Seit "Verschwende deine Zeit", ihrem 2004 veröffentlichen
Debütalbum, zählen Silbermond zu den Aushängeschildern der
deutschen Musikszene. Die Band aus Bautzen um Sängerin Stefanie
Kloß überzeugt auf ihrem vierten Longplayer, "Himmel
auf", erneut mit 14 erstklassigen Songs. Silbermond zählten
noch nie zu den Rockbands, die es sich selbst besonders leicht
gemacht haben. Denn ihr Anspruch lautet, sich nicht wiederholen zu
wollen - und der besitzt trotz des großen Erfolgs der Formation bis
heute seine Gültigkeit. Doch trotz aller Experimentierfreude setzen
Silbermond auf alte Tugenden wie Treue und Verlässlichkeit. Denn an
ihrem bewährten Produzententeam, Bernd Wendland und Ingo Politz,
hat das Quartett trotz aller Veränderungswünsche auch diesmal
festgehalten. "Es war für uns ehrlich gesagt nie eine Option,
mit jemand anderem zu arbeiten", erklärt Gitarrist Thomas
Stolle. "Ingo und Bernd kennen wir seit zehn Jahren. Die
beiden sind wirklich die einzigen Produzenten, die in der Lage
sind, uns über einen längeren Zeitraum zu ertragen." Die Band
ist der festen Überzeugung, dass sie jedes andere Produzententeam
nach zwei Wochen aus dem Studio geworfen hätte. Doch so weit ist es
bekanntlich nicht gekommen. Gerade bei der Produktion des aktuellen
Albums, für das die Band viele Routinen über Bord ge worfen hat,
kam es für Silbermond darauf an, mit jemand zusammen zuarbeiten,
der auch bereit ist, einen Umweg zu gehen, um ans Ziel zu kommen.
"Für uns war ganz klar, das wir uns, was den Sound angeht, neu
definieren wollten", ergänzt Johannes Stolle, der Bruder von
Thomas. Und genau das ist Silbermond auf ihrem vierten Album
gelungen, ohne sich zu weit vom bewährten Klangbild zu entfernen.
"Wir hatten bis jetzt bei jeder Produktion irgendwelche
Zweifel und Hürden, die wir überwinden mussten", berichtet
Schlagzeuger Andreas Nowak. "Das war noch nie anders und wird
wohl auch nie anders sein. Zweifel sind in einer solchen Situation
etwas sehr gutes, denn man hinterfragt sich." So war die Band
zum Beispiel mit den Aufnahmen der ersten vier Songs nicht
zufrieden und spielte sie deshalb einfach noch einmal neu ein.
"Das kostet zwar Kraft, aber solche Prozesse sind einfach sehr
wichtig", sagt Stefanie Kloß. Die Anstrengungen waren indes
nicht umsonst: Silbermond haben sich durchgebissen und liefern mit
"Himmel auf" ihr musikalisch vielseitigstes Album ab.
Zugute kam der Gruppe dabei auch, dass sie diesmal schon im Vorfeld
in ihrem eigenen Studio, das zugleich der Übungsraum der Band ist,
viel experimentieren und aufnehmen konnten. Aus 60 Ideen
destillierten Silbermond rund 25 Stücke, von denen es schließlich
14 aufs neue Album schafften. "Wir probierten in dieser Zeit
wirklich sehr viel aus, von unterschiedlichen Mikrophonen bis hin
zu Effektgeräten und Samplern", erzählt Andreas Nowak.
"Wir haben uns in unserem neuen Studio ein Refugium
erschaffen, in dem man sich gern aufhält, wo man sich wohlfühlt und
das eine Wohnzimmeratmosphäre ausstrahlt", ergänzt Thomas
Stolle. Bei der Produktion ließ sich die Band erneut die nötige
Zeit. "Insgesamt brauchten wir aber nicht entscheidend länger
als bei den letzten Alben", führt Johannes Stolle aus.
"Das Gute ist, dass wir uns nach wie vor nicht dazu zwingen
müssen, Musik zu machen. Das Ganze entsteht aus uns heraus. Wir
treffen uns auch mal privat. Wir haben in den vergangenen 14 Jahren
zusammen viel erlebt, und das schweißt natürlich zusammen."
Dieser besondere Zusammenhalt prägt die Musik von Silbermond und
ermöglicht es der Band, immer wieder an ihre Grenzen zu gehen und
sich dabei neu zu entdecken. Norbert Schiegl
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