Dass ich sein kann, wie ich bin - Tauschwitz, Marion

Marion Tauschwitz 

Dass ich sein kann, wie ich bin

Hilde Domin - Die Biografie

Gebundenes Buch
 
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Dass ich sein kann, wie ich bin

Aus Anlass des 100. Geburtstags von Hilde Domin am 27. Juli 2009 erscheint mit der Biografie von Marion Tauschwitz die erste Gesamtdarstellung über das Leben und literarische Werk der großen deutschen Nachkriegslyrikerin. Auf der Grundlage intensiver Recherchen in Deutschland, Italien und der Dominikanischen Republik sowie der Erschließung bislang unveröffentlichter Quellen und der erstmaligen Auswertung von über tausend Briefen im Literaturarchiv Marbach gelangt die Autorin zu überraschenden, neuen Erkenntnissen über Leben und Persönlichkeit Domins, ihre literarische Bedeutung und den männerdominierten Literaturbetrieb. Breiten Raum nimmt in diesen Schilderungen die unkonventionelle und konfliktreiche Ehe mit dem Kunsthistoriker Erwin Walter Palm ein.


Produktinformation

  • Verlag: Palmyra
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 575 S. m. 50 Fotos.
  • Seitenzahl: 575
  • Deutsch
  • Abmessung: 218mm x 149mm x 48mm
  • Gewicht: 788g
  • ISBN-13: 9783930378814
  • ISBN-10: 3930378817
  • Best.Nr.: 25672106

Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

Wenig kann Rezensentin Ulla Hahn dieser Hilde-Domin-Biografie abgewinnen, die für sie unter die Rubrik "postume Entblößungen" und "Szenen einer Ehe" fällt, ohne Hilde Domin und ihrem Mann Erwin Palm, die Hahn "zwei ungewöhnliche Menschen" nennt, gerecht zu werden. Auch lässt das Buch für die Rezensentin die Frage offen, wie Hilde Domin in der angeblich so beengenden Ehe ihre schönsten Gedichte hat schreiben können. Nahezu naiv beziehe die Biografin Lebensdaten und Gedichtzeilen aufeinander, reales und lyrisches Ich und benutze auch den Roman "Das zweite Paradies" wie "Dokumente zum Tagesgeschehen". Auch fehlt der Rezensentin "die eigentliche Kernaufgabe" einer Biografie, nämlich Aufarbeitung intellektueller Einflüsse auf das Schaffen und Denken Domins. Ebenso suchte sie eine Einordnung dieser Dichterin in die Literaturgeschichte vergebens.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 04.08.2011

Quälen und gequält werden
Eine Biographie erzählt vom Schicksal der Hilde Domin

Geboren 1909 in Köln, gestorben 2006 in Heidelberg - fast ein Jahrhundert umspannt das Leben von Hilde Domin. Wie bei vielen anderen Gleichaltrigen ist es geprägt von den politischen Umwälzungen, von Flucht und Exil. Dabei waren die Voraussetzungen günstig, wie Domins Biographin Marion Tauschwitz deutlich macht. Die wohlhabenden Eltern sorgten für eine fundierte Bildung, an die Schule schloss sich ein Universitätsstudium an. Entscheidend war die Begegnung mit Erwin Walter Palm, dem sie 1932 nach Italien folgte. Palms Träume von einer Existenz als Künstler und Wissenschaftler scheiterten jedoch an den politischen Realitäten, die verdrängte jüdische Herkunft machte beide spätestens 1939 zu Unerwünschten. Über England gelangten sie in die Dominikanische Republik, wo sie mehr als zehn Jahre verbrachten, die Rückkehr nach Deutschland 1954 war mühsam und hart errungen.

Tauschwitz rückt die schwierige Beziehung zu Palm in den Mittelpunkt ihrer Biographie und sieht sie als entscheidend für die Geburt der Dichterin Hilde Domin an. Elitär und egoistisch, …

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Marion Tauschwitz, geboren 1953, studierte Germanistik und Anglistik in Heidelberg. Während der letzten fünf Lebensjahre Hilde Domins war sie ihre engste Mitarbeiterin, Freundin und Vertraute. Sie lebt als Dozentin für Deutsch und Englisch in Heidelberg.

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Bewertung von Prof. Dr. Ernst Liebhart aus Marburg am 20.10.2009 ***** ausgezeichnet
Marion Tauschwitz: Dass ich sein kann, wie ich bin. Hilde Domin. Biografie, Palmyra, 2009.

Ich liebe H.D.s Gedichte schon lang, aber von Ihrem Leben hatte ich wenig gewusst – was in ihrem Fall ein Mangel ist. Nicht nur, daß sie Jüdin war, politisch hellsichtig, mit 21 geflohen, auf abenteuerlichen Wegen schließlich in der Dominikanischen Republik gelandet (daher ihr Künstlername). Vor allem aber 56 Jahre verheiratet mit einem absolut katastrophalen Typen, einem haltlosen, narzisstischen Schönling, über jedes Maß egozentrisch, kaum sozialisierbar – was sie von Anfang an realistisch sah. Aber sie liebte ihn, trennte sich nur vorübergehend, als er sie geprügelt hatte. Ein Großteil ihrer Gedichte sind Liebesgedichte für ihn, z.T. aus ihren Briefen. Er verbot ihr, Gedichte zu schreiben (er wollte der Dichter sein) – sie unterwarf sich zeitweilig, arbeitete als seine Sekretärin (er war Altertumswissenschaftler). Er brauchte sie, hielt aber ihre Gegenwart nicht aus, „forschte“ den größten Teil der Jahre in Mexiko, hatte Af­fären, sie verlor ein Kind, also ungefähr alle Katastrophen. Aber immer wieder erstanden ihre Liebe, ihre Poesie neu. Sie kümmerte sich um seine Jobs, um die Aufführung seiner Stücke (die nicht anerkannt wurden), auch noch nach seinem Tod. Die letzten fünfzehn Jahre waren sie dann mehr zusammen, machten Urlaubsreisen, und sie setzte sich mit ihrer Dichtung durch. Er starb in ihren Armen, während sie einander küssten. Sie überlebte ihn 18 Jahre, starb 2006, bis zuletzt auf Lesereisen. Diesen Sommer wäre sie 100 geworden. Sie ist in Köln geboren, hat vor allem in Heidelberg studiert (gehörte zum engeren Schülerkreis von Karl Jaspers) und nach ihrer Rückkehr aus dem Exil dort gelebt. (Viele Adressen, die man kennt, wenn man eine Weile in HD war; ihr Lieblingslokal war das am Schloß­brunnenweg.) Der gemeinsame Grabstein, oben am Bergfriedhof, mit ihrem Text: „Wie setzten den Fuß in die Luft und sie trug“.

Die Biographie, hervorragend recherchiert und geschrieben, 550 Seiten (kürzer kann sie nicht sein); die Autorin war die letzten Jahre H.D.s Freundin, Helferin, Sekretärin. Nebenbei ist dies auch ein Lehrbuch für verzweifelnde Liebende. Und für solche, die „Erfüllung“ suchen. Die - merkwürdig boshafte - Besprechung von Ulla Hahn in der ZEIT wird dem Werk in keiner Weise gerecht. Auch ein Teil ihres gigantischen Briefwechsels mit ihrem Mann (Die Liebe im Exil, Fischer, 1931-1959) - ein gewiß doppelsinniger Titel - wurde kürzlich publiziert. Die Gesammelten Gedichte neuerdings in einer schönen, schmalen Ausgabe. (Fischer, 2009). Marion Tauschwitz, eine kluge, lebendige, herzliche Dame, liest derzeit vielerorts aus der Biografie und aus H.D.s Werk.

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Bewertung von Nicolas aus Heidelberg am 01.08.2009 ***** ausgezeichnet
Marion Tauschwitz gelingt es, den Lebensweg Hilde Löwenstein-Palm-Domin so detailliert und spannend nachzuzeichnen, dass klar wird, warum diese Frau zu poetischer Sprache und poetischen Bilder greifen und darin eintauchen musste, um ihr Leben im äußeren Exil (Flucht in die Dominikanischen Republik des furchterregenden Diktators und Retters Trujillo) und inneren Exil (Flucht vor der Egozentrik und dem Nicht-Verständnis ihres Mannes, eines den Lebenssinn suchenden Paradiesvogels) zu retten. Aber der steinige Weg zur anerkannten Dichterin musste dann erst noch gegangen werden...

Eine von der ersten bis zur letzten Seite spannend erzählte Biografie mit unglaublich vielen neuen Erkenntnissen zu den unterschiedlichen Facetten der zu Biografierenden und den Zusammenhängen in der Entwicklung der Studentin Löwenstein zur Ehefrau Palm und zur Dichterin Domin! Man mag das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen – obwohl uns der letzte Tag und der Tod Domins gleich zu Anfang im Prolog schon begegnet als wären wir dabei gewesen. Ein kluger dramaturgischer Schachzug, denn genau jetzt wollen wir dieses aufregende Leben richtig kennenlernen!

Nichts für Liebhaber von Lektüre kurz vorm Einschlafen!

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