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Der nette Mörder von nebenan Stell dir vor, es ist Mord, und keiner glaubt dir. So geht es dem allseits beliebten Journalisten und Gerichtsreporter Jan Rufus Haigerer, der eines Abends wahllos einen Menschen niederschießt, um sich gleich darauf in die Hände der Justiz zu begeben. Dort will man ih allerdings als Mörder partout nicht in Frage kommen lassen. Haigerer versucht mit allen Mitteln, endlich für seine Tat verurteilt zu werden. Doch sein Wille zur Sühne wird durch das unerbittliche Wohlwollen der Mitmenschen auf eine harte Probe gestellt ... "Wunderbar ironisch und durch unerwartet…mehr

Produktbeschreibung

Der nette Mörder von nebenan

Stell dir vor, es ist Mord, und keiner glaubt dir. So geht es dem allseits beliebten Journalisten und Gerichtsreporter Jan Rufus Haigerer, der eines Abends wahllos einen Menschen niederschießt, um sich gleich darauf in die Hände der Justiz zu begeben. Dort will man ihn allerdings als Mörder partout nicht in Frage kommen lassen. Haigerer versucht mit allen Mitteln, endlich für seine Tat verurteilt zu werden. Doch sein Wille zur Sühne wird durch das unerbittliche Wohlwollen der Mitmenschen auf eine harte Probe gestellt ...

"Wunderbar ironisch und durch unerwartete Wendungen spannend bis zur letzten Seite." Buchmarkt

"Am besten in einem Zug durchlesen!" Wiener Zeitung

"Ein Genuss für alle Leser." Bibliotheksnachrichten
  • Produktdetails
  • Goldmann Taschenbücher Bd.46761
  • Verlag: Goldmann
  • Seitenzahl: 320
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 316 S.
  • Deutsch
  • Abmessung: 188mm x 118mm x 23mm
  • Gewicht: 257g
  • ISBN-13: 9783442467617
  • ISBN-10: 3442467616
  • Best.Nr.: 23546463

Autorenporträt

Daniel Glattauer, geb. 1960 in Wien, ist seit 1985 als Journalist und Autor tätig und schreibt für die Tageszeitung "Der Standard".
Daniel Glattauer

Rezensionen

Besprechung von 08.04.2003
Mord muss gelebt sein
Daniel Glattauers intelligenter
Psychokrimi „Darum”
Eine unwahrscheinliche Geschichte, ein packender Kriminalroman. Der Wiener Gerichtsreporter Daniel Glattauer schreibt den Lebensroman des Wiener Gerichtsreporters Jan Haigerer, der Romanschriftsteller sein will und daran zerbricht, dass ihn niemand ernst nimmt. Haigerers Manuskript wird abgelehnt: zu unglaubwürdig. Besonders der Mord. Man merke, sagt der Verleger, dass er die Geschichte nicht selbst erlebt habe, dass sie konstruiert sei. Also begeht Haigerer den sinnlosesten aller Morde, erschießt einen Barbesucher, den er nicht kennt, entkommt den polizeilichen Ermittlungen, stellt sich schließlich, aber es hilft nichts. Niemand glaubt ihm, vor Gericht hat er größte Mühe, seine Tat glaubhaft zu machen, Freunde fallen ihm in den Rücken, der Kommissar ist ein alter Kumpel, die Richterin verliebt sich in ihn – es ist zum Verzweifeln. Selbst die Wärter im Untersuchungsgefängnis behandeln ihn wie einen Hotelgast, arrangieren heimliche Freigänge, bringen Zeitungen, erfüllen Sonderwünsche. Ein Zufall befreit ihn aus dieser Umklammerung: das Mordopfer war homosexuell, und so kann er eine haarsträubende Vorgeschichte konstruieren, sich selbst als schwul ausgeben und sich endlich die ersehnte Verachtung seiner Umwelt erkämpfen. Nur in der Ablehnung erfährt er Respekt, die plötzlich eintretende zwischenmenschliche Kälte erträgt er, erkauft sich damit einen Rest von Menschenwürde oder wenigsten Selbstbewusstsein.
Eine mitunter inhaltlich wirr erscheinende Geschichte, die allerdings erzählerisch so stringent geführt ist, dass man unweigerlich nachdenkt über dieses seltsame Schicksal und sich oft fragt, wie nahe man selbst an solchen Abgründen steht. Daniel Glattauer hat sich mit seinem Roman „Darum” viel vorgenommen, und manchmal zittert man mit, ob er die psychologische Kurve noch kriegt, in die er seinen Helden zwingt. Aber die Sorge ist letztlich unbegründet. Glattauer argumentiert genau – nur ein einziges Mal unterläuft ihm ein sprachlogischer Fehler –, denkt psychologisch exakt und hält auch das Sprachniveau durch bis zum Ende. Eine klare, manchmal harte Sprache, jede Sentimentalität meidend wie die Pest. Man sieht Glattauer gleichsam vor sich, wie er nachts aus dem Bett springt, zum Schreibtisch stolpert, um noch einen überflüssigen Schnörkel auszumerzen, um die Unbarmherzigkeit des Romanschicksals durch die Unbarmherzigkeit seiner Sprache erst wirkungsvoll Realität werden zu lassen.
Hin und wieder streut Glattauer kurze Reflexionen ein über Schreibstil und Handlungsverlauf, und auch dadurch vermeidet er, dass sich der Leser mit dem Protagonisten identifiziert, dass er dessen Tat entschuldigt. Schon die Voraussetzung dafür verweigert Glattauer dem Leser. Er liefert keinen plausiblen Grund für den Mord: „Vor zwanzig Jahren habe ich, Jan Haigerer, einen fremden Menschen erschossen, irgendeinen, wahllos, ohne Hass, ohne Angst, ohne Skrupel, ohne Reue. Warum? – Darum.” Zu verstehen gibt es hier nichts. Und gerade dies ist die realistische Kraft des Romans. „Gute Bücher sind gelebte Bücher”, lässt Glattauer den Verleger sagen. „Nur ganz große Autoren können Bücher leben, ohne sie erlebt zu haben.”
Der Autor Glattauer jedoch hat eine Nische dazwischen gefunden. Jahrelang hat er von Berufs wegen die Verbrecherleben anderer miterlebt, niedergeschrieben, mitgelebt. Und so konnte er irgendwann der Versuchung nicht widerstehen, die erotisierende Grenze zwischen Objekt und Beobachter zu verwischen und sich selbst in die Rolle des Angeklagten zu begeben. Dem Leser ergeht es ähnlich, und das macht die Qualität dieses Romans aus.
HELMUT
MAURÓ
DANIEL GLATTAUER: Darum. Roman. Deuticke Verlag, Wien 2003. 301 Seiten, 19,90 Euro.
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Man glaubt, die Gänsehaut auf den Armen des Rezensenten Helmut Mauro zu sehen, so sehr hat ihn Daniel Glattauers Psychokrimi gepackt, wobei Mauro nach eigenen Worten ebenso um das Schicksal des Protagonisten gezittert hat wie um die Stimmigkeit des Plots. Die Geschichte um einen Gerichtsreporter, der einen Mord begeht, um einen Roman zu schreiben zu können, geht voll und ganz auf, versichert der Rezensent und findet die wirr erscheinende Geschichte so stringent, psychologisch exakt und in einer so klaren, harten Sprache erzählt, dass er sich immer wieder gefragt hat, wie nah er selbst an einem solchem Abgrund steht.

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