Leseprobe zu "Blitzkrieg gegen den Krebs" von Robert N. Proctor
Inhalt
Prolog
Kapitel 1: Wilhelm Huepers Geheimnis
Der Triumph des Intellekts "Staatsfeind Nummer Eins"
Erwin Liek und der Gedanke der Prävention
Früherkennung und Massenuntersuchungen
Kapitel 2: Die "Gleichschaltung" der deutschen Krebsforschung
Das Schicksal jüdischer Wissenschaftler
Erfassung und medizinische Überwachung
Die Rhetorik der Krebsforschung
Die Verklärung der Natur und die Frage der steigenden Krebsraten
Kapitel 3: Genetik und Rassenkunde
Krebs und die "Judenfrage"
Selektion und Sterilisation
Kapitel 4: Krebsgefahr am Arbeitsplatz
Gesundheit und Arbeit im "Reich"
Röntgenstrahlen und die Märtyrer der Strahlung
Radium und Uran
Tödlicher Staub
Asbest - das Totenhemd der Könige
Krebs in der chemischen Industrie
Kapitel 5: Die nationalsozialistische Ernährung
Widerstand gegen ein von künstlichen Stoffen geprägtes Leben
Fleisch oder Gemüse
Der "Führer" ißt
Die Kampagne gegen den Alkohol
Leistungssteigernde Nahrungsmittel und Medikamente
Nahrung zur Krebsbekämpfung
Das Verbot von Buttergelb
Ideologie und Realität
Kapitel 6: Die Kampagne gegen den Tabak
Früher Widerstand
Die Entdeckung des Zusammenhangs
Fritz Lickint: der Arzt, den die Tabakindustrie am glühendsten haßte
Der medizinische Moralismus der Nationalsozialisten
Franz H. Müller: der vergessene Vater der experimentellen Epidemiologie
Praktische Maßnahmen
Karl Astels Wissenschaftliches Institut zur Erforschung der Tabakgefahren
Gesundheit über alles
Reemtsmas verbotene Frucht
Der Gegenangriff der Industrie
Die Stellung des Tabaks bricht ein
Kapitel 7: Das Ungeheuerliche und das Alltägliche
Die Frage nach der Wissenschaft unter nationalsozialistischer Herrschaft
Quacksalberei
Geheime Forschung für biologische Waffen "Organischer" Monumentalismus
Konnten die NS-Maßnahmen Krebs verhindern?
Die "Nazikarte" austeilen
Ist die NS-Krebsforschung indiskutabel?
Die B-Seite des Nationalsozialismus
Anmerkungen
Bibliographie
Danksagung
Register
Der "Führer" ißt
Die Frage der Haltung zum Fleischkonsum gewann dadurch noch eine besondere Note, daß Hitler selbst Vegetarier war. Diese an sich unbedeutende Tatsache bekam ungeheures Gewicht, wenn man berücksichtigt, welch prominente Rolle sowohl die Nationalsozialisten als auch die Vegetarier dem Körper und einer bestimmten "Lebensweise" zuschrieben - eine Ideologie, die seither auch zu einer etwas peinlichen Angelegenheit für Vegetarier geworden ist (ich selbst esse Fleisch, wie ich an dieser Stelle vielleicht einräumen sollte). Hitlers Vegetarismus tauchte in Nachkriegsdiskussionen über Ernährung und Tierrechte oftmals auf, oder auch wenn es um Antisemitismus und vieles mehr ging. Wie sahen die Eßgewohnheiten des "Führers" aus, und was sagen sie uns über die nationalsozialistische Bewegung?
Russische Gerichtsmediziner untersuchten in der Nachkriegszeit Leichenteile, die aus einem flachen Grab außerhalb von Hitlers Bunker stammten, und bestätigten, daß der fragliche Schädel - sehr wahrscheinlich derjenige des "Führers" - die "für einen Vegetarier typische" gelbe Farbe aufweise. Hitlers Vegetarismus wurde allerdings schon vor 1933 zum Thema gemacht, als der persönliche Asketismus des zukünftigen "Führers" als ein Modell für den nationalsozialistischen Lebensstil hochgehalten wurde. Auch das Ausland nahm dies wahr, und man berichtete über einige offensichtliche Rückfälle. Otto D. Tolischus hob 1937 in der New York Times hervor, daß der "Führer" zwar Vegetarier sei, weder trinke noch rauche, aber auch ab und an eine Scheibe Schinken genieße, und dazu Delikatessen wie K