Weiße Gegend - Fühlt die Gewalt in diesem Traum - Schlesak, Dieter

Dieter Schlesak 

Weiße Gegend - Fühlt die Gewalt in diesem Traum

Gedichte

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Weiße Gegend - Fühlt die Gewalt in diesem Traum

Ostwest Lektion
"Dieter Schlesak suchte nach seiner Ankunft in Deutschland Zuflucht in der Toskana. Er lebt "das komplizierte Drama eines Schriftstellers, der einerseits in der deutschen Sprache und Kultur verwurzelt ist, beides jedoch von seiner Alltagsbiographie fernhalten muß, um überleben zu können; und der andererseits gerade in der fürs persönliche Überlegen notwendigen Isolation sich fast ausschließlich damit beschäftigen muß, die Verbindung mit dem Kulturraum aufrecht zu erhalten, in dem er nicht leben darf." (Werner Söllner). Das Deutsche, das in ihm mehrfach gebrochen ist, auch von außen und aus der Distanz sehen, die verinnerlichten Mauern zerstören - das ist die historische Landschaft der "Weißen Gegend".


Produktinformation

  • Abmessung: 225mm x 142mm x 17mm
  • Gewicht: 318g
  • ISBN-13: 9783935284134
  • ISBN-10: 3935284136
  • Best.Nr.: 25274882
Da versucht einer, einen neuen Lebenszusammenhang herzustellen und mit diesem Versuch der Literatur wieder den Rang zurückzugewinnen, den sie bis James Joyce und auch noch im Scheitern Robert Musils gehabt hat: ihrer Zeit voraus zu sein. Mit dem intuitiven Blick des Lyrikers ließ sich fassen, was bisher unfaßbar erschien." Jürgen Serke
Dieter Schlesak, geb. 1934 in Transsylvanien/Rumänien. Der Lyriker, Essayist, Romancier, Germanist, Übersetzer und Herausgeber lebt in Agliano/Italien und in Stuttgart. Schlesak erhielt zahlreiche Preise und Stipendien, er ist Mitglied des PEN.

Leseprobe zu "Weiße Gegend - Fühlt die Gewalt in diesem Traum"

"MEINE BAHNHÖFE
Wie mans versteht: - die Chiffren. aufgebrochen
wie Nüsse. Weihnachtsgerüche am Hauch/ Kindheitsgenüsse
abgebrochen vom Abschied der währt/ Die Sehnsucht
in Fahrt. Jede Zeit hatte freilich ihre
bescheidenen Ankünfte. Wir aber sind schon lange abgefahren:
Ob unser Leben länger dauert als mans gewohnt war von früher?

a
Stationen während der Weihnachtszeit. Ich weiß es roch
nach Feiertag an den Türen. Die Schlüssellöcher waren ver-
hangen mit Tüchern.
Ich leckte unvorsichtigerweise an Türklinken, und Schienen
Garz schmeckt die Zunge angeklebt wie Kälte porig an den Nerven
haftet.
Am Bahnhof zwischen den Schienen lag in Schäßburg
ein junger Soldat sein Hirn gespalten im Schnee
und der Boden dampfte. Eiskalt die Räder und das Eisen
sein Blut getropft fast wie im Märchen.

b
Die Züge von draußen die Brücken und Wehre Köpfe zum Halten
und Rollen darin war der Tod wie ein Ertrinken und immer
Wasser in allen Formen: Auch das Glas beim Fensterhinaus-
schauen wie ger onnenes Wasser. Und auch wie ein
warmes Vergessen geschützt von der Rückfahrt.
Manchmal gibts einen Überschuß an Tragik
dann/ macht er's wieder gut/ und läßt die Zeit ein wenig schlafen.

Wenn ich fortfuhr von zuhaus fuhr ich zurück.

c
Erst als ich unbarmherzig ankam in der Gegenwart
In einem jener Züge/ Der Sehnsucht nach Vernichtung/ Die
Fast wie im Scherz heut vor sich geht -
Blieb mir wenig./ Ich war westwärts gefahren/ (wie üblich)

Und nichts kam mir von jetzt an entgegen/ Nichts kam zurück.
Es war da Ankunft in so etwas wie Gegenwart.
Die Atempause schien vorbei. Und mit der Vorbereitung
Die ich da unten/ Genossen
Kam ich nie mehr frei.

Zuerst nur wie ein privates Gewitter und nah/ Dann immer
Weitere Kreise ziehend/ Erreichte es langsam IHN/ Der
Mittelpunkt fiel durch/ Und ein Riß ging weiter.

d
Als ich hier ankam
und die Schienen suchte
die uns hierhergebracht
traf ich bei Wartha
auf die gesetzte Grenze:
Rost am abgeschnittenen Gleis
dazwischen Gras..."

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