Der König der purpurnen Stadt - Gable, Rebecca

Rebecca Gable 

Der König der purpurnen Stadt

Historischer Roman

Broschiertes Buch
 
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Der König der purpurnen Stadt

London 1330: Der achtzehnjährige Jonah hat kein leichtes Leben als Lehrjunge im Haushalt seines trunksüchtigen Cousins, des Tuchhändlers Rupert Hillock. Einzig seine Großmutter Cecilia schenkt ihrem verwaisten Enkel ein wenig von der Zuneigung, die der verschlossene Junge braucht. Doch eine Begegnung mit dem jungen König Edward und Königin Philippa lenkt Jonahs Schicksal in neue Bahnen. Als jüngstes Mitglied ihrer Geschichte findet er Aufnahme in der elitären Londoner Tuchhändlergilde, und gemeinsam mit Königin Philippa revolutioniert er die englische Tuchproduktion. Aber je größer sein Erfolg, desto heimtückischer werden die Intrigen seiner Neider und Widersacher, allen voran sein Cousin Rupert, und Jonahs Schwäche für Frauen - vor allem für die Königin - macht ihn verwundbar. Als der Hundertjährige Krieg ausbricht, gelangt Jonah als Bankier der Krone dennoch zu Reichtum und politischem Einfluss. Doch der alte Adel betrachtet die neue Macht der Kaufleute mit Missgunst, undder ungme König Edward führt die Seinen nicht nur in finanzielle Wagnisse ...


Produktinformation

  • Verlag: LÜBBE
  • 2012
  • 10. Aufl.
  • Ausstattung/Bilder: 960 S. m. Illustr. v. Jan Balaz.
  • Seitenzahl: 960
  • Bastei Lübbe Taschenbücher Nr.15218
  • Deutsch
  • Abmessung: 188mm x 126mm x 42mm
  • Gewicht: 563g
  • ISBN-13: 9783404152186
  • ISBN-10: 3404152182
  • Best.Nr.: 12758825
Zeitreise ins Mittelalter
In ihrem dritten historischen Roman nach Das Lächeln der Fortuna und Das zweite Königreich begibt sich die Bestsellerautorin Rebecca Gablé in das London des 14. Jahrhunderts. Sie führt den Leser damit auf eine Reise in eine Zeit, die sie mit einem umfangreichen, etwa zur Hälfte authentischem Personal auferstehen lässt.
Harte Lehrjahre
Die Geschichte um Jonah Durham setzt im Jahr 1330 ein. Zu diesem Zeitpunkt ist er 18 Jahre alt und führt nach einer von Gewalt und dem Tod seiner Eltern geprägten Kindheit ein hartes, arbeitsreiches Leben. Sein Arbeitgeber ist der verwandte Tuchhändler Rupert Hillock. Dem Trunk ergeben, kennt seine Lust zu Misshandlungen keine Grenzen. Doch Jonah Durham ist eine starke Persönlichkeit und es zeichnet sich früh ab, dass er sich mit seinem Schicksal nicht zufrieden gibt. Unterstützt wird er allein von seiner Großmutter Cecilia, die seine zukünftige Größe zu ahnen scheint.
Eine schicksalhafte Begegnung
Eines Tages wird er im Wald überfallen. Ein Edelmann kommt ihm zu Hilfe, tötet einen der Banditen und rettet Jonah. Der Edelmann stellt sich als Edward Plantagenet vor: Es ist der junge König Edward III selbst! Jonah und Edward, beide etwas gleich alt, kommen ins Gespräch, und Edward führt Jonah schließlich in die obere Gesellschaftsschicht Londons ein. Bald wird er jüngstes Mitglied der noblen Londoner Tuchhändlergilde. Zusammen mit der Königin Philippa von Hainault setzt er neue Ideen um, revolutioniert mit Hilfe flandrischer Webtraditionen den englischen Tuchhandel und führt ihn zur Blüte. Sein Erfolg scheint zu einer ununterbrochenen Kette zu werden, und zu Beginn des 100-jährigen Krieges ist er ein gemachter Mann.
Doch wer einen derartigen Aufstieg in so kurzer Zeit verwirklicht, macht sich Feinde. So auch Jonah, der sich von nun an hüten muss, von Neidern und Konkurrenten zu Fall gebracht zu werden. Seine Liebe zur Königin droht ihm dabei zum Verhängnis zu werden.
Idealer Feierabendschmöker
Rebecca Gablés neuer Roman ist lebhaft geschrieben, wird an keiner Stelle langweilig und ist trotz - oder vielleicht gerade wegen - seines enormen Umfangs von fast 1000 Seiten ein idealer Feierabendschmöker. Es gelingt ihr - wie in ihrem vorangegangenen Büchern -, den Leser zu bilden, ihm einen farbigen, aber historisch korrekten Eindruck vom England des 14. Jahrhunderts zu vermitteln und gleichzeitig eine spannende Geschichte zu erzählen. Perfekt löst Sie damit den Widerstreit zwischen Fiktion und historischer Genauigkeit. Damit ist auch ihr neues Buch wieder bestsellerverdächtig.
(Andreas Rötzer)
Die 1964 geborene Rebecca Gable war nach dem Studium der Literaturwissenschaft, Sprachgeschichte und Mediävistik als Dozentin für mittelalterliche englische Literatur tätig. Heute arbeitet sie als freie Autorin und Literaturübersetzerin.

Leseprobe zu "Der König der purpurnen Stadt" von Rebecca Gable

London, November 1330
Es war stockfinster, als Jonah heimkam; in ganz Cheapside schien es kein einziges Licht mehr zu geben. Die Läden und Werkstätten, die die Straßenfront der meist zweigeschossigen, schmalen Holzhäuser bildeten, hatten längst geschlossen, und schwere Wolken hatten den Sichelmond und die Sterne verschluckt. Seit dem Nachmittag fiel ein lautloser Regen, der die Straßen und Gassen in zähen Morast verwandelt hatte und Jonahs Fackel zu ertränken drohte. In Sichtweite des Hauses gab sie endgültig den Geist auf. Er warf sie achtlos zu Boden und überquerte den kleinen Platz vor der St.- Lawrence-Kirche mit eiligen Schritten. Aus der Taverne "Zum schönen Absalom" drüben neben Robertsons Mietstall drang gedämpftes Stimmengewirr, aber kein Mensch war auf der Straße. Kein Mensch bis auf ihn.

Er klopfte verhalten an die Tür zu Hillocks Tuchladen.

"Wer ist da?" erkundigte sich eine kräftige, helle Stimme.

"Ich."

Die Pforte öffnete sich lautlos. Der fünfzehnjährige Crispin stand mit einem Öllämpchen auf der Schwelle. Seine Augen wirkten wie tiefe leere Höhlen im flackernden Licht, und er schützte die kleine Flamme, die Jonah gleißend hell vorkam, mit einer Hand vor der Zugluft.

Blinzelnd trat Jonah ein, nickte und ging an ihm vorbei.Crispin verriegelte hastig die Pforte und folgte ihm zur Hintertür, die in den kleinen Innenhof des Hauses führte. "Ich habe auf dich gewartet, statt mich schlafen zu legen, weißt du. Du könntest wenigstens danke sagen."

"Danke."

Jonah legte die Hand an die Tür, aber Crispin nahm seinen Ellbogen und hielt ihn zurück. "Bleib lieber hier. Du ... bist in Schwierigkeiten."

Er wandte den Kopf. "Tatsächlich?"

Crispin nickte und schlug beklommen die Augen nieder. "Wo warst du nur so lange? Die Meisterin hat sich Sorgen gemacht."

Jonah schnaubte verächtlich. "Das will ich glauben. Schließlich war ich mit einem ganzen Ballen erstklassiger Wolle unterwegs." Er riss seinen Arm los, öffnete die Tür und trat hinaus.

Auch im Hof war es finster, doch er brauchte kein Licht, um das vertraute, kleine Quadrat zu überqueren. Er ließ das Hühnerhaus und die klapprige Holzbude mit dem Abort rechterhand liegen und schritt zwischen den Gemüsebeeten einher, bis seine linke Hand die Brunneneinfassung streifte. Gleich hinter dem Brunnen lag die Küchentür. Auch sie war gut geölt und ließ sich ohne einen Laut öffnen.

Jonah nahm den schweren, tropfnassen Mantel ab, hängte ihn sich über den Arm und glitt ins Trockene. Er war ausgehungert, und ehe er seinem Meister unter die Augen trat, wollte er wenigstens sehen, ob er nicht ein Stück Brot oder vielleicht gar ein paar Reste vom Abendessen fand. Aber er hatte Pech. Kaum hatte er die Küche betreten, öffnete sich eine zweite Tür, die zur Treppe und dem Flur führte, der Laden und Küche verband, und die Meisterin trat ein, einen Messinghalter mit einer Kerze in der Linken.

Er neigte fast unmerklich den Kopf. "Mistress."

Sie fuhr entsetzt zurück; der dunkle Schatten in der lichtlosen Küche hatte sie erschreckt. Als sie ihn erkannte, verengten sich die haselnussbraunen Augen, die sonst eher vollen Lippen waren plötzlich zu einem schmalen weißen Strich zusammengepresst. Das von Natur aus eigentlich fröhliche, junge Gesicht unter der schlichten weißen Haube wurde hässlich. Jonah stellte nicht zum ersten Mal, aber mit unverminderter Verblüffung fest, dass der Zorn ihre Nase beinah um das Doppelte länger erscheinen ließ.

"Schon zurück?", fragte sie schneidend. "Und der feine Lord wollte erst einmal speisen, ja? Wann hattest du die Absicht, uns von deiner glücklichen Heimkehr in Kenntnis zu setzen?"

"Gleich im Anschluss", antwortete er wahrheitsgemäß.

Vielsagend zog sie die Tür auf, durch die sie gekommen war, und ruckte das Kinn Richtung Flur. "Wenn du essen willst, komm in Zukunft pünktlich zu den Mahlzeiten. Und jetzt scher dich nach oben. Master Hillock brennt sicher schon darauf, deine Geschichte zu hören."

Mit einer spöttischen kleinen Geste ließ er ihr den Vortritt, folgte ihr dann durch den schmalen Gang und die Treppe hinauf. Die alten Holzstufen ächzten unter ihren Schritten.

Über dem Laden lag die Halle, die Master Hillocks Haushalt als Wohngemach diente, außer der Küche der einzig beheizte Raum im Haus.

Rupert Hillock saß mit einem Becher Ale und einer Kerze am Tisch nahe des Fensters und las in einem Buch mit englischen Nacherzählungen biblischer Geschichten. Ein Bär von einem Mann mit ebenso rabenschwarzen Haaren und dunklen Augen wie Jonahs, doch war sein Gesicht fleischiger, gerötet, eine Spur verlebt und beinah zur Hälfte von einem dichten schwarzen Bart bedeckt.

Als er seine Frau und Jonah eintreten sah, klappte er das Buch zu, erhob sich, streckte wortlos die Hand aus und trat vor seinen Lehrling.

Ohne alle Eile öffnete der den schlichten braunen Lederbeutel an seinem Gürtel, schüttete den klimpernden Inhalt in seine Linke und ließ ihn in Ruperts Hand fallen, ohne sie zu berühren.

Rupert zählte murmelnd. "... zwei, drei Pfund und sechs, acht, zehn, zwölf, vierzehn, sechzehn, achtzehn, zwanzig Shilling. Vier Pfund. Stimmt", brummte er unwillig, nickte und ließ das Geld in seinem eigenen Beutel verschwinden. "Und wo hast du den ganzen Tag gesteckt, du Lump?", fragte er.

"Im Haus des Baron of Aimhurst. Es hat Stunden gedauert, ehe man mich vorließ."

"Hast du das Tuch seiner Frau ausgehändigt, wie ich gesagt habe?", fragte Ruperts Frau begierig.

Jonah schüttelte den Kopf. Er hatte die Baroness nicht zu Gesicht bekommen. Sie sei nicht zu Hause, hatte der Diener behauptet, der ihn einließ, aber Jonah war sicher gewesen, dass der Mann log.

"Warum nicht?", herrschte Rupert ihn an. "Hab ich dir nicht aufgetragen, du sollst dafür sorgen, dass sie selbst die Wolle auf der Stelle begutachtet? Wir haben sie viel zu preiswert abgegeben; es sollte ein Köderangebot sein! Aber wenn du es ihrer Zofe überlassen hast, war die Mühe umsonst."

"Sie hat sich verleugnen lassen."

"Und damit lässt du dich abspeisen, ja?"

"Was sollte ich tun? Die Halle erstürmen?"

Rupert ohrfeigte ihn. Es war ein harter Schlag. Jonah taumelte einen Schritt zur Seite und hielt mit Mühe das Gleichgewicht.

"Wem hast du meine vierundzwanzig Yards feinster flämischer Wolle für vier Pfund verhökert, he? Raus damit!"

"Dem Baron of Aimhurst." Jonah hatte Mühe, ein Grinsen zu unterdrücken. Der Baron selbst war schließlich am frühen Abend über den einsamen, geduldig wartenden Kaufmannslehrling in seiner Vorhalle gestolpert, hatte ihn barsch gefragt, was er wünsche, und ihm dann voller Ungeduld den vereinbarten Preis für die bestellte Wolle bezahlt, ehe er ihm brüsk die Tür wies. Jonah war jedoch nicht gleich gegangen, hatte er doch eine Botschaft für den Baron, die nicht das Geringste mit Rupert Hillocks flämischer Wolle zu tun hatte ...

Rupert war einen Augenblick sprachlos. Er stemmte die Hände in die Seiten. "Du hast mit dem Baron selbst gesprochen?"

Jonah nickte.

"Was hat er gesagt?" Er hob kurz die Schultern. "Nichts weiter."

Aber Rupert hatte sein verräterisches, höhnisches Grinsen gesehen. Er packte den Lehrling mit einer seiner Pranken am Oberarm, schlug ihn wieder ins Gesicht und knurrte: "Was hat er gesagt? Gib gefälligst Antwort, du maulfauler Bastard!"

Jonah hob den Kopf, wischte sich mit dem Handrücken ein bisschen Blut aus dem Mundwinkel und sah seinem Meister in die Augen. "'Das sieht euch ähnlich', hat er gesagt. 'Dieses Land geht vor die Hunde, in Tyburn hängen sie den Earl of March wie einen gewöhnlichen Dieb, die ganze Stadt ist in Aufruhr, und ihr Pfeffersäcke könnt an nichts als eure Tuchballen denken.'"

Ruperts großporiges Gesicht nahm eine bedenklich dunkelrote Farbe an. Jonah versuchte, nach rechts auszuweichen, doch die Faust erwischte ihn am Jochbein, und er ging zu Boden. Er rollte sich zusammen, aber nicht schnell genug. Ein mörderischer Tritt traf ihn in den Magen. Jonah rang keuchend um Atem und hustete erstickt. Er wollte sich aufstützen, er wusste, er musste fliehen, aber er konnte sich nicht rühren. Also legte er schützend die Arme um den Kopf und wartete.

Doch ehe der nächste Schlag fiel, hörte er ein wutentbranntes Krächzen: "Rupert! Hör sofort auf damit!"

"Madam Großmutter ... " Rupert Hillock versuchte ohne großen Erfolg, seiner Stimme einen freudigen Unterton zu verleihen, seinen Schrecken zu verbergen. "Ich glaubte, Ihr seiet schon schlafen gegangen."

Die zierliche alte Dame trat näher. Sie zog das linke Bein nach, die dürre, gichtgekrümmte Hand hielt den eleganten Stock umklammert, auf dessen Hilfe sie angewiesen war, doch ihre Haltung war kerzengerade, das vom perlgrauen Tuch der Rise umschlossene Kinn angriffslustig vorgestreckt. Cecilia Hillock war mit ihren beinah achtzig Jahren so unglaublich alt, dass es einem schon unheimlich davon werden konnte. Zweifellos war es ihr eiserner Wille, der sie am Leben hielt, und sie war das unangefochtene, allseits gefürchtete Oberhaupt der Familie.

"Du hast dich geirrt", versetzte sie frostig. "Wie so oft." Jonah hatte festgestellt, dass er zumindest in kleinen, schmerzhaften Zügen wieder atmen konnte, und mit dem Atem war auch Leben in seinen Körper zurückgekehrt. Er stand lautlos vom Boden auf und glitt in die Dunkelheit nahe der Tür, außerhalb der Lichtkreise von Feuer und Kerze.

"Du solltest dich schämen, Rupert!", fuhr die alte Dame fort. "Was fällt dir ein, den Jungen so zu behandeln?"

Rupert Hillock hob beinah flehentlich die Hände. "Er ist aufsässig und unverschämt! Es ist meine Pflicht, ihm beizubringen, dass man so nicht durchs Leben kommt!"

Jonah wollte das nicht hören. "Kann ich gehen, Sir?"

"Du bleibst hier", beschied Cecilia.

"Er tut einfach nicht, was ich ihm sage", stieß Rupert hervor.

"Ich bin sicher, er hat seine Gründe."

"Großmutter ... ", protestierte Elizabeth und verstummte, als der Blick der uralten, dunklen Augen auf sie fiel.

"Du sei lieber still." Es war ein leises, aber unmissverständlich drohendes Krächzen. "Wenn du dich weniger um deinen Ehrgeiz und die Belange deines Mannes und stattdessen mehr um deine eigenen Pflichten kümmern würdest, könntest du vielleicht auch einmal ein Kind neun Monate lang austragen und diesem Haus einen Erben geben!"

Elizabeth presste eine Hand vor den Mund und wich einen Schritt zurück.

Jonah betrachtete die alte Frau mit einer Mischung aus Faszination und Schrecken. Wie grausam sie sein konnte. Wie erbarmungslos. Und wie kühl sie kalkulierte.

Sie erwiderte seinen Blick und nickte ihm knapp zu. "Sei so gut und begleite mich, Jonah."

Bereitwillig trat er aus dem Schatten. Er hielt ihr die Tür auf, und ohne einen weiteren Blick auf Rupert und Elizabeth, ohne ihre Erlaubnis abzuwarten, folgte er der streitbaren alten Dame hinaus, nahm behutsam ihren Arm und geleitete sie zu ihrem Gemach, das gleich neben der Kammer des Hausherrn am Ende des Ganges über der Küche lag.

"Und?", fragte sie leise, als sie vor ihm eintrat. "Was hat Aimhurst gesagt?"

Jonah schloss die Tür und sog den schwachen Duft nach Zimt und Lavendel ein, der dieser Kammer zu eigen war. Er liebte den Geruch.

"Er hat kein großes Vertrauen zu dem jungen König, glaube ich", antwortete Jonah beinah flüsternd, obwohl sie jetzt unter sich waren. "Aber er ist sicher, dass es bald einen neuen Krieg mit Schottland gibt. Und er hält nichts von Ruperts flämischer Wolle für die Ausrüstung seiner Bogenschützen. Zu teuer, sagt er. An Eurem Tuch hingegen war er sehr interessiert. Wenn Ihr bis März zehn Ballen liefern könnt, sagt er."

Die alte Frau stieß ein zufriedenes, gackerndes Lachen aus. "Nichts leichter als das. Gut gemacht, Jonah. Gut gemacht wie üblich. Und es soll dein Schaden nicht sein."

Sie setzte sich in einen bequemen Polstersessel, verschränkte die Hände auf dem Knauf ihres Stocks und lächelte versonnen vor sich hin.

Jonah ließ sich zu ihren Füßen nieder und zog mit spitzen Fingern das glühend heiße Kohlebecken näher.

Die knotige alte Hand fuhr ihm über den schulterlangen, schwarzen Schopf. "Dieser junge neue König könnte sehr vieles verändern. Ich sage dir, es brechen neue Zeiten an."

"Aber der Baron of Aimhurst glaubt nicht an König Edward", wiederholte Jonah zweifelnd.

Die alte Dame schnaubte. "Aimhurst ist ein aufgeblasener Narr wie Rupert und genau wie er zu engstirnig, um zu erkennen, dass ihm eine neue Generation auf den Fersen ist. Nein, nein, Jonah, der junge Edward hat sich mit einem gewagten Schurkenstück sein Geburtsrecht erkämpft. Ich kann kaum glauben, dass er nun plötzlich zahm wird. Er ist die Zukunft, und das wird eine unruhige Zukunft sein. Wer das früh genug erkennt, kann davon profitieren."

Jonah lächelte schwach. "Oh, ich bin überzeugt, das werdet Ihr. Ihr habt einen unfehlbaren Blick für Zukunftsaussichten."

So hatte sie beispielsweise schon im Juni prophezeit, dass der Stern der Königinmutter und ihres ehrgeizigen Liebhabers bald sinken werde. Als die Ereignisse in Nottingham sich vor wenigen Wochen dann plötzlich überstürzt hatten, Mortimer verhaftet und die Königinmutter ohne alle Rücksichten auf ihre Wünsche auf das abgelegene königliche Gut von Berkhamstead gebracht wurde, hatte Jonah sich gefragt, ob die alte Cecilia vielleicht eine Kristallkugel besäße, die sie gelegentlich in aller Heimlichkeit befragte.

"Das liegt an meinem biblischen Alter. Nein, nein, mein Junge. Die Zukunft spielt für mich keine große Rolle mehr. Das gleiche gilt umgekehrt. Ich dachte mehr an dich. Wie alt bist du jetzt, Jonah?"

"Achtzehn, Madam Großmutter."

Sie zog seinen Kopf an ihr Knie, und der sonst so widerborstige junge Kaufmannslehrling schloss die Augen und überließ sich der Liebkosung dieser uralten Hand. "So alt wie der König", murmelte Cecilia.

© 2001 by Rebecca Gablé
© für die deutschsprachige Ausgabe 2002 by Verlagsgruppe Lübbe GmbH & Co. KG, Bergisch Gladbach - All rights reserved.

Kundenbewertungen zu "Der König der purpurnen Stadt" von "Rebecca Gable"

10 Kundenbewertungen (Durchschnitt 5 von 5 Sterne bei 10 Bewertungen ***** ausgezeichnet)
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Bewertung von Bücherwurm aus Thüringen am 22.07.2011 ***** ausgezeichnet
Ein Buch das man nicht aus den Händen legen kann.
Ich möchte hier nicht den Inhalt wiederholen, das haben andere schon getan.
Ich möchte die Schreibweise loben, die dem Leser das Gefühl gibt dabei zu sein.Ein Teil der Geschichte- sozusagen ein Beobachter- zu sein. Man fühlt sich mit der Hauptperson verbunden und möchte am liebsten eingreifen. Absolus lesenswert.!!!

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Bewertung von sarah-98 aus Horb a.N. am 05.05.2011 ***** ausgezeichnet
London 1330:Der 18 Jährige Waise Johna hat ein schweres Leben im Haushalt seiner Cousine. Kurz nach dem er einer Tuchhändlergilde aufenommen wurde rettet er mit Glück Königin Philippa das leben, und wird zum Ritter geschlagen. Mit Philippas Hilfe schafft Johnas es die Tuchherstellung zu revolutionieren. Aber desto besser seine Geschäfte laufen, desto mehr Feinde macht er sich. .....
das buch ist richtig spannend geschrieben man kann sich sehr schnell ind das buch rein versetzen.
ich entpfele es jedem weiter.

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Bewertung von Manuela2205 am 12.03.2010 ***** ausgezeichnet
London 1330: Der achtzehnjährige Jonah ist Lehrjunge bei seinem Cousin, dem Tuchhändler Rupert Hillock. Der ist jedoch nicht nur trunksüchtig, sondern auch eifersüchtig auf Jonah, dem alles leicht von der Hand geht und der von der Großmutter Cecilia bevorzugt wird.
Als diese stirbt und Jonah ein nicht unbeträchtliches Vermögen hinterlässt, wird dieser zum jüngsten Mitglied in der Geschichte der Tuchhändlergilde.
Als er das Leben der Königin Philippa rettet, die er zusammen mit ihrem Gatten König Edward durch Zufall bereits kennen gelernt hatte, lenkt das Schicksal Jonahs Leben in neue Bahnen. Aber je größer sein wirtschaftlicher Erfolg ist, desto heimtückischer werden die Intrigen seiner Feinde, allen voran sein Cousin Rupert, sowie sein Schwiegervater. Denn leider ist Jonah nicht so unverwundbar wie er gern wäre.

***Meine Meinung***

Rebecca Gable gehört zu den begnadeten Autorinnen, die ellenlange Schmöker schreiben können, bei denen jedes Wort perfekt gewählt ist und sich der Leser keine Minute langweilt. Sicher kommt durch die Beschreibung eines Lebens über 30 Jahre hinweg keine atemberaubende Spannung auf, trotzdem bleibt man gefesselt dabei. Das Kopfkino kommt zum Großeinsatz, da man sich durch die ausführlichen Schilderungen alles hervorragend bildhaft vorstellen kann. Was auch ein Nachteil sein kann, da ich teilweise so abgetaucht bin, dass ich teilweise zweimal angesprochen werden musste, bis ich einmal reagiert habe...

Die Figuren durchleben Höhen und Tiefen und haben durchaus Ecken und Kanten. So ist Jonah ziemlich mundfaul, wirkt eher finster und ist trotzdem liebenswert, trotz all seiner Fehler. Nicht mal seine Frau kann ihm wirklich übel nehmen, dass er sein Leben lang die Königin anschmachtet. Er macht zwar teils unglaubliche Glücksgriffe, aber nur so hat man die Gelegenheit, auf das mittelalterliche Leben aus der Sicht der Kaufleute UND des Adels einen Blick zu werfen.
Zudem halte ich Rebecca Gables Romane durchweg für gut recherchiert. Das Wesen der Stände, das Gildensystem, die familiären Zustände und das Alltagsleben sind sehr glaubwürdig dargestellt. Sehr viele Personen sind historisch authentisch, es gibt sogar ein Personenverzeichnis, in dem vermerkt ist, welche Personen wirklich gelebt haben, und das sind einige. Im Nachwort wird auch darauf eingegangen, welche Ereignisse sich die Autorin ein wenig zurecht gelogen hat.
Die Geschichte kommt zu einem schönen Abschluss, auch wenn es das Happy End für mich teilweise ein ganz klein wenig zu dick aufgetragen war.
Das Buch an sich ist völlig eigenständig, auch wenn der eine oder andere Name aus anderen Romanen von Rebecca Gable wohlbekannt ist. Ich kann es nur weiterempfehlen.

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Bewertung von Sandra am 15.12.2007 ***** ausgezeichnet
Ein absolut fantastisches Buch von Rebecca Gable. Wie von ihr gewohnt spannend, historisch glaubwürdig und absolut flüssig zu lesen. Hab es bereits zum 2ten mal gelesen und war immer noch genau so fasziniert. Man will aus der Welt in die man versunken ist gar nicht mehr auftauchen.
Kann ich nur empfehlen!

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Bewertung von Melanie Vogelsang aus Niedersachsen am 06.07.2007 ***** ausgezeichnet
„Der König der purpurnen Stadt“ ist ein absolut stimmiger, sehr gut recherchierter historischer Roman, der mich von Anfang bis Ende absolut gepackt hatte. Solche Romane machen einfach unheimlich Lust aufs Lesen und man wünscht sich eindeutig mehr solcher großartigen Bücher, wo einfach alles stimmt. Zum Glück kann man noch mehr von Rebecca Gablé lesen, meiner persönlichen Lieblingsautorin historischer Romane.

Auch wenn „Der König der purpurnen Stadt“ nicht zur bekannten „Waringham-Trilogie“ zählt – Auftakt dazu ist „Das Lächeln der Fortuna“ - , ist dieses Buch eine Art Vorgeschichte, wenn auch mit einem gänzlich anderen Thema. Allerdings trifft man hier das erste Mal auf die Ritter Waringham und Dermond, deren Nachkommen in „Das Lächeln der Fortuna“ die Hauptrolle spielen, auch König Edward und „Der schwarze Prinz“ haben in beiden Romanen ihren Platz gefunden. „Der König der purpurnen Stadt“ erzählt eine erfolgreiche Kaufmannsgeschichte, die zwar fiktiv ist, aber wohl durchaus zu der damaligen Zeit nicht untypisch war und die „Waringham-Trilogie“ ist mehr eine Ritter-Geschichte.

Auch nach dem zweiten Lesen hat „Der König der purpurnen Stadt“ nicht an Spannung verloren. Im Gegenteil, ich glaube, dieses Mal habe ich es noch atemloser gelesen und in nur vier Tagen komplett beendet.
Rebecca Gablé schreibt einfach unvergleichlich. Die Handlung ist äußerst dicht, lebendig, farbenfroh und spannungsgeladen. Ständig wird der Leser durch unvorhersehbare Ereignisse überrascht. Rebecca Gablé recherchiert ausgiebig und sehr intensiv für ihre Romane und das merkt man. Alle historischen Ereignisse werden sorgfältig, aber dabei verständlich und packend beschrieben. Und die Begebenheiten, die sich die Autorin zurechtgebogen hat, werden im Nachwort von ihr extra als solche hervorgehoben, was ich sehr schätze. Denn nichts empfinde ich als störender, als am Ende eines historischen Romans nicht zu wissen, was ist historisch belegt, was fiktiv.

Sehr schön finde ich, dass auch das Alltagsleben Londons ausgiebig beachtet wird und ich dadurch sehr viel über das Leben, die Sitten und Gebräuche der damaligen Zeit erfahren habe. Gerade was die Gilden und den Kaufmannsberuf angeht ist der Roman äußerst informativ. Die Stoffe, mit denen die Tuchhändler ihre Geschäfte machen, werden so wunderbar beschrieben, dass man sie nicht nur deutlich vor Augen hat, sondern fast meint, man könne sie fühlen.
Auch das höfische Leben kommt nicht zu kurz. Der Leser darf miterleben, wie wichtig Äußerlichkeiten sind – so geht z.B. ein sündhaft teures Kleid vor den Staatsschulden deutlich vor - , Intrigen gesponnen werden und welche Regeln es am Hofe gab, die ausgesprochenen, aber auch die unausgesprochenen.

Die Figuren sind phantastisch facettenreich und mit viel Tiefe gezeichnet. Jeder Charakter ist in sich glaubhaft und lebendig. Schwarz oder weiß gibt es hier nicht, selbst die Hauptfigur Jonah Durham ist nicht nur sympathisch und gut, nein, er hat auch seine unsympathischen und düsteren Seiten, was ihn zu einer meiner Lieblingsfiguren überhaupt und nicht nur in diesem Roman macht.
Selbst der Bösewicht hat auch wenigstens eine gute Charaktereigenschaft und ist nicht durch und durch schlecht. Während der Geschichte entwickeln sich die Figuren anhand ihrer Erlebnisse und Erfahrung und auch die zwischenmenschlichen Beziehungen entwickeln sich fortwährend. An Glaubwürdigkeit mangelt es den Charakteren nie und sie werden zu guten Freunden, Feinden und auch zu Familie. Ihre Erlebnisse haben mich nie kalt gelassen, stellenweise habe ich sogar bitterlich geweint.

Mein größtes Problem ist es, den sehr guten Roman mit meiner Rezension gerecht zu werden. Oftmals fehlen mir einfach die richtigen Worte, um das Faszinierende und Besondere hervorzuheben. Daher kann ich nur versichern, dass „Der König der purpurnen Stadt“ eines der besten historischen Romane überhaupt ist, absolut faszinierend, spannend, und etwas ganz besonderes…

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Bewertung von Stephan Höntsch aus Würzburg am 28.05.2007 ***** ausgezeichnet
Ein historischer Roman Ohnegleichen. Gable schafft es wieder einmal innerhalb eines Romans eine Fülle an Informationen über das städtische Leben im Mittelalter, mit einer spannenden Handlung zu verknüpfen. Dabei konzentriert sie sich, anders wie in ihren übrigen Romanen, weniger auf das Leben der Monarchen, als auf das der einfacheren Bevölkerung. Spannung kommt vorallem aufgrund der vielen Handlungsstränge auf, die alle miteinander verknüpft sind.
Alle die von den bisherigen Romanen Gables begeistert sind, werden auch hier mit Nichten enttäuscht sein.

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Bewertung von Brielmaier aus Sieglinde am 31.01.2007 ***** ausgezeichnet
Spannend, flüssig und interessant geschrieben. Man kann das Buch kaum aus der Hand legen und wünschte sich, es in einem Zug durchzulesen.

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Bewertung von Juliane Gaide aus Pforzheim am 08.09.2006 ***** ausgezeichnet
Die Autorin schaffte es in diesem Buch wieder ein Stück Weltgeschichte aus einem neuen Blickwinkel sehr spannend zu erzählen.

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Bewertung von Müller aus Weimar am 07.04.2003 ***** ausgezeichnet
Auch der dritte historische Roman ist ein Meisterwerk! Ich konnte das Buch nicht weglegen und habe es verschlungen! Für Fans der historischen Literatur ein absoltues Muß!

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Bewertung von unbekanntem Benutzer am 29.12.2002 ***** ausgezeichnet
"Das Lächeln der Fortuna" und "Das zweite Königreich" waren schon wunderschöne, spannende Bücher und ich hätte nicht gedacht, das Rebecca Gable dies noch toppen kann. Dieses Buch ist aber meiner Meinung nach noch spannender und flüssiger zu lesen, da die Handlung nicht ganz so verstrickt ist, wie in den beiden anderen Büchern. Insgesamt kann ich sagen, wer die Bücher von Rebecca Gable nicht gelesen hat, hat etwas verpasst.

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