Gegenstand der vorliegenden Studie sind die
Gedächtnisinszenierungen in Marcel Beyers Romanen Flughunde, Spione
und Kaltenburg, die, so die Ausgangsthese der Studie, strukturell
zusammengehören und in diesem Sinne als eine Trilogie defi niert
werden können. In seinen Romanen erinnert Beyer an die Zeit des
Nationalsozialismus, des Deutschen Herbstes und an die
deutsch-deutsche Geschichte. Über die Ebene dieser historischen
Referenzen hinaus steht in seinem Schreiben auch die Thematisierung
des Erinnerungsvorganges selbst in seiner individuellen und
kollektiven Dimension im Vordergrund, wobei Erinnerung immer auch
auf ihre mediale Vermittlung angewiesen ist. In Beyers Texten
manifestiert sich die Kluft zwischen Vergangenem und Gegenwärtigem,
indem der Autor jegliche Übertragung von Erinnertem kritisch
hinterfragt. So inszeniert Beyer die mediale Vermittlung in
Flughunde in den dargestellten Stimmen und der dazugehörigen
Tonwelt, in Spione an der Spur und der dazugehörigen visuellen Welt
und in Kaltenburg an der Figur des Boten, der sich zwischen Innen-
und Außenwelt bewegt; damit sprechen die Romane über das
Unvermögen, Vergangenheit jemals einholen zu können.
Eleni Georgopoulou, Germanistikstudium in Köln, Promotion 2000 in Hamburg. Seit 2002 Dozentin für Literatur- und Kulturwissenschaften an der Aristoteles Universität Thessaloniki, Abteilung für Deutsche Sprache und Philologie.
Sitemap: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20