Rungholts Ehre / Patrizier Rungholt Bd.1 - Meister, Derek

Derek Meister 

Rungholts Ehre / Patrizier Rungholt Bd.1

Historischer Kriminalroman

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Produktbeschreibung zu Rungholts Ehre / Patrizier Rungholt Bd.1

Derek Meisters Rungholt ist Kult! Der erste Fall für den eigenwilligsten Ermittler des Mittelalters ...

Lübeck, 1390: In der Hauptstadt der Hanse wird die Leiche eines geheimnisvollen Fremden aus der Trave gezogen. Unversehens findet sich der störrische Patrizier Rungholt in einer finsteren Ränke wieder, denn sein Kaufmannslehrling wird beschuldigt, den Fremden erschlagen zu haben. Rungholt bleiben nur wenige Tage, um dessen Unschuld zu beweisen und somit die Ehre seines Hauses wiederherzustellen. Doch bei der hartnäckigen Jagd nach dem Mörder droht er alles zu verlieren: seine Ehre, sein Leben - und seine geliebte Tochter Mirke ...

Produktinformation


  • Verlag: Blanvalet
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 544 S.
  • Seitenzahl: 543
  • Blanvalet Taschenbuch Nr.37484
  • Deutsch
  • Abmessung: 183mm x 125mm x 38mm
  • Gewicht: 465g
  • ISBN-13: 9783442374847
  • ISBN-10: 3442374847
  • Best.Nr.: 27947275
Derek Meister, geb. 1973 in Hannover , studierte Film- und Fernsehdramaturgie an der Filmhochschule Potsdam-Babelsberg und schreibt erfolgreich Serien und abendfüllende Spielfilme für das Fernsehen. Seit seinem ersten, für den Glauser-Krimipreis nominierten historischen Kriminalroman Rungholts Ehre hat er bereits drei weitere historische Kriminalfälle rund um den bärbeißigen Ermittler Rungholt verfasst. Derek Meister lebt mit seiner Familie in der Nähe des Steinhuder Meers.

Leseprobe zu "Rungholts Ehre / Patrizier Rungholt Bd.1"

Niemand bemerkte die Leiche. Der Tote trieb stromabwärts.

Er glitt langsam den Fluss hinab, trieb seicht dahin. Äste, Abfall und die stinkende Beize der Gerber umspülten den leblosen Körper. Doch der Tote schob sich hindurch, schob sich durch den Dreck und die übel riechende Brühe des Lübecker Hafens. Er glitt durch all dies, als würde er schweben. Schwerelos. Die Augen starr gen Himmel, den Mund geöffnet. Das zerschlagene Gesicht umspült von den Wellen des Flusses.

Der Tote glitt dahin. Er glitt vorbei an den schlanken Booten der Wakenitzschiffer, die im Seichten dümpelten. Vorbei an der Stadtmauer, die mit ihrem Wehrgang weit sichtbar war. Er glitt an einem befestigten Stadttor entlang und erreichte den Seehafen. Die Kräne des Kais zeichneten sich im Morgendunst ab. Schemenhaft. Stakend hielten sie ihre Ausleger über den Fluss. Der Mann schwamm unter ihnen hindurch und an nassen Lumpen vorüber, an Obst, das Kinder in die Trave geschmissen hatten und an zerschlagenen Fässern einer unliebsamen Fracht.

Niemand sah den Toten. Es war noch vor der Morgenmesse. Die Prim hatte erst begonnen und Lübeck, die Königin der Hanse, das Zentrum des Ostseehandels, ruhte noch an diesem kalten Morgen 1390. Das klare Wetter drückte die Kälte in die Gassen. Der Himmel war beinahe weiß, nur einzelne Eiswolken zeichneten sich wie flüchtig hingeworfen ab und spiegelten sich matt im Wasser, bevor der Mann sie auf seinem Weg durchschnitt.

Die Stadt lag auf einem sanften Hügel. Während sich im Süden die Trave und die Wakenitz trafen, schmiegten sich die beiden Flüsse im Norden nur aneinander und ließen eine natürliche Landzunge zwischen sich. Die beiden Flüsse machten Lübeck uneinnehmbar und die Trave war Lübecks Händlern das Tor zur Ostsee und damit zu Reichtum und Macht. Bald würde das Wasser salziger, das sanfte Schaukeln des Flusses zur gefährlichen Strömung werden. Sie würde den Körper an Travemünde vorbei, hinaus auf das offene Meer tragen. In die Ostsee.

Möglicherweise würde der Mann jenem Weg gen Osten folgen, den die Kaufleute in ihren Koggen Jahr für Jahr nahmen. Von Lübeck die Trave hinauf in die Ostsee, dann weiter bis nach Schonen. Oder der blutige Körper würde gar der starken Ostsströmung folgen und bis ins Russenland getragen werden.

Der Tote war dem Fluss ausgeliefert. Wie ein Federkiel im Wasser Tinte verliert, so sickerte aus seinem eingeschlagenen Schädel Blut. Wieder und wieder wurde sein Kopf unter die Oberfläche gedrückt. Das schwere Blut zeichnete tanzende Fäden ins brackige Wasser und spielte mit seinem dunklen Haar. Es zeichnete eine Art stetig wechselnde Landkarte ins Travewasser. Ein flüchtiges, fragiles Gespinst aus verästelten Adern. Wege und Kanäle aus dunklem Rot, die die sanfte Strömung verwischte.

Beinahe lautlos rieb der Körper am Bauch einer Kogge entlang und verfing sich im freistehenden Ruderbalken. Der Weg des Toten fand ein jähes Ende.

Mit einem entsetzlichen Krachen drückte das Schiff den Mann gegen die Holzpfeiler des Kais. Wieder und wieder ließ die Kogge in ihrem scheinbar sanften Pendeln die Knochen des Fremden brechen.

Über der Trave lag morgendlicher Septembernebel.

Die Ostsee war fern.

Der Schmerz verebbte. Er hörte nicht abrupt auf, er verging nur langsam. Sickernd. Wie das Wasser bei Ebbe kaum sichtbar weicht, so zog sich kaum merklich Rungholts Schmerz zurück.

Sammelt sich der Schmerz wie das Wasser? Verschwindet das grässliche Wasser mit den Gezeiten oder gibt es dort draußen im Meer einen Berg aus Wasser? Und sammelt sich der Schmerz ebenso, wenn er verebbt? Bildet er einen See aus Schmerz, in dem sich aller Schmerz vereint, um bei der nächsten Sturmflut nur machtvoller zurückzukehren? Rungholt versuchte, die Gedanken an den Schmerz abzuschütteln. Es gelang nicht.

"Rungholt?" Jemand rief nach ihm, doch Rungholt drehte sich nicht um. Verkniffen starrte er auf die Beplankung der Möwe. Zwanghaft konzentrierte er sich auf die mit Hanf und Moos kalfaterten Planken der Kogge. Alles im Bemühen, sich nicht mehr auf den Schmerz zu konzentrieren, der in seinem Kiefer pochte. Er verfolgte das sanfte Auf und Ab des Schiffes, konzentrierte sich auf die sich überlappenden Bretter, zählte, verglich und folgte sinnlos den Maserungen und Klinkernähten. Denke an etwas anderes, ermahnte er sich. Irgendetwas. Er presste die Augenlider zusammen, holte Luft. Ein Stoßgebet.

Für ihn als ungeduldigen Menschen ließ das Schlagen in seinem Backenzahn viel zu langsam nach, nahm der Alltag um ihn herum viel zu schleppend wieder Gestalt an. Irgendwo hinter ihm kläfften Wulfframs Hunde. Der Böttcher hatte vier Bullenbeißer und musste die Viecher immer mit hinunter zum Hafen nehmen, wo sie dann angesichts des geschäftigen Treibens ihr Theater vollführten. Rungholt konnte das abgehackte Bellen der Hunde nicht ertragen. Doch jetzt war er froh, es wieder wahrzunehmen.

Langsam kehrten auch die anderen Geräusche zurück, die Farben und das Leben ringsum. Rungholt hörte einen Trupp Arbeiter, die sangen. Das Getrappel der Pferde auf den Holzbohlen. Das Rollen von Fässern über Planken. Und von irgendwo, leiser und entfernt, das Hammerschlagen und Sägen der Zimmerleute. Ihr Krach wurde von der Werft die Trave hinauf geworfen und hallte von den Backsteinhäusern wider. Der Funkenregen in Rungholts Schädel verblasste mit jedem Herzschlag. Das Klopfen und Zerren, das sich den Kiefer hinab bis in den Hals fortsetzte - auch dieses verebbte.

Endlich ließ sein Schmerz nach.

"Rungholt? Ist dir schlecht? Wieder das Wasser, hm? Rungholt?" Marek Bolge, der Kapitän der Möwe hatte seine drei Belader stehen gelassen und war besorgt an den Kai getreten. Er sah Rungholts fässerne Statur von der Seite an und kratzte sich seine zerschundenen Oberarme. Sie waren von den Tauen und von Schlägereien vernarbt. Als Rungholt stumm abwinkte, fuhr Marek fort. "Wir haben jetzt fünfzehn Fässer. Was ist mit denen hinter dem Kran? Soll ich die Männer anweisen, sie zu laden? Hm? Im Frachtraum ist noch Platz."

Rungholt antwortet nicht.

"Dein Drittel ist erst halb voll... Rungholt?"

Rungholt nickte stumm, er merkte, dass er immer noch auf die Kogge starrte und tat einen Schritt vom Kai zurück. Er hätte an diesem diesigen Morgen nicht selbst in den Hafen kommen und die Beladung seiner Kogge überwachen sollen, schoss es ihm durch den Kopf.

Eigentlich vertraute er Marek.

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Durchschnittliche Kundenbewertung 5 von 5 Sterne bei 1 Bewertungen ***** ausgezeichnet
(aus 1 Bewertung)

Bewertung von Karo aus Kloster Lehnin am 16.01.2012 ***** ausgezeichnet
In diesem Buch handelt es sich um den eigenwilligen Ermittler Rungholt. Lübeck anno 1390 wird die Leiche eines Fremden in der Trave gefunden! Rungholts Lehrling Daniel hatte die Leiche gesehen und war vor Panik davon gelaufen, alle haben ihn gesehen wie Daniel "geflüchtet" ist! Er wird nun beschuldigt diesen Fremden umgebracht zu haben, denn der Lehrling war der Letzte,der mit dem Fremden Kontakt hatte und auch Streit. Rungholt glaubt diesen Anschuldigungen nicht und versucht in wenigen Tagen den wahren Mörder zu finden und wird selbst ein Opfer der Intrige. Rungholts Ehre steht auf dem Spiel,die er wieder herstellen muss! Ein sehr spannender historischer Roman mit einigen unerwarteten Einlagen und nicht immer vorhersehbar. Einfach Klasse und sehr gut geschrieben. Deshalb von mir fünf Sterne!!! Habe natürlich schon Band 2 bestellt und bin gespannt ob " Rungholts Sünde" genau so spannend ist?

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Kurzbeschreibung

Derek Meisters Rungholt ist Kult! Der erste Fall für den eigenwilligsten Ermittler des Mittelalters ...

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Lübeck, 1390: In der Hauptstadt der Hanse wird die Leiche eines geheimnisvollen Fremden aus der Trave gezogen. Unversehens findet sich der störrische Patrizier Rungholt in einer finsteren Ränke wieder, denn sein Kaufmannslehrling wird beschuldigt, den Fremden erschlagen zu haben. Rungholt bleiben nur wenige Tage, um dessen Unschuld zu beweisen und somit die Ehre seines Hauses wiederherzustellen. Doch bei der hartnäckigen Jagd nach dem Mörder droht er alles zu verlieren: seine Ehre, sein Leben - und seine geliebte Tochter Mirke ...

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Niemand bemerkte die Leiche. Der Tote trieb stromabwärts.

Er glitt langsam den Fluss hinab, trieb seicht dahin. Äste, Abfall und die stinkende Beize der Gerber umspülten den leblosen Körper. Doch der Tote schob sich hindurch, schob sich durch den Dreck und die übel riechende Brühe des Lübecker Hafens. Er glitt durch all dies, als würde er schweben. Schwerelos. Die Augen starr gen Himmel, den Mund geöffnet. Das zerschlagene Gesicht umspült von den Wellen des Flusses.

Der Tote glitt dahin. Er glitt vorbei an den schlanken Booten der Wakenitzschiffer, die im Seichten dümpelten. Vorbei an der Stadtmauer, die mit ihrem Wehrgang weit sichtbar war. Er glitt an einem befestigten Stadttor entlang und erreichte den Seehafen. Die Kräne des Kais zeichneten sich im Morgendunst ab. Schemenhaft. Stakend hielten sie ihre Ausleger über den Fluss. Der Mann schwamm unter ihnen hindurch und an nassen Lumpen vorüber, an Obst, das Kinder in die Trave geschmissen hatten und an zerschlagenen Fässern einer unliebsamen Fracht.

Niemand sah den Toten. Es war noch vor der Morgenmesse. Die Prim hatte erst begonnen und Lübeck, die Königin der Hanse, das Zentrum des …

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ausgezeichnet
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Autorenporträt zu "Derek Meister"

Derek Meister, geb. 1973 in Hannover , studierte Film- und Fernsehdramaturgie an der Filmhochschule Potsdam-Babelsberg und schreibt erfolgreich Serien und abendfüllende Spielfilme für das Fernsehen. Seit seinem ersten, für den Glauser-Krimipreis nominierten historischen Kriminalroman Rungholts Ehre hat er bereits drei weitere historische Kriminalfälle rund um den bärbeißigen Ermittler Rungholt verfasst. Derek Meister lebt mit seiner Familie in der Nähe des Steinhuder Meers.

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