Der König von Mexiko - Wimmer, Stefan

Stefan Wimmer 

Der König von Mexiko

Roman

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Produktbeschreibung zu Der König von Mexiko

"So unterhaltsame und gut geschriebene Romane findet man selten." -- FAZ

"'Der König von Mexiko' ist etwas für richtige Männer - und Frauen, die wissen wollen, wie es im Leben eines modernen Machos zugeht." -- Spiegel Online

"Als hätte sich Cervantes in eine Zeitmaschine gesetzt, Charles Bukowski getroffen und beschlossen, einen Schelmenroman des 21. Jahrhunderts zu schreiben." -- Der Kurier

Willkommen in der Welt des munteren Machismo

Stets knapp an Geld, aber reich an körpereigenem Testosteron, körperfremden Alkoholika und sonstigen Drogen, hängt ein deutscher Student im Nachtleben von Mexiko City ab. Sein Ziel: statt der Literatur das pralle Leben zu studieren. Unvermittelt gerät er an eine Tochter aus reichem Hause und ist fest entschlossen, diesen Fang nicht mehr entkommen zu lassen.

Ein todkomischer, fulminanter Schlag in die Magengrube des Geschlechterkampfs.

Produktinformation


  • Verlag: Heyne
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 319 S.
  • Seitenzahl: 320
  • Heyne Bücher Nr.40732
  • Deutsch
  • Abmessung: 189mm x 118mm x 27mm
  • Gewicht: 263g
  • ISBN-13: 9783453407329
  • ISBN-10: 3453407326
  • Best.Nr.: 26324717
"Als hätte sich Cervantes in eine Zeitmaschine gesetzt, Charles Bukowski getroffen und beschlossen, einen Schelmenroman des 21. Jahrhunderts zu schreiben." Der Kurier

"Als hätte sich Cervantes in eine Zeitmaschine gesetzt, Charles Bukowski getroffen und beschlossen, einen Schelmenroman des 21. Jahrhunderts zu schreiben."

kulturnews - RezensionBesprechung
Bereitgestellt von kulturnews.de
(c) bunkverlag
Mexico? Ach was! Stefan Wimmers "Der König von Mexico" hat seine Stärken im zweiten Teil des Romans, und zwar in der Reaktion eines Münchner Tittenblattes, das man mit ein bisschen Internetrecherche als den Playboy in den Jahren 2000 bis 2003 identifizieren kann. Dort arbeitet Wimmers Held Ingo Falkenhorst als unterbezahlter Redakteur im Ressort "Erotik und Reportage", nachdem er seine Stipendiatengelder vom DAAD in den Cantinas von Mexico restlos versoffen und verkokst hat. Während das Tittenblatt unter Auflagenschwund leidet, wird in der Redaktion gemobbt und relauncht, dass es eine helle Freude ist. "Wie ja ehwe gonz rischtisch gsaagt worre isch: Isch bin da, um eisch zu helfe", stellt sich Jungspund Gabriel dem Team vor und beginnt im Auftrag des Chefredakteurs aufzuräumen. Am Ende werden alle entlassen, und Falkenhorst schmeißt fast ganz alleine mit Unterstützung von Leiharbeitsredakteuen den Laden. Dann steht auch er auf der Straße. Teil zwei dieses disparaten Romans ist so stark, dass das Gesamtwerk trotz des schwächeren mexikanischen Teils noch immer ein Kleinod der Mediensatire ist. (jw)

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 30.06.2008

Weg frei fürs Spaßprinzip
Stefan Wimmer hospitiert für ein Jahr in Mexiko

Dass die meisten deutschen Studenten bei Auslandssemestern zwar viel lernen, aber wenig studieren, ist nichts Neues. Einer jedoch setzt sich selbst die Krone der Uni-Ignoranz auf. Der König von Mexiko, Hauptfigur des gleichnamigen Romans von Stefan Wimmer, verbringt seine Zeit in Mexiko City in Bars, wo er säuft, Drogen nimmt und eine Frau sucht. Finanziell unterstützt wird Ingo Falkenhorst dabei von einem Stipendium, denn es ist ja nicht so, dass er nicht hätte forschen wollen: Seine Doktorarbeit über "Die Essayistik der Hiperión-Gruppe" findet nur anfangs keinen Professor - und dann einen, an dem der Autor seine Lust an der Karikatur auslebt. Professor Bockberg de Sanchez hat nicht nur schlimmen Mundgeruch, "der an Pestbandagen, Tiermehlfabriken oder das Truppenklo der zehnjährigen Belagerung von Troja erinnerte", sondern stellt sich auch vor, der Student müsse den ganzen Tag in seinen Seminaren verbringen. Zum Glück für Falkenhorst tritt die Universität kurz darauf in einen einjährigen Generalstreik. Der Weg ins Spaßprinzip ist frei.

Wimmers Buch ragt aus …

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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Gegen "Männerliteratur", wie die Bücher Stefan Wimmers gern etikettiert werden, hat die Rezensentin Julia Bähr nichts einzuwenden, solange sie unterhaltsam und derart "fulminant" geschrieben ist wie dieser Roman über einen Studenten auf Abwegen in Mexiko. Für Bähr wächst der Autor über das popliterarische Format hinaus. Zum Einen, weil er seinem Protagonisten eine "anstrengende Freundin" aus der mexikanischen Upperclass zur Seite stellt, zum Anderen weil er die eine Handlung unvermittelt abbrechen und ihr eine zweite folgen lässt. Der Held findet sich in der Redaktion einer Männerzeitschrift wieder, wo es dann richtig "ulkig" wird. So richtig überzeugend klingt das aber nicht.

© Perlentaucher Medien GmbH

”Der Roman ”Der König von Mexiko ist etwas für richtige Männer - und Frauen, die wissen wollen, wie es im Leben eines modernen Machos zugeht. Es gibt sie noch, die richtigen Männer in der zeitgenössischen Literatur — Eichborn sei Dank! Für die sind Feuchtgebiete immer noch vorwiegend gut bestückte Bars mit ordentlichen Tequilas oder hochprozentigen Mezcals. ... Wimmer steht in der Tradition der sogenannten ”Männerliteratur“, die seit den dreißiger Jahren mit den Namen Charles Bukowski, Henry Miller oder Ernest Hemingway verbunden ist. ... der Autor läßt diese Altherrenriege hinter sich. Er schreibt modern, mit bösem Witz und messerscharfen Beobachtungen der Bourgeoisie oder der Medienwelt. ... Der 1969 geborene Autor macht mit seinem rauhbeinigen Gang durch die Männerpinten Mexikos literarisch Schluß mit der tequilafreien Generation schmalbrüstiger Pop — Autoren. Wimmer schreibt das so auf, dass der Leser selbst eine Abenteuerreise in den korrupten Untergrund dieses großen, verrückten Landes antritt.
(Sebastian Knauer, Spiegel Online)

”Ein echter Sommerhit zum Wegschmökern.“
(Ulrich Faure, …

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"Der Roman"Der König von Mexiko ist etwas für richtige Männer - und Frauen, die wissen wollen, wie es im Leben eines modernen Machos zugeht. Es gibt sie noch, die richtigen Männer in der zeitgenössischen Literatur - Eichborn sei Dank! Für die sind Feuchtgebiete immer noch vorwiegend gut bestückte Bars mit ordentlichen Tequilas oder hochprozentigen Mezcals. ... Wimmer steht in der Tradition der sogenannten"Männerliteratur", die seit den dreißiger Jahren mit den Namen Charles Bukowski, Henry Miller oder Ernest Hemingway verbunden ist. ... der Autor läßt diese Altherrenriege hinter sich. Er schreibt modern, mit bösem Witz und messerscharfen Beobachtungen der Bourgeoisie oder der Medienwelt. ... Der 1969 geborene Autor macht mit seinem rauhbeinigen Gang durch die Männerpinten Mexikos literarisch Schluß mit der tequilafreien Generation schmalbrüstiger Pop - Autoren. Wimmer schreibt das so auf, dass der Leser selbst eine Abenteuerreise in den korrupten Untergrund dieses großen, verrückten Landes antritt.
(Sebastian Knauer, Spiegel Online)

"Jeder Satz brennt... Jeder Satz gehauen aus groben Klötzen, monströse Götzen. Das ist die Literatur von Stefan …

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Stefan Wimmer, geboren 1969 in München, war von 1997 - 2000 Journalist in Mexiko City. Von 2000-2003 Redakteur bei mehreren Münchner Lifestyle-Magazinen. Viele große Reportagen und Erzählungen für die "Süddeutsche Zeitung", den "BR2", den "WDR", "Deutschlandradio", "Madame", "Men's Health", "Die Woche", "Junge Welt" u.a. In Mexiko City Producer beim "ORF", Mitarbeiter in der Kulturzeitschrift "Paréntesis" und Reporter für die Tageszeitungen "Reforma" und "Milenio".

Leseprobe zu "Der König von Mexiko" von Stefan Wimmer

"Was gilt's, dachte er sich,
ich brauche mich gar nicht erst umdrehen,
es ist ohnehin niemand anders als Walther."

Der blonde Eckbert

"Bätoo! Komm her, wenn ich rufe! Bätooooo!", quäkte eine Frauenstimme über den Tresen des Barracudas . Die Stimme hätte aus der Audioshow des Escorial-Schlosses stammen können - Schallbeispiel: Infantin, auf dem Bidet nach ihrem Hofzwerg rufend -, aber da mich degenerierte

Stimmen bisweilen interessierten, drängelte ich mich in ihre Richtung. Die Stimme stammte von einem Mädchen mit eingeföhntem Pony, millimeterdickem Lippgloss auf dem Mund und einer Solariumsbräune, die Hunger auf Grill-Hähnchen machte.

"Bätooooo! Maaaach mir noch einen Saaaake-Martini! ", quäkte sie wieder. Beto, der Barkeeper, setzte eine beflissene Miene auf, mixte einen Sake-Martini und schob ihn ihr über die Theke.

Daaanke, mein Schääätzchen!", sagte sie und drehte Beto so schnell den Rücken zu, dass er keine Gelegenheit mehr hatte, von ihr die Zeche zu fordern. Das Mädchen schlabberte an dem rosa schimmernden Martini und verschluckte fast die Cocktailkirsche.

Beto begrüßte mich mit Handschlag.

"Wie geht's?", fragte ich.

"Zum Kotzen!", sagte er und steckte sich seinen Finger in den Rachen. "Bohemia und Ultramarino?"

Ich nickte. Beto schenkte Ultramarino ein und nahm eine Flasche Bohemia aus dem Eisfach. Ich überflog eine Weile die Gäste, dann zischte ich den Ultramarino runter.

Das Barracuda - ein großer Glas-Kubus mit zwei Plateaus für Steh- und Restaurant-Bereich - war der angesagteste Laden der Stadt. Wer von Mexiko Citys Society etwas auf sich hielt, nahm im Barracuda sein Dinner ein - vorzugsweise direkt an der Glasfront zur Straße, um sich von denen begaffen zu lassen, die der Türsteher nicht hineinließ. Zusammen mit einer Reihe weiterer In-Restaurants gehörte das Barracuda drei Brüdern aus der reichen jüdischen Gemeinde von Mexiko City. Der älteste Bruder, Nestor, hatte einen Vollbart, ein dramatisch gefurchtes Gesicht und mit vierzig noch eine Zahnspange mit Gummibändern. Nestor war der Mächtigste der drei. Er rührte im Barracuda niemals einen Finger, sondern saß meist neben der Kasse und ließ sich von seinen weiblichen Angestellten den Nacken massieren. Seinen linken Arm trug er seit ein paar Wochen in einem Gips, der so schmutzig war, dass es aussah, als sei Nestor Kanalreiniger. Der zweite Betreiber des Barracuda war Diego, ein Telenovela-Schauspieler mit eisigen, emotionslosen Hai-Augen. Der Jüngste der Brüder hieß Jorge, war sehr klein und schielte. Jorge hatte die Aufgabe, die prominenten Gäste persönlich an der Tür zu empfangen und unter zwergenhaften Verneigungen zu den Tischen zu geleiten.

Da mich zwei Drittel der Brüder meiner Nationalität wegen hassten, war es für mich gar nicht so einfach, in das Barracuda eingelassen zu werden. Doch der indianische Türsteher hatte mich in sein Herz geschlossen, nachdem ich einmal mit einem weißen PRI-Politiker aneinander geraten war, der den ganzen Abend lang die dunkelhäutigen Barmänner beleidigt hatte. Gegen einen Politiker trauten sich die Angestellten nicht vorzugehen. Lediglich die drei Brüder würden vielleicht etwas unternommen haben, doch sie waren an diesem Abend absent. Nestor hätte den Politiker vielleicht mit seinem dreckigen Gipsarm bedrängt, Diego hätte ihn mit seinem Vereisungs-Blick eingefroren, Jorge hätte ihn durch Schielen zu Boden gezwungen. Aber die drei waren nicht da, und so blieb es blöderweise an mir hängen, den Mann niederzuschlagen, nachdem er im Barracuda auf mich losging.

Natürlich fragte ich mich manchmal, warum ich überhaupt um drei Uhr nachts in einem Laden wie dem Barracuda herumstand und den Brüdern mein Geld in den Rachen warf. Die Erklärung war einfach: Das Barracuda befand sich nur einen Steinwurf vom Centenario entfernt. Wenn der Centenario zusperrte, konnte man selbst in stark benebeltem Zustand sofort ins Barracuda weiterziehen. Der zweite Vorteil des Barracuda war, dass sich dort die Silberrücken der mexikanischen Medienwelt tummelten: Leute wie der auf Lebenszeit eingesetzte Excelsior -Chefredakteur Edgar Domínguez, der zu fort - geschrittener Stunde von seiner Kindheit unter den Drogenzaren Sinaloas schwärmte. Oder Naty Soza, die Herrscherin über das Feuilleton des Observador , die einem Viehzüchter-Klan aus Chihuahua entstammte. Oder Emilio Krautweg, Bankierssohn und Verleger des Dreigestirns Conspiración, Mundo Libre und Obsesiones , der keine einzige Textsorte schreiben konnte - seien es Weihnachtsgrüße, Stierkampf-Impressionen oder Restaurantkritiken -, ohne darin mehrere Attacken gegen den "Comandante Marcos" und die Zapatisten zu verpacken.

In den Centenario setzten diese Leute nie einen Fuß, im Barracuda dagegen konnte man sie greifen. Menschen mit einem vernünftigen Beruf hätten es natürlich als vollkommen unwesentlich erachtet, ob sich im Nachtclub ihrer Wahl ein Herr Domínguez, ein Herr Krautweg oder ein Fräulein Soza aufhielt. Doch für uns Mediensklaven war es eine Frage des Überlebens, diese Menschen abzufangen und ihnen Texte und Themen aufzuschwatzen. In ihren Büros waren diese Menschen unansprechbar - so sie denn überhaupt im Verlagsgebäude saßen und nicht bei irgendwelchen Empfängen, Banketten und Geheimunterredungen zugange waren. Im Barracuda traf man sie dagegen in weitaus empfänglicherer Laune, nämlich betrunken und vollgekokst. Dann konnte passieren, was auf offiziellem Weg niemals passiert wäre: Nach dem fünften Martini Dry und der zehnten Line umarmten sie einen und gaben den Zuschlag für die Story - die dann je nach Auftraggeber natürlich die Drogenwirtschaft in ein mildes Licht rücken, Hiebe gegen Zapatisten verteilen oder die prallen, unerschöpflichen Kuheuter Chihuahuas preisen musste.Doch um gerecht zu bleiben: Nicht alle Medienregenten waren so leicht manipulierbar. Es gab es auch Leute, die sich gegenüber den Auswirkungen von Alkohol und Drogen absolut immun zeigten: Augusto Anz beispielsweise, der Herausgeber von Diacrítica , benahm sich imme r daneben, ganz gleich ob er stocknüchtern oder total zugedröhnt war. Augusto ließ in j e d em Zustand die elementarsten Höflichkeits- und Verhaltensregeln außer Acht. Auch wenn man bereits Dutzende Artikel für Augusto geschrieben hatte, grüßte er einen weder dicht noch nüchtern. Traf man ihn in dichtem Zustand, war der einzige Unterschied, dass er einen minutenlang mit einem schizoiden Blick fixierte, bevor er sich dann wegdrehte - und wieder nicht grüßte.

Leseprobe zu "Der König von Mexiko" von Stefan Wimmer

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