Das ist Alise - Fosse, Jon

Jon Fosse 

Das ist Alise

Novelle

Dtsch. v. Hinrich Schmidt-Henkel
Broschiertes Buch
 
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Das ist Alise

In einem Haus an einem Fjord liegt Signe, eine alte Frau, auf einer Bank und sieht sich selbst als junge Frau durch die Räume gehen. Sie sieht sich am Fenster stehen und auf das Wasser blicken. Sie sieht ihren Mann Asle, den es in seinem kleinen Boot immer wieder auf den Fjord hinauszog, bis er eines Tages nicht zurückkehrte. In dem alten Haus, das erfüllt ist von den Stimmen seiner ehemaligen Bewohner, traumwandelt Signe durch die Vergangenheit und begegnet den vorangegangenen Generationen der Familie - bis zurück zu Asles Ururgrossmutter Alise, die in der Nacht am Ufer ein Feuer hütet. Denn schon damals hatte es einen gegeben, der nie mehr vom Fjord zurückkam ...


Produktinformation

  • Verlag: Rowohlt Tb.
  • 2005
  • Ausstattung/Bilder: 2005. 115 S.
  • Seitenzahl: 128
  • rororo Taschenbücher Nr.23874
  • Deutsch
  • Abmessung: 193mm x 116mm x 12mm
  • Gewicht: 120g
  • ISBN-13: 9783499238741
  • ISBN-10: 3499238748
  • Best.Nr.: 12778276
kulturnews - RezensionBesprechung
Bereitgestellt von kulturnews.de
(c) bunkverlag
Ein Mann geht aus dem Haus und kommt nicht zurück. Eine Frau sieht ihrem Mann beim Fortgehen zu. Eine alte Frau erinnert sich, wie ihr Mann einst fortging. Es gibt eine Literatur des Geschwätzes, eine Literatur, in der galoppierende Sprachkaskaden sich immer weiter potenzieren, bis nur noch sinnfreies Geräusch übrig ist. Und es gibt eine Literatur der Sprachlosigkeit, eine Literatur, in der kaum geredet wird, und wenn, dann nur das Nötigste. Und auch dann immer dasselbe. Der Norweger Jon Fosse ist der Meister dieser Literatur, kurz vor dem Verstummen sagen seine Figuren einen kurzen Satz, Subjekt, Prädikat, schon ein Objekt wäre zuviel. Geschweige denn, dass sie handeln würden. Fosse schafft so eine Stimmung der magischen Melancholie: Ein Wispern liegt über seinem dunklen Fjord, Erinnerungen, Gespenster. Und unmerklich verschwimmen die Figuren, wird die Frau zum Mann, wird der Mann zum Kind, wird das Kind zur Alten. Nichts passiert, das könnte man Langweile nennen. Man könnte aber auch sagen: alles in Ordnung. (fis)

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 29.10.2003

Herr, steh mir bei
Fjord, Sog und Monolog: Jon Fosses Novelle „Das ist Alise”
Am Fjord zu leben ist vermutlich die einzig mögliche Art, Hinterwäldler und weltzugewandter Meeresanrainer zugleich zu sein. Jon Fosse lebt am Fjord und hat dort die Novelle „Das ist Alise” geschrieben, eine vielstimmige Erzählung vom parallelgeführten, doch zeitlich verschobenen Verschwinden eines Mannes und eines Jungen im Fjord.
Am Fjord passiert immer das gleiche, seit Jahrhunderten: Menschen fahren mit dem Boot hinaus und kommen reich oder arm zurück. Oder sie kommen gar nicht zurück. Der Erzählmonolog beginnt archaisch: Ich sehe und endet mit dem frommen Wunsch: Herr Jesus steh mir bei, du. Anders ist es wohl nicht auszuhalten, wenn Signe auf der Bank im Haus am Fjord liegt und weiß, dass nichts mehr ist, wie es war, seit Asle mit seinem Boot auf dem Fjord verschwunden ist. Der Erzähler stützt und ordnet seine Stimme, die von Signe und Asle singt, mit den Verben denken, sehen, sagen: Er sieht Signe, welche denkt, dass sie sieht und das sagt: „Und sie sieht ihn da stehen . . . Ich, sagt Asle Ich fahr mal bisschen auf den Fjord raus, sagt er Heut auch wieder, sagt …

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Ein Mann geht aus dem Haus und kommt nicht zurück. Eine Frau sieht ihrem Mann beim Fortgehen zu. Eine alte Frau erinnert sich, wie ihr Mann einst fortging. Es gibt eine Literatur des Geschwätzes, eine Literatur, in der galoppierende Sprachkaskaden sich immer weiter potenzieren, bis nur noch sinnfreies Geräusch übrig ist. Und es gibt eine Literatur der Sprachlosigkeit, eine Literatur, in der kaum geredet wird, und wenn, dann nur das Nötigste. Und auch dann immer dasselbe. Der Norweger Jon Fosse ist der Meister dieser Literatur, kurz vor dem Verstummen sagen seine Figuren einen kurzen Satz, Subjekt, Prädikat, schon ein Objekt wäre zuviel. Geschweige denn, dass sie handeln würden. Fosse schafft so eine Stimmung der magischen Melancholie: Ein Wispern liegt über seinem dunklen Fjord, Erinnerungen, Gespenster. Und unmerklich verschwimmen die Figuren, wird die Frau zum Mann, wird der Mann zum Kind, wird das Kind zur Alten. Nichts passiert, das könnte man Langweile nennen. Man könnte aber auch sagen: alles in Ordnung. (fis)
Hinrich Schmidt-Henkel, geboren 1959, lebt in Berlin, übersetzt Prosa und Theaterstücke aus dem Französischen, Norwegischen und Italienischen, zuletzt vor allem Jean Echenoz, Yasmina Reza, Jon Fosse, Erlend Loe und Louis-Ferdinand Céline.

Leseprobe zu "Das ist Alise" von Jon Fosse

"Er ging nicht weg, er blieb hier bei ihr, die ganze Zeit, bis er so plötzlich verschwand, denkt sie, er war bei ihr, vom ersten Mal, dass sie ihn ankommen sah und er da stand und sie sich einfach nur anschauten, einander zulächelten, als ob sie alte Bekannte wären, als ob sie sich schon immer kennen würden irgendwie, aber sich so unendlich lang nicht mehr gesehen hätten und sich darum so riesig freuen würden, dieses Wiedersehen machte beide dermaßen froh, dass die Freude die Führung übernahm, sie führte sie aufeinander zu, als hätte ihnen das ganze Leben lang etwas Wichtiges gefehlt, und jetzt wäre es da, endlich, jetzt war es da ..."

Leseprobe zu "Das ist Alise" von Jon Fosse

"Er ging nicht weg, er blieb hier bei ihr, die ganze Zeit, bis er so plötzlich verschwand, denkt sie, er war bei ihr, vom ersten Mal, dass sie ihn ankommen sah und er da stand und sie sich einfach nur anschauten, einander zulächelten, als ob sie alte Bekannte wären, als ob sie sich schon immer kennen würden irgendwie, aber sich so unendlich lang nicht mehr gesehen hätten und sich darum so riesig freuen würden, dieses Wiedersehen machte beide dermaßen froh, dass die Freude die Führung übernahm, sie führte sie aufeinander zu, als hätte ihnen das ganze Leben lang etwas Wichtiges gefehlt, und jetzt wäre es da, endlich, jetzt war es da ..."

Kundenbewertungen zu "Das ist Alise" von "Jon Fosse"

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Bewertung von Polar aus Aachen am 04.09.2007 ***** sehr gut
Müßte man Jon Fosses Das ist Alise gerecht werden, dürfte man nur wenige Worte verlieren. Zwei davon lauteten sicher: lesen, hinhören. Fosse braucht nicht viel, um Platz für seine Menschen zu schaffen. In der Wiederholung liegt die Tragik. Es fühlt sich an, als wisse jeder genau, wie sein Schicksal aussieht und lebe danach. Daß sich das Leben im Kreis dreht, kann den Schrecken der Zurückgeblieben nur verstärken. Und manchmal verfallen sie dabei dem Wahnsinn. Also schreibt man nur: lesen, hinhören.

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