Quicksilver / Barock Trilogie Bd.1 - Stephenson, Neal

Neal Stephenson 

Quicksilver / Barock Trilogie Bd.1

Roman. Ausgezeichnet mit dem Arthur C. Clarke Award 2004

Deutsch v. Juliane Gräbener-Müller und Nikolaus Stingl
Broschiertes Buch
 
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Quicksilver / Barock Trilogie Bd.1

"Seit ' Der Name der Rose' hat es keinen historischen Roman von ähnlicher Gelehrsamkeit und intellektueller Herausforderung gegeben, der so großen Spaß gemacht hätte." -- The Independent


Produktinformation

  • Verlag: Goldmann
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 1145 S. m. 2 Kt.
  • Seitenzahl: 1145
  • Goldmann Taschenbücher Bd.54274
  • Deutsch
  • Abmessung: 192mm x 126mm x 48mm
  • Gewicht: 720g
  • ISBN-13: 9783442542741
  • ISBN-10: 344254274X
  • Best.Nr.: 26255600
"Seit 'Der Name der Rose' hat es keinen historischen Roman von ähnlicher Gelehrsamkeit und intellektueller Herausforderung gegeben, der so großen Spaß gemacht hätte." The Independent

"Seit 'Der Name der Rose' hat es keinen historischen Roman von ähnlicher Gelehrsamkeit und intellektueller Herausforderung gegeben, der so großen Spaß gemacht hätte."

"Das aufwändigste literarische Projekt der Jahrtausendwende - und darüber hinaus."
Neal Stephenson wurde 1959 in Fort Meade, Maryland, geboren. Seit seinem frühen Roman »Snow Crash« gilt der mehrfach ausgezeichnete Autor als eines der größten Genies der amerikanischen Gegenwartsliteratur. »Cryptonomicon«, seine Barock-Trilogie mit den Bänden »Quicksilver«, »Confusion« und »Principia«, sowie der Roman »Anathem« und sein jüngstes Werk, der Thriller »Error«, stießen weltweit auf euphorische Begeisterung und stürmten die Bestsellerlisten.

Leseprobe zu "Quicksilver / Barock Trilogie Bd.1" von Neal Stephenson

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Leseprobe zu "Quicksilver / Barock Trilogie Bd.1" von Neal Stephenson

Boston Common 12. OKTOBER 1713, 10:33:52 UHR Enoch biegt gerade in dem Moment um die Ecke, als der Henker die Schlinge über den Kopf der Hexe hebt. Und die Menge auf dem Common hört genau so lange auf zu beten und zu schluchzen, wie Jack Ketch mit durchgedrückten Ellbogen dasteht, beinahe wie ein Zimmermann, der einen Firstbalken an seinen Platz hievt. Die Schlinge fasst ein Oval blauen New-England-Himmels ein. Die Puritaner starren sie an und machen sich, wie es scheint, Gedanken. Enoch der Rote zügelt sein Pferd, als es sich den Ausläufern der Menge nähert, und sieht, dass der Henker nicht etwa die Absicht hat, ihnen seine Knüpfkunst vorzuführen, sondern vielmehr ihnen allen einen kurzen - für einen Puritaner durchaus verlockenden - Blick auf das Portal zu gewähren, das sie alle eines Tages werden durchschreiten müssen.

Boston ist ein Klecks von Hügeln in einem Löffel voller Sümpfe. Der Weg, der sich von hier aus den Löffelstiel hinaufzieht, wird zunächst von einer Mauer versperrt, außerhalb derer der übliche Galgen steht, und am Stadttor sind Opfer, oder Teile von ihnen, aufgeknüpft oder angenagelt. Enoch ist auf diesem Weg gekommen und hatte geglaubt, dass er dergleichen nun nicht mehr würde sehen müssen - und es hinfort nur noch Kirchen und Schänken gäbe. Aber die Toten draußen vor dem Tor waren gemeine Räuber, hingerichtet wegen irdischer Verbrechen. Was hier auf dem Platz passiert, hat eher etwas Sakramentales.

Die Schlinge liegt wie eine Krone auf dem grauen Kopf der Hexe. Der Henker streift sie ihr über. Ihr Kopf dehnt sie wie der eines Kindes den Geburtskanal. Als die weiteste Stelle erreicht ist, fällt ihr die Schlinge plötzlich auf die Schultern. Die Knie der Frau beulen ihre Schürze vorne aus, und ihre Röcke schieben sich, als sie zusammenzubrechen droht, auf dem Gerüst ineinander. Um sie aufrecht zu halten, umfängt der Henker sie mit einem Arm wie ein Tanzlehrer und schiebt dabei den Knoten zurecht, während ein Gerichtsschreiber das Todesurteil verliest. Es klingt so nichts sagend wie ein Pachtvertrag. Die Menge scharrt ungeduldig mit den Füßen. Das ablenkende Beiwerk einer Hinrichtung in London gibt es hier nicht: keine Pfiffe und Buhrufe, keine Jongleure oder Taschendiebe. Unten am anderen Ende des Platzes exerziert eine Schwadron Infanteristen und marschiert rund um den Fuß eines kleinen Hügels, auf dessen Kuppe ein steinerner Pulverturm aufragt. Ein irischer Sergeant kommandiert - gelangweilt, aber auch empört - mit einer Stimme, die vom Wind ewig weit getragen wird wie der Geruch von Rauch.

Enoch ist nicht hergekommen, um Hinrichtungen von Hexen beizuwohnen, doch jetzt, wo er in eine hineingeraten ist, wäre es ungehörig, einfach wieder zu gehen. Es ertönt ein Trommelwirbel, dem eine plötzliche ungute Stille folgt. Was Hinrichtungen angeht, hat er schon wesentlich Schlimmeres erlebt - es gibt kein Strampeln oder Sichwinden, keine reißenden Stricke oder sich lösende Knoten - alles in allem eine ungewöhnlich fachmännische Arbeit.

Im Grunde hatte er nicht gewusst, was er von Amerika zu erwarten hatte. Aber die Leute hier scheinen alles - Hinrichtungen eingeschlossen - mit einer unverblümten, nüchternen Zielstrebigkeit zu erledigen, die bewundernswert und enttäuschend zugleich ist. Wie springende Fische machen sie sich mit einer blutleeren Leichtigkeit an schwierige Aufgaben. Als wüssten sie alle von Geburt an Dinge, die sich andere, zusammen mit Märchen und Aberglauben, erst von ihren Familien und Dörfern aneignen müssen. Vielleicht liegt es daran, dass die meisten von ihnen auf Schiffen herübergekommen sind.

Als sie die schlaffe Hexe vom Galgen schneiden, fegt ein böiger Nordwind über den Platz. Auf Sir Isaac Newtons Temperaturskala, wo der Gefrierpunkt bei null und die Wärme des menschlichen Körpers bei zwölf liegt, ist es jetzt vermutlich vier oder fünf. Wenn Herr Fahrenheit mit einem seiner neuen, aus einer verschlossenen Röhre mit Quecksilber bestehenden Thermometer hier wäre, würde er wahrscheinlich eine Temperatur um die fünfzig feststellen. Aber diese Art von Herbstwind, der aus dem Norden kommt, ist eisiger, als es irgendein bloßes Instrument anzeigen kann. Dieser Wind erinnert jeden hier daran, dass man, wenn man nicht in ein paar Monaten tot sein will, schleunigst Feuerholz stapeln und Ritzen abdichten muss. Auch von einem heiseren Prediger am Fuße des Galgens wird der Wind wahrgenommen; er hält ihn für Satan persönlich, der gekommen ist, die Seele der Hexe in die Hölle zu befördern, und verkündet diese Meinung auch unverzüglich der Schar seiner Anhänger. Während er spricht, starrt der Prediger Enoch unverwandt an.

Enoch verspürt die erhöhte, nervenaufreibende Anspannung, die ein Vorläufer der Furcht ist. Was sollte sie daran hindern, ihn wegen Hexerei zu hängen?

Was für ein Bild gibt er für diese Leute wohl ab? Ein Mann von undefinierbarem Alter, aber offensichtlich großer Lebenserfahrung, silbernes Haar, das ihm in einem Zopf den Rücken herabfällt, kupferroter Bart, blassgraue Augen und eine Haut, die wettergegerbt und narbig ist wie die rindslederne Schürze eines Schmieds. Gekleidet in einen langen Reiseumhang, hat er am Sattel eines bemerkenswert schönen Rappen einen Wanderstab und ein altmodisches Rapier festgeschnallt. In seinem Gürtel zwei Pistolen, so auffällig, dass Indianer, Wegelagerer und französische Marodeure, die im Hinterhalt lauern, sie deutlich sehen können (er würde sie gerne den Blicken entziehen, aber jetzt nach ihnen zu greifen erscheint nicht ratsam). Satteltaschen (sollten sie durchsucht werden) voller Instrumente, Flakons mit Quecksilber und noch seltsameren Inhalten - manche davon, wie sie erfahren würden, ziemlich gefährlich -, Bücher in Hebräisch, Griechisch und Latein, die übersät sind mit den geheimnisvollen Symbolen der Alchimisten und Kabbalisten. In Boston könnte es schlecht für ihn ausgehen.Doch die Menge versteht das Eifern des Predigers nicht als Ruf zu den Waffen, sondern als Signal, sich unter allgemeinem Gemurmel abzuwenden und zu zerstreuen. Die Rotröcke feuern mit einem tiefen Zischen und Donnern, wie wenn Hände voll Sand auf eine Kesselpauke geschleudert werden, ihre Musketen ab. Inmitten der Kolonisten steigt Enoch vom Pferd. Er wirft sich den Umhang über die Schulter, verbirgt auf diese Weise die Pistolen, zieht sich die Kapuze vom Kopf und gleicht so einfach einem weiteren müden Pilger.

Kundenbewertungen zu "Quicksilver / Barock Trilogie Bd.1" von "Neal Stephenson"

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Bewertung von Obelix aus Lutetia am 16.02.2012 ***** ausgezeichnet
"Quicksilver" ist der erste Teil der "Barock Trilogie" von Neal Stephenson, die anderen sind Confusion und Principia. Insgesamt hat die Barock-Trilogie über 3000 Seiten, d.h. man sollte es sich schon gut überlegen, damit anzufangen.

Die Barock-Trilogie spielt von der Mitte des 17. Jahrhunderts bis zum Beginn des 18. Das große Thema ist der Beginn der systematischen Suche nach wissenschaftlichen Entdeckungen (Royal Society, Newton, Leibnitz), der Beginn der Aufklärung und die Anfänge des Kapitalismus. Die Bücher sind von einer stupenden Gelehrsamkeit und bieteten anhand der Lebensgeschichten der Figuren Daniel Waterhouse (Mitglied der Royal Society), dem Vagabundenkönig Jack und der ehemaligen Haremssklavin Eliza eine unglaublich breites Panorama der damaligen Zeit.

Insbesondere beim ersten Titel "Qucksilver" nehmen Beschreibungs-Teile großen Raum ein und drängen manchmal die Handlung ein wenig in den Hintergrund, besonders im ersten Teil muss man sich daher auch durchaus manchmal "durchbeissen", die beiden anderen lesen sich da durchaus "süffiger" (wohl auch, weil hier bei weitem nicht mehr so viel Wissenschaftsgeschichte vermittelt wird).

Fazit: Selten habe ich durch Romanlektüre soviel gelernt und mich trotzdem gut unterhalten gefühlt.

Ärgerlich am Rande: wohl um die SciFi-Fans von Neal Stephensons Büchern ebenfalls anzulocken, hat der Verlag die Titel auf Englisch belassen bzw. den dritten neu erfunden, weil die übersetzten Originaltitel "Quecksilber", "Verwirrung" und "Das System der Welt" erschienen wohl nicht cool genug, hätten es aber besser getroffen ...

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