Wir funken, simsen und mailen permanent über alle Zeitzonen und
Regionen der Welt und über alle Takte des persönlichen Alltags
hinweg. Die Kommunikationswissenschaftlerin Miriam Meckel empfiehlt
eine Denkpause, denn Kommunikation braucht
Qualität und Qualität braucht Zeit. In diesem Hörbuch analysiert
sie die Wirkung moderner Technologien auf den Menschen. Sie zeigt,
was sie mit uns und unserem Miteinander machen, wenn alle immer auf
Stand-by sind. Aber auch
Lösungsmöglichkeiten werden dargeboten: Das Glück kann in der
klugen Unerreichbarkeit liegen.
Dass sich dermaßen "authentisch" über das Problem des Kommunikations-Overkills schreiben lässt, hätte Rezensent Stephan Russ-Mohl gar nicht für möglich gehalten. Neugierig liest er die selbstkritischen Ausführungen der Autorin über ihren Weg hin zum "Glück der Unerreichbarkeit". Dass die umtriebige Publizistikprofessorin Miriam Meckel sich mit diesem Buch auch selbst therapiert, hat der Rezensent zum Glück dennoch kaum bemerkt. Stattdessen erfährt er nicht nur die Grundeinsichten der kommunkativ geforderten Autorin, sondern auch die "wissenschaftlichen Daten und Erkenntnisse" zum Thema. Ergänzungsbedürfig erscheint ihm der kulturkritische Teil des Bandes. Ein "Namedropping", meint er, das für den aufgeklärten Zeitgenossen nichts Neues birgt. Gerne dagegen nimmt er den ein oder anderen "pragmatischen Ratschlag" der Autorin entgegen, wie sich die "Kommunikationsfalle" umschiffen lässt.
Man möchte es der Autorin schon nach den ersten Sätzen zurufen: "Ihre Probleme möchte ich haben!" Der Eindruck verstärkt sich nach einigen Seiten, auch wenn der Leser in dieses Buch innerhalb kürzester Zeit hineingesogen wird, so flott ist die Sprache. Miriam Meckel beschreibt folgendes Problem: Sie wird mit E-Mails und Telefonanrufen derart bombardiert, dass sie nicht mehr in der Lage ist, irgendetwas richtig zu machen oder zu Ende zu denken. Ständig läutet das Telefon, piepst der Blackberry, blinkt der Bildschirm. So weit, so gut. Doch Meckel lässt es nicht gut sein. Sie rechnet mit sämtlichen Medien ab. Dabei ist sie doch das, was man eine Power-Userin nennt. Ihre Streitschrift ist kenntnisreich und durchaus amüsant. Doch müssen Normalnutzer ein ganzes Buch lesen, damit sie es schaffen, ab und zu das Handy auszustellen? Die Antwort lautet zum Glück: Nein.
lika.
Miriam Meckel: Das Glück der Unerreichbarkeit. Murmann. 18 Euro.
"Der Leser wird innerhalb kürzester Zeit in dieses Buch hineingesogen."
Miriam Meckel, geb. 1967, studierte Kommunikations- und Politikwissenschaft, Jura und Sinologie und promovierte über das europäische Fernsehen. Sie war Regierungssprecherin beim Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen, später Staatssekretärin für Europa, Internationales und Medien. Seit 2005 ist sie Professorin für Corporate Communication an der Universität St. Gallen. Zahlreiche fachwissenschaftliche Publikationen zu Medienthemen.