Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes - Setz, Clemens J.
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Clemens J. Setz 

Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes

Erzählungen. Ausgezeichnet mit dem Preis der Leipziger Buchmesse, Kategorie Belletristik 2011

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Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes

Eines Tages ist es da. Steht am Ende einer Sackgasse mitten in der Stadt. Es ist ein großes Kind. Den Blick hält es demütig zu Boden gesenkt, seine Haut ist rissig. Tagsüber versammeln sich die Bewohner der Stadt um dieses Kind, veranstalten Kundgebungen und Konzerte. Nachts schlagen sie auf es ein, mit Fäusten, Stöcken und Ketten auf die Skulptur aus weichem, niemals trocknendem Lehm, auf das "Mahlstädter Kind". Der Künstler hat es ihnen zur Vollendung überlassen, hat ihnen die Aufgabe übertragen, es "in die allgemein als vollkommen empfundene Form eines Kindes zu bringen".
Zuerst treibt die Kunstbegeisterung die Bewohner der Stadt, dann kommen sie als Pilger ihrer Wut, verlieren prügelnd die Kontrolle über sich und beinahe auch ihren Verstand.
Nach den beiden von der Kritik bejubelten und mit Preisen ausgezeichneten Romanen "Söhne und Planeten" und "Die Frequenzen" legt der österreichische Autor Clemens J. Setz nun einen Band mit Erzählungen vor. Es sind Geschichten gespickt mit grotesken Ideen und subtilem Horror, voller gewalttätiger Momente und zärtlicher Gesten. Wie in den Romanen präsentiert sich Setz auch in der kurzen Form als scharfer Beobachter der menschlichen Natur und einfühlsamer, geradezu liebevoller Porträtist ihrer Eigenarten.


Produktinformation

  • Verlag: Suhrkamp
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 349 S.
  • Seitenzahl: 349
  • Best.Nr. des Verlages: 42221
  • Deutsch
  • Abmessung: 206mm x 131mm x 34mm
  • Gewicht: 467g
  • ISBN-13: 9783518422212
  • ISBN-10: 3518422219
  • Best.Nr.: 32453833

Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

In Clemens Setz' gerade erschienenen Erzählungen, die ihm den Leipziger Buchmessenpreis und viel Kritikeraufmerksamkeit einbrachten, lassen sich laut Franz Haas gleichermaßen Licht- und Schattenseiten entdecken. Seine 2008 mit einem Nebenpreis des Klagenfurt-Wettbewerbs ausgezeichnete Erzählung "Die Waage", die mit psychologischem Spürsinn den vielfältigen Verbindungen von Hausbewohnern nachspürt, verzichtet auf Sex, Gewalt oder Fantastik, stellt er angetan fest. So zurückhaltend findet er den Autor allerdings nicht immer vor, und so stört sich Haas an mitunter "hochnotpeinlichen" Darstellungen "sexueller Psychopathologie". Fasziniert hingegen hat ihn die Erzählung "Das Herzstück der Sammlung", in der er in einem Museum unter anderem auf einen "Herrn Setz" im Gitterbett, aber auch auf ein Regal voller später Werke des Schriftstellers trifft. Weitere Erzählungen beeindrucken den Rezensenten durch ihre "würgend spürbare" existentielle "Verlorenheit". Seine Lieblingserzählung ist aber offenbar die um den Computerspiel-Erfinder Marc David Regan, der sich 2008 umbrachte. Hier legt Setz nicht nur unerschrocken seine literarischen Vorbilder offen. Ihm gelingt neben einer Satire auf den Wissenschaftsbetrieb darin auch ein "schauderhaft witziges" Gegenwartsprotokoll, so der Rezensent bewundernd.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 17.03.2011

Am Riesenrad des Lebens gedreht

Clemens J. Setz wird als Junggenie der deutschen Literatur gefeiert. Sein Erzählungsband "Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes", der für den Leipziger Buchpreis nominiert ist, zaubert allerlei Phantastik aus dem Hut.

Der deutsche Literaturbetrieb hat ein neues Hoffnungskind und ist ganz entzückt über dieses früh berufene Genie. Kaum ein Superlativ, der nicht schon im Zusammenhang mit dem 1982 in Graz geborenen Wunderknaben Clemens J. Setz in die literarische Arena geworfen worden wäre. Der Germanist und Mathematiker, der sich von Suhrkamp, seinem neuen Verlag, im Klappentext nicht nur als Schriftsteller und Übersetzer, sondern auch als "Obertonsänger" und "Gelegenheitszauberer" ankündigen lässt, hatte in dem 2009 hochgelobten Roman "Die Frequenzen" auf siebenhundert Seiten das nicht eben einfache Väter-Söhne-Verhältnis behandelt. Nun hat das Vielfachtalent einen Band mit Erzählungen vorgelegt, der es in die Endrunde zum Preis der Leipziger Buchmesse geschafft hat. Gründe zuhauf, sich die achtzehn Geschichten des Bandes "Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes" anzuschauen.

Zweifellos erzählt …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 15.03.2011

Da
rumort
ein Kind
Der junge Grazer Autor
Clemens J. Setz öffnet seine
Kiste voller Schreckensbilder
und erreicht das Erzähllevel
jenseits des Realismus
Von Lothar Müller
Seit der große Bruder ausgezogen ist, hat der Junge jede Nacht Albträume – und Angst einzuschlafen. Wenn gar nichts mehr hilft, holt er unter seinem Bett die blaue Kiste hervor. Darin bewahrt er seine Bildersammlung auf. Die Kreuzigung auf der ersten Schauseite des Isenheimer Altars liegt darin neben dem Elefantenmenschen, vor dem Pestdoktor auf einem alten Stich liegt ein schwarzer Leichnam da „wie ein Büschel verbrannter Wolle“, vergreiste Elfen aus einem Kinderbuch, denen die Herzen als graue Pilze aus der Brust schlüpfen, gesellen sich zu einer Hölle von Hieronymus Bosch und ausrangierten Actionfiguren. Das sind seltsame Einschlafbilder, bestens geeignet, die Albträume hervorzurufen, denen der Junge zu entkommen sucht.
Der schlaflose Junge mit seiner blauen Kiste ist kein Unschuldslamm. Am Tag seiner ersten Kommunion wird er zum bösen Kind, zum gewalttätigen Peiniger seines sanft-wehrlosen Freundes. Und mit der Hostie treibt er seinen …

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"Sein Erzählungsband Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes , mit 18 Stories auf 350 Seiten auch nicht gerade schmal, löst die hohen Erwartungen nun auf phänomenale Weise ein. Hier ist ein Autor zu erleben, der sprachliche Tricks und Kniffe beherrscht, von denen man vorher noch gar nicht wusste, dass es sie gibt." (Die Welt)

»Da wagt einer das radikale Gegenprogramm zur hübsch verkasteten Literaturwerkstättenliteratur, bricht dunkle Lieder pfeifend aus den literarischen Reihenhaussiedlungen aus.«

Da möchte man ... am liebsten das eigene Knie küssen vor Entzückung.

Tja, begabt ist der Autor schon mal, einigermaßen jung auch noch mit 28, und dann ist er noch von Residenz zu Suhrkamp gewechselt. Rezensentin Iris Radisch ist einerseits beeindruckt von den offenbar leicht repetitiven Vignetten des Clemens J. Setz, entdeckt Momente "beißender Einsamkeit" und einer "beinahe luftdicht abgepackten Verzweiflung", und fasst das ganze andererseits mit spitzen Fingern an, benennt David Foster Wallace als größten Einfluss, erkennt übrig gebliebene Versatzstücke postmoderner Beliebigkeit aus den Siebzigern und Achtzigern, aber auch katholisch-surrealistischer Provenienz und scheint insgesamt eine etwas eitle Kunsthandwerklichkeit zu fürchten, aber noch nicht so streng ankreiden zu wollen. Das wird entweder ein ganz Großer oder eine weitere begrabene Hoffnung am Wegesrand der Literaturgeschichte.

© Perlentaucher Medien GmbH
Clemens J. Setz wurde 1982 in Graz geboren. Seit 2001 studiert er an der dortigen Universität Mathematik und Germanistik. Er ist Obertonsänger, Übersetzer und Gründungsmitglied der Literaturgruppe Plattform. Zahlreiche seiner Gedichte und Erzählungen wurden in Zeitschriften und Anthologien veröffentlicht. 2008 wurde er beim Bachmann-Wettbewerb mit dem Ernst-Willner-Preis ausgezeichnet.

Leseprobe zu "Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes"

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Inhaltsangabe

Die Waage
Das Gespräch der Eltern in Hänsel und Gretel
Mütter
Das Herzstück der Sammlung
Das Riesenrad
Character IV
Eine sehr kurze Geschichte
Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes

Videoclip zu "Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes"

Kundenbewertungen zu "Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes"

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Bewertung von annemarie W. aus Hamburg am 10.04.2011 ***** schlecht
Wieder ein hochgelobtes Buch - wieder ein Flop. Die Geschichten handeln von verlassenen Menschen, die verlassene Menschen verlassen und allesamt tot sind. Hinzu kommen noch 50 Seiten Pornographie, die die Sache auch nicht besser machen. Lesenswert war leider nur die 23seitige Geschichte "Das Riesenrad". Hier läuft der Autor sprachlich wie thematisch zur Höchstform auf. Der Rest der Geschichten wird, trotz Preis aus Leipzig (Suhrkamp sei gedankt), kaum eine breite Leserschaft finden.

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