Im Mai 1938 wurde in Düsseldorf unter der Ägide der
nationalsozialistischen Kulturverantwortlichen eine Ausstellung mit
dem Titel "Entartete Musik" eröffnet. Diffamiert wurden
darin der "Musikbolschewismus", die atonale Musik, der
Jazz und natürlich die Musik jüdischer Komponisten. Viele jener
Künstler, die im Namen der Säuberung des deutschen Musiklebens
damals auf den Index gesetzt wurden, haben - durch Deportation oder
in der Anonymität des Exils verschwunden - ihren gebührenden Platz
im heutigen Musikschaffen noch nicht wiedererlangt. Das große
Verdienst von Amaury du Closels Buch besteht darin, dass es sich
nicht nur auf die bekannten Namen wie Schönberg, Weill, Zemlinsky
oder Schreker beschränkt, sondern das Leben und Wirken von rund 200
Komponisten rekonstruiert, die heute fast vergessen sind. Nach
Erläuterung des ideologischen Konzeptes "Entartete Musik"
beschreibt der Autor jene Institutionen und Gesetze, die die
systematische Auslöschung der "unerwünschten" Elemente in
der deutschen Musikwelt überhaupt erst ermöglichten. Im letzten
Teil des Buches werden die Schicksale und Biografien der
Komponisten im Exil in Frankreich, Großbritannien, der Schweiz, in
den USA und Südamerika sowie in Japan dargestellt.