Das Meer der Lügen / Lord John Bd.1 - Gabaldon, Diana

Das Meer der Lügen / Lord John Bd.1

Diana Gabaldon 

Dtsch. v. Barbara Schnell
Broschiertes Buch
 
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Das Meer der Lügen / Lord John Bd.1

Den Millionen Fans von Diana Gabaldons Highland-Saga ist Lord John Grey bestens bekannt: als treuer Freund und geistreicher Briefpartner des Helden Jamie Fraser. Doch auch zwischen seinen Auftritten in der Welt von Jamie und Claire führt der englische Offizier ein faszinierendes Eigenleben!
London, 1757. Soeben aus dem schottischen Zwangsexil zurückgekehrt, wird Lord John mit einem äußerst heiklen Auftrag betraut. Und gerät unversehens in ein gefährliches Netz aus Mord, Intrige, Erpressung und verzweifelter Liebe.


Produktinformation

  • Verlag: Blanvalet
  • 2008
  • Jubil.-Ausg.
  • Ausstattung/Bilder: Jubil.-Ausg. 2008. 447 S.
  • Seitenzahl: 447
  • Blanvalet Taschenbuch Nr.37023
  • Deutsch
  • Abmessung: 191mm x 118mm x 38mm
  • Gewicht: 340g
  • ISBN-13: 9783442370238
  • ISBN-10: 344237023X
  • Best.Nr.: 23326884
"Gabaldons Bücher, oft über tausend Seiten lang, sind monumentale Schmöker ... voller historisch gut recherchierter Details, so dass die Leser auf lustvolle Weise in eine vergangene Welt eintauchen können. - Inzwischen werden Gabaldons Werke von China bis Schweden verschlungen und haben zu einem Pilgerstrom ihrer Fans ins schottische Hochland geführt." (Der Spiegel)

"Es kann nur eine geben: Diana Gabaldon ist die Mutter aller Highlander!" (Brigitte)

Diana Gabaldon war Honorarprofessorin für Tiefseebiologie und Zoologie an der Universität von Arizona, bevor sie sich hauptberuflich dem Schreiben widmete. Bereits ihr erster Roman Feuer und Stein" wurde international zu einem gigantischen Erfolg und führte dazu, dass Millionen von Lesern zu begeisterten Fans der Highland-Saga wurden.
Diana Gabaldon lebt mit Mann und drei Kindern in Scottsdale, Arizona.

Leseprobe zu "Das Meer der Lügen / Lord John Bd.1" von Diana Gabaldon

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1 ...wenn wir nach Trug und Täuschung streben

London, Juni 1757 Die Gesellschaft zur Wertschätzung des

englischen Beefsteaks, ein Herrenclub

Es war eines dieser Dinge, von denen man im ersten Moment hofft, man hätte falsch hingesehen - weil das Leben so viel angenehmer wäre, wenn man es nicht gesehen hätte.

Besagtes Ding an sich hatte kaum etwas Schockierendes; Lord John Grey hatte schon Schlimmeres gesehen, konnte jederzeit Schlimmeres sehen, wenn er einfach nur aus dem "Beefsteak" auf die Straße trat. Das Blumenmädchen, das ihm auf dem Weg zum Club einen Veilchenstrauß verkauft hatte, trug eine klaffende Wunde auf dem Handrücken, die halb verheilt war und eine nässende Kruste hatte. Der Türsteher, ein Veteran, der in Amerika gekämpft hatte, hatte eine wulstige Tomahawknarbe, die ihm vom Haaransatz bis zum Kinn lief und die Höhle seines erblindeten Auges in zwei Hälften spaltete. Im Vergleich dazu war die wunde Stelle auf dem besten Stück des Ehrenwerten Joseph Trevelyan ziemlich klein. Beinahe diskret.

"Nicht so tief wie ein Brunnen, noch so weit wie eine Kirchtür", brummte Grey vor sich hin. "Aber es reicht hin. Verdammt."

Er trat hinter dem chinesischen Paravent hervor und hielt sich die Veilchen an die Nase. Deren süßer Duft kam gegen den durchdringenden Geruch, der ihm von den Pissoiren her folgte, nicht an. Es war Anfang Juni, und wie jedes andere Etablissement in London roch auch das "Beefsteak" nach Bier und Spargelpisse.

Trevelyan hatte die Zurückgezogenheit der chinesischen Wand schon vor Grey verlassen und nichts von dessen Entdeckung mitbekommen. Der Ehrenwerte Joseph stand jetzt am anderen Ende des Speisezimmers und war in ein Gespräch mit Lord Hanley und dem jüngeren Mr. Pitt vertieft - der Inbegriff des guten Geschmacks und der nüchternen Eleganz. Etwas schmalbrüstig, dachte Grey hartherzig - obwohl der Anzug aus feinem, rotbraunem Stoff darauf zugeschnitten war, der schlanken Figur des Mannes zu schmeicheln. Storchenbeine noch dazu; Trevelyan verlagerte das Gewicht und auf seinem linken Bein erschien ein Schatten an der Stelle, wo sein Wadenpolster sich unter dem bestickten Seidenstrumpf verschob.

Lord John wendete das Sträußchen kritisch in der Hand, als suchte er nach welken Stellen, während er den Mann mit gesenkten Wimpern beobachtete. Er wusste sehr gut, wie man jemanden beobachtete, ohne dass es ihm anzusehen war. Er wünschte, diese Gabe der unauffälligen Betrachtung wäre ihm nicht so sehr zur Angewohnheit geworden - dann stünde er jetzt nicht vor diesem Dilemma.

Die Entdeckung, dass ein Bekannter an der Franzosenkrankheit litt, hätte normalerweise schlimmstenfalls eine angewiderte Reaktion hervorgerufen, bestenfalls neutrales Mitgefühl - gepaart mit tiefer Dankbarkeit, dass man nicht selbst von dergleichen betroffen war. Unglücklicherweise war der Ehrenwerte Joseph Trevelyan nicht einfach nur eine Clubbekanntschaft; er war mit Greys Cousine verlobt.

Der Steward murmelte ihm etwas zu; aus einem Reflex heraus reichte er dem Mann den Blumenstrauß und machte eine abwinkende Handbewegung.

"Nein, ich esse noch nicht. Ich warte noch auf Oberst Quarry." "Sehr wohl, Mylord."

Trevelyan hatte sich wieder zu seinen Begleitern an einen Tisch am anderen Ende des Zimmer gesetzt, und sein schmales Gesicht errötete gerade vor Lachen über einen Witz, den Pitt gemacht hatte.

Grey konnte nicht einfach so dastehen und den Mann finsteren Blickes anstarren; er zögerte, unsicher, ob er sich ins Raucherzimmer begeben und dort auf Quarry warten sollte, oder vielleicht den Flur entlang in die Bibliothek gehen sollte. Schließlich kam ihm jedoch das plötzliche Eintreten von Malcolm Stubbs zuvor, eines Leutnants aus seinem Regiment, der ihn angenehm überrascht begrüßte.

"Major Grey! Was führt Euch denn hierher? Ich dachte, Ihr wärt Stammgast bei White's. Habt wohl die Nase voll von den Politikern, was?"

Stubbs war nicht größer als Grey, aber doppelt so breit. Er hatte ein pausbäckiges Engelsgesicht, große, blaue Augen und eine unverkrampfte Art, die ihn bei seinen Männern sehr beliebt machte, wenn auch nicht immer bei seinen vorgesetzten Offizieren.

"Hallo, Stubbs." Grey lächelte trotz seiner inneren Unruhe. Stubbs war ein guter Bekannter, wenn sich ihre Pfade auch außerhalb des Regiments kaum kreuzten. "Nein, Ihr verwechselt mich mit meinem Bruder Hal. Ich überlasse ihm das Räuberschach." Stubbs wurde rot im Gesicht und prustete leise.

"Räuberschach! Guter Witz, Grey, ehrlich. Den muss ich unbedingt dem Alten erzählen." Der Alte war Stubbs' Vater, ein unbedeutender Baronet, der mit Sicherheit sowohl mit dem White's Club als auch mit Lord Johns Bruder vertraut war.

"Nun, Grey, seid Ihr hier Mitglied? Oder Gast, so wie ich?" Stubbs, der sich wieder von seinem Lachanfall erholt hatte, wies mit einer Handbewegung auf das geräumige, weiß eingedeckte Speisezimmer und warf einen bewundernden Blick auf die beeindruckende Sammlung von Dekantern, die der Steward auf einer Anrichte zurechtstellte. "Mitglied."

Trevelyan nickte gerade dem Herzog von Gloucester zu, der den freundschaftlichen Gruß erwiderte. Himmel, Trevelyan kannte auch wirklich jeden. Mit einem kleinen Ruck wandte Grey seine Aufmerksamkeit wieder Stubbs zu.

"Mein Patenonkel hat mich schon bei meiner Geburt im ÝBeefsteak† angemeldet. Seit ich sieben bin, das Alter, in dem seiner Meinung nach die Vernunft einsetzt, hat er mich jeden Mittwoch zum Mittagessen mitgenommen. Auf diese Gewohnheit musste ich natürlich unterwegs verzichten, aber wenn ich in der Stadt bin, finde ich mich regelmäßig hier ein."

Der Steward beugte sich zu Trevelyan hinab, um ihm einen Dekanter mit Portwein anzubieten; Grey erkannte das goldene Siegelrelief am Hals des Gefäßes - Vielle St. Moreau, hundert Guineen per Fass. Gut betucht, reich an Beziehungen... und mit der Syphilis infiziert. Verdammt, wie bekam er das nur in den Griff?

"Ist Euer Gastgeber noch nicht da?" Er berührte Stubbs am Ellbogen und wandte ihn zur Tür. "Dann kommt - trinken wir ein schnelles Glas in der Bibliothek."

Sie spazierten den wohnlichen Teppich entlang, der über den Flur lief, und betrieben Konversation.

"Warum so herausgeputzt?", fragte Grey beiläufig und versetzte die geflochtene Tresse an Stubbs' Schulter in Bewegung. Das "Beefsteak" war keine Anlaufstelle für Soldaten; obwohl ein paar Offiziere des Regiments Mitglieder waren, trugen sie hier selten Uniform, es sei denn, sie waren auf dem Weg zu einem offiziellen Termin. Auch Grey war nur deshalb uniformiert, weil er mit Quarry verabredet war, der niemals etwas anderes in der Öffentlichkeit trug.

"Muss noch zu einem Witwenbesuch", erwiderte Stubbs mit resignierter Miene. "Keine Zeit, mich vorher noch umzuziehen."

"Oh? Wer ist denn gestorben?" Ein Witwenbesuch war ein offizieller Besuch, den man der Familie eines kürzlich verstorbenen Regimentsmitgliedes abstattete, um das Beileid der Truppe zu entbieten und sich nach dem Wohlergehen der Witwe zu erkundigen. War der Mann Berufssoldat, beinhaltete der Besuch möglicherweise auch die Aushändigung einer kleinen Summe in bar, das von den Kameraden und den direkten Vorgesetzten des Mannes gesammelt worden war - mit etwas Glück genug für eine anständige Beerdigung. "Timothy O'Connell."

"Tatsächlich? Wie ist das denn passiert?" O'Connell war ein Ire in den mittleren Jahren, mürrisch, aber fähig; er war sein Leben lang Soldat gewesen und hatte es aufgrund seiner Fähigkeit, seine Untergebenen einzuschüchtern, bis zum Sergeanten gebracht - eine Fähigkeit, um die ihn Grey als siebzehnjähriger Subalterner beneidet hatte und vor der er zehn Jahre später immer noch Respekt hatte.

"Ist bei einer Prügelei auf der Straße umgekommen, vorletzte Nacht." Bei diesen Worten fuhren Greys Augenbrauen in die Höhe.

"Da muss ihm aber eine ganze Bande nachgestellt haben", sagte er, "oder ihn überrascht haben; ich hätte alles auf O'Connell gesetzt, wenn der Kampf auch nur halbwegs fair gewesen ist."

"Ich weiß nichts Genaues; ich soll die Witwe danach fragen."

Grey nahm auf einem der antiken, aber gemütlichen Sessel des "Beefsteaks" Platz und winkte einem Bediensteten.

"Brandy - für Euch auch, Stubbs? Ja, zwei Brandy bitte. Und sorgt dafür, dass man mich holt, wenn Oberst Quarry eintrifft, ja?"

"Danke, Kumpel, nächstes Mal kommt Ihr zu Boodie's, und dann gebe ich einen aus." Stubbs schnallte sein Paradeschwert ab und reichte es dem wartenden Bediensteten, um es sich dann ebenfalls bequem zu machen.

"Habe übrigens neulich Eure Cousine getroffen", merkte er an, während er seinen nicht unbeträchtlichen Hintern tief in den Sessel bohrte. "Ist im Row Park ausgeritten - hübsche junge Dame. Guter Sitz", fügte er umsichtig hinzu.

"Ach, wirklich. Und welche Cousine war das?", fragte Grey, während ihm das Herz in die Knie sank. Er hatte eine ganze Reihe von Cousinen, aber nur eine, von der er sich vorstellen konnte, dass Stubbs sie bewunderte, und so, wie dieser Tag sich anließ...

"Die Pearsall", sagte Stubbs fröhlich und bestätigte Greys Vorahnung. "Olivia? War das der Name? Ist sie nicht mit diesem Trevelyan verlobt? Dachte, ich hätte ihn eben im Speisezimmer gesehen."

"Das habt Ihr auch", sagte Grey knapp. Er brannte im Augenblick nicht sehr darauf, sich über den Ehrenwerten Joseph zu unterhalten. Doch wenn Stubbs erst einmal einen Gesprächskurs eingeschlagen hatte, war er so schwer davon abzubringen wie ein bergab rollender Zwanzigpfünder, und Grey kam nicht umhin, sich alles Mögliche über Trevelyans Tun und seine herausragende gesellschaftliche Stellung anzuhören - Dinge, deren er sich nur allzu gut bewusst war.

"Irgendwelche Neuigkeiten aus Indien?", fragte er schließlich verzweifelt.

Dieser Schachzug funktionierte; dem Großteil Londons war zwar bewusst, dass Robert Clive nach den Fersen des Nawabs von Bengalen schnappte, doch Stubbs hatte einen Bruder im 46sten Infantrieregiment, das derzeit mit Clive Kalkutta belagerte, und war daher in der Lage, einige grausige Details beizusteuern, die es noch nicht bis in die Zeitung geschafft hatten.

"...so viele britische Gefangene auf engstem Raum zusammengedrängt, sagt mein Bruder, dass es, wenn sie vor Hitze umgefallen sind, keinen Platz gab, wo sie die Leichen lassen konnten; die Überlebenden waren gezwungen, auf den Gestürzten herumzutrampeln. Er sagt -" Stubbs sah sich um und senkte ein wenig die Stimme. "Er sagt, ein paar der armen Kerle sind vor Durst wahnsinnig geworden. Haben das Blut getrunken. Wenn einer von ihnen gestorben ist, meine ich. Sie haben ihm die Kehle aufgeschlitzt, die Handgelenke, die Leiche ausbluten lassen und sie dann liegen gelassen. Bryce sagt, sie konnten der Hälfte der Toten keinen Namen mehr zuordnen, als sie sie dort herausgezogen haben, und -"

"Meint Ihr, sie schicken uns auch dorthin?", unterbrach Grey. Er leerte sein Glas und bestellte mit einer Handbewegung zwei weitere Gläser Brandy, um sich vielleicht doch noch einen Rest seines Appetits auf das Mittagessen zu bewahren.

"Weiß nicht. Vielleicht - obwohl ich letzte Woche ein Gerücht gehört habe, das sehr danach klang, als könnte es Amerika werden." Stubbs schüttelte stirnrunzelnd den Kopf. "Kann nicht sagen, dass ich einen großen Unterschied zwischen einem Hindu und einem Mohawk sehe - alles brüllende Barbaren -, aber wenn Ihr mich fragt, sind die Chancen, sich zu profilieren, in Indien sehr viel größer."

"Wenn man die Hitze, die Insekten, die Giftschlangen und den Durchfall überlebt, ja", sagte Grey. Er schloss für einen Moment der Glückseligkeit die Augen und genoss den sanften Hauch des englischen Junitages, der zum offenen Fenster hereinwehte.

Es wurde überall spekuliert, was den nächsten Posten des Regiments anging, und die Gerüchteküche florierte. Frankreich, Indien, die amerikanischen Kolonien... vielleicht Prag oder die russische Front, einer der deutschen Staaten oder gar die Westindischen Inseln. Indem es Österreichs strittige Thronfolge als Vorwand benutzte, kämpfte Großbritannien auf drei Kontinenten mit Frankreich um die Vorherrschaft, und kein Soldat konnte über Mangel an Beschäftigung klagen.

Sie verbrachten noch eine angenehme Viertelstunde mit ähnlich substanzlosen Vermutungen. Währenddessen konnte sich Greys Verstand ungehindert erneut den Schwierigkeiten zuwenden, die sich durch seine unpassende Entdeckung ergaben. Hätten die Dinge ihren normalen Lauf genommen, wäre Trevelyan das Problem seines älteren Bruders gewesen. Doch Hal war zurzeit auf Reisen in Frankreich und unerreichbar, was Grey zum Mann vor Ort machte. Die Hochzeit zwischen Trevelyan und Olivia Pearsall sollte in sechs Wochen stattfinden; es musste etwas unternommen werden, und zwar schnell.

Vielleicht zog er besser Paul oder Edgar zu Rate - aber keiner seiner Halbbrüder bewegte sich in gesellschaftlichen Kreisen; Paul führte ein gemütliches Landleben auf seinem Anwesen in Sussex und setzte kaum je einen Fuß in den nächsten Marktflecken. Was Edgar anging... nein, Edgar würde keine Hilfe sein. Seine Vorstellung von einer diskreten Erledigung der Angelegenheit würde es sein, Trevelyan auf den Stufen von Westminster auszupeitschen.

Ein Steward, der in der Tür erschien und Oberst Quarrys Eintreffen verkündete, setzte seinen abschweifenden Gedanken vorerst ein Ende. Er erhob sich und berührte Stubbs an der Schulter.

"Holt mich nach dem Essen ab, ja?", sagte er. "Wenn Ihr möchtet, begleite ich Euch bei Eurem Witwenbesuch. O'Connell war ein guter Soldat."

"Oh, würdet Ihr das tun? Das ist wirklich anständig von Euch, Grey; danke." Stubbs machte ein dankbares Gesicht; den Hinterbliebenen sein Beileid auszusprechen, war nicht seine Stärke.

Glücklicherweise hatte Trevelyan seine Mahlzeit beendet und war gegangen; die Stewards waren gerade dabei, die Krümel von dem frei gewordenen Tisch zu fegen, als Grey das Zimmer betrat. Auch gut; es hätte ihm den Magen umgedreht, wenn er den Mann beim Essen hätte sehen müssen.

Er begrüßte Harry Quarry herzlich und zwang sich dann, während der Suppe Konversation zu betreiben, obwohl er mit seinen Gedanken anderswo war. Er zögerte und tauchte seinen Löffel in die Suppe. Quarry benahm sich oft derb und unbeholfen, doch er besaß große Treffsicherheit, wenn es darum ging, den Charakter eines Menschen einzuschätzen, und er kannte sich mit unschönen Affären aus. Er stammte aus einer guten Familie und wusste, wie die bessere Gesellschaft funktionierte. Vor allem konnte man sich darauf verlassen, dass er ein Geheimnis für sich behalten würde.

Also dann. Über die Sache zu sprechen, würde die Situation möglicherweise zumindest für ihn selbst klarer machen. Er schluckte den letzten Rest Brühe hinunter und legte den Löffel hin. "Kennt Ihr Mr. Joseph Trevelyan?"

"Den Ehrenwerten Mr. Trevelyan? Vater Baronet, Bruder im Parlament, ein Vermögen in Zinn aus Cornwall, bis über die Ohren an der Ostindischen Handelsgesellschaft beteiligt?" Harry zog ironisch die Augenbrauen hoch. "Nur vom Sehen. Wieso?"

"Er ist mit meiner Cousine Olivia Pearsall verlobt. Ich... ich hatte mich nur gefragt, ob Euch vielleicht irgendetwas in Bezug auf seinen Charakter zu Ohren gekommen ist."

"Bisschen spät für derartige Erkundigungen - oder nicht, wenn sie schon verlobt sind?" Quarry löffelte ein Stück unidentifizierbaren Grünzeugs aus seiner Suppentasse, betrachtete es kritisch, dann zuckte er mit den Achseln und aß es. "Geht Euch doch sowieso nichts an, oder? Ihr Vater ist doch bestimmt zufrieden?"

"Sie hat keinen Vater mehr. Und keine Mutter. Sie ist verwaist und ist seit zehn Jahren das Mündel meines Bruders Hal. Sie lebt im Haushalt meiner Mutter."

"Mm? Oh. Das wusste ich nicht." Quarry kaute langsam auf seinem Brot herum und betrachtete seinen Freund mit nachdenklich gesenkten Augenbrauen. "Was hat er denn angestellt? Trevelyan, meine ich, nicht Euer Bruder."

Lord John zog seinerseits die Augenbrauen hoch und spielte mit seinem Suppenlöffel.

"Nichts, soweit ich weiß. Warum sollte er denn etwas angestellt haben?"

"Sonst würdet Ihr Euch doch nicht nach seinem Charakter erkundigen", führte Quarry in aller Logik an. "Raus damit, John; was hat er getan?"

"Es ist nicht so sehr, was er getan hat, als vielmehr die Folgen." Lord John lehnte sich zurück und wartete ab, bis der Steward das Suppengeschirr abgeräumt und sich außer Hörweite begeben hatte. Er beugte sich ein wenig vor, senkte die Stimme bis weit unter den Flüsterton, und dennoch spürte er, wie ihm das Blut in die Wangen stieg.

Es war absurd, sagte er sich. Jeder Mann warf dann und wann einen beiläufigen Blick auf seinen Nebenmann - doch seine persönlichen Vorlieben machten ihn in einer solchen Situation mehr als angreifbar; er konnte die Vorstellung, dass ihn jemand einer vorsätzlichen Inspektion bezichtigen könnte, nicht ertragen. Nicht einmal Quarry - der in einer ähnlichen Situation Trevelyan wahrscheinlich am Glied des Anstoßes gepackt und lauthals eine Erklärung für das Ganze verlangt hätte.

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Bewertung von BlueNa aus Remchingen am 09.03.2014   sehr gut
Lord John löst jeden Fall!

London, Mitte des 18. Jahrhunderts: Lord John Grey ist gerade aus seinem schottischen Exil zurückgekehrt und gerade dabei, sich wieder in er Londoner High Society einzuleben. Dazu gehören auch die regelmäßigen Besuche in seinem Herrenclub, in dem er einen heiklen Auftrag übertragen bekommt. In der britischen Armee sind vertrauliche Papiere abhanden gekommen, aus denen die französischen Widersacher die Truppenstärke herauslesen könnten. Es wird vermutet, ein britischer Soldat hat die Papiere gestohlen und will sie nun an de Feind verkaufen. Ebenso kommen ein Mord und zu allem Übel noch eine prekäre familiäre Angelegenheit zu Lord Johns Problemen hinzu, um die er sich als Familienoberhaupt kümmern muss, so lange sein Bruder nicht im Lande ist.

Als Leserin von Diana Gabaldons Highland-Saga ist mir Lord John Grey natürlich nur allzu bekannt und ich kann sagen: Ich mag ihn nicht. Ich mochte ihn vom ersten Augenblick an nicht, als er die Bühne in Jamie Frasers Leben betreten hat. Daran änderte sich auch im Verlauf der mittlerweile acht Jamie-und-Claire-Romanen nichts, auch wenn John Grey oft ein Retter in der Not war. Deshalb habe ich bisher auch noch keine große Lust verspürt die Lord-John-Romane zu lesen, doch durch Zufall habe ich dann doch zum ebook gegriffen. Jetzt muss ich meine Meinung zu Lord John ein wenig revidieren, denn das Buch hat mir, wider erwarten, ganz gut gefallen! Die Kulisse des London im 18. Jahrhundert gefällt mir außerordentlich gut und der Kriminalfall, den John zu lösen hat, ist zwar kein total komplexer, trotzdem konnte ich eine ganze Weile angeregt miträtseln.

Der Schreibstil der Autorin unterscheidet sich ein wenig von dem, was wir aus ihrer Highland-Saga gewohnt sind. Es fehlen hier die ausschweifenden Landschaftsbeschreibungen und wir haben hier auch keinen Schmachtfetzen vor uns, sondern einen soliden Historischen Kriminalroman mit einem intelligenten Ermittler. Dementsprechend nüchtern fällt der Schreibstil aus. Knapp aber anschaulich werden das Geschehen und auch die Gedankenwelt Lord Johns geschildert, flüssig lotst Gabaldon uns durch die Ereignisse. Mir hat ein wenig die Spannung gefehlt, obwohl es auch die eine oder andere gefährliche Situation gab. Trotzdem war es interessant den Fall mit Lord John zusammen zu lösen.

Die Protagonisten waren insgesamt sehr ausgefeilt. Lord John ist ja ein alter Bekannter, den ich nun von einer ganz anderen Seite kennen lernen durfte. Er ist nicht der allmächtige britische Offizier, sondern eher ein kleines Licht in der Londoner Oberschicht, der mit einem zweifelhaften Ruf zu kämpfen hat. An seinen sexuellen Vorlieben hat sich aber natürlich nichts geändert und so erfährt man auch, mit welchen Schwierigkeiten Homosexuelle in diesen Zeiten zu kämpfen hatten. So kommt aber leider die Damenwelt ein wenig zu kurz und fast alle weiteren Nebenfiguren sind Männer, wie z.B. der ehrenwerte Joseph Trevelyan, der Greys Cousine heiraten soll.

Das Cover des ebooks ist nicht gerade auffällig. Ich habe die Ausgabe, auf der hauptsächlich eine Hand mit einem dicken Klunker am Finger zu sehen ist. Der Besitzer der Hand trägt ein weinrotes Wams und im linken unteren Eck ist ein Ausschnitt einer Seekarte zu sehen. Die ist sicherlich keines meiner Cover-Favoriten!

Fazit: „Das Meer der Lügen“ von Diana Gabaldon ist der erste Spin-Off Roman ihrer bekannten Highland-Saga, der sich ganz Lord John Grey widmet. Dieser ist am ehesten als Historischer Kriminalroman zu bezeichnen und fällt somit in eine ganz andere Kategorie als die Romane um Jamie und Claire. Dies außer Acht gelassen, ist es doch ein unterhaltsames Buch, in dem man John Grey von einer ganz anderen Seite kennenlernt. Ich vergebe vier von fünf Sternen.

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Bewertung von Blacky (blacky-book@live.de) am 28.09.2011   sehr gut
Beschreibung:
London, 1757. Soeben aus dem schottischen Zwangsexil zurückgekehrt, wird Lord John mit einem äußerst heiklen Auftrag betraut. Und gerät unversehens in ein gefährliches Netz aus Mord, Intrige, Erpressung und verzweifelter Liebe.

Ein spannender und interressanter Roman, den man schon fast als Krimi bezeichnen kann.Die Moralvorstellungen um 1757 unterschieden sich noch gewaltig von den heutigen und dementsprechend wird hier agiert. Es bleibt spannend bis zum Schluss, denn es gilt nicht nur einen (oder sogar mehrere???) Mörder zu entlarven, sondern auch Lord Johns Cousine zu schützen. Fabelhaft !!!
Es war für mich der erste "Lord John" Roman, aber es werden sicher noch weitere folgen.
Reihenfolge der "Lord John Romane:

1.Die Hand des Teufels (enthält die drei Kurzromane:
- Lord John und die Flammen der Hölle
- Lord John und der magische Pakt
- Lord John und der Geistersoldat)
2. Das Meer der Lügen
3. Die Sünde der Brüder

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