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Bewertung von MaWiOr aus Halle am 13.05.2012 |
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Der Dramatiker und Maler Peter Weiss (1916-1982) war eine der zentralen Figuren der deutschen Nachkriegsliteratur. Er hat aber auch zahlreiche Filme gedreht; vor allem in den fünfziger Jahren war der Avantgardefilm für seine künstlerische Arbeit und Selbstverständigung wichtig gewesen. Der Film bot ihm „die unendliche Zusammengesetztheit eines Erlebnisses“. Die Vision eines Malers war für Weiss dagegen statisch und auch der Schriftsteller kann die Wirklichkeit (nach seiner damaligen Ansicht) nur als Suggestion darstellen. Die Tatsache, dass Weiss sich dem Medium Film über Jahre hinweg zugewandt hatte, war zwar allgemein bekannt, doch seine cineastischen Arbeiten wurden nur selten gezeigt. Der Suhrkamp Verlag stellt nun in seiner ambitionierten „filmedition suhrkamp“ zum ersten Mal eine Auswahl seiner wichtigsten Filme auf einer DVD vor. Die Filme entstanden fast ausnahmslos in den fünfziger Jahren in Schweden. Weiss experimentierte dabei mit Verfremdungen, Geräuschen und zahlreichen anderen filmischen Mitteln. In der ersten Phase seiner filmischen Beschäftigungen entstanden experimentelle, als „Studien“ bezeichnete Kurzfilme, die eine intensive Auseinandersetzung mit diesem Medium darstellten. In den folgenden Arbeiten verließ Weiss das surreale Studio und beleuchtete die Außenwelt filmisch, so in seinem fast dokumentarischen Film „Im Namen des Gesetzes“ (1957). Mit engagiertem Realismus machte er hier die Verhältnisse in einem schwedischen Jugendgefängnis und den monotonen Häftlingsalltag sichtbar, dabei geriet er in Konflikt mit der staatlichen Filmzensur. Wichtige Impulse für seine Arbeiten erhielt der „Filmdichter“ Weiss auch aus der Zusammenarbeit mit dem deutschen Essayfilmer Harun Farocki. Im Bonusteil der DVD befindet sich dazu ein aufschlussreiches Interview, das Farocki 1979 mit Weiss über dessen Hauptwerk „Ästhetik des Widerstands“ führte. In der Romantrilogie schilderte der Autor die Exilstationen eines jungen Berliner Arbeiters, die dieser in den Jahren 1937 bis 1945 im Widerstand gegen den Hitlerfaschismus zurücklegte. Das umfangreiche Booklet bringt neben der ausführlichen Filmografie auch zwei Gespräche zwischen Weiss und Farocki, dazu die Einleitung zu seinem Buch über „Die Avantgarde des Films“, die Weiss seiner eigenen deutschen Teilübersetzung vorangesetzt hatte. Außerdem werden die 52 (!) Seiten mit einigen bislang unveröffentlichten Fotografien aufgelockert. Fazit: Die lobenswerte DVD-Ausgabe zeigt nach vielen Jahren wieder einen fast vergessenen Aspekt aus der vielfältigen künstlerischen Arbeit von Peter Weiss. Manfred Orlick |
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