Dass es im Alltag Medien gibt, ist selbstverständlich. Für die
Wissenschaft gilt dies keineswegs. Wir reden stattdessen von
"Medien", wie sie durch jene Medienwissenschaft erfunden
wurden, die in den letzten 25 Jahren eine unvergleichliche Dynamik
entfaltet hat. Die Bilanz der Studienplatzbegehrlichkeiten
signalisiert, dass alle "was mit Medien" machen wollen
und die Nachfrage noch lange nicht gestillt ist. Warum hat das Wort
"Medien" eine so enorme Konjunktur erfahren? Was machte
die Rede von "Medien" selbst erst möglich und was
ermöglichte ihr Vollzug? Und wie konnte aus einem dissidenten
Diskursprogramm eine institutionelle Erfolgsgeschichte mit derzeit
600 Studiengängen werden? Ein historischer Bogen scheint sich zu
spannen, der von einer emphatischen Phase der Gewissheit darüber,
was Medien seien, über eine zweite Phase der produktiven Irritation
verläuft, um in der Gegenwart einer Erforschung des
"Medialen" zu enden, in der vielleicht eine weitere
Wissenschaft ihren Gegenstand durchErfolg zum Erliegen gebracht
hat. Oder war/ist dies erst der Anfang?Der Band blickt auf die
Anfänge der akademischen Beschäftigung mit Medien in Deutschland
zurück, setzt sie in Beziehung zur Geschichte der Medienkunst,
fragt nach der wissenschaftssystematischen Position von
Medienwissenschaft und entwickelt Zukunftsperspektiven.Mit
Beiträgen von Dieter Daniels, Lorenz Engell, Wolfgang Hagen,
Joachim Paech und Claus Pias.