Marxismus - Lohmann, Hans-Martin

Hans-Martin Lohmann 

Marxismus

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Marxismus

Wer das 20. Jahrhundert verstehen will, muss sich mit dem Marxismus und seinen verschiedenen theoretischen und politischen Ausformungen vertraut machen. Doch über dieses historische Interesse hinaus ist die Kenntnis der Marx'schen Theorie und ihrer unterschiedlichen Weiterentwicklungen eine wichtige Voraussetzung für eine kritische Analyse des Kapitalismus. Die heute notwendige Kritik des Kapitalismus bliebe stumpf ohne die Kenntnis des Marxismus, auch wenn dessen gesellschaftliche Utopie historisch Schiffbruch erlitten hat.


Produktinformation

  • Verlag: Campus Verlag
  • 2001
  • Ausstattung/Bilder: 2001. 155 S.
  • Seitenzahl: 155
  • Campus Einführungen
  • Deutsch
  • Abmessung: 188mm x 123mm x 14mm
  • Gewicht: 189g
  • ISBN-13: 9783593367774
  • ISBN-10: 3593367777
  • Best.Nr.: 09825912

Perlentaucher-Notiz zur FR-Rezension

Auf kaum mehr als 150 Seiten möchte Hans-Martin Lohmann die nun wahrlich ereignisreiche Geschichte des Marxismus darstellen. Kersten Knipp spricht von "konzentriertem Verdichtungswillen" und schon die Tatsache, dass die komplexe Theorie nun aufs Taschenbuchformat geschrumpft ist, deutet er als eine Art "Totenklage". Denn viel Zukunftsrelevanz sei von dem so zusammengerafften "historischen Grundwissen" kaum zu erwarten. Der Autor sieht das, seiner offensichtlich marxistischen Grundeinstellung zum Trotz, nicht wirklich anders - seine Mahnrufe gegen den allgegenwärtigen Kapitalismus am Anfang des 21. Jahrhunderts wollen Knipp jedenfalls "fast hilflos" vorkommen.

© Perlentaucher Medien GmbH
Hans-Martin Lohmann lebt als freier Autor und Lektor in Heidelberg.

Leseprobe zu "Marxismus"

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Leseprobe zu "Marxismus" von Hans-Martin Lohmann

2 Das Goldene Zeitalter des Marxismus (S. 56-57)

Zwischen 1870 und 1914 bildete sich mit den sozialdemokratischen Parteien der Marxismus als politische Gestalt heraus. Seine Stoßkraft, die zwischen revolutionärer Rhetorik und reformerischer Praxis schwankte, ertrotzte ebenso viele soziale und politische Fortschritte für die Arbeiter wie sie letztlich an dem Umstand zerbrach, dass 1914 die Logik des Nationalismus stärker war als die des Internationalismus der Arbeiterbewegung.

Der Aufstieg des Marxismus und der Arbeiterbewegung vor allem in Mitteleuropa hatte zwei objektive Bedingungen zur Grundlage. Zum einen entwickelte sich das, was in England bereits um die Mitte des 19. Jahrhunderts weit fortgeschritten war – nachzulesen in den großen Romanen von Charles Dickens – und von Marx als »große Industrie« bezeichnet wurde, auch in anderen Ländern, in Holland, Belgien, Frankreich, Deutschland, rasant fort, sodass eben jene Bedingungen gegeben waren, die Marx als notwendige Voraussetzungen einer sozialistischen Revolution bestimmt hatte: ein hoher Grad an Industrialisierung auf der Basis der Schwerindustrie (Kohle, Stahl) und wachsende Konzentration des Kapitals in großen Aktiengesellschaften einerseits, Zusammenballung und ständige Vergrößerung des städtischen Proletariats andererseits.

Zum zweiten hatte der Liberalismus in Europa eine katastrophale Niederlage erlitten, die es der Arbeiterbewegung erlaubte, weitreichende Forderungen zu stellen und sukzessive durchzusetzen. Der klassische ökonomische und politische Liberalismus war seit Adam Smith davon ausgegangen, dass es Aufgabe der staatlichen Institutionen sei, Freiheit und Sicherheit des individuellen Eigentums zu schützen und sich ansonsten aus dem Marktgeschehen, insbesondere aus den Vertragsverhandlungen zwischen Lohnarbeit und Kapital, herauszuhalten und das freie Spiel der Kräfte sich selbst zu überlassen. In den achtziger und neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts konnte keine Rede mehr davon sein.

Durch die wachsende internationale Verflechtung der Weltwirtschaft, die einen unbeschränkten Freihandel zunehmend eindämmte – was auch mit der Kolonialpolitik der europäischen Mächte zusammenhing –, ebenso wie durch den steigenden Druck der selbstbewusster werdenden Arbeiterbewegung war das Prinzip der freien Konkurrenz mehr und mehr auf der Strecke geblieben. Faktisch waren der Staat und seine gesetzgeberischen Körperschaften längst dazu übergegangen, in die Beziehungen zwischen Lohn- arbeit und Kapital regulierend einzugreifen (etwa was die Länge des »Normalarbeitstages« betrifft) und die Fiktion aufzugeben, der Arbeiter sei gleichermaßen frei und unabhängig wie der Kapitalist. Auch dass staatlicherseits anerkannt wurde, dass es legitim sei, wenn sich die Arbeiter zum Zweck der kollektiven Vertretung ihrer Interessen zusammenschließen, bedeutete eine Abkehr von der Ideologie des Liberalismus.

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