Irgendwann werden wir uns alles erzählen - Krien, Daniela
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Daniela Krien 

Irgendwann werden wir uns alles erzählen

Roman

Gebundenes Buch
 
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Irgendwann werden wir uns alles erzählen

Sommer 1990, ein Bauerndorf nahe der deutsch-deutschen Grenze, die gerade keine mehr ist. In ihrem literarischen Debüt schildert Daniela Krien eine Liebesgeschichte von archaischer Wucht, die Zeitgeschehen und Existentielles auf zwingende Weise miteinander verschränkt.

Es ist Sommer, heißer, herrlicher Sommer. Der Hof ist ein Dreiseithof. Schaut man geradeaus, sieht man eingezäunte Wiesen und den Bahndamm, und hinter den Schienen, in einiger Entfernung, doch klar erkennbar: den Henner-Hof. Maria wird bald siebzehn, sie wohnt mit Johannes auf dem Hof seiner Eltern, in den Spinnenzimmern unterm Dach. Sie ist zart und verträumt, verkriecht sich lieber mit den Brüdern Karamasow als in die Schule zu gehen. Auf dem Nachbarhof lebt der vierzigjährige Henner, allein. Die Leute aus dem Dorf sind argwöhnisch: Eine Tragik, die mit seiner Vergangenheit zu tun hat, umgibt ihn; gleichzeitig ist er ein Mann, dessen charismatische Ausstrahlung Eifersucht erregt. Ein zufälliger Blick eines Tages, eine zufällige Berührung an einem andern lösen in Maria eine Sehnsucht aus, die fremd und übermächtig ist und sie daher wie von höherer Gewalt geleitet in Henners Haus und in seine Arme treibt Die sommerlichen Weizenfelder, die vom Heu und den Mückenstichen juckenden Beine, das Summen des Kühlschranks in der Küche Eine allgegenwärtige Sinnlichkeit beherrscht diesen intensiven Text, der eine ländliche, ebenso schöne wie düstere Welt entstehen lässt und einen Sog entwickelt, der bis zum dramatischen Ende alles mit sich reißt.


Produktinformation

  • Verlag: Graf Verlag
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 234 S.
  • Seitenzahl: 234
  • Deutsch
  • Abmessung: 211mm x 134mm x 24mm
  • Gewicht: 347g
  • ISBN-13: 9783862200191
  • ISBN-10: 3862200191
  • Best.Nr.: 33364606

Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Das Potenzial dieses Debüts steht Rainer Moritz klar vor Augen. Dass die junge Autorin die Geschichte einer Amour fou zwischen einem älteren Mann und einer 16-Jährigen mit der Unruhe der Übergangszeit in der sich auflösenden DDR zu verbinden weiß, flößt ihm Respekt ein. Die Unsicherheiten verdoppeln sich also auf einleuchtende Weise, stellt er fest. Zugleich jedoch erfüllen ihn die Perspektive und der damit einhergehende Stil mit Sorgen. Der einfache Sprachduktus eines 16-jährigen Mädchens, für den sich Daniela Krien entschieden hat, erscheint ihm dann doch zu schlicht und unpoetisch und bisweilen banal. Schade, findet er, und wünscht der Autorin künftig mehr Zutrauen in die Poesie der Sprache. Damit so ein fesselnder Text noch stärker wird.

© Perlentaucher Medien GmbH

kulturnews - RezensionBesprechung
Bereitgestellt von kulturnews.de
(c) bunkverlag
Ein Bauernhaus, in dem es selbst tagsüber dunkel ist: Die 17-jährige Maria liegt im Bett und liest Dostojewskij. Ein Hämmern ertönt aus der Küche, Maria soll Suppe kochen, sich nützlich machen, bis ihr Freund Johannes aus der Schule zurückkommt. Daniela Krien beginnt ihren Debütroman mit dieser tristen Szene, ohne sie zeitlich einzuordnen. Erst langsam enthüllt sie: Wir befinden uns im Jahr 1990, im Osten, im Moment der Grenzöffnung. Und plötzlich sind da Möglichkeiten, der Tristesse zu entkommen. Marias Freund Johannes schmiedet eifrig Pläne, will mit der Kamera durch die Welt reisen und dann studieren - und zwar mit Maria zusammen. Doch die weiß nichts anzufangen mit dem neuen Leben in Freiheit und flüchtet sich in die Arme des viel älteren Henner. "Siebzehn werde ich, und mit jedem Jahr wächst das Gefühl, etwas bedeutsamer zu werden in der Welt. Aber nun, wo sie sich so erweitert hat, lässt auch die Wichtigkeit wieder nach", lässt Krien die Protagonistin ihr inneres Dilemma auf den Punkt bringen. Und das ist es schließlich auch, was diesen Roman so lesenswert macht: Die Verlagerung der Wende aus dem globalen Kontext hinein ins Intime. Hinein in ein Bauernhaus, in dem es auch tagsüber dunkel ist. (mh)

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 30.12.2011

Heuwendezeit
In ihrem Debütroman entwirft Daniela Krien einen archaischen Kosmos von Liebe und Sprachlosigkeit – und erzählt fast beiläufig von der Ungeheuerlichkeit der Wiedervereinigung
Wenn der Henner die Maria zu sich auf den Hof holt, macht er mit ihr, was er will. Manchmal weint sie ein wenig, aber das geht schließlich auch vorbei, und was sie bis ganz zum Ende ihrer gemeinsamen Geschichte nicht sagen kann, ist, dass sie den Henner liebt. So sehr.
Es ist der Sommer 1990, auf einem Bauernhof nahe der deutsch-deutschen Grenze, die keine mehr ist. Maria ist 16 Jahre alt und wurde von ihrem Freund, „dem Johannes“, einfach mitgenommen auf den Hof seiner Familie. Jetzt schwänzt sie die Schule, liest Dostojewskij und hilft bei der Arbeit, so gut sie kann. „Da bin ich geblieben und nicht mehr fortgegangen“, erzählt Maria mit einer beiläufigen Selbstverständlichkeit, die keine weitere Kommentierung duldet.
Diese zwingende Selbstverständlichkeit ist es, die Daniela Kriens Debütroman „Irgendwann werden wir uns alles erzählen“, so stark macht. Aus der Perspektive ihrer 16-jährigen Ich-Erzählerin entwirft Krien eine fast archaisch …

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'Eine Geschichte der rohen, unverblümten Liebe zweier Menschen, in deren Kargheit und Wortlosigkeit etwas Grundsätzliches, Zeitloses aufscheint.' Hannah Lühmann, Süddeutsche Zeitung, 30.12.2011 "Die Atmosphäre, die Daniela Krien schafft, ist dicht und sinnlich aufgeladen. Man kann sie förmlich riechen, schmecken, sehen und hören. Und möchte nach der letzten Seite gleich wieder von vorn anfangen." Susanne von Schenck, NDR1 Bücherwelt, 27.12.2011 'Fast körperlich vermeint man die Sinnlichkeit zu spüren, die Daniela Krien mit einfacher und gefühlsnaher Sprache heraufbeschwört. Eine Liebesgeschichte von ungeheuerlicher Intensität, die auch noch ganz nebenbei das Ende der DDR miterzählt.' Brigitte, 07.09.2011 'Ein wirklich kraftvolles Debüt mit einem klaren, sinnlichen Ton, der süchtig machen kann...' Janina Fleischer, Leipziger Volkszeitung, 14.09.2011 'Daniela Krien schreibt sich mitten hinein in Scham und Lust und Landleben, in Unsicherheit und Hoffnung... Und bannt uns Leser mit ihrer unbestechlichen Aufmerksamkeit.' Gabriele von Arnim, Deutschlandradio Kultur, 19.09.2011 'Eine Sprache wie ganz klare Frühlingsluft, durchscheinend, licht.' Irmtraud Gutschke, Neues Deutschland, 08.09.2011 'Dieses Buch strahlt Ruhe und Atemlosigkeit zugleich aus ... und entfacht quasi vibrierend höchste Lese-Aufmerksamkeit. Ein ganz und gar erstaunliches Romandebüt.' Sabine Dultz, Münchner Merkur, 14.09.2011 'Ein Buch über das Leben mit Licht- und Schattenseiten, mit Höhen und Tiefen, Glück und Verzweiflung, gemalt in wunderschönen Sprachbildern.' Rainer Hitzler, www.suite101.de, 05.09.2011 'Über das unerbittliche Verlangen und über das unaufhaltsame Vergehen schreibt Krien in einer kargen, schnörkellosen, schönen Prosa ... kraftvoll und klar, nicht psychologisierend, wahrhaftig.' Jan Chaberny, Augsburger Allgemeine, 12.11.2011
Daniela Krien, geboren 1975 in Mecklenburg-Vorpommern, aufgewachsen in einem Dorf im Vogtland (Sachsen), lebt mit Mann und zwei Töchtern in Leipzig. Sie studierte Kulturwissenschaften, Kommunikations- und Medienwissenschaften und arbeitete unter anderem als Drehbuchautorin und Cutterin.

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6 Kundenbewertungen (Durchschnitt 3.7 von 5 Sterne bei 6 Bewertungen ***** sehr gut)
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Bewertung von smayrhofer am 22.03.2012 ***** sehr gut
Sommer 1990 in einem Bauerndorf an der (noch) innerdeutschen Grenze: Maria steht kurz vor ihrem siebzehnten Geburtstag und ist zu ihrem Freund Johannes auf den Brendel-Hof gezogen. Ihre Mutter ist aus finanziellen Gründen wieder zu den Eltern gezogen, ihr Vater will lieber eine 19jährige Russin heiraten und zahlt keine Unterstützung mehr. Sie geht nur noch selten zur Schule, hilft lieber auf dem Hof oder vertreibt ihre Zeit mit Büchern. Die Situation ändert sich, als Maria eine Beziehung mit dem 40jährigen Henner, der allein auf dem benachbarten Hof lebt, anfängt. Henner ist mit seiner zum Teil primitiven und fast animalischen Art so ganz anders als der liebenswerte Johannes, trotzdem verfällt ihm Maria immer mehr. Aber die Liebe muss geheim bleiben, wie auch einige andere Familiengeheimnisse...

Teils Liebesgeschichte, teils Familiendrama, und das Ganze geschickt in die Zeit kurz vor der deutschen Wiedervereinigung plaziert. Daniela Krien lässt Maria als Ich-Erzählerin ihre Geschichte erzählen und versteht es auf diese Weise, die verwirrenden Gefühle einer Heranwachsenden auszudrücken, die noch ihren Platz im Leben sucht. Zudem werden die Hoffnungen, aber auch die Sorgen und Ängste der DDR-Bewohner kurz vor der Wiedervereinigung beleuchtet. Obwohl mich die Geschichte an sich – Heranwachsende verliebt sich in viel älteren Mann – eigentlich nicht unbedingt vom Hocker gerissen hätte, war ich so von diesem Buch, das der erste Roman der Autorin ist, angenehm überrascht. Zwar keine Höchstwertung, aber trotzdem gute 4 Sterne.

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Bewertung von Kaci aus München am 01.01.2012 ***** sehr gut
...irgendwann würden wir alle auferstehen und uns wiedersehen und alles erzählen. Wirklich alles.

Sommer 1990, die 16 jährige Maria zieht auf den Brendel-Bauernhof, zu ihrem Freund Johannes und dessen Familie. Maria geht nicht oft zur Schule, genießt lieber die Sonne und ließt ihr Buch. Ist jedoch im Hauhalt sehr fleißig, hilft auf dem Bauernhof, kocht und wäscht. Eines Tages lernt sie den Henner kennen, ihm gehört der Bauernhof gegenüber. Sofort besteht eine sexuelle Anziehungskraft zwischen ihr um dem 24 Jahre älterem Henner. Sie beginnen ein Verhältniss. Was auf den ersten Blick aber alles andere als Liebe zu scheinen scheint. Denn der Henner behandelt sie meinst nicht gut und ist grob zu ihr. Monatelang lügt sie ihren Freund und seine Familie die sie so toll in die Familie aufgenommen haben an. Sie fühlt sich schuldig kann ihr Geheimniss aber trotzdem nicht erzählen. Irgendwann hält sie es nicht aus und nimmt sich vor alle Lügen aufzudecken und dann ihr Leben mit dem Henner zu verbringen. Doch von einem Tag auf den Anderen verläuft alles anders...

Ich finde die Geschichte gut und deswegen finde ich sie auch einfach viel zu kurz! Es könnte mehr über die damalige DDR oder schon fast nicht mehr DDR geschrieben werden. Mehr über das Verhältniss zwischen Maria und ihrer Mutter, mehr über die Geschichte mit ihrem Vater...Mehr über die Geschichte zwischen der Frieda und dem Alfred.... Das alles hätte ich gerne noch erfahren... Trotzallem finde ich das Buch toll. Während man liest denkt man sofort man ist auch auf diesem Bauerhof, man kann fühlen was Maria fühlt, diese Jugendliebe zu Johannes, dieses unverständniss seiner Familie gegenüber weil sie manchmal seltsam sind, dieses Verlangen frei zu sein, dieses Verlangen dem Henner gegenüber und dieser Wunsch mit ihm zusammen zu sein....

Ich will auf jeden Fall mehr von Daniela Krien lesen!

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Bewertung von Tintenherz aus Kronshagen am 20.09.2011 ***** weniger gut
Verbotene Früchte


"Irgendwann werden wir uns alles erzählen" von Daniela Krien
erschienen im Graf Verlag, Seitenanzahl: 234


Inhalt:

Sommer 1990. Das Ende der DDR ist besiegelt. Die 17jährige Maria lebt mit Johannes auf dem Hof seiner Eltern in einem kleinen Bauerndorf. Sie fühlt sich zu dem 40jährigen Henner, der auf dem Nachbarhof lebt, hingezogen und beginnt mit ihm eine Affäre.


Autorin:

Daniela Krien, geb. am 25.08.1975 in Neu-Kaliß, schrieb bereits als Kind Gedichte, Kurzgeschichten und Bücher. Sie studierte Kulturwissenschaften, Kommunikations- und Medienwissenschaft und gründete mit ihrem Mann eine Produktionsfirma für Dokumentarfilme über Künstler.
Sie lebt mit ihrer Familie in Leipzig.


Meine Meinung zu dem o. g. Buch:

Das Cover ist für diese Liebesgeschichte sehr malerisch gestaltet.
Der Schreibstil ist einfach und leicht verständlich und liest sich durch den Ich-Erzählstil wie ein Tagebuch eines jungen Mädchens.
Die wenigen Seiten der hier vorgestellten Leseprobe ließen die Geschichte langweilig erscheinen und ich wollte diesem Buch aber noch eine Chance geben. Aber leider hat sich mein vorheriger Verdacht, der in meinem Leseeindruck erwähnt wurde, bestätigt.
Die einzelnen Charaktere sind nicht unbedingt bildlich vorstellbar und hätten noch mehr herausgearbeitet werden können. Auch auf das Zeitgeschehen hätte evtl. noch mehr eingegangen werden können.
Die Wucht und Intensität dieser Liebesgeschichte bleibt mir leider verschlossen. Ich finde dieses Buch etwas zu oberflächlich und auch die Ich-Erzählerin Maria ist mir durch ihre Art und Weise sehr unsympathisch. Jacob, mit dem sie zusammenlebt, wird immer nur am Rande erwähnt und spielt eine Nebenrolle.


Fazit:

Leider ein etwas langweiliger Roman, der mich nicht erreicht hat.

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Bewertung von sendorra aus Köln am 19.09.2011 ***** ausgezeichnet
Auf dem Hof nahe der deutsch-deutschen Grenze scheint die Zeit stehen geblieben. Dabei überschlagen sich die Ereignisse. Es ist Sommer. Der Sommer des Jahres 1990. Beide Seiten des frisch vereinten Deutschlands beschnuppern sich. Die Welt hat sich verändert.

Auch die Welt der sensiblen Maria. Seit einigen Monaten wohnt die 16-Jährige nun schon bei der Familie ihres Freundes Johannes auf dem Brendel-Hof. Die drei Generationen nahmen das Mädchen auf, nachdem Marias alleinerziehende Mutter ihre Arbeit verlor und sie - irgendwie - einen sicheren Hafen suchte. Besonders der Familienvorstand Siegfried gibt Maria als Vaterfigur eine Sicherheit, die sie lange vermisste.

Die Halbwüchsige meidet die Schule. Sie flüchtet sich in die Welt der Literatur, wann immer es die Aufmerksamkeit ihrer Ziehfamilie zulässt. "Die Brüder Karamasow" begleiten sie durch diesen Sommer wie vertraute Weggefährten.

Die Liebe zu Büchern stößt im Dorf auf Unverständnis. Nur der Henner, der Besitzer des Nachbarhofs, soll eine ähnliche Vorliebe für das geschriebene Wort hegen. Das Dorf beäugt den charismatischen Vierzigjährigen misstrauisch. Seine Frau verließ ihn, er trinkt zuviel, er liest. All das passt nicht in die ländliche Idylle.

Doch es passt zu Maria. Und so entwickelt sich - vom Schicksal getrieben - eine übermächtige Liebe. Leidenschaftlich, rastlos, tabu.

Meine Kritik

Langsam, sehr langsam entfaltet sich der Charme der Geschichte. Erst nach ellenlangen, trockenen Beschreibungen des Hofes und der Charaktere bekommt der Leser die Chance die 16-jährige Maria und ihre Welt zu verstehen. Wenn er sich darauf einlässt.

Die Protagonistin erzählt uns das Geschehen dieses turbulenten und doch so trägen Sommers. Durch ihre Augen erfahren wir ihre Vergangenheit und auch die ihrer Familie, die der Brendels, die des Henners. Sie berichtet vom geflohenen Westsohn, den Frieda, die Brendel-Großmutter, nun wieder mit offenen Armen aufnimmt. Von lang vergangenen Affären, vom Dorfklatsch und Gerüchten. Sie lässt uns an ihren ersten Ausflügen in den Westen teilhaben und daran, wie sie die Veränderungen wahrnimmt. Und an ihren Gefühlen, ihrer unbändigen Sehnsucht, ihrer Leidenschaft.

Diese sensible ostdeutsche Lolita mit ihrem altersuntypischen Hang zu Dostojewskis Werken, die so weise ist und dann doch nur ein ganz normaler Teenager in einer schwer zu verstehenden Zeit, sie hat es mir angetan. Ich konnte mich so gut, so gut, in sie hineinversetzen. Genauso in den Henner. Diesen groben, einfühlsamen, impulsiven, verletzlichen Mann. Der so dumm ist - und so klug.

"Irgendwann werden wir uns alles erzählen" handelt nicht von der Wende, sie ist nur Kulisse einer großen Liebesgeschichte und einer Geschichte über das Erwachsenwerden - von Jungen wie Alten. Daniela Krien hat mit einfachen Worten und nüchternen Sätzen ein wertvolles, sinnliches, intelligentes Drama geschrieben, das Anna Thalbach großartig vorliest. Vorsichtig und behutsam schlüpft sie in Marias Haut. Sie liest unaufgeregt und natürlich und sehr glaubhaft.

Wenn ich der Geschichte etwas vorwerfen müsste, dann, dass ich es gerne gesehen hätte, wenn Krien mindestens einen Nebencharakter noch näher beleuchtet hätte. Was hat es mit Alfred wirklich auf sich? Der trunksüchtige Knecht, der vor langer, langer Zeit eine Affäre mit der Frieda hatte. Der vermutete Vater ihres ältesten Sohnes. Ist er so, wie Maria ihn einschätzt? Mein Gefühl sagte mir: 'Nein, so ist er nicht.' Leider bleibt es offen. Was aber auch in Ordnung ist. Im Leben bleibt eben einiges im Unklaren.

"Irgendwann werden wir uns alles erzählen" ist ein intensives, wertvolles, sinnliches Abenteuer für Menschen, die sich auf den einfachen, anfangs langatmigen Erzählstil einlassen. Dann hallt es nach und begleitet den Leser/Hörer noch ein Stückchen seines Weges, während er über das Erlebte nachsinnt.

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Bewertung von evelynmartina am 15.09.2011 ***** sehr gut
Irgendwann ist auch dieses Hörbuch zu Ende, leider, denn Anna Thalbach hauchte dem doch recht handlungsarmen Debütroman „Irgendwann werden wir uns alles erzählen“ von Daniela Krien Leben und Wirklichkeitsnähe ein, so dass ich begeistert zugehört habe. Ich habe die Geschichte, die sich um die fast siebzehnjährige Maria dreht und aus ihrer Sicht erzählt wird, aufgrund des eigenwilligen Schreibstils der Autorin nur häppchenweise genossen, denn sie erfordert vollkommene Konzentration und Aufmerksamkeit.
Maria verbringt den Sommer 1990, die Zeit der Wende, auf dem elterlichen Bauernhof ihres Freundes Johannes in einem thüringischen Dorf und verliebt sich dort in den wesentlich älteren Nachbarn Henner, der als Eigenbrötler und seltsamer Kauz gilt.
Anschaulich und eindringlich vermittelt Daniela Krien die Atmosphäre der damaligen Zeit, die Aufbruchstimmung, die Wünsche und Hoffnungen, die in Deutschlands Wiedervereinigung gesetzt wurden, aber auch die Enttäuschungen und Konsequenzen, die sich daraus ergaben, und fängt somit ein Stück bedeutender Zeitgeschichte ein. Sie beschreibt Landschaft, Dorfleben und die Charakteren ihrer Figuren präzise und authentisch. Ihr Augenmerk liegt dabei eindeutig auf Maria, einer jungen Frau, die ihren Weg sucht und sich von einem Mann angezogen fühlt, der ihr Vater sein könnte, der grob und widerborstig auftritt. Maria’s Gefühle, ihre Zerrissenheit, ihre Zweifel, ihre Suche nach dem Platz im Leben werden ausführlich und innig geschildert, was mich sehr berührt hat. Allerdings konnte ich ihre vermeintliche Liebe zu Henner, die in meinen Augen eher an sexuelle Abhängigkeit als an Liebe grenzt, kaum nachvollziehen. Henner ist mir trotz seiner bewegenden Vergangenheit im Großen und Ganzen unsympathisch geblieben.
Anna Thalbach interpretiert den außergewöhnlichen Roman auf ihre eigene Art und Weise. Durch Tempowechsel, Stimmmodulation sowie enthusiastisches und engagiertes Vorlesen baut sie unweigerlich Spannung auf und lässt die Personen lebendig werden, in einer Erzählung, die weniger durch Dialoge als vielmehr durch Beschreibungen glänzt.
Daher spreche ich gerne eine klare Hörempfehlung für dieses sich aus der Masse abhebende Buch aus, das mich, hätte ich es gelesen, vielleicht nicht in dem Maße überzeugt hätte.

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Bewertung von Die-Rezensentin aus Frechen am 07.09.2011 ***** gut
Die Geschichte spielt in einem kleinen Bauerndorf in der ehemaligen DDR kurz nach der Wende.

Doch die Öffnung der Grenzen hat das Leben dort noch nicht verändert.

Marie ist 16, lebt seit ein paar Wochen bei ihrem Freund Johannes und seiner Familie.

Die Schule schwänzt sie meistens,weil sie lieber zuhause bleibt und liest. Doch anstatt das Mädchen zur Schule zu schicken, werden ihr mehr und mehr Arbeiten übertragen,die sie auf dem Hof erledigen soll.

Der nächstgelegene Hof gehört dem 40jährigen, unheimlichen Henner,der dort allein mit seinen zwei Doggen lebt.

Marie geht immer schnell daran vorbei,weil sie sich vor dem angsteinflößenden großen Mann fürchtet.

Als Marie nach einem Autounfall unter Schock steht, kommt Henner zufällig vorbei.Er nimmt Marie mit zu sich nach Hause. Dort betäubt er sie mit Alkohol und vergewaltigt sie anschließend auf brutalste Weise. Man hat fast den Eindruck,als wenn sie dort nicht lebend herauskommt.

Doch anstatt zur Polizei zu gehen,oder der Familie von dem Überfall zu berichten,schleicht Marie sich am nächsten Morgen nach Hause. Sie kann sich nur noch schemenhaft erinnern,was passiert ist, aber die vielen blauen Flecke am ganzen Körper zeigen ihr, was geschehen ist..

Immer und immer wieder muß sie nun an Henner denken und zwar mit einem Gefühl,das sie bisher noch nicht kennt.

Sie hält es nach ein paar Tagen nicht mehr aus und schleicht sich heimlich wieder zu ihm,bietet ihm an,alles mit ihr zu machen,was er will.

Die ersten Male erniedrigt er sie und trotzdem gefällt es ihr. Johannes kommt ihr dagegen wie ein Schuljunge vor.

Wochenlang führt sie quasi ein Doppelleben, sie lebt bei Johannes,aber ist in Gedanken nur bei Henner und rennt so oft es geht,zu ihm hinüber.

Doch Henner wird auch zärtlicher ihr gegenüber, und es sieht so aus,als wenn er sich in Marie verliebt hätte.

Sie ist ihm schon längst verfallen und träumt von einem gemeinsamen Leben.

Er versucht ihr das auszureden, denn sie ist sechzehn und er vierzig, doch Marie hat sich entschieden.

Noch am selben Abend will sie Johannes alles beichten, doch bevor es dazu kommt,passiert etwas schreckliches ........

Der Erzählstil ist etwas gewöhnungsbedürftig, wenig wörtliche Rede,.

Die Geschichte handelt eigentlich hauptsächlich nur von der ziemlich naiven Marie und ihrer Liebe zu Henner,vieles empfand ich als sehr merkwürdig, z.B. das Verhältnis zu ihrer eigenen Familie, oder das niemandem etwas auffällt, als sie dauernd bei Henner ist. Johannes ,mit dem sie nicht mehr das Bett teilt, merkt auch nichts, usw..

Außerdem ist es mit 234 Seiten ziemlich dünn.

Man kann es an einem Tag auslesen; ich fand es ganz nett , aber auch nicht mehr....

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