Jaschin erzählt die Geschichte seines Lebens - und wie er es
beendete. Mit seinen zehn Brüdern wächst er in Sidi Moumen auf,
einem Elendsviertel vor den Toren Casablancas. Den Tag verbringt er
mit den "Etoiles", seinen Freunden im örtlichen
Fußballklub. Die Buben schlagen sich mit allerlei
Gelegenheitsarbeiten durch: Sie durchwühlen die Abfallberge und
verkaufen das Brauchbare, putzen Schuhe von Touristen, stehlen auch
mal und prügeln sich. Der Fußball ist einer der wenigen Lichtblicke
in ihrem Leben. In dieser Lage kommt Abu Subair gerade recht: Er
unterstützt die Jungen mit Geld und Jobs. Sie freunden sich mit ihm
an und lauschen seinen Einflüsterungen. Abu Subair verheißt ihnen
das Paradies, dessen Pforte ganz nahe sei - was hätten sie denn
schon zu verlieren? Angesichts von Armut und Gewalt, von
unerfüllten Träumen, von Enttäuschungen, Wut und Trauer hat der
Fanatismus der bärtigen Extremisten leichtes Spiel. Inspiriert von
der Geschichte um die Attentäter von Casablanca vom 16. Mai 2003,
hat Mahi Binebine einen Roman voller Humor und voller Tragik
geschrieben, der zum Nachdenken anregt. "Die Engel von Sidi
Moumen" wurde 2010 mit dem Prix du Roman arabe und dem Prix
littéraire de La Mamounia ausgezeichnet und wird derzeit vom
französisch-marokkanischen Regisseur Nabil Ayouch verfilmt.
Katharina Borchardt hat die Geschichte um sechs marokkanische Jugendliche, die durch Gehirnwäsche zu Selbstmordattentätern gemacht werden, offenbar sehr gefesselt. Postum berichtet Jaschin vom harten Leben in einem Slum bei Casablanca, erinnert sich an Fußballspiele, Schläge und Gewalt, bis ein gewisser Abu Subair saubere Kleidung und Jobs vermittelt und ihnen nebenbei "Hass auf die Ungläubigen" und Gottesfurcht eintrichtert, erklärt die Rezensentin. Gerade von der Wirkung der steten Manipulation, die die sechs Jugendlichen zum Selbstmordattentat treibt, hätte Borchardt gern Genaueres erfahren. Trotzdem empfiehlt sie diesen Roman nachdrücklich und findet, dass der marokkanische Autor Mahi Binebine hier, wie schon in seinen Gemälden, ein faszinierend verdichtetes Porträt zeichnet.
Mahi Binebine, geboren 1959 in Marrakesch, studierte Mathematik in Paris und unterrichtete dort acht Jahre lang. Gleichzeitig begann seine intensive Auseinandersetzung mit Malerei und Literatur. Seine Bilder werden heute in der ganzen Welt ausgestellt und gesammelt. Und seine Bücher sind in mehrere Sprachen übersetzt. Mit Tahar Ben Jelloun und Abdellatif Laabi zählt er mittlerweile zu den bekanntesten Autoren Marokkos. Seit 1994 lebt, malt und schreibt er in New York und Paris.
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