Macht und Ohnmacht - Kagan, Robert

Robert Kagan 

Macht und Ohnmacht

Amerika gegen Europa in der neuen Weltordnung

Übersetzer: Schmidt, Thorsten
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Produktbeschreibung zu Macht und Ohnmacht

Europäische Politiker, die von der globalen Strategie der USA zunehmend irritiert sind, glauben, dass die USA und Europa auf einen »Moment der Wahrheit« (New York Times) zusteuern. Nach Jahren wechselseitigen Ressentiments und zunehmender Spannung ist die Erkenntnis unausweichlich, dass die realen Interessen Amerikas und Europas längst nicht mehr identisch sind und dass die Beziehung zwischen den USA und den Staaten Europas, besonders Deutschland, sich verändert hat - vielleicht unwiderruflich. Europa sieht die Vereinigten Staaten als arrogant, kriegerisch, undiplomatisch; die Vereinigten Staaten betrachten Europa als erschöpft, unernst und schwach. Der Ärger und das Misstrauen auf beiden Seiten verhärten sich und führen zu Entfremdung und Unverständnis.
Schon mit seinem Artikel in der »Policy Review« und nun mit seinem Buch unternimmt Robert Kagan den Versuch, die Standpunkte beider Seiten zu verstehen und darzulegen. Er verfolgt die unterschiedlichen historischen Entwicklungen von Amerika und Europa seit dem Zweiten Weltkrieg: Für Europa stand die Notwendigkeit, der blutigen Vergangenheit zu entkommen und der Gewalt zu entsagen, im Vordergrund, während die USA sich zunehmend als einzige Garantiemacht einer demokratischen Weltordnung sehen.
Diese bemerkenswerte Analyse wird in Washington und Berlin ebenso diskutiert wie in Tokio. Kagans Buch ist politische Pflichtlektüre.

Produktinformation


  • Verlag: SIEDLER
  • 2003
  • Ausstattung/Bilder: 2003. 126 S.
  • Seitenzahl: 128
  • Deutsch
  • Abmessung: 224mm x 144mm x 19mm
  • Gewicht: 285g
  • ISBN-13: 9783886807949
  • ISBN-10: 3886807940
  • Best.Nr.: 11299653
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 17.03.2003

Das Gesetz des Dschungels
Europa sollte die Übermacht der USA endlich anerkennen
Gute Paartherapeuten sind rar unter den Analytikern, die sich derzeit mit der Beziehungskrise zwischen den USA und Europa beschäftigen. Mit dem konservativen US-Politologen und Kolumnisten der Washington Post, Robert Kagan, ist ein lausiger Therapeut, aber ein geschickter Psychologe und ein unterhaltsamer Schreiber hinzu gekommen. Seine kompakte Kurzanalyse zum Zustand der mehr als 50Jahre währenden transatlantischen Partnerschaft wird in den USA rege diskutiert. Im Februar ist das Buch auch in Deutschland erschienen – gerade noch rechtzeitig zum großen Beziehungskrach um die drohende Irakintervention.
Die beunruhigend schnell wachsende Kluft zwischen den Bündnispartnern erkläre sich daraus, dass Amerika vom Mars abstamme und Nachkriegs-Europa von der Venus, hatte Kagan noch im vergangenen Juni in der US-Zeitschrift Policy Review geschrieben, den er jetzt zum Buch erweitert hat. Dieser Satz war der populären Theorie entlehnt, mit welcher der Paartherapeut John Gray den Unterschied zwischen Männern und Frauen beschrieb. Heute bereut Kagan den Vergleich als missverständlich. …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 28.03.2003

Mars und Venus
Wie Robert Kagan den Vereinigten Staaten die Macht und Europa die Ohnmacht zuweist

Robert Kagan: Macht und Ohnmacht. Amerika gegen Europa in der neuen Weltordnung. Siedler Verlag, Berlin 2003. 127 Seiten, 16,- [Euro].

Wohl selten hat eine Streitschrift ein so großes Echo gefunden wie diejenige des prominenten amerikanischen Journalisten Kagan, die vor knapp einem Jahr als Aufsatz veröffentlicht wurde und nun als Buch-Essay vorliegt. In Europa, in Deutschland zumal, überwiegt der Widerspruch - ein empörter Widerspruch, der zeigt, daß Kagan einen empfindlichen Nerv getroffen hat. Der deutsche Außenminister hat sogar in seiner jüngsten UN-Sicherheitsratsrede diesen Widerspruch formuliert - mit den Worten, daß "wir nicht auf der Venus leben, sondern die Opfer des Kriegsgottes Mars sind". Er widersprach damit Kagans These, daß Amerikaner und Europäer in verschiedenen Welten leben: "Americans are from Mars and Europeans are from Venus." Das ist natürlich eine journalistische Zuspitzung. In der leicht überarbeiteten Buchfassung ist sie eliminiert worden, aber natürlich nicht die provokante These selbst. Da sie häufig falsch …

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Andere Weltsichten
Sind die Beziehungen zwischen Europa und den USA noch zu retten? Kagans Essay beantwortet diese Frage klugerweise weder mit Ja noch mit Nein. Er liefert einen sehr gründlichen und kritischen Beitrag zur Diskussion über eine neue Weltordnung. Robert Kagan ist Kolumnist der Washington Post und kennt Europa gut genug, um sagen zu können: Wir sollten nicht weiter so tun, als hätten Europäer und Amerikaner die gleiche Weltsicht.
Erschöpft und schwach
Doch auch Europa selbst ist kein in sich geschlossener Block. Franzosen und Engländer haben andere Beziehungen zum Land jenseits des Atlantiks als die alte Bundesrepublik, die den Kalten Krieg nur dank der Anwesenheit amerikanischer und alliierter Truppen überleben konnte. Osteuropäische Staaten fürchteten die Sowjetunion und nach der Wende Russland. Unter dem politischen und militärischen Schirm der USA fühlen sie sich sicherer. Das erklärt auch die zustimmende Haltung Polens und Tschechiens zu einem möglichen Krieg gegen den Irak. Und das bestärkt die USA in ihrer Haltung: Wir sind die einzige Garantiemacht einer demokratischen Weltordnung. Der alte Kontinent ist, so die Ansicht …

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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Selten hat eine Streitschrift ein so großes Echo gefunden wie Robert Kagans "Macht und Ohnmacht. Amerika gegen Europa in der neuen Weltordnung", berichtet Rezensent Werner Link. In Europa, in Deutschland zumal, überwiege der Widerspruch - ein empörter Widerspruch, der zeige, dass Kagan einen empfindlichen Nerv getroffen habe. Link dagegen gibt sich sachlich und differenziert. In einem Punkt habe Kagan völlig recht: Es seien die beispiellosen Veränderungen in der internationalen Machtverteilung zugunsten einer einzigen Weltmacht und die unterschiedlichen "Lagerungen" der Staaten in diesem internationalen System, die zu unterschiedlichen Strategien und Ideologien führen. Zustimmung des Rezensenten findet Kagan auch, wenn er konstatiert, dass mit der europäischen Integration eine bewusste Abkehr von der alten europäischen Machtpolitik vollzogen wurde. Wenn Kagan den Europäern allerdings vorwirft, dass Europa mit missionarischem Sendungsbewusstsein den Rest der Welt mit der Errungenschaft des Integrationsfriedens beglücken wolle, ohne zugeben zu wollen, dass das europäische "Wunder" nur unter dem amerikanischen Schutzschild entstanden sei und erhalten werden könne, dann …

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"Wie immer man auch zu dieser Perspektive steht - in diesem intelligenten, bestechend klaren Essay findet sich jedenfalls jene neokonservative Herausforderung konzentriert, auf die Europa eine Antwort finden muss." (Frankfurter Rundschau)
Robert Kagan ist Senior Associate beim Carnegie Endowment for International Peace und Kolumnist der "Washington Post". Als Mitglied des Council on Foreign Relations arbeitete er von 1984 bis 1998 im Außenministerium der USA. Heute lebt Robert Kagan in Brüssel.

Leseprobe zu "Macht und Ohnmacht" von Robert Kagan

Wir sollten nicht länger so tun, als hätten Europäer und Amerikaner die gleiche Weltsicht oder als würden sie auch nur in der gleichen Welt leben. In der alles entscheidenden Frage der Macht - in der Frage nach der Wirksamkeit, der Ethik, der Erwünschtheit von Macht - gehen die amerikanischen und die europäischen Ansichten auseinander. Europa wendet sich ab von der Macht, oder es bewegt sich, anders gesagt, über diese hinaus. Es betritt eine in sich geschlossene Welt von Gesetzen und Regeln, transnationalen Verhandlungen und internationaler Kooperation, ein posthistorisches Paradies von Frieden und relativem Wohlstand, das der Verwirklichung von Kants "Ewigem Frieden" gleichkommt. Dagegen bleiben die Vereinigten Staaten der Geschichte verhaftet und üben Macht in einer anarchischen Hobbesschen Welt aus, in der auf internationale Regelungen und Völkerrecht kein Verlass ist und in der wahre Sicherheit sowie die Verteidigung und Förderung einer freiheitlichen Ordnung nach wie vor von Besitz und Einsatz militärischer Macht abhängen. Aus diesem Grund entwickeln sich Amerikaner und Europäer in zentralen strategischen Fragen heute immer weiter auseinander: Sie sind sich nur noch in wenigen Punkten einig und verstehen sich gegenseitig immer weniger. Und dies ist kein vorübergehender Zustand - das Ergebnis einer einzelnen amerikanischen Wahl oder eines katastrophalen Ereignisses. Die Ursachen für die transatlantischen Misshelligkeiten liegen tief und werden nicht so schnell beseitigt werden können. Soweit es um nationale Prioritäten, die Einschätzung von Bedrohungen und Herausforderungen, die Gestaltung und Durchsetzung von Außen- und Verteidigungspolitik geht, haben sich die Wege der Vereinigten Staaten und Europas getrennt.

Für einen Amerikaner, der in Europa lebt, ist dieser Gegensatz leichter zu erkennen. In Europa ist man sich der wachsenden Unterschiede deutlicher bewusst, vielleicht weil man sie dort mehr fürchtet. Europäische Intellektuelle sind nahezu einmütig überzeugt davon, dass Amerika und Europa keine gemeinsame "strategische Kultur" mehr haben. Das krasseste europäische Zerrbild zeichnet ein Amerika, das von einer "Kultur des Todes" beherrscht wird und dessen bellizistisches Temperament die natürliche Folge einer durch und durch gewaltbestimmten Gesellschaft ist, in der jedermann eine Waffe trägt und die Todesstrafe herrscht. Aber selbst diejenigen, die nicht diesen schlichten Zusammenhang herstellen, sind der Ansicht, dass sich die außenpolitischen Strategien der Vereinigten Staaten und Europas grundlegend voneinander unterscheiden.

Die Vereinigten Staaten, so behaupten sie, wendeten schneller militärische Gewalt an und brächten weniger Geduld für diplomatische Bemühungen auf. Die Amerikaner würden die Welt dualistisch in Gut und Böse, Freund und Feind einteilen, während die Europäer stärker differenzierten. In der Auseinandersetzung mit realen oder potenziellen Gegnern stellten die Amerikaner Zwang über Überzeugungsarbeit, Sanktionen über Anreize zu besserem Verhalten, die Peitsche über das Zuckerbrot. Die Amerikaner seien stets bestrebt, internationale Fragen ein für alle Mal zu klären: Ihnen liege daran, dass Probleme gelöst, Bedrohungen beseitigt würden. Und natürlich neigten die Amerikaner zunehmend zu internationalen Alleingängen. Sie seien weniger darauf eingestellt, durch internationale Institutionen wie die Vereinten Nationen zu handeln, und weniger geneigt, mit anderen Staaten für gemeinsame Ziele zusammenzuarbeiten. Auch betrachteten sie das Völkerrecht skeptischer und seien durchaus bereit, auch außerhalb seiner engen Grenzen zu operieren, wenn sie es für erforderlich oder auch nur zweckmäßig hielten.

Die Europäer dagegen beteuern, sie gingen Probleme differenzierter und abgewogener an. Sie versuchten andere behutsam und auf indirekte Weise zu beeinflussen. Sie seien geduldiger, würden auch schon mal einen Fehlschlag in Kauf nehmen. Sie würden im Allgemeinen friedliche Lösungen anstreben und Verhandlungen, Diplomatie und Überzeugungsarbeit der Androhung von Gewalt vorziehen. Sie setzten stärker auf das Völkerrecht, internationale Abkommen und die Meinung der internationalen Gemeinschaft, wenn es um strittige Fragen gehe. Sie bemühten sich, die Staaten über Handels- und Wirtschaftsbeziehungen enger aneinander zu binden. Sie seien eher prozess- als ergebnisorientiert, weil sie glaubten, dass Prozesse letztlich zu substanziellen Ergebnissen führten.

Dieses europäische Porträt der beiden Seiten ist natürlich ein Zerrbild, das stark überzeichnet und grob vereinfacht. Man kann keine pauschalen Aussagen über die Europäer machen: Die Briten haben vielleicht einen "amerikanischeren" Machtbegriff als viele Kontinentaleuropäer. Ihre Erinnerung an das Empire, das "besondere Verhältnis" zu den Vereinigten Staaten, das im Zweiten Weltkrieg und in der Frühzeit des Kalten Krieges geformt wurde, und ihre traditionell reservierte Haltung gegenüber dem restlichen Europa verleihen ihnen einen Sonderstatus. Und man kann auch nicht einfach Franzosen und Deutsche in einen Topf werfen; die Ersten sind stolz und unabhängig, aber auch erstaunlich unsicher; bei den Zweiten ist seit Ende des Zweiten Weltkriegs das Selbstbewusstsein mit Selbstzweifeln durchsetzt. Die Staaten Ost- und Mitteleuropas machten unterdessen eine ganz andere geschichtliche Entwicklung durch als ihre europäischen Nachbarn; sie haben eine historisch verwurzelte Furcht vor der Macht Russlands und eine "amerikanischere" Sicht der Hobbesschen Realitäten. Und selbstverständlich werden innerhalb der Staaten auf beiden Seiten des Atlantiks heterogene Standpunkte vertreten. Die französischen Gaullisten haben ein anderes Verständnis von Macht als die französischen Sozialisten. Die Demokraten in den Vereinigten Staaten wirken oftmals "europäischer" als die Republikaner; und Außenminister Colin Powell erscheint vielleicht "europäischer" als Verteidigungsminister Donald Rumsfeld. Viele Amerikaner, vor allem unter den Intellektuellen, lehnen die "Härte" der amerikanischen Außenpolitik genauso ab wie die meisten Europäer, und einigen Europäern bedeutet Macht genauso viel wie einem x-beliebigen Amerikaner.

Dennoch enthalten die Zerrbilder eine elementare Wahrheit: Die USA und Europa sind heute grundverschieden. Powell und Rumsfeld haben mehr gemein als Powell und die Außenminister Frankreichs, Deutschlands oder auch Großbritanniens. Im Hinblick auf den Einsatz militärischer Gewalt haben die amerikanischen Demokraten mehr mit den Republikanern gemein als mit den meisten europäischen Sozialdemokraten. In den neunziger Jahren waren selbst amerikanische Liberale eher bereit, Gewalt anzuwenden, und sie hatten ein dualistischeres Weltbild als die meisten ihrer europäischen Gesinnungsgenossen. Die Regierung Clinton ließ den Irak, Afghanistan und den Sudan bombardieren. Die meisten europäischen Regierungen hätten dies mit Sicherheit nicht getan und waren in der Tat entsetzt über den Militarismus der Amerikaner. Ob die Europäer 1999 Belgrad bombardiert hätten, wenn die Amerikaner sie nicht zum Handeln gezwungen hätten, ist eine interessante Frage. Im Oktober 2002 stimmte eine Mehrheit der Demokraten im Senat für die Resolution, die Präsident Bush ermächtigte, Krieg gegen den Irak zu führen, während ihre politischen Freunde in Frankreich, Deutschland, Italien, Belgien und sogar in Großbritannien dies sprachlos und beängstigt zur Kenntnis nahmen.

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Europäische Politiker, die von der globalen Strategie der USA zunehmend irritiert sind, glauben, dass die USA und Europa auf einen »Moment der Wahrheit« (New York Times) zusteuern. Nach Jahren wechselseitigen Ressentiments und zunehmender Spannung ist die Erkenntnis unausweichlich, dass die realen Interessen Amerikas und Europas längst nicht mehr identisch sind und dass die Beziehung zwischen den USA und den Staaten Europas, besonders Deutschland, sich verändert hat - vielleicht unwiderruflich. Europa sieht die Vereinigten Staaten als arrogant, kriegerisch, undiplomatisch; die Vereinigten Staaten betrachten Europa als erschöpft, unernst und schwach. Der Ärger und das Misstrauen auf beiden Seiten verhärten sich und führen zu Entfremdung und Unverständnis.
Schon mit seinem Artikel in der »Policy Review« und nun mit seinem Buch unternimmt Robert Kagan den Versuch, die Standpunkte beider Seiten zu verstehen und darzulegen. Er verfolgt die unterschiedlichen historischen Entwicklungen von Amerika und Europa seit dem Zweiten Weltkrieg: Für Europa stand die Notwendigkeit, der blutigen Vergangenheit zu entkommen und der Gewalt zu entsagen, im Vordergrund, während die USA sich zunehmend als einzige Garantiemacht einer demokratischen Weltordnung sehen.
Diese bemerkenswerte Analyse wird in Washington und Berlin ebenso diskutiert wie in Tokio. Kagans Buch ist politische Pflichtlektüre.

Leseprobe zu "Macht und Ohnmacht" von Robert Kagan

Wir sollten nicht länger so tun, als hätten Europäer und Amerikaner die gleiche Weltsicht oder als würden sie auch nur in der gleichen Welt leben. In der alles entscheidenden Frage der Macht - in der Frage nach der Wirksamkeit, der Ethik, der Erwünschtheit von Macht - gehen die amerikanischen und die europäischen Ansichten auseinander. Europa wendet sich ab von der Macht, oder es bewegt sich, anders gesagt, über diese hinaus. Es betritt eine in sich geschlossene Welt von Gesetzen und Regeln, transnationalen Verhandlungen und internationaler Kooperation, ein posthistorisches Paradies von Frieden und relativem Wohlstand, das der Verwirklichung von Kants "Ewigem Frieden" gleichkommt. Dagegen bleiben die Vereinigten Staaten der Geschichte verhaftet und üben Macht in einer anarchischen Hobbesschen Welt aus, in der auf internationale Regelungen und Völkerrecht kein Verlass ist und in der wahre Sicherheit sowie die Verteidigung und Förderung einer freiheitlichen Ordnung nach wie vor von Besitz und Einsatz militärischer Macht abhängen. Aus diesem Grund entwickeln sich Amerikaner und Europäer in zentralen strategischen Fragen heute immer weiter auseinander: Sie sind sich nur …

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28.03.2003

Mars und Venus
Wie Robert Kagan den Vereinigten Staaten die Macht und Europa die Ohnmacht zuweist

Robert Kagan: Macht und Ohnmacht. Amerika gegen Europa in der neuen Weltordnung. Siedler Verlag, Berlin 2003. 127 Seiten, 16,- [Euro].

Wohl selten hat eine Streitschrift ein so großes Echo gefunden wie diejenige des prominenten amerikanischen Journalisten Kagan, die vor knapp einem Jahr als Aufsatz veröffentlicht wurde und nun als Buch-Essay vorliegt. In Europa, in Deutschland zumal, überwiegt der Widerspruch - ein empörter Widerspruch, der zeigt, daß Kagan einen empfindlichen Nerv getroffen hat. Der deutsche Außenminister hat sogar in seiner jüngsten UN-Sicherheitsratsrede diesen Widerspruch formuliert - mit den Worten, daß "wir nicht auf der Venus leben, sondern die Opfer des Kriegsgottes Mars sind". Er widersprach damit Kagans These, daß Amerikaner und Europäer in verschiedenen Welten leben: "Americans are from Mars and Europeans are from Venus." Das ist natürlich eine journalistische Zuspitzung. In der leicht überarbeiteten Buchfassung ist sie eliminiert worden, aber natürlich nicht die provokante These selbst. Da sie häufig falsch …

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17.03.2003

Das Gesetz des Dschungels
Europa sollte die Übermacht der USA endlich anerkennen
Gute Paartherapeuten sind rar unter den Analytikern, die sich derzeit mit der Beziehungskrise zwischen den USA und Europa beschäftigen. Mit dem konservativen US-Politologen und Kolumnisten der Washington Post, Robert Kagan, ist ein lausiger Therapeut, aber ein geschickter Psychologe und ein unterhaltsamer Schreiber hinzu gekommen. Seine kompakte Kurzanalyse zum Zustand der mehr als 50Jahre währenden transatlantischen Partnerschaft wird in den USA rege diskutiert. Im Februar ist das Buch auch in Deutschland erschienen – gerade noch rechtzeitig zum großen Beziehungskrach um die drohende Irakintervention.
Die beunruhigend schnell wachsende Kluft zwischen den Bündnispartnern erkläre sich daraus, dass Amerika vom Mars abstamme und Nachkriegs-Europa von der Venus, hatte Kagan noch im vergangenen Juni in der US-Zeitschrift Policy Review geschrieben, den er jetzt zum Buch erweitert hat. Dieser Satz war der populären Theorie entlehnt, mit welcher der Paartherapeut John Gray den Unterschied zwischen Männern und Frauen beschrieb. Heute bereut Kagan den Vergleich als …

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Perlentaucher-Notiz zur FAZ-Rezension

28.03.2003

Selten hat eine Streitschrift ein so großes Echo gefunden wie Robert Kagans "Macht und Ohnmacht. Amerika gegen Europa in der neuen Weltordnung", berichtet Rezensent Werner Link. In Europa, in Deutschland zumal, überwiege der Widerspruch - ein empörter Widerspruch, der zeige, dass Kagan einen empfindlichen Nerv getroffen habe. Link dagegen gibt sich sachlich und differenziert. In einem Punkt habe Kagan völlig recht: Es seien die beispiellosen Veränderungen in der internationalen Machtverteilung zugunsten einer einzigen Weltmacht und die unterschiedlichen "Lagerungen" der Staaten in diesem internationalen System, die zu unterschiedlichen Strategien und Ideologien führen. Zustimmung des Rezensenten findet Kagan auch, wenn er konstatiert, dass mit der europäischen Integration eine bewusste Abkehr von der alten europäischen Machtpolitik vollzogen wurde. Wenn Kagan den Europäern allerdings vorwirft, dass Europa mit missionarischem Sendungsbewusstsein den Rest der Welt mit der Errungenschaft des Integrationsfriedens beglücken wolle, ohne zugeben zu wollen, dass das europäische "Wunder" nur unter dem amerikanischen Schutzschild entstanden sei und erhalten werden könne, dann …

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Andere Weltsichten
Sind die Beziehungen zwischen Europa und den USA noch zu retten? Kagans Essay beantwortet diese Frage klugerweise weder mit Ja noch mit Nein. Er liefert einen sehr gründlichen und kritischen Beitrag zur Diskussion über eine neue Weltordnung. Robert Kagan ist Kolumnist der Washington Post und kennt Europa gut genug, um sagen zu können: Wir sollten nicht weiter so tun, als hätten Europäer und Amerikaner die gleiche Weltsicht.
Erschöpft und schwach
Doch auch Europa selbst ist kein in sich geschlossener Block. Franzosen und Engländer haben andere Beziehungen zum Land jenseits des Atlantiks als die alte Bundesrepublik, die den Kalten Krieg nur dank der Anwesenheit amerikanischer und alliierter Truppen überleben konnte. Osteuropäische Staaten fürchteten die Sowjetunion und nach der Wende Russland. Unter dem politischen und militärischen Schirm der USA fühlen sie sich sicherer. Das erklärt auch die zustimmende Haltung Polens und Tschechiens zu einem möglichen Krieg gegen den Irak. Und das bestärkt die USA in ihrer Haltung: Wir sind die einzige Garantiemacht einer demokratischen Weltordnung. Der alte Kontinent ist, so die Ansicht …

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Rezension

"Wie immer man auch zu dieser Perspektive steht - in diesem intelligenten, bestechend klaren Essay findet sich jedenfalls jene neokonservative Herausforderung konzentriert, auf die Europa eine Antwort finden muss." (Frankfurter Rundschau)

Autorenporträt zu "Robert Kagan"

Robert Kagan ist Senior Associate beim Carnegie Endowment for International Peace und Kolumnist der "Washington Post". Als Mitglied des Council on Foreign Relations arbeitete er von 1984 bis 1998 im Außenministerium der USA. Heute lebt Robert Kagan in Brüssel.

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