Scham und Würde - Solstad, Dag

Dag Solstad 

Scham und Würde

Roman

Aus d. Norweg. v. Ina Kronenberger
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Produktbeschreibung zu Scham und Würde

Elias Rukla, seit 25 Jahren Studienrat für Norwegisch, macht im Unterricht eine äußerst aufregende Entdeckung. Die Nebenfigur Dr. Relling in Ibsens Wildente hat eine ganz zentrale Funktion! Innerlich erregt von dieser spontanen Eingebung bittet er einen Schüler, die wenigen Einsätze Rellings laut zu lesen. Genervt blättern alle vor und zurück, und der Schüler liest demonstrativ gelangweilt vor. Der Unterricht wird zur Qual. Das erlösende Klingeln ertönt, Rukla atmet erleichtert auf. Als sich auf dem Pausenhof sein Regenschirm nicht öffnen läßt, verliert er die Haltung, er trampelt darauf herum, beschimpft dabei die gaffenden Schüler aufs Wüsteste. Und er weiß, er will nicht mehr in sein altes Leben zurückkehren, seine Scham über den Verlust der Würde ist zu groß.

Produktinformation


  • Verlag: Dörlemann
  • 2007
  • Ausstattung/Bilder: 2007. 206 S.
  • Seitenzahl: 206
  • Deutsch
  • Abmessung: 198mm x 124mm x 22mm
  • Gewicht: 292g
  • ISBN-13: 9783908777274
  • ISBN-10: 3908777275
  • Best.Nr.: 20941370
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 31.12.2007

Das Grübelmonster
Kritik und Konsum: Dag Solstads Lehrertragödie

Dag Solstad, ehemaliger Maoist und bekennender Ibsenist, hat bisher mehr als dreißig Bücher geschrieben, fünf davon allein über Fußball. Der große Rest scheint, nach den drei bisher ins Deutsche übersetzten Romanen aus den neunziger Jahren zu urteilen, vor allem um ein Thema zu kreisen: die große Klage des linken Idealisten über Konformismus und Opportunismus, die Einsamkeit des Denkenden im norwegischen Verblendungszusammenhang. In "Elfter Roman. Achtzehntes Buch" (1992) setzte sich ein von Frau, Geliebter und Sohn enttäuschter Kierkegaard-Leser am Ende in den Rollstuhl; in dem Ibsen-Krimi "Professor Andersens Nacht" (1996) haderte ein älterer Literaturprofessor mit seinen verbürgerlichten Freunden, "Scham und Würde" (1994) steht nach Entstehungszeit und Stoff ungefähr in der Mitte.

Auch Elias Rukla ist ein Mittfünfziger, der Ibsen und dem Alkohol zuspricht und sich als kritischer Intellektueller an den Rand gedrückt fühlt. Nach fünfundzwanzig Jahren im Fagerborg-Gymnasium wird der Studienrat jäh mit seiner Unzeitgemäßheit konfrontiert: Rukla glaubt in Doktor …

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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

" Was Aldo Keel über diesen Roman erzählt, klingt ehrlich gesagt etwas durcheinander, scheint sich aber aus derart interessanten Elementen zusammenzusetzen, dass man versucht ist, eine Lektüre des Romans zu wagen. Keel verweist zunächst auf den Rang des Autors, der in Norwegen als Repräsentant der jüngeren Autorengeneration gelte und sich dabei auf Autoren wie Thomas Mann und Milan Kundera bezieht, deren ironisch verschachtelte Konstruktionen ihn zu inspirieren scheinen. In Rukla, einem Lehrer in Existenzkrise, der an der Vermittlung von Ibsens "Wildente" an eine agressiv desinteressierte Schülerschaft verzweifelt, erkennt Keel ebenfalls einen Repräsentanten - die Figur eines gescheiterten Intellektuellen der Nach-68er-Zeit, der auf seinen Anspruch längst verzichtet hat, wie so viele einigermaßen Begabte aus seiner Generation, die unter Zuhilfnahme fader Popironie der Rente entgegendämmern. In einer tragikomischen Szene mit Regenschirm beweist Rukla aber immerhin genug Statur, um mit seiner Situation zu brechen. Keel scheint sehr angetan.

© Perlentaucher Medien GmbH"
Dag Solstad, geboren 1941 in Sandefjord, gehört zur ersten Garde der norgwegischen Schriftsteller. Seit 1965 Publikationen zahlreicher Romane, Artikel, Theaterstücke, Essays. Zusammen mit Jon Michelet Herausgabe von fünf Büchern über Fußballweltmeisterschaften. Ausgezeichnet 3 x mit dem norwegischen Kritikerpreis, 1987 mit dem Literaturpreis des Nordischen Rates sowie 2004 den Aschehoug-Literaturpreis.

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