Sibylle

Sibylle

Modefotografien 1962-1994. Zur Ausstellung im Haus der Brandenburg-Preußischen Geschichte, Potsdam, 2010

Hrsg. v. Dorothea Melis
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Sibylle

Nirgendwo sonst trat das anfangs von den Illusionen des sozialistischen Aufbruchs geprägte Leitbild natürlicher, selbstbewußter und emanzipierter Frauen so eindrucksvoll in Erscheinung wie in den Fotografien der legendären Mode- und Kulturzeitschrift »Sibylle«. Der chronologisch geordnete Band versammelt die schönsten und charakteristischsten Mode- und Porträtaufnahmen, die im Laufe von 30 Jahren für die von den Leserinnen geliebte Zeitschrift und in ihrem Umfeld entstanden. Er zeigt, wie die international beeinflußte, aber stets auf Eigenständigkeit bedachte DDR-Modefotografie Anfang der sechziger Jahre entstand und sich ungeachtet ihrer informativen Funktionen immer wieder als ein Medium behauptete, das die Ideale, Möglichkeiten und Grenzen weiblicher Existenz im realen Sozialismus reflektierte. Der Band enthält Fotografien von Sibylle Bergemann, Arno Fischer, Steffi Graenitz, Karol Kállay, Ute Mahler, Werner Mahler, Sven Marquardt, Peter Meißner, Roger Melis, Günter Rössler, Rudolf Schäfer, Wolfgang Wandelt und Michael Weidt.


Produktinformation

  • Verlag: Lehmstedt
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 175 S. m. 160 Duotone-Fotos auf Taf.
  • Seitenzahl: 175
  • Bilder und Zeiten Bd.12
  • Deutsch
  • Abmessung: 279mm x 252mm x 23mm
  • Gewicht: 1205g
  • ISBN-13: 9783937146874
  • ISBN-10: 3937146873
  • Best.Nr.: 29728785
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 09.07.2010

Die hinreißenden Allüren des Kollektivs

Mode und Verzweiflung: Ein Fotoband zeigt das DDR-Magazin "Sibylle" als sozialistische Traumfabrik. Das Selbstbild der ostdeutschen Frau war so individualistisch wie das ihrer Schwestern im Westen.

Aus der Sicht heutiger Magazinmacher muten die Verhältnisse, die bei der DDR-Modezeitschrift "Sibylle" herrschten, geradezu paradiesisch an. Man hatte bei der Gestaltung keinerlei Rücksicht auf Anzeigenkunden oder den Markt zu nehmen, brauchte Werbeseiten nicht die besten Plätze einzuräumen und konnte, praktisch konkurrenzlos, begabte Fotografen für sich gewinnen. Auch bei der Auswahl der Mode hatten die Redakteurinnen freie Hand: Was sie zeigten, war ohnehin nicht zu kaufen; das kommerzielle Vakuum wurde mit beigelegten Schnittmusterbögen aufgefüllt. Unter diesen Bedingungen entwarf die "Sibylle" eine Traumkulisse der weiblichen Emanzipation, eine idyllische Vorzeigeplattform im Geiste Kim Jong-ils. Das Aushängeschild wurde allerdings nur landesintern wahrgenommen, und dort fand die Auflage reißenden Absatz.

Im Jahr des Mauerbaus wurde die 1956 gegründete Zeitschrift von bloßer Modeberichterstattung …

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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Was in der DDR-Modezeitschrift so alles möglich war, kann Ingeborg Harms in diesem Band mit schwarzweißen Modefotografien aus den Jahren 1962-1994 noch einmal begutachten. Auf Charakterporträts von zeitloser Eleganz stößt sie, auf Alltag und Arbeitswelt dagegen kaum. Die Fotogeschichten lassen sie erkennen, wie ähnlich sich die Selbstbilder der Frau in Ost und West doch waren (privatistisch und individualistisch). Ästhetisch entdeckt sie Nouvelle-Vague-Einflüsse, eine "epische Grundstimmung" mit Platz für "Allüre, Stil und Geheimnis" und für Träume über Grenzen hinaus.

© Perlentaucher Medien GmbH

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