Die Kritiker der modernen Moral problematisieren die radikale
Subjektivierung der Vorstellung von einem guten Leben, die
schließlich zu ihrer Verdrängung aus dem Zentrum der Philosophie
geführt hat. Doch da dies primär im Medium der Kritik oder im
Rückgriff auf nicht weiter hinterfragte vormoderne (meist
aristotelische) Konzeptionen von einem guten Leben geschieht,
bleiben die systematischen Grundlagen möglicher Alternativen in
aller Alternativen in aller Regel im dunkel. Auf diese Problemlage
reagiert der vorliegende Band mit Anstößen für eine systematische
Beschäftigung mit der Thematik des guten Lebens.
Die Frage, was ein gutes, gelingendes oder glückliches Leben ist,
galt vielen Philosophen von der Antike bis in die Neuzeit als die
zentrale Frage der Philosophie überhaupt. Spätestens seit der
Aufklärung ist sie aber aus der Mitte der Philosophie an deren
Ränder gedrängt worden. Was ein gutes Leben ist, schien fortan
abhängig zu sein von den individuellen Neigungen der jeweiligen
Person und sollte ganz ihrer Automomie überlassen bleiben.
Infolgedessen hat sich die Philosophie, sofern sie sich praktischen
Lebensfragen zuwendet, weitgehend zu einer eng verstandenen
Moralphilosophie gewandelt. Heute wird diese Sicht wieder zunehmend
in Zweifel gezogen. Vor allem Kritiker der modernen
aufgeklärt-liberalen Moral fordern eine erneute philosophische
Besinnung auf die Thematik des guten Lebens. Dabei lassen sie
allerdings allzuoft im unklaren, was sich heute überhaupt noch zum
Problem des guten Lebens im Rahmen einer Philosophie sagen läßt,
die die Einsichten der Aufklärung nicht einfach übergeht.
Die im vorliegenden Band enthaltenen Beiträge wollen auf je eigene
Weise die Spielräume ausloten, die einer systematischen
Beschäftigung mit der Frage nach dem guten Leben verbleiben, wenn
auf vorschnelle Lebensempfehlungen im Namen der Philosophie
verzichtet wird.
Steinfath, Holmer: Einführung:Die Thematik des guten Lebens in der gegenwärtigen philosophischen Diskussion. Wolf, Ursula: Zur Struktur der Frage nach dem guten Leben. Stemmer, Peter: Was es heißt, ein gutes Leben zu leben. Steinfath, Holmer: Selbstbejahung, Selbstreflexion und Sinnbedürfnis. Krämer, Hans: Selbstverwirklichung. Früchtl, Josef: Spielerische Selbstbeherrschung. Ein Beitrag zur Ästhetik der Existenz
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