Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension
Christoph Türcke weist zunächst darauf hin, welche Risiken gerade in einer Nietzsche-Biografie liegen. Denn einerseits habe Nietzsche selbst schon seine Autobiografie - wenn auch indirekt - vorweggenommen, zum anderen müsse ein Autor zwangsläufig scheitern bei dem Versuch, "hinter sein Geheimnis zu kommen". Recht angetan ist Türcke daher von dem vorliegenden Band, zumal es Safranski nach Ansicht des Rezensenten eher darum geht, Nietzsches Leben und Denken "plastisch hervortreten" zu lassen. Türcke lobt dabei Safranskis Balance zwischen Emphase und Distanz, seinen Verzicht auf "postmoderne Extravaganzen, Rück- oder Vorblenden", seine Sprache und nicht zuletzt die gute Lesbarkeit des Buchs. Etwas verwundert zeigt sich der Rezensent jedoch darüber, dass Nietzsches Krankheiten und auch der Wahnsinn hier fast überhaupt nicht thematisiert werden, auch dort nicht, wo dies in seinem Denken eine deutliche Rolle spielt. Auch das Kapitel zur Nietzsche-Rezeption hätte nach Türckes Ansicht ausführlicher ausfallen können. Besonders gelungen findet er allerdings, dass Safranski Nietzsche hier nicht als "übersensiblen Schmerzensmann" - wie das neuerdings recht populär ist - darstellt und auch aufzeigt, inwiefern Nietzsche selbst für so manche fragwürdige Deutung hinsichtlich des Faschismus` mitverantwortlich ist.
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"Profund recherchiert und vorzüglich erzählt. Safranski ist der Grandseigneur seines Genres, der fachliche Kenntnis mit verständlicher Darstellung zu verbinden weiß." Ludger Heidbrink, Die Welt, 29.07.2000 "Glänzend anschaulich geschriebene Biographie des Denkens. Safranskis Buch öffnet Zugänge zu diesem Denken, bringt es zur Erscheinung, läßt es sehen in seiner verführerisch schillernden Pracht: in unauflösbarer Vieldeutigkeit." Klaus Podak, Süddeutsche Zeitung, 14./15.08.2000 "Ein anmutiges, elegantes Buch, das seinen erfolgreichen Nietzsche-Nachvollzug auch gerade in seiner stilistischen Leichtigkeit, intellektuellen Luzidität und philosophischen Anschaulichkeit bewahrheitet. Safranski ist ... einer der glänzendsten und eloquentesten Essayisten." Ijoma Mangold, Berliner Zeitung, 18.08.2000 "Ein Meisterwerk der "Common-Sense-Sprache", ja er führt deren philosophische Eignung vor. Man braucht eben nicht, was leider die meisten Nietzsche-Adepten nicht einsehen wollen, einen Jargon, eine Sprache der Eingeweihten, um sich auf die Fährte von Nietzsche Denken zu begeben." Stephan Sattler, Focus, 21.08.2000 "Wer in die Denkwelt des heute wohl berühmtesten deutschen Philosophen eindringen will, sollte dieses Meisterwerk biographischer Literatur gelesen haben." Focus, 16.10.2000"Safranskis erstaunliche Biographie von Nietzsches Welt. Eine Philosophie, die man ernst nimmt, verlangt, die Welt und anders zu sehen und zu begreifen als zuvor. Wer davon nur erzählt, erniedrigt die Sache der Philosophie. Man kann aber Philosophie dennoch erzählen, wenn man es kann, wie Rüdiger Safranski es kann. Er ist ein zarter subtiler, den Gedanken und ihrer Wirkungen genau nachschmeckender Gourmet und Erzähler." Klaus Podak, Süddeutsche Zeitung, 14./15.08.2000 "Es ist das Verdienst von Rüdiger Safranskis Nietzsche-Buch, dass in ihm in erfreulich abgekühlter Form alles mitgeteilt wird, was für, was gegen diesen ganz Großen der Philosophiegeschichte zu sagen wäre. " Klaus Podak, Süddeutsche Zeitung, 14./15.08.2000 "Safranski liefert die transparente Nietzsche-Biografie, die man von ihm erwartet hat: empathisch, aber nicht distanzlos, in einer von Nietzsche inspirierten Sprache, die aber nie mit ihm konkurriert." Christoph Türcke, Die Zeit, 24.8.2000 "Safranski ist ein Meister-Erzähler für wirklich interessierte Laien. Ein begnadeter Führer durch die Labyrinthe des philosophischen Denkens, ein Verführer zu diesem Denken, das bei Safranski nie als Monopol der Fachgelehrsamkeit erscheint, sondern als Aufgabe der praktischen Lebensführung." Tom Peuckert, Frankfurter Rundschau, 21.09.2000 "Es bedarf wohl des Gespürs eines Rüdiger Safranski, Nietzsche bis in die letzte Nervenfaser des Gedankens zu folgen." Der Tagesspiegel, 19.08.2000
Rüdiger Safranski, geboren 1945, Philosoph und Schriftsteller, lebt in Berlin. Er veröffentlichte Biographien über E. T. A. Hoffmann, Schopenhauer und Heidegger sowie den großen philosophischen Essay "Wieviel Wahrheit braucht der Mensch? Über das Denkbare und Lebbare". Rüdiger Safranski erhielt 2006 den "WELT-Literaturpreis" und den "Friedrich-Hölderlin-Preis", 2009 den Corine - Internationaler Buchpreis, Kategorie Ehrenpreis des Bayerischen Ministerpräsidenten für sein Lebenswerk.