Moment, die waren nicht eingeladen! Gerade, als der Elfenanführer Vertreter der Greifenritter und Zauberer zu einer Art Wiedersehensfeier begrüßt, bricht auf der beschaulichen Lichtung das Chaos aus. Dämonenhorden stürmen den Wald, metzeln die versammelten Würdenträger samt Gefolge nieder und säen zu allem Übel anschließend auch Zwietracht unter den einstigen Verbündeten. Nur die fünf Kinder der Ermordeten kennen die Wahrheit hinter der Bluttat und machen sich auf die Suche nach der Klinge des Bindens, die Macht über die Höllenkreaturen verleiht.
Pfiffiger Genremix
Hört sich Rollenspiel-mäßig an - und ist es in gewisser Weise auch. Die Kämpfe gegen Monster, fehlgeleitete Ritter und verrückte Verbrecher werden hier allerdings in einem ideenreichen Puzzlegame ausgetragen. Das kennt man im Prinzip natürlich vom erfolgreichen Puzzle Quest, Clash of Heroes geht in Sachen Anspruch aber ein ganzes Stück über das gewohnte Tauschen bunter Steinchen hinaus.
Auf dem oberen Bildschirm befinden sich die Truppen des Gegners, unten tummeln sich die verschiedenen Einheitentypen des Spielers, die sich ihm im Laufe des Abenteuers anschließen (und auf Wunsch auch deaktiviert werden können), in zufälliger Verteilung und Färbung. Jede Kampfrunde besteht aus einer bestimmten Zahl von Zügen. Für gewöhnlich verbringt man die meiste Zeit damit, einzelne Figuren vom unteren Ende eines 'Stapels' zu nehmen (denn nur diese können bewegt werden) und sie zu einem anderen zu schicken. Das passiert entweder mit Steuerkreuz und Buttondruck oder per Stylus. Treffen auf diese Weise drei Einheiten einer Art und gleicher Farbe aufeinander, rücken sie nach vorn (tauschen die Position mit ihren Vordermännern) und starten ihre einige Runden dauernde Aufladephase, an deren Ende ein unterschiedlich durchschlagender Angriff erfolgt. Nebeneinander aufgestellte Figuren lassen hingegen schützende Wälle entstehen. Auch aufladende oder untätige, das heißt lose herumstehende Feinde, halten je nach Kraft Attacken auf, werden dabei aber unter Umständen zerstört.
Auf Knopfdruck löscht man störende Kämpfer, um Platz zu schaffen und vor allem nützliche Ketten zu bilden, durch die kein Zug verbraucht wird. Als weitere fortgeschrittene Kampftechniken wären Verbindungen zu nennen (mehrere Angriffsformationen einer Farbe, die im gleichen Zug losstürmen, werden erstellt und erhalten dafür einen Angriffsbonus), oder auch stärkende Fusionen durch hintereinander stehende Gruppen.
Strategen gesucht
Verbrauchte Einheiten lassen sich wieder aus dem Vorrat rufen und stürmen alle gleichzeitig in zufälliger Anordnung aufs Feld. Das gilt allerdings nicht für die besonderen Elite- bzw. Meistereinheiten, welche man mit erspielten Ressourcen kauft. Diese sind nach ihrem Tod nämlich wirklich verloren und haben außerdem Haken wie lange Aufladezeiten, besitzen dafür aber tolle Fähigkeiten. Hirsche springen z.B. über feindliche Mauern, Smaragddrachen überziehen das Gelände mit Säure und Rankenzauber der Druiden bremsen Gegner aus.
Normalerweise gewinnt man, wenn dem Widersacher durch Attacken auf den oberen Bildschirmrand all seine Lebenspunkte entzogen wurden. Besondere Siegbedingungen wie das Erledigen eines beweglichen Bosses, das Betätigen von Schaltern in vorgegebener Reihenfolge oder das Verschonen eines als Geisel genommenen Dorfältesten sorgen für Abwechslung.
In den relativ überschaubaren Gebieten bewegt man sich nicht frei (kann aber immerhin die Reihenfolge der Aufgaben oft wählen), sondern von einem markierten Knotenpunkt zum anderen. Gelegentlich sind dabei kleine Umgebungsrätsel zu absolvieren. So muss man z.B. patrouillierende Wächter überlisten, indem ihr Blickfeld gemieden wird.
Von Waldläufern und Höllenhunden
Clash of Heroes bietet fünf Kapitel, eines für jeden der mutigen Jugendlichen, die zu Beginn durch ein kaputtes Portal in alle Winde verstreut werden. In jedem Abschnitt lernt man ihre jeweiligen Einheitenarten kennen: Während Elfenmädchen Arwen z.B. die imposanten Baumriesen als Verbündete gewinnt, lässt die untote Fiona giftige Zombies über die Felder wanken und Magierin Nadia versteht sich mit Flaschengeistern.
Auch in Sachen Wälle besitzen sie unterschiedliche Stärken, so etwa Feuermauern, die Feinde beim Überqueren schädigen. Und dann wären da noch die durch Angriffe aufgefüllten Heldenzauber wie Jungritter Godrics Barriere und Nadias Blitzschlag. Außerdem entdecken sie diverse Artefakte, welche den Recken beispielsweise nach vermeintlichen Niederlagen mit wenigen Lebenspunkten auferstehen lassen. Leider kann immer nur einer dieser Ausrüstungsgegenstände getragen werden.
Erledigte Gefechte verschaffen den Protagonisten, wie auch ihren Pappenheimern, Erfahrungspunkte. Das Aufleveln verläuft zwar automatisch und endet durchs zu schnelle Erreichen der Obergrenze, garantiert aber trotzdem einen gehörigen Schuss Motivation, die durch diverse Nebenaufgaben noch gesteigert wird. So löst man durch geschickten Kombo-Einsatz knifflige Rätsel in einer einzigen Runde oder erledigt gemeingefährliche Irre - die passenden Dialoge sind noch dazu recht lustig.
Doch Vorsicht: Der Schwierigkeitsgrad ist nicht von schlechten Eltern, schwankt auch ein wenig und man muss sich teilweise ganz schön durchbeißen. Nur richtig aufgelevelt haben die Hauptdarsteller eine Chance und müssen sich auch dann noch manchmal auf ihr Glück bei der Startverteilung der Figuren verlassen. Aber ein gewisser Glücksfaktor ist bei solchen Games ja meistens im Spiel - der Tetris-Gott lässt grüßen ;-) Dank spannender, fordernder Runden stellt sich schnell ein Suchtgefühl ein. Nur noch ein Kampf... und schon sind wieder zwei Stunden um. Gespeichert werden kann außerhalb der Kämpfe jederzeit, verlorene Kloppereien werden ohne Probleme einfach neu gestartet. Nur wer feige vorzeitig flüchtet, bekommt einen Teil der Ressourcen abgezogen. Ganz nützlich wäre hier eine vorher zu sehende Anzeige für den Erfahrungslevel des Gegners und seiner Einheiten gewesen, denn so rennt man teilweise blind in noch zu schwere Auseinandersetzungen.
Neben der unterhaltsamen Kampagne können Einzelkämpfe gegen einen anderen Puzzler oder die CPU bestritten werden. Einstellen lassen sich bei letzterem unter anderem Schwierigkeitsgrad und Fraktion des Gegenübers.
Recht ansehnlich
Puzzlegames sind nicht gerade für opulente Grafik bekannt, Clash of Heroes schlägt sich in diesem Bereich aber durchaus ordentlich. Die kleinen Einheiten sind hübsch designt und lassen zumindest ein paar schicke Effekte vom Stapel, in Gesprächen werden japanisch angehauchte Porträts der Helden angezeigt und zwischendurch erzählen dramatische Gemälde die Geschichte weiter. Dazu passt auch die teils orchestrale Musikuntermalung mit ordentlichen Geräuschen, die nur auf Dauer mal eintönig werden kann. Eine Sprachausgabe für die recht zahlreichen, doch überwiegend kurzen Dialoge gibt es leider nicht.
Fazit: Ich mag Puzzle Quest wirklich gern, doch Clash of Heroes mit seinem anspruchsvolleren Kampfsystem und dem unbestreitbaren Suchtfaktor hat den Konkurrenten im Handumdrehen als mein 'Lieblings-Puzzle-RPG' abgelöst.
Der schwankende Schwierigkeitsgrad samt gelegentlichem Pech kann bei Ungeduldigen zu Wutausbrüchen führen, umso stolzer ist man aber, wenn der aktuelle harte Brocken endlich klein beigibt. Nur etwas mehr Bewegungsspielraum und Freiheit bei der Charakterentwicklung wäre noch besser gewesen.
Wertung: 86 von 100 Punkten (Christina Schmitt/GameCaptain.de)
Videoclip zu "Might And Magic: Clash Of Heroes"
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