"Ein bemerkenswerter Thriller. Liebevoll seziert Martin Cruz
Smith die russische Seele. Tiefgründig und doppelbödig." --
3sat Kulturzeit
"... sein sechster und bisher vielleicht bester Roman um den
russischen Polizisten Arkadi Renko." -- Der Tagesspiegel
Deutscher Krimi Preis 2008
In der Moskauer U-Bahn werden in diesem Winter die Menschen von
Stalin höchstpersönlich heimgesucht. Ist der Diktator wieder
auferstanden? Bei seiner Suche nach Stalins Geist stößt
Chefermittler Arkadi Renko auf diverse Leichen, geheime
Massengräber und grausige Relikte der Vergangenheit. Und er findet
heraus, dass es Verbindungen zwischen Stalins Auftauchen und der
geheimnisumwitterten OMON gibt, die im Tschetschenien-Krieg als
berüchtigte Elite-Einheit agierte. Aber auch seine Lebensliebe Eva
scheint in all diese Vorkommnisse verwickelt zu sein
"... sein sechster und bisher vielleicht bester Roman um den russischen Polizisten Arkadi Renko." Der Tagesspiegel
"... sein sechster und bisher vielleicht bester Roman um den russischen Polizisten Arkadi Renko."
"... sein sechster und bisher vielleicht bester Roman um den russischen Polizisten Arkadi Renko."
Martin Cruz Smith, 1943 als Sohn einer Indianerin und eines Jazz-Musikers in Philadelphia geboren, gelang mit dem Roman 'Gorki Park' ein Welterfolg. Seither hat der russische Chefinspektor Arkadi Renko eine große Fan-Gemeinde, die nach 'Polar Star' und 'Das Labyrinth' jetzt endlich ihren unvergleichlichen und abgeklärten Helden wiederhat.
Leseprobe zu "Stalins Geist / Arkadi-Renko-Thriller Bd.6"
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Leseprobe zu "Stalins Geist / Arkadi-Renko-Thriller Bd.6"
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Die Moskauer lebten für den Winter. Für einen Winter mit knietiefem Schnee, der die Stadt weicher machte, fließend von einer goldenen Kuppel zu andern reichte, Statuen neu modellierte und Parkwege in Schlittschuhbahnen verwandelte. Schnee, der manchmal herabwehte wie ein dunstiger Schleier, manchmal dick wie Daunenfedern. Schnee, der die Limousinen der Reichen und Mächtigen zwang, hinter Schneepflügen herzukriechen. Schnee, der sich wie ein Vorhang schloss und öffnete und das Auge mit einem kurzen Blick auf einen beleuchteten Globus über dem Eingang zum Zentralen Telegrafenamt kitzelte, auf Apollos Wagen, der das Bolschoi verließ, auf die Neonumrisse eines Störs über einem Lebensmittelgeschäft. Frauen beim Einkaufen schwebten in langen Pelzmänteln zwischen den Böen dahin. Kinder zogen Schlitten und Snowboards hinter sich her, und Lenin lag in seinem Mausoleum, taub für jede Korrektur, eingehüllt in Schnee.
Und nach Arkadis Erfahrung würde man, wenn der Schnee schmolz, Leichen entdecken. Im Moskauer Frühling.
Es war zwei Uhr morgens, früh und spät zugleich. Zwei Uhr morgens war eine Welt für sich. Soja Filotowa trug ihr schwarzes Haar in einem strengen kurzen Schnitt, als wollte sie den Bluterguss unter ihrem Auge trotzig zur Schau stellen. Sie war ungefähr vierzig, schätzte Arkadi, von sehniger Eleganz in ihrem roten Hosenanzug mit dem goldenen Kreuz, das nur als Schmuck diente. Sie saß auf der einen Seite der Nische, Arkadi und Viktor auf der anderen. Soja hatte einen Brandy bestellt, ihn aber noch nicht angerührt. Sie hatte lange rote Fingernägel, und als sie eine Zigarettenschachtel in den Händen hin und her drehte, musste Arkadi an einen Krebs denken, der sein Abendessen inspizierte. Das Café war ein chromblitzender Laden über einer Autowaschanlage an der Ringstraße. Heute Abend wurden keine Autos gewaschen, nicht, solange es schneite, und die wenigen Wagen, die es zum Café schafften, waren Geländewagen mit Allradantrieb. Die einzigen Ausnahmen waren Arkadis Schiguli und Viktors Lada, die in einer Ecke des Parkplatzes kauerten.
Viktor nippte an einem Chivas, aber nur ganz vorsichtig. Drinks waren teuer, und Viktor war geduldig wie ein Kamel. Arkadi hatte ein bescheidenes Glas Wasser vor sich; er war ein blasser Mann mit dunklem Haar und der Ruhe des professionellen Beobachters. Nach sechsunddreißig Stunden ohne Schlaf war er noch stiller als sonst.
"Mein Herz tut schlimmer weh als mein Gesicht", sagte Soja.
"Ein gebrochenes Herz?", vermutete Viktor, als wäre das seine Spezialität.
"Mein Gesicht ist ruiniert."
"Nein, Sie sind immer noch eine schöne Frau. Zeigen Sie meinem Freund, was Ihr Mann Ihnen sonst noch angetan hat."
Fahrer und Bodyguards saßen versunken auf den Hockern an der Bar; sie umfassten ihre Gläser mit beiden Händen, saugten an ihren Zigaretten, hielten ihr Gleichgewicht. Zwei Bosse verglichen ihre Florida-Sonnenbräune und zeigten einander Schnappschüsse vor Dornröschens Märchenschloss. Soja schob das Kruzifix beiseite, damit sie den Reißverschluss ihrer Jacke aufziehen und Arkadi einen Bluterguss zeigen konnte, der die glatte Fläche ihrer Brust wie ein Weinfleck bedeckte.
"Ihr Mann hat das getan?", fragte Arkadi.
Sie zog den Reißverschluss hoch und nickte.
"Sie werden bald vor ihm sicher sein", sagte Viktor beruhigend. "Solche Tiere sollten nicht frei herumlaufen."
"Bevor wir geheiratet haben, war er wunderbar. Selbst jetzt noch muss ich sagen, dass Alexander ein fabelhafter Liebhaber war."
"Das ist normal", sagte Viktor. "Man versucht, sich an die guten Zeiten zu erinnern. Wie lange sind Sie verheiratet?" "Seit drei Monaten."
Wird es nie zu schneien aufhören?, fragte sich Arkadi. Ein Nissan Pathfinder rollte an eine Zapfsäule heran. Die Mafia wurde konservativ; nachdem sie ihre jeweiligen Territorien vermessen und etabliert hatte, verteidigte sie den Status quo. Ihre Kinder würden Banker werden, und deren Kinder Dichter oder so etwas. Abwarten - in fünfzig Jahren käme ein goldenes Zeitalter der Lyrik.
Arkadi schaltete sich wieder in das Gespräch ein. "Sind Sie sicher, dass Sie das tun möchten? Manchmal ändert man seine Meinung."
"Ich nicht."
"Vielleicht wird Ihr Mann sich ändern."
"Er nicht." Ihr Lächeln bekam zusätzliche Schärfe. "Er ist ein Vieh. Ich wage mich nicht mehr in meine eigene Wohnung. Es ist zu gefährlich."
"Sie haben sich an die richtigen Leute gewandt", sagte Viktor und verlieh dem Augenblick mit einem kleinen Schluck Whisky besondere Feierlichkeit. Autos dröhnten vorüber, jedes in einer anderen Tonlage.
"Wir werden Telefonnummern, Adressen, Schlüssel brauchen", sagte Arkadi. "Sie müssen uns von seinem Tagesablauf erzählen, seinen Gewohnheiten, wo er hingeht. Wenn ich recht verstehe, haben Sie und Ihr Mann ein Geschäft in der Nähe des Arbat."
"Am Arbat. Genau gesagt ist es mein Geschäft." "Was für eins?"
"Partnervermittlung. Internationale Partnervermittlung."
"Wie heißt die Firma?"
"Cupido."
"Wirklich?" Das war interessant, fand Arkadi. Ein Streit in Cupidos Laube? "Wie lange haben Sie dieses Geschäft schon?"
"Seit zehn Jahren." Ihre Zunge ruhte einen Augenblick lang auf ihren Zähnen, als wollte sie noch mehr sagen und hätte es sich dann anders überlegt.
"Sie und Ihr Mann arbeiten beide dort?"
"Er steht nur herum, raucht Zigaretten und trinkt mit seinen Kumpanen. Ich mache die Arbeit, er nimmt das Geld, und wenn ich versuche, ihn daran zu hindern, schlägt er mich. Ich hab ihn gewarnt. Es war das letzte Mal, habe ich gesagt."
Viktor sagte: "Und jetzt wollen Sie ihn ..."
"Tot und begraben sehen."
"Tot und begraben?" Viktor grinste. Er schätzte Frauen mit Elan.
"Und er soll nie gefunden werden."
"Was ich wissen muss", sagte Arkadi, "woher wussten Sie, dass Sie sich an die Polizei wenden müssen, um Ihren Mann umbringen zu lassen?"
"Macht man das nicht so?"
Arkadi musste ihr recht geben. "Aber wer hat es Ihnen gesagt? Woher haben Sie diese Telefonnummer? Es macht uns nervös, wenn eine unbescholtene Bürgerin wie Sie weiß, wie sie uns erreichen kann. Haben Sie unsere Nummer von einem Freund bekommen, oder hat ein Flugzeug >Killer zu mieten< an den Himmel geschrieben?"
Soja zuckte die Achseln. "Ein Mann hat eine Nachricht auf meinem Anrufbeantworter hinterlassen und gesagt, wenn ich ein Problem hätte, sollte ich diese Nummer anrufen. Ich habe angerufen, und Ihr Freund hat sich gemeldet."
"Kannten Sie die Stimme auf dem Anrufbeantworter?"
"Nein. Ich glaube, es war eine gute Seele, die Mitleid mit mir hatte."
"Und woher hatte diese gute Seele Ihre Telefonnummer?", fragte Viktor.
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Die Moskauer lebten für den Winter. Für einen Winter mit knietiefem Schnee, der die Stadt weicher machte, fließend von einer goldenen Kuppel zu andern reichte, Statuen neu modellierte und Parkwege in Schlittschuhbahnen verwandelte. Schnee, der manchmal herabwehte wie ein dunstiger Schleier, manchmal dick wie Daunenfedern. Schnee, der die Limousinen der Reichen und Mächtigen zwang, hinter Schneepflügen herzukriechen. Schnee, der sich wie ein Vorhang schloss und öffnete und das Auge mit einem kurzen Blick auf einen beleuchteten Globus über dem Eingang zum Zentralen Telegrafenamt kitzelte, auf Apollos Wagen, der das Bolschoi verließ, auf die Neonumrisse eines Störs über einem Lebensmittelgeschäft. Frauen beim Einkaufen schwebten in langen Pelzmänteln zwischen den Böen dahin. Kinder zogen Schlitten und Snowboards hinter sich her, und Lenin lag in seinem Mausoleum, taub für jede Korrektur, eingehüllt in Schnee.
Und nach Arkadis Erfahrung würde man, wenn der Schnee schmolz, Leichen entdecken. Im Moskauer Frühling.
Es war zwei Uhr morgens, früh und spät zugleich. Zwei Uhr morgens war eine Welt für sich. Soja Filotowa trug ihr schwarzes Haar in einem strengen kurzen Schnitt, als wollte sie den Bluterguss unter ihrem Auge trotzig zur Schau stellen. Sie war ungefähr vierzig, schätzte Arkadi, von sehniger Eleganz in ihrem roten Hosenanzug mit dem goldenen Kreuz, das nur als Schmuck diente. Sie saß auf der einen Seite der Nische, Arkadi und Viktor auf der anderen. Soja hatte einen Brandy bestellt, ihn aber noch nicht angerührt. Sie hatte lange rote Fingernägel, und als sie eine Zigarettenschachtel in den Händen hin und her drehte, musste Arkadi an einen Krebs denken, der sein Abendessen inspizierte. Das Café war ein chromblitzender Laden über einer Autowaschanlage an der Ringstraße. Heute Abend wurden keine Autos gewaschen, nicht, solange es schneite, und die wenigen Wagen, die es zum Café schafften, waren Geländewagen mit Allradantrieb. Die einzigen Ausnahmen waren Arkadis Schiguli und Viktors Lada, die in einer Ecke des Parkplatzes kauerten.
Viktor nippte an einem Chivas, aber nur ganz vorsichtig. Drinks waren teuer, und Viktor war geduldig wie ein Kamel. Arkadi hatte ein bescheidenes Glas Wasser vor sich; er war ein blasser Mann mit dunklem Haar und der Ruhe des professionellen Beobachters. Nach sechsunddreißig Stunden ohne Schlaf war er noch stiller als sonst.
"Mein Herz tut schlimmer weh als mein Gesicht", sagte Soja.
"Ein gebrochenes Herz?", vermutete Viktor, als wäre das seine Spezialität.
"Mein Gesicht ist ruiniert."
"Nein, Sie sind immer noch eine schöne Frau. Zeigen Sie meinem Freund, was Ihr Mann Ihnen sonst noch angetan hat."
Fahrer und Bodyguards saßen versunken auf den Hockern an der Bar; sie umfassten ihre Gläser mit beiden Händen, saugten an ihren Zigaretten, hielten ihr Gleichgewicht. Zwei Bosse verglichen ihre Florida-Sonnenbräune und zeigten einander Schnappschüsse vor Dornröschens Märchenschloss. Soja schob das Kruzifix beiseite, damit sie den Reißverschluss ihrer Jacke aufziehen und Arkadi einen Bluterguss zeigen konnte, der die glatte Fläche ihrer Brust wie ein Weinfleck bedeckte.
"Ihr Mann hat das getan?", fragte Arkadi.
Sie zog den Reißverschluss hoch und nickte.
"Sie werden bald vor ihm sicher sein", sagte Viktor beruhigend. "Solche Tiere sollten nicht frei herumlaufen."
"Bevor wir geheiratet haben, war er wunderbar. Selbst jetzt noch muss ich sagen, dass Alexander ein fabelhafter Liebhaber war."
"Das ist normal", sagte Viktor. "Man versucht, sich an die guten Zeiten zu erinnern. Wie lange sind Sie verheiratet?" "Seit drei Monaten."
Wird es nie zu schneien aufhören?, fragte sich Arkadi. Ein Nissan Pathfinder rollte an eine Zapfsäule heran. Die Mafia wurde konservativ; nachdem sie ihre jeweiligen Territorien vermessen und etabliert hatte, verteidigte sie den Status quo. Ihre Kinder würden Banker werden, und deren Kinder Dichter oder so etwas. Abwarten - in fünfzig Jahren käme ein goldenes Zeitalter der Lyrik.
Arkadi schaltete sich wieder in das Gespräch ein. "Sind Sie sicher, dass Sie das tun möchten? Manchmal ändert man seine Meinung."
"Ich nicht."
"Vielleicht wird Ihr Mann sich ändern."
"Er nicht." Ihr Lächeln bekam zusätzliche Schärfe. "Er ist ein Vieh. Ich wage mich nicht mehr in meine eigene Wohnung. Es ist zu gefährlich."
"Sie haben sich an die richtigen Leute gewandt", sagte Viktor und verlieh dem Augenblick mit einem kleinen Schluck Whisky besondere Feierlichkeit. Autos dröhnten vorüber, jedes in einer anderen Tonlage.
"Wir werden Telefonnummern, Adressen, Schlüssel brauchen", sagte Arkadi. "Sie müssen uns von seinem Tagesablauf erzählen, seinen Gewohnheiten, wo er hingeht. Wenn ich recht verstehe, haben Sie und Ihr Mann ein Geschäft in der Nähe des Arbat."
"Am Arbat. Genau gesagt ist es mein Geschäft." "Was für eins?"
"Partnervermittlung. Internationale Partnervermittlung."
"Wie heißt die Firma?"
"Cupido."
"Wirklich?" Das war interessant, fand Arkadi. Ein Streit in Cupidos Laube? "Wie lange haben Sie dieses Geschäft schon?"
"Seit zehn Jahren." Ihre Zunge ruhte einen Augenblick lang auf ihren Zähnen, als wollte sie noch mehr sagen und hätte es sich dann anders überlegt.
"Sie und Ihr Mann arbeiten beide dort?"
"Er steht nur herum, raucht Zigaretten und trinkt mit seinen Kumpanen. Ich mache die Arbeit, er nimmt das Geld, und wenn ich versuche, ihn daran zu hindern, schlägt er mich. Ich hab ihn gewarnt. Es war das letzte Mal, habe ich gesagt."
Viktor sagte: "Und jetzt wollen Sie ihn ..."
"Tot und begraben sehen."
"Tot und begraben?" Viktor grinste. Er schätzte Frauen mit Elan.
"Und er soll nie gefunden werden."
"Was ich wissen muss", sagte Arkadi, "woher wussten Sie, dass Sie sich an die Polizei wenden müssen, um Ihren Mann umbringen zu lassen?"
"Macht man das nicht so?"
Arkadi musste ihr recht geben. "Aber wer hat es Ihnen gesagt? Woher haben Sie diese Telefonnummer? Es macht uns nervös, wenn eine unbescholtene Bürgerin wie Sie weiß, wie sie uns erreichen kann. Haben Sie unsere Nummer von einem Freund bekommen, oder hat ein Flugzeug >Killer zu mieten< an den Himmel geschrieben?"
Soja zuckte die Achseln. "Ein Mann hat eine Nachricht auf meinem Anrufbeantworter hinterlassen und gesagt, wenn ich ein Problem hätte, sollte ich diese Nummer anrufen. Ich habe angerufen, und Ihr Freund hat sich gemeldet."
"Kannten Sie die Stimme auf dem Anrufbeantworter?"
"Nein. Ich glaube, es war eine gute Seele, die Mitleid mit mir hatte."
"Und woher hatte diese gute Seele Ihre Telefonnummer?", fragte Viktor.
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