch (noch) nicht der Typ "alter selbstherrlicher Professor" bin. Wäre ich es, dann hätte ich vermutet: Der interessanteste Satz müsste für Sie "Wir arbeiten gerade an einer Studie ... über die E-Mail als Transportmittel von Emotionen" gewesen sein. So aber bin ich sicher. Am meisten interessiert Sie: "Und, mein Verdacht: Sie schreiben jünger als Sie sind." Daraus ergibt sich für Sie zwingend die Frage: Woran glaubt der das zu erkennen? Und in weiterer Folge: Für wie alt hält er mich eigentlich? Liege ich richtig?

Acht Minuten später

RE:

Leo Leike, Sie sind ja ein Teufelskerl!!! So, und jetzt lassen Sie sich gute Argumente einfallen, um mir zu erklären, warum ich älter sein müsste als ich schreibe. Oder noch präziser: Wie alt schreibe ich? Wie alt bin ich? Warum? - Wenn Sie diese Aufgaben gelöst haben, dann verraten Sie mir, welche Schuhgröße ich habe. Alles Liebe, Emmi. Macht echt Spaß mit Ihnen.

45 Minuten später

AW:

Sie schreiben wie 30. Aber Sie sind um die 40, sagen wir: 42. Woran ich es zu erkennen glaube? - Eine 30-Jährige liest nicht regelmäßig "Like". Das Durchschnittsalter einer "Like"-Abonnentin beträgt etwa 50 Jahre. Sie sind aber jünger, denn beruflich beschäftigen Sie sich mit Homepages, da könnten Sie also wieder 30 und sogar deutlich darunter sein. Allerdings schickt keine 30-Jährige eine Massenmail an Kunden, um ihnen "Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr" zu wünschen. Und schließlich: Sie heißen Emmi, also Emma. Ich kenne drei Emmas, alle sind älter als 40. Mit 30 heißt man nicht Emma. Emma heißt man erst wieder unter 20, aber unter 20 sind Sie nicht, sonst würden Sie Wörter wie "cool", "spacig", "geil", "elementar", "heavy" und Ähnliches verwenden. Außerdem würden Sie dann weder mit großen Anfangsbuchstaben noch in vollständigen Sätzen schreiben. Und überhaupt hätten Sie Besseres zu tun, als sich mit einem humorlosen vermeintlichen Professor zu unterhalten und dabei interessant zu finden, wie jung oder alt er Sie einschätzt. Noch was zu "Emmi": Heißt man nun Emma und schreibt man jünger als man ist, zum Beispiel weil man sich deutlich jünger fühlt, als man ist, nennt man sich nicht Emma, sondern Emmi. Fazit, liebe Emmi Rothner: Sie schreiben wie 30, Sie sind 42. Stimmt's? Sie haben 36er Schuhgröße. Sie sind klein, zierlich und quirlig, haben kurze dunkle Haare. Und Sie sprudeln, wenn Sie reden. Stimmt's? Guten Abend, Leo Leike.

Am nächsten Tag

Betreff: ???

Liebe Frau Rothner, sind Sie beleidigt? Schauen Sie, ich kenne Sie ja nicht. Wie soll ich wissen, wie alt Sie sind? Vielleicht sind Sie 20 oder 60. Vielleicht sind Sie 1,90 groß und 100 Kilo schwer. Vielleicht haben Sie 46er Schuhgröße - und deshalb nur drei Paar Schuhe, maßgefertigt. Um sich ein viertes Paar finanzieren zu können, mussten Sie Ihr "Like"-Abonnement kündigen und Ihre Homepagekunden mit Weihnachtsgrüßen bei Laune halten. Also bitte, seien Sie nicht böse. Mir hat die Einschätzung Spaß gemacht, ich habe ein schemenhaftes Bild von Ihnen vor mir, und das habe ich Ihnen in übertriebener Präzision mitzuteilen versucht. Ich wollte Ihnen wirklich nicht zu nahe treten. Liebe Grüße, Leo Leike.

Zwei Stunden später

RE:

Lieber "Professor", ich mag Ihren Humor, er ist nur einen Halbton von der chronischen Ernsthaftigkeit entfernt und klingt deshalb besonders schräg!! Ich melde mich morgen. Ich freu mich schon! Emmi.

Sieben Minuten später

AW:

Danke! Jetzt kann ich beruhigt schlafen gehen. Leo.

Am nächsten Tag

Betreff: Nahe treten

Lieber Leo, den "Leike" lasse ich jetzt weg. Sie dürfen dafür die "Rothner" vergessen. Ich habe Ihre gestrigen Mails sehr genossen, ich habe sie mehrmals gelesen. Ich möchte Ihnen ein Kompliment machen. Ich finde es spannend, dass Sie sich so auf einen Menschen einlassen können, den Sie gar nicht kennen, den Sie noch nie gesehen haben und wahrscheinlich auch niemals sehen werden, von dem Sie auch sonst nichts zu erwarten haben, wo Sie gar nicht wissen können, ob da jemals irgend etwas Adäquates zurückkommt. Das ist ganz atypisch männlich, und das schätze ich an Ihnen. Das wollte ich Ihnen vorweg nur einmal gesagt haben. So, und jetzt zu ein paar Punkten:
1.) Sie haben einen ausgewachsenen Massenmail-Weihnachtsgruß-Psycho! Wo haben Sie den aufgerissen? Anscheinend kränkt man Sie zu Tode, wenn man "Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr" sagt. Gut, ich verspreche Ihnen, ich werde es nie, nie wieder sagen! Übrigens finde ich es erstaunlich, dass Sie von "Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr" auf ein Lebensalter schließen können wollen. Hätte ich "Frohe Weihnachten und ein glückliches neues Jahr" gesagt, wäre ich dann zehn Jahre jünger gewesen?
2.) Tut mir Leid, lieber Leo Sprachpsychologe, aber dass eine Frau nicht jünger als 20 Jahre sein kann, wenn sie nicht "cool", "geil" und "heavy" verwendet, kommt mir schon ein bisschen weltfremd oberprofessorenhaft vor. Nicht, dass ich hier darum kämpfe, so zu schreiben, dass Sie meinen könnten, ich sei jünger als 20 Jahre. Aber weiß man es wirklich?
3.) Ich schreibe also wie 30, sagen Sie. Eine 30-Jährige liest aber nicht "Like", sagen Sie. Dazu erkläre ich Ihnen gerne: Die Zeitschrift "Like" hatte ich für meine Mutter abonniert. Was sagen Sie jetzt? Bin ich nun endlich jünger, als ich schreibe?
4.) Mit dieser Grundsatzfrage muss ich Sie alleine lassen. Ich habe leider einen Termin. (Firmunterricht? Tanzschule? Nagelstudio? Teekränzchen? Suchen Sie es sich ruhig aus.)

Schönen Tag noch, Leo! Emmi.

Drei Minuten später

RE:

Ach ja, Leo, eines will ich Ihnen doch noch verraten: Bei der Schuhgröße waren Sie gar nicht so schlecht. Ich trage 37. (Aber Sie brauchen mir keine Schuhe zu schenken, ich habe schon alle.)

Drei Tage später

Betreff: Etwas fehlt

Lieber Leo, wenn Sie mir drei Tage nicht schreiben, empfinde ich zweierlei: 1.) Es wundert mich. 2.) Es fehlt mir etwas. Beides ist nicht angenehm. Tun Sie was dagegen! Emmi

nächsten Tag

Betreff: Endlich gesendet!

Liebe Emmi, zu meiner Verteidigung gebe ich an: Ich habe Ihnen täglich geschrieben, ich habe die E-Mails nur nicht abgeschickt, nein, im Gegenteil, ich habe sie allesamt wieder gelöscht. Ich bin in unserem Dialog nämlich an einem heiklen Punkt angelangt. Sie, diese gewisse Emmi mit Schuhgröße 37, beginnt mich schön langsam mehr zu interessieren, als es dem Rahmen, in dem ich mich mit ihr unterhalte, entspricht. Und wenn sie, diese gewisse Emmi mit Schuhgröße 37, von vornherein feststellt: "Wahrscheinlich werden wir uns niemals sehen", dann hat sie natürlich völlig Recht und ich teile ihre Ansicht. Ich halte das für sehr, sehr klug, dass wir davon ausgehen, dass es zu keiner Begegnung zwischen uns kommen wird. Ich will nämlich nicht, dass die Art unseres Gesprächs hier auf das Niveau eines Kontaktanzeigen- und Chatroom-Geplänkels absinkt.

So, und diese E-Mail schicke ich nun endlich weg, damit sie, diese gewisse Emmi mit Schuhgröße 37, wenigstens irgendwas von mir in der Mailbox hat. (Aufregend ist der Text nicht, ich weiß, es ist auch nur ein Bruchteil von dem, was ich Ihnen schreiben wollte.) Alles Liebe, Leo.

23 Minuten später

RE:

Aha, dieser gewisse Leo Sprachpsychologe will also nicht wissen, wie diese gewisse Emmi mit Schuhgröße 37 aussieht? Leo, das glaube ich Ihnen nicht! Jeder Mann will wissen, wie jede Frau aussieht, mit der er spricht, ohne zu wissen, wie sie aussieht. Er will sogar möglichst schnell wissen, wie sie aussieht. Denn danach weiß er, ob er noch weiter mit ihr sprechen will oder nicht. Oder etwa nicht? Herzlichst, die gewisse 37er-Emmi.

Acht Minuten später

AW:

Das war jetzt mehr hyperventiliert als geschrieben, stimmt's? Ich muss gar nicht wissen, wie Sie aussehen, wenn Sie mir solche Antworten geben, Emmi. Ich habe Sie ohnehin vor mir. Und dafür muss ich mich nicht einmal mit Sprachpsychologie beschäftigt haben. Leo.

21 Minuten später

RE:

Sie irren, Herr Leo. Das war völlig ruhig geschrieben. Sie sollten mich einmal sehen, wenn ich tatsächlich hyperventiliere. Im Übrigen neigen Sie prinzipiell eher nicht dazu, meine Fragen zu beantworten, stimmt's? (Wie sehen Sie eigentlich aus, wenn Sie "Stimmt's?" fragen?) Aber darf ich noch einmal auf Ihren E-Mail-Wurf von heute Vormittag zurückkommen. Da passt so gar nichts zusammen. Ich halte fest:
1.) Sie schreiben mir E-Mails und schicken sie nicht ab.
2.) Sie beginnen sich schön langsam mehr für mich zu interessieren, als es dem "Rahmen unserer Unterhaltung" entspricht. Was soll das heißen? Ist der Rahmen unserer Unterhaltung nicht ausschließlich das gegenseitige Interesse an einer jeweils völlig fremden Person?
3.) Sie finden es sehr klug - nein, Sie finden es sogar "sehr, sehr klug", dass wir uns nie treffen werden. Ich beneide Sie um Ihre leidenschaftliche Hinwendung an die Klugheit!
4.) Sie wollen kein Chatroom-Geplänkel. Sondern? Worüber wollen wir uns unterhalten, damit Sie sich nicht schön langsam mehr für mich interessieren, als es dem "Rahmen" entspricht?
5.) Und, für den gar nicht unwahrscheinlichen Fall, dass Sie keine meiner soeben gestellten Fragen beantworten werden: Sie sagten, dass das vorhin nur ein Bruchteil von dem war, was Sie mir schreiben wollten. Schreiben Sie mir ruhig den Rest. Ich freue mich über jede Zeile! Ich lese Sie nämlich gerne, lieber Leo. Emmi.

Fünf Minuten später

AW:

Liebe Emmi, Wenn Sie nicht 1.) 2.) 3.) und so weiter schreiben können, sind Sie es nicht, stimmt's? Morgen mehr. Schönen Abend. Leo.

Am nächsten Tag

Kein Betreff

Liebe Emmi, ist Ihnen schon aufgefallen, dass wir absolut nichts voneinander wissen? Wir erzeugen virtuelle Fantasiegestalten, fertigen illusionistische Phantombilder voneinander an. Wir stellen Fragen, deren Reiz darin besteht, nicht beantwortet zu werden. Ja, wir machen uns einen Sport daraus, die Neugierde des anderen zu wecken und immer weiter zu schüren, indem wir sie kategorisch nicht befriedigen. Wir versuchen, zwischen den Zeilen zu lesen, zwischen den Wörtern, bald wohl schon zwischen den Buchstaben. Wir bemühen uns krampfhaft, den anderen richtig einzuschätzen. Und gleichzeitig sind wir akribisch darauf bedacht, nur ja nichts Wesentliches von uns selbst zu verraten. Was heißt "nichts Wesentliches"? - Gar nichts, wir haben noch nichts aus unserem Leben erzählt, nichts, was den Alltag ausmacht, was einem von uns wichtig sein könnte.

Wir kommunizieren im luftleeren Raum. Wir haben artig gestanden, welcher beruflichen Tätigkeit wir nachgehen. Sie würden mir theoretisch eine schöne Homepage gestalten, ich erstelle Ihnen dafür praktisch (schlechte) Sprachpsychogramme. Das ist alles. Wir wissen aufgrund eines miesen Stadtmagazins, dass wir in der gleichen Großstadt leben. Aber sonst? Nichts. Es gibt keine anderen Menschen um uns. Wir wohnen nirgendwo. Wir haben kein Alter. Wir haben keine Gesichter. Wir unterscheiden nicht zwischen Tag und Nacht. Wir leben in keiner Zeit. Wir haben nur unsere beiden Bildschirme, jeder streng und geheim für sich, und wir haben ein gemeinsames Hobby: Wir interessieren uns für eine jeweils völlig fremde Person. Bravo!

Was mich betrifft, und jetzt komme ich zu meinem Geständnis: Ich interessiere mich wahnsinnig für Sie, liebe Emmi! Ich weiß zwar nicht warum, aber ich weiß, dass es einen markanten Anlass dafür gegeben hat. Ich weiß aber auch, wie absurd dieses Interesse ist. Es würde einer Begegnung niemals standhalten, egal wie Sie aussehen, wie alt Sie sind, wie viel Sie von Ihrem beträchtlichen E-Mail-Charme zu einem allfälligen Treffen mitnehmen könnten und was von Ihrem geschriebenen Sprachwitz auch in Ihren Stimmbändern steckt, in Ihren Pupillen, in Ihren Mundwinkeln und Nasenflügeln. Dieses "Wahnsinnsinteresse", so mein Verdacht, nährt sich einzig und allein aus der Mailbox. Jeder Versuch, es von dort heraustreten zu lassen, würde vermutlich kläglich scheitern.

Nun meine Schlüsselfrage, liebe Emmi: Wollen Sie noch immer, dass ich Ihnen Mails schreibe? (Diesmal wäre eine klare Antwort äußerst entgegenkommend.) Alles, alles Liebe, Leo.

21 Minuten später

RE:

Lieber Leo, das war aber viel auf einmal! Sie müssen ordentlich Tagesfreizeit haben. Oder zählt das als Arbeit? Kriegen Sie dafür Zeitausgleich? Können Sie es von der Steuer absetzen? Ich weiß, ich habe eine spitze Zunge. Aber nur schriftlich. Und nur, wenn ich unsicher bin. Leo, Sie machen mich unsicher. Sicher ist nur eines: Ja, ich will, dass Sie mir weiter E-Mails schreiben, wenn's Ihnen nichts ausmacht. Wenn das noch nicht klar genug war, dann probiere ich es noch einmal: JA, ICH WILL!!!!!!! E-MAILS VON LEO! E-MAILS VON LEO! E-MAILS VON LEO. BITTE! ICH BIN SÜCHTIG NACH E-MAILS VON LEO!

Und jetzt müssen Sie mir unbedingt verraten, warum es bei Ihnen zwar keinen Grund, aber einen "markanten Anlass" dafür gegeben hat, sich für mich zu interessieren. Das verstehe ich nämlich nicht, aber es klingt spannend. Alles, alles Liebe und noch ein "Alles" dazu, Emmi. (PS: Die E-Mail da oben von Ihnen war klasse! Absolut humorlos, aber echt klasse!)

Leseprobe zu "Gut gegen Nordwind" von Daniel Glattauer

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Kundenbewertungen zu "Gut gegen Nordwind" von "Daniel Glattauer"

Durchschnittliche Kundenbewertung 4.6 von 5 Sterne bei 58 Bewertungen **** ausgezeichnet
(aus 58 Bewertungen)
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Bewertung von Alex120470 aus Lennestadt am 30.01.2012 ***** ausgezeichnet
Genial!!! Ich hätte nie gedacht, dass es mich so packt die Emails, die sich zwei Menschen hin und her schicken, zu lesen. Ein wirklich empfehlenswertes Buch!!!

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Bewertung von babblebird am 15.01.2012 ***** ausgezeichnet
Ich habe das Buch gestern förmlich verschlungen. Es war mir unmöglich, das Buch nur eine Minute aus der Hand zu legen. Ich habe bis spät in die Nacht gelesen und als ich die letzte Zeile dieses großartigen Buches gelesen hatte, kullerte mir unweigerlich eine Träne über die Wange. Warum? Dazu gleich mehr, zu erst erzähle ich euch kurz worum es in “Gut gegen Nordwind” geht.

Emmi Rothner möchte ein Zeitschriftenabonnement kündigen und schreibt diesbezüglich dem Like-Verlag (@like.com) eine E-Mail. Dabei vertippt sie sich und ihre Nachricht landet bei Leo Leike (@leike.com). Dieser macht sie zwar auf den Tippfehler aufmerksam, aber Emmi passiert einige Zeit später wieder der gleiche Fehler. Als sie Leo irrtümlich auch noch eine Massenmail zu Weihnachten schickt, kommen die zwei ins Gespräch. Emmi und Leo lernen sich immer besser kennen und das Interesse aneinander wird immer größer. Beide entwickeln Gefühle für den Schreibpartner und hegen den Gedanken sich zu Treffen. Obwohl beide in der selben Stadt wohnen, steht einem Treffen so einiges im Weg.

Der Roman von Daniel Glattauer besteht nur aus den E-Mails an Emmi oder Leo. Als ich anfing zu Lesen, kam ich mir ein bisschen wie ein Eindringling vor, der die Mails von Fremden liest. Manchmal ertappte ich mich, wie ich immer schneller las, als würde ich gleich erwischt werden und Emmi oder Leo würden ihren PC ausschalten, damit ich nicht weiter in ihrem Privatleben rumschnüffeln kann. Daniel Glattauer hat es damit aber geschafft, mich von Anfang an zu fesseln und in das Leben von Emmi und Leo zu ziehen. Da der Leser immer nur so viel erfährt wie die Protagonisten selbst, kann man das Verhalten von beiden umso besser nachvollziehen. Ich bangte, fühlte, trauerte, liebte und hasste mit beiden gleichermaßen mit, weshalb die Träne am Ende durchaus ihre Daseinsberechtigung hatte und nur zeigt wie genial Daniel Glattauer seinen Roman umgesetzt hat. Dies zeigte sich auch am Ende, welches frustrierend und genial zu gleich war. Der Frust wurde etwas gemindert als ich mir direkt den zweiten Roman mit Emmi und Leo “Alle sieben Wellen” bestellt habe.

Wer Lust auf ein virtuelles Abenteuer und eine etwas andere Liebesgeschichte hat, der sollte “Gut gegen Nordwind” unbedingt lesen.

Ich gebe dem Roman 5 Sterne und beende die Rezension mit einer Zeile aus Leos Mail: “Schreiben Sie mir Emmi. Schreiben ist wie küssen, nur ohne Lippen. Schreiben ist küssen mit dem Kopf.”

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Bewertung von MUC aus München am 22.10.2011 ***** ausgezeichnet
Dieses Buch passt in die heutige, schnell-lebige Zeit, ist sehr amüsant geschrieben, kurzweilig.
E-mail-Freundschaften soll es ja geben, und wer genügend Phantasie hat, erwirbt mit diesem Buch einen köstlichen Wochenend-Lesestoff.

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Bewertung von unbekanntem Benutzer am 05.08.2011 ***** ausgezeichnet
Es hat mich total mitgenommen. Konnte garnicht aufhören zu lesen. Sehr gut geschrieben.

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Bewertung von Herzblatt aus Flensburg am 01.08.2011 ***** ausgezeichnet
Ein schönes Buch, ich habe immer wieder laut gelacht und oft mich selbst wieder erkannt. Wirklich empfehlenswert

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Bewertung von Maren.S aus Bad Schönborn am 24.07.2011 ***** sehr gut
Dieses Buch beschreibt eine E-Mail-Bekanntschaft. Interessanterweise ist diese auch in Form von E-Mails geschríeben. Dies ist zum Lesen sehr witzig.
Es geht um Emmi, die ein Zeitungsabo kündigen will. Diese Mail kommt aber - durch einen Tippfehler - nicht im Verlag, sondern bei Leo Leike an. Nach einigen Mails kommen sich die beiden näher und ihr Austausch wird intensiver. Aber alles findet nur auf der Internetebene statt. Beide überlegen lange, ob sie sich treffen sollen. Ob es dann auch dazu kommt?
Mir hat dieses Buch gutgefallen, denn es ist absolut nachvollziehbar in der heutigen "Computer-Welt". Vieles wird durch E-mails erledigt und dass dabei auch mal eine fehlgeleitet wird, kann vorkommen.
Was hieraus entstanden ist, wurde vom Autor schön beschrieben und war gut zu lesen.
Ich empfehle es weiter.

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Bewertung von Su aus U.ensingen am 14.07.2011 ***** weniger gut
Witzige Idee, ein Buch bestehend aus lauter e-mails. Ich habe es aber nur gelesen, weil es mir eine gute Freundin geschenkt hat, die normalerweise nix liest, von dem aber begeistert war. Ich jedoch fand es langweilig, und war froh als ich es endlich weglegen konnte. Werds auch nicht verschenken. Teil 2 spar ich mir.

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Bewertung von Maren.S aus Bad Schönborn am 08.06.2011 ***** sehr gut
2 Menschen - Emmi Rothner und Leo Leike - lernen sich aufgrund einer falsch geschriebenen E-Mail-Adresse "kennen". Sie kennen sich aber nur über das Internet, denn die gesamte Konversation der beiden geht nur über E-Mails.
Zunächst ist dies ganz sachlich, später werden die beiden in den Mails immer persönlicher und bald finden es beide sehr interessant und doch auch fragwürdig auf diese Weise zu kommunizieren. Sie überlegen lange, ob dies für die verheiratete Emmi evtl. auch eine Untreue oder ein Seitensprung ist.
Bis dann eines Tages die Frage nach einem Treffen aufkommt.
Ich fand dieses Buch sehr witzig zum lesen, da es wir eine Liste geschrieben ist. Es ist immer Datum und Urzeit der Mail angegeben und somit ist es einfach mal was anderes vom Aufbau. Fand ich gut und empfehle es weiter, für Leute, die gerne zur Unterhaltung lesen.

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Bewertung von Julia aus Salzgitter am 04.05.2011 ***** ausgezeichnet
In dem Buch schickt Emmie Rothner ausversehen eine E-Mail an Leo Leike. Sie bleiben trotzdem in Kontakt und werden gute Freunde. Sie schreiben sich den ganzen Tag lang, aber das Problem ist das Emmie einen Mann hat,und sich langsam aber sicher in Leo verliebt.
Ich finde das Buch gut, weil es nur aus E-Mails besteht, und man trotzdem alles über das Leben der beiden erfährt. Es ist eine Liebesgeschichte,aber trotzdem spannend,weil sie sich selbst nicht sicher sind, ob sie sich verliebt haben, oder ob sie mit dem schreiben aufhören sollten. Und ich mag es, dass es so lustig geschrieben ist.

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Bewertung von Liliane797 am 01.02.2011 ***** ausgezeichnet
Eigentlich...wollte ich dieses Buch nicht kaufen. Es lag neben zahlreichen anderen auf einem Tisch und sah aus wie ein Ladenhüter...doch der Titel machte mich dann doch neugierig. Und was soll ich sagen...kaum daheim habe ich das Buch regelrecht verschlungen und konnte es nicht aus der Hand legen. Genial geschrieben, einfach passend zur heutigen Zeit...und das Ende...ich hatte ein paar Tränen in den Augen

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