Schopenhauer plädiert in seiner Schrift "Über die Grundlagen
der Moral" für einen deskriptiven und nicht für einen
präskriptiven moralphilosophischen Ansatz. Trotz seiner
Wertschätzung für Kant unterzieht er dessen Ethik einer eingehenden
Kritik und ersetzt deren oberstes Prinzip, den kategorischen
Imperativ, durch das Gefühl des Mitleids.
Moral predigen ist leicht, Moral begründen schwer.
Arthur Schopenhauer
Schopenhauer plädiert in seiner Schrift Über die Grundlagen der
Moral für einen deskriptiven und nicht für einen prä skriptiven
moralphilosophischen Ansatz. Trotz seiner Wertschätzung für Kant
unterzieht er dessen Ethik einer ein ge henden Kritik und ersetzt
deren oberstes Prinzip, den kategorischen Imperativ, durch das
Gefühl des Mitleids.
In seiner 1839 bei der Dänischen Societät der Wissenschaften
eingereichten und 1841 erst mals in dem Band Die beiden
Grundprobleme der Ethik veröffentlichten Preisschrift über die
Grundlage der Moral legt Schopenhauer eine Reihe bemerkenswerter
Ergänzungen zu seiner Ethik bzw. Metaphysik der Sitten vor.
In keinem anderen seiner Werke setzt er sich so aus führlich mit
Kants Ethik auseinander, die er einerseits als bedeutende Leistung
würdigt, an derseits aber auch einer gründlichen und - in vielen
Punkten - über zeu genden Kritik un ter wirft. Ein zentraler
Einwand lautet, daß der kategorische Imperativ letzten Endes einem
kal kulierten Egoismus entspringe. Damit wäre er kein formales,
sondern ein materiales Prinzip, und er würde nicht kategorisch,
sondern allenfalls hypothetisch gelten. Darüber hinaus weist
Schopenhauer die »imperative Form« der Kantischen Ethik als
unangemessen zurück. Nach seiner Auffassung besteht die Aufgabe der
Ethik keineswegs darin, Vorschriften aufzustellen, nach denen sich
die Menschen zu richten hätten, sondern lediglich darin, deren
Verhalten zu beschreiben und verständlich zu machen. Was seine
eigene Konzeption der Ethik anbelangt, so läuft sie darauf hinaus,
daß das Mitleid die Grundlage der Moral bil det. Schopenhauer
charakterisiert es als ein Gefühl, in dem einem Menschen das Leiden
des Anderen ebenso unmittelbar zugänglich ist wie das eigene und
das ihn dazu motiviert, den Anderen zum letzten Zweck des Handelns
zu machen. Vor diesem Hintergrund entwickelt Schopen hauer seine
eigene Tugendlehre, in deren Mittelpunkt die Gerechtigkeit und die
Menschen liebe stehen.
Arthur Schopenhauer, 1788 in Danzig geboren, beschloß mit 17, Philosophie zu studieren, und veröffentlichte bereits in seinem 30. Lebensjahr, von der Öffentlichkeit völlig ignoriert, sein Hauptwerk "Die Welt als Wille und Vorstellung".Erst gegen Ende seines Lebens erntete er Ruhm mit dem Werk "Parerga und Paralipomena". Es bildete sich ein kleiner Kreis von Verehrern um den flötespielenden "ungeselligen Gesellen", der seine Pudel "Du Mensch" schimpfte, wenn sie unartig gewesen waren. Schopenhauer starb 1860 in Frankfurt am Main.
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