Mehr noch als ein kulturpolitisches Kaleidoskop und mehr auch noch
als eine physiognomische Vergegenwärtigung der Stadt Moskau ist
Benjamins Tagebuch ein herausragendes persönliches Dokument -
"wohl das rücksichtsloseste und offenherzigste", wie
Scholem schrieb. Es hält auf bedrückende Weise Benjamins ebenso
beharrliche wie vergebliche Bemühungen um Asja Lacis fest.
Schließlich zieht sich durch das Tagebuch ein Element, in dem
Kultur-Politik und Biographie sich unmittelbar berühren: Benjamins
ausführliche Erwägungen für und gegen den Eintritt in die
Kommunistische Partei.
Walter Benjamin, geb. 1892 in Berlin, studierte in Freiburg i. Breisgau Philosophie, Germanistik und Kunstgeschichte. Nach Beginn des ersten Weltkrieges setzt er sein Studium in München und dann in Bern fort. 1933 emigriert er nach Paris. Nach der Besetzung Frankreichs und kurzzeitiger Internierung entschließt er sich in die USA zu internieren. An der spanischen Grenze wartet er aber vergeblich auf ein Visum. Da seine Auslieferung an die Geheime Staatspolizei droht, nimmt sich Walter Benjamin im spanischen Küstenort Port Bou mit einer Überdosis Morphium das Leben.
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