 | Besprechung von 20.05.2000 |
Die Sechzehnte
Burkhart Kroeber hat die „Promessi sposi” neu übersetzt
Wenn im römischen Parlament ein Abgeordneter einen politischen
Gegner als Feigling brandmarken will, so nennt er ihn „Don
Abbondio”, die Anspielung versteht jeder Italiener. Geht es härter
zu, so kommt auch einmal ein „Don Rodrigo” ins Spiel – damit ist
ein durch und durch lasterhafter, gewalttätiger Mensch gemeint, dem
das Schlimmste zuzutrauen ist. Don Abbondio und Don Rodrigo sind
Figuren eines Romans, mit dem jedes italienische Schulkind
irgendwann in Berührung kommt, und viele lesen ihn später wieder –
wenn sie darüber keine Besinnungsaufsätze mehr schreiben müssen:
I promessi sposi (die hierzulande seit der ersten
Übersetzung
Die Verlobten heißen) von Alessandro Manzoni
(1785–1873). In einer ersten Fassung ist das Buch 1827 erschienen,
in einer zweiten, überarbeiteten, 1842. Manzoni hat sich darin dem
als Hochsprache der Gebildeten geltenden Toskanisch anbequemt,
lombardische Provinzialismen getilgt: Sein Buch sollte überall in
Italien gelesen werden können. Die „Spülung im Arno” hat den
enormen Erfolg des Buchs bis heute gesichert. Es gilt …
 | Besprechung von 21.03.2000 |
Der lange Weg zum HochzeitsaltarAlessandro Manzonis Roman "Die Brautleute" in einer neuen Übersetzung / Von Lothar MüllerDie großen Romane der Vergangenheit stehen in der literarischen Landschaft wie Kathedralen. Sie haben Zeit. Und sie verlangen Zeit. Aber sie nehmen es dem eiligen Leser nicht übel, wenn er dann und wann hereinschaut, ohne lange zu bleiben. Ebenso gelassen ertragen sie diejenigen, die ihre Augen nicht vom Blatt zu wenden wagen, während sie sich einer frommen Pflichtlektüre unterziehen. Wer sich in ihnen verliert, den belohnen sie nicht nur mit einem Schatz von Bildern und Geschichten. Sie geben ihm ein unsichtbares Zeitmaß mit, wenn er sie verlässt. Keine Theorie der Beschleunigung kann diesem Maß etwas anhaben. Manchmal wird es erst wirksam, wenn es abhanden gekommen und vergessen scheint. Was eine "short story" ist, versteht womöglich nur derjenige ganz, der einmal "Krieg und Frieden" gelesen hat.
In den letzten Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts sind viele große Romane des neunzehnten Jahrhunderts, von Flaubert bis Dostojewski, neu übersetzt worden. Dabei wurde mancher mit einem Titel versehen, der den …
" ... und Kroeber findet, indem er sich unabhängig von allen vorgefaßten Meinungen über die deutsche Sprache an das italienische Original hält, einen Stil, der wie mit einem Zauberschlag allen Staub alter, falscher Gemächlichkeit verloren hat und wunderbar geschmeidig, elegant und, wo es richtig ist, hart und witzig sein kann." Rolf Vollmann in 'Die Zeit'
"Für den deutschen Leser ist Kroebers Übersetzung ein Glücksfall (...) Ein großartiger Roman über Italien, die italienische Geschichte und die Unwägbarkeiten des Lebens." Maike Albath in 'Der Tagesspiegel'
"Es ist Kroeber weithin gelungen , den Staub der Zeiten wegzublasen, was umso verdienstlicher ist, als er Neologismen und Modeworte strikt meidet. So ist es ihm geglückt, den alten Text kräftig aufzufrischen, seine "Spannung" spürbar zu machen, seine meditativen und beschreibenden Teile von jeder Langeweile zu befreien. ... Man liest das Buch in dieser Ausgabe mit Vergnügen und kann zudem begreifen, warum 'Die Brautleute' für italienische Leser so wichtig sind." Roland H. Wiegenstein in 'Süddeutsche Zeitung'
"Dieses einzigartige Buch ... bekommt in Deutschland eine neue Chance, ein …
»Sicherlich wird Alessandro Manzonis Roman "Die Brautleute" von 1840/42 allein durch seinen Umfang eine gewisse abschreckende Wirkung auf manchen Leser haben, handelt es sich doch immerhin um einen Koloss von gut 850 Seiten. Es wäre jedoch ein bedauernswerter Fehler, mit dieser nackten Zahl eine wie auch immer geartete Schwerfälligkeit zu assoziieren. Denn tatsächlich bewegt sich Manzonis "Vierpfünder" mit dem leichten Flügelschlag eines Schmetterlings. Das liegt nicht zuletzt an der alterslosen Vitalität seiner Sprache, deren mitreißender Drive in der hier vorliegenden kongenialen Neuübersetzung von Burkhart Kroeber auch im Deutschen voll zur Geltung kommt...« Siegener Zeitung
"Eine glänzende Neuübersetzung." Rolf Vollmann, Die ZEIT, 06.04.00 "Es ist Kroeber weithin gelungen, den Staub der Zeiten wegzublasen, was umso verdienstlicher ist, als er Neologismen und Modeworte strikt meidet. So ist es ihm geglückt, den alten Text kräftig aufzufrischen, seine 'Spannung' spürbar zu machen, seine meditativen und beschreibenden Teile von jeder Langeweile zu befreien. (...) Man liest das Buch in dieser Ausgabe mit Vergnügen und kann zudem begreifen, warum Die Brautleute für italienische Leser so wichtig sind. Roland H. Wiegenstein, Süddeutsche Zeitung, 20.05.00 "In einer überaus farbigen Neuübersetzung erstrahlt Italiens Klassiker, als wärs ein restaurierter Raffael.(...) Disen Sommer ist der Roman in deutscher Sprache gleichsam noch einmal neu erschienen, in einer Neuübersetzung, die seinen stilistischen Reichtum angemessener wiedergibt als die bisherigen - und nun kann sich das Deutsch lesende Publikum besser denn je darüber ins Bild setzen, wie Recht Goethe hatte, als er diesen Klassiker des Liebes- und des historischen Romans so über alles lobte. (...) 'Die Brautleute' beeindruckt zuerst durch eine Freiheit und Kühnheit des künstlerischen …
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