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Am 23. Juni feierte er seinen 70. Geburtstag, rechtzeitig vorher erschien mit "Heute hier, morgen dort" Ende Mai ein Tribute-Album junger Künstler, das zeigte, dass Hannes Waders frühere Lieder nichts von ihrer Frische und Aktualität verloren haben. Nun legt der Meister nach achtjährige Schaffenspause ein eigenes Werk mit zwölf neuen Stücken nach. Es ist zum Teil, vor allem im Titelsong, autobiografische Rückschau, zum Teil Verbeugung vor Kollegen wie Konstantin Wecker ("Was keiner wagt"), Pete Seeger ("Seit Ewigkeiten"/"Turn! Turn! Turn!"), Tom Paxton ("Ich werd' es überstehn"/"Last Thin…mehr

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Produktbeschreibung

Am 23. Juni feierte er seinen 70. Geburtstag, rechtzeitig vorher erschien mit "Heute hier, morgen dort" Ende Mai ein Tribute-Album junger Künstler, das zeigte, dass Hannes Waders frühere Lieder nichts von ihrer Frische und Aktualität verloren haben. Nun legt der Meister nach achtjähriger Schaffenspause ein eigenes Werk mit zwölf neuen Stücken nach.

Es ist zum Teil, vor allem im Titelsong, autobiografische Rückschau, zum Teil Verbeugung vor Kollegen wie Konstantin Wecker ("Was keiner wagt"), Pete Seeger ("Seit Ewigkeiten"/"Turn! Turn! Turn!"), Tom Paxton ("Ich werd' es überstehn"/"Last Thing On My Mind") oder dem Ende 2011 verstorbenen Franz Josef Degenhardt ("Jeder Traum"), dem Wader mit "Alter Freund" zudem ein eigenes Lied widmet. Es zeigt Waders musikalische Vorlieben und Prägungen, die von Gitarrenpicking und dezenter Country-Stimmung mit Slidegitarre ("Mahlzeit") über französisches Chanson - hier mit "Les Feuilles Mortes" ("Die welken Blätter" von Jacques Prevert) - und Musette ("Boulevard St. Martin") bis hin zum deutschen Volkslied reichen. Dabei sorgen die Arrangements für Abwechslung, mal nur mit Gitarrenbegleitung, mal mit Band.

Im Titelstück ist Hannes Wader auf der Spur seiner vergangenen Liebschaften tatsächlich wieder "Unterwegs nach Süden", und das klingt bisweilen wie ein mit dezenten Reggae-Synkopen gewürzter Italoschlager, der sich schier endlos hinzieht, aber dank des Textes nie langweilt. Dieser Text ist "Vintage Wader", pointiert, witzig und immer gefühlvoll - ein Zitat: "Da ist dann auch so'n Typ mit 'ner Gitarre aufgetreten. Uschi ist fast ausgerastet, als der anfing zu singen, um ,Heute hier morgen dort' von Reinhard Mey zu bringen. Die Bühne stürmend, hat sie erst mal drei Ordner umgerissen und dann dem Sänger ihren Tanga ins Gesicht geschmissen. Und weil sie ihn so liebte, habe ich dann nachts auf ihrem Rasen ,Gute Nacht Freunde' auf meiner Blockflöte geblasen."

Für jüngere Hörer mag der Gesang, der in Wader-Manier bisweilen ein wenig pathetisch tremoliert, anfangs der Gewöhnung bedürfen. Doch die Texte zeigen, dass Wader noch immer und nach wie vor einer der ganz Großen ist, der mit Worten und Versen meisterhaft umgeht, der als sensibler Poet dennoch auch politisch Position bezieht, gleichwohl seine Emotionen nicht versteckt und sich dabei noch lange nicht mit amourösen Reminiszenzen an Uschi (siehe oben) zufrieden gibt. Und so klingt selbst das "Lied vom Tod" am Ende des Programms nicht etwa wie ein Abschied, sondern wie eine Bestätigung, dass Hannes Wader noch lange nicht fertig ist mit diesem Leben und mit seinem Schaffen. Zum Glück.

Manfred Gillig-Degrave

Hannes Wader ist eine einzigartige Figur der deutschen Musikszene. Er ist einer der Väter der Liedermacherszene, schrieb und sang aufrüttelnde Politsongs und berührende Liebeslieder, war als Kommunist verschrien und dennoch immer eine feste Größe in Konzerthalle und auf Tonträger. "Hannes Wader ist der deutsche Johnny Cash" schrieb Hagen Liebig kürzlich im TIP - und niemand widersprach. Vor einigen Wochen feierte Wader seinen 70. Geburtstag, das Medienecho war groß. Jetzt, endlich, gibt es ein neues Album von Deutschlands Liedermacher Nummer Eins.Sechs lange Jahre hat sich Hannes Wader für sein neues Album Zeit gelassen. Jetzt kehrt er mit "Nah dran" zu seinem alten Label Mercury zurück. Das Warten hat sich gelohnt: Zwölf neue Lieder im typischen "Wader-Mix" zwischen Sentiment, Sarkasmus und Zorn. Über die Kindheit und das Alter, vom antifaschistischen Widerstand, von Liebe, von der Freundschaft und vom Tod. Lieder, die - wie von Hannes Wader gewohnt - für lange Zeit halten, und von denen man manche wohl nie mehr vergisst.
  • Produktdetails
  • EAN: 0602537018871
  • Best.Nr.: 35988405
  • Artikeltyp: Musik
  • Anzahl: 1
  • Datenträger: CD
  • Erscheinungstermin: 24.08.2012
  • Hersteller: Universal Music

Trackliste

CD
1Dass wir so lang leben dürfen00:04:10
2Ich werd' es überstehn (Last Thing On My Mind)00:03:45
3Nah dran00:10:23
4Der Drachen00:05:43
5Boulevard St. Martin00:06:38
6Die welken Blätter (Les Feuilles Mortes)00:04:35
7Mahlzeit00:08:38
8Jeder Traum00:02:50
9Alter Freund00:04:01
10Seit Ewigkeiten (To Everything There Is A Season - Turn, Turn, Turn)00:03:09
11Was keiner wagt00:03:14
12Lied vom Tod00:07:56

Rezensionen

Besprechung von 28.07.2012
Gesungenes, Gezupftes zu letzten und vorletzten Dingen
Wader und die Folgen: Die Enkel ehren den Liedermacheraltmeister, der aber auch selbst neue Lieder parat hat

Von Rolf Thomas

Der Liedermacher schien eine Erfindung der siebziger Jahre gewesen zu sein, die mit deren Verstreichen zum Aussterben verdammt war. Doch seit ungefähr zehn Jahren gibt es eine wahre Schwemme neuer Liedermacher, die im akustischen Gewand eigene Texte und Musik verarbeiten. Ein gutes Dutzend hat sich jetzt versammelt, um einen ihrer Urahnen zu ehren, der vor kurzem siebzig Jahre alt geworden ist. Philipp Poisel, Max Prosa, Pohlmann und Tiemo Hauer haben sich am "Salut an Hannes Wader" beteiligt und sich vornehmlich für die poetischen, melancholischen Lieder des Altmeisters entschieden. "Schon so lang", "Am Fluss" und vor allem "Heute hier, morgen dort" sind längst in den musikalischen Genpool eingedrungen und haben Volksliedcharakter angenommen. Umso erstaunlicher, was man aus den Vorlagen alles machen kann. Die Alin Coen Band gibt "Abschied" einen Dreh ins Jazzige, gegen Ende nimmt das Album richtig Fahrt auf: Glasperlenspiel machen aus "Traumtänzer" einen lupenreinen Popsong, Slime überziehen "Heute hier, morgen dort" mit ehrwürdiger Punk-Patina, und das Technoprojekt Apfel S zieht "Kokain", eines von Waders wohl frechsten Liedern, ganz weit ins elektronische Avantgardefeld.

Aber Wader selbst ist auch noch aktiv. Das demnächst erscheinende Album "Na dran" bietet neben neuen, eigenen Liedern Vorlagen von Pete Seeger ("Turn! Turn! Turn!"), Tom Paxton ("Last Thing On My Mind") und Jacques Prévert ("Les Feuilles Mortes"), ins Deutsche übertragen. Die Umsetzung ist freundlich-gediegen mit gelegentlichen Abstechern in Country- und Reggae-Gefilde. Dass Wader sich in fortgeschrittenem Alter mit letzten Gedanken beschäftigt ("Dass wir so lang leben dürfen", "Lied vom Tod"), ist wenig überraschend, mit der längsten Nummer des Albums verleiht er aber auch seiner sarkastisch-humoristischen Seite neuen Ausdruck. Das länger als zehnminütige Titelstück lässt eine lange Reihe amouröser Misserfolge Revue passieren, offene Worte paaren sich hier mit einer sympathischen Altersmilde.

Heute hier, morgen dort - Salut an Hannes Wader

Mercury 06025 2799601(Universal)

Hannes Wader, Nah dran

Mercury 06025 3701887 (Universal)

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