"Kein Ding gerät, an dem nicht der Übermut seinen Teil hat.
Das Zuviel an Kraft erst ist der Beweis von Kraft", postuliert
Nietzsche im Vorwort seiner "Götzen-Dämmerung". Und in
der Tat: Kraftvoll und ohne falsche Rücksicht auf ein in seinen
Augen überkommenes, in Traditionen gefangenes Denken schwingt der
sprachgewaltige Philosoph den Hammer. Er selbst bezeichnete die
1889 erschienene "Götzen-Dämmerung" als "vollkommene
Gesamteinführung" in seine Philosophie. Mit pointierter
Schärfe und bewusstem Pathos arbeitet Nietzsche hier an seinen
Gedanken zur "Umwertung aller Werte" und zum "Willen
zur Macht", bevor ihn kurze Zeit später die geistige
Umnachtung niederringt.
Friedrich Nietzsche (1844-1900) stammte aus einer evangelischen Pfarrersfamilie, besuchte die renommierte Landesschule in Pforta bei Naumburg, studierte in Bonn und Leipzig und wurde mit 25 Jahren Professor der klassischen Philologie in Basel. Er war ein genialer Denker, Meister der Sprache und begabter Musiker und Komponist. Sein Leben war bestimmt von problematischen Beziehungen, etwa zu Richard Wagner oder Lou Andreas-Salomé, und endete in der bedrückenden Einsamkeit des Wahnsinns.