Weg vom Festland - Frei, Frederike

Frederike Frei 

Weg vom Festland

Roman

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Weg vom Festland

Weg vom Festland beschreibt 27 Tage auf einer Nordseeinsel um 1990. Es geht um die Freiheit einer jungen Frau, in der Natur zu leben und zu lieben wen sie will. Frederike Frei wurde schon als Bundes-, Bauchladen- und Auftragsdichterin, Wanderpoetesse und Wörterfrau bezeichnet. Mit Weg vom Festland hat sie einen Roman in poetischer Prosa vorgelegt authentisch und sinnlich, temperamentvoll und frech.

Die Wanderliteratin macht Urlaub auf ihrer Lieblingsinsel, überlegt, ob sie sich vielleichtihre Nägel an der Baumrinde stutzen kann wie eine Katze, gibt sich den Wörtern hin, denKräutern, setzt sich den Wettern aus ohne Zelt, den Regenpickeln im Meer, verliebt sichin einen älteren Musiker, der in einem festen Haus wohnt und hier ebenfalls das Festlandhinter sich lassen will ... samt Ehefrau.Weg vom Festland beschreibt 27 Tage auf einer Nordseeinsel um 1990. Es geht um die Freiheit einer jungen Frau, in der Natur zu leben und zu lieben wen sie will. Frederike Frei wurde schon als Bundes-, Bauchladen- und Auftragsdichterin, Wanderpoetesse und Wörterfrau bezeichnet. Mit Weg vom Festland hat sie einen Roman in poetischer Prosa vorgelegt authentisch und sinnlich, temperamentvoll und frech.


Produktinformation

  • Verlag: Achter
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 432 S.
  • Seitenzahl: 431
  • Deutsch
  • Abmessung: 207mm x 152mm x 33mm
  • Gewicht: 720g
  • ISBN-13: 9783981456226
  • ISBN-10: 398145622X
  • Best.Nr.: 34215558
Frederike Frei, geboren 1945, Studium Germanistik, Theologie, Schauspiel. Seit 1976 Schriftstellerin.

Leseprobe zu "Weg vom Festland" von Frederike Frei

"Erster Tag: Nimm mich mit, hm-hm-hm, auf die Reise ... summte ich in der großen Pause, und lehnte mich an die bröckelige Mauer zum Nachbargarten, in dem nichts wuchs außer Luthers Apfelbäumchen, das er auf jeden Fall noch pflanzen wollte, bevor die Welt mit ihm unterginge, wie es unsere Klassenlehrerin erzählt hatte. Von Stund an floss jetzt sogar noch der Rhein durch diesen Garten mit einem Dampfer in seiner Mitte und einem Seebär am Steuer, dem ich vom steinharten Ufer des Volksschulhofs aus die Melodie leise zuträllerte. Der Kapitän entdeckte mich, schmunzelte, aber schipperte weiter, sah sich nicht mehr nach mir um. Alles, was ich mir zum ersten Mal vorstellte in meinem Leben, fand in diesem menschenleeren unbeackerten, ja geradezu verrotteten Gartenstück statt. Ein ideales Plätzchen für weltweite Phantasien. Auch fünfunddreißig Jahre später versuche ich, mich immer noch einem Kapitän, diesmal einem der Landstraße anzudienen. Im Moment überlege ich, ob ich einfach Richtung Meer trampen soll. Das Warten auf Wolken ist restlos alle, ich will nur noch weg. Es nutzt nichts, mich in das bisschen Schatten zu zwängen, das ich der krummen Regenröhre verdanke auf meinem Hamburger Balkon, die Sonne findet mich doch. Und kaum bin ich ihr wieder ausgesetzt, fliehe ich in Gedanken hinüber zur Autobahn, die hinter den vielen grauen, noch unsanierten Altbauten, die an mein Neubaugebiet angrenzen, verschwindet, und mit ihr ans Meer, Meer, Meer. Blauer Himmel mit Sonne in Gold lässt sich auf die Dauer nur an der See aushalten. Allein wohne ich, habe mich bekannt gemacht als Jungschreiberin, bin darüber vierzig Jahre alt geworden, leite mit anderen ein Literaturlabor e. V. und fahre bei 32 Grad aus der Haut. In dieser Hitze schmilzt jeder Stress, den man sich bereiten möchte, man sitzt nur noch in seinem eigenen Brutofen, fühlt sich auf diese Weise sogar neu gebacken. Wenn ich jetzt aus meinem dritten Stockwerk die Treppen herunterlaufe, meine Wohnstraße rechts hochradele, links abbiege, lande ich schon nach ein, zwei Kilometern vor der Autobahnauffahrt am Hamburger Elbtunnel, wenn ich will. Und ich will. Ich kann ja meine Wohnung jederzeit verlassen, besitze keine Katze, keinen Hund, keine belebten Blumentöpfe außer auf dem Balkon, und der steht in direkter Verbindung zu den Regenwolken. Erst nächste Woche finden meine Literaturkurse an Volkshochschule und Uni statt. An den übrigen sechs Tagen bin und bleibe ich freie Schriftstellerin, von der niemand etwas will in Germany. Man kann so angenehm arbeiten in diesem bedeutenden Beruf, wenn man so unbedeutend geworden ist wie ich. Angefangen zu schreiben habe ich mit kurzen, knackigen Texten, doch seit ich lang und länger schreibe, will man nicht mehr viel von mir wissen. Leser nageln einen fest auf das, was sie bereits kennen. So setze ich mich dafür ein, dass sie sich in Zukunft selbst ihre Sprüche und kurzen Verse hinzuschreiben vermögen, leite sie in meinen Kursen gerne dazu an. Ein ganzes Literaturlabor hab ich gegründet, damit ich nicht die Einzige bin, die Glück hatte mit ihrem Schreibtalent. Immerhin bin ich ein Opfer der Generation, die man ziemlich unerotisch nach einer halben Jahreszahl nennt, und die wohl schon deshalb in der Geschichte auffällt, weil sie sich zuerst um andere kümmerte, statt um sich selbst ..."

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