Man muss nicht selber nach Afrika reisen, um zu wissen, was die Schönheit und die Einmaligkeit dieses Kontinents ausmacht. Die ökologisch reiche und vielseitige Wildnis, die endlosen Weiten mit ihren großen Herden gibt es allerdings nicht mehr, und auch nur wenige einheimische, umsichtig und selektiv vorgehende Jäger. Sonntagsjäger, Vororttrekker, Elfenbeinjäger und unzählige Farmer haben viele Tierarten bereits ausgerottet und andere so dezimiert, dass ihr Überleben äußerst fraglich ist. Die steigenden Bevölkerungszahlen trotz Kriegen, Seuchen und Hunger tun ein Übriges, um diesen Prozess zu beschleunigen. Und trotzdem dieses Buch? Ja, gerade deshalb dieses Buch! Denn alle, die guten Willens sind, spielen eine Rolle dabei, doch noch zu retten, was zu retten ist. Dazu, diesen guten Willen bei vielen Kindern unserer zivilisierten Welt zu entwickeln, kann dieses Buch beitragen. Die Illustrationen sind, wie schon das Titelbild, wunderschön. Vor allem erstaunt die Betrachter die Gelassenheit in den Gesichtern der Tiere, aber auch der Menschen, die uns diese Märchen überliefern. Märchen sind immer der Weisheitsschatz eines Volkes. Hier werden die Dinge erklärt, die wir eigentlich nicht verstehen können. Und wer kann schon verstehen, warum es Jäger und Gejagte geben muss. Für Kinder werden hier in symbolischen Sprachbildern Naturgesetze erklärt, aber auch Verhaltensweisen von Tieren, die sich auf uns Menschen übertragen lassen. Neben den Märchentexten finden sich jede Menge Informationen über die einzelnen Tiergattungen, ihre speziellen Kennzeichen, ihr Verhalten, wo sie vorkommen, wie sie sich ernähren und fortpflanzen. Es kann allerdings passieren, dass dieses Buch bei seinen Lesern den Wunsch auslöst, doch auch selber dorthin zu reisen, wo diese Lebewesen zuhause sind, und sie nicht nur im heimischen Zoo zu bestaunen. Solange man das ohne Gewehr tut, ist man dort auch sicher herzlich willkommen. (Rezension von Gabriele Hoffmann aus dem Libri-Fachkatalog Harry & Pooh 2008/2009)