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Ludwig Binswanger  Aby M. Warburg 

Die unendliche Heilung

Die unendliche Heilung - Binswanger, Ludwig; Warburg, Aby M.

Aby Warburgs Krankengeschichte. Hrsg. v. Davide Stimilli u. Chantal Marazia

Herausgeber: Stimilli, Davide; Marazia, Chantal

  • Einband: Gebunden
  • Gebundenes Buch 
 
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Produktinformation
  • Verlag: Diaphanes
  • 2007
  • Ausstattung/Bilder: 2007. 287 S. m. Abb.
  • Seitenzahl: 287
  • Sequenzia
  • Deutsch
  • Abmessung: 239mm x 157mm x 27mm
  • Gewicht: 570g
  • ISBN-13: 9783037340080
  • ISBN-10: 3037340088
  • Best.Nr.: 22845609

Produktbeschreibung zu "Die unendliche Heilung"

Beschreibung

Zwischen April 1921 und August 1924 war Aby Warburg, der geniale Kunsthistoriker und Kulturwissenschaftler, Insasse im Sanatorium Bellevue in Kreuzlingen, wohin er nach einem schweren psychotischen Zusammenbruch eingewiesen worden war - er hatte gedroht, sich und seine Familie umzubringen. Leiter der psychiatrischen Heilanstalt war Ludwig Binswanger, seinerseits bedeutender Psychiater, dessen Erkenntnisse den Zugang zur Geisteskrankheit tiefgreifend verändern sollten. Bislang war aus dieser Zeit nicht viel mehr allgemein bekannt, als daß Warburg vor seinen Mitpatienten den berühmten Vortrag über das Schlangenritual der Hopi-Indianer hielt. Tatsächlich hatte er während seiner Krankheit immer wieder Phasen von geistiger Klarheit und schöpferischer Produktivität. Binswangers Krankenberichte dokumentieren Wahnvorstellungen, Aggressivität gegen das Personal, Phobien und zwanghafte Hygienerituale. Warburg, der sich selbst als »unheilbar schizoid« einschätzte, wurde erst 1924 »zur Normalität beurlaubt«. Die hochgelobte Edition der im Universitätsarchiv Tübingen verwahrten Krankengeschichte Aby Warburgs durch den italienischen Germanisten Davide Stimilli erfüllt ein lange gehegtes Desiderat der Warburg-Forschung. Mit der nun auch auf Deutsch vorliegenden, gegenüber der italienischen um wichtige Dokumente erweiterten Ausgabe kann endlich darangegangen werden, die »Leerstelle« zwischen Werk und Psyche Warburgs zu schließen, die von seinen Biographen wie etwa Ernst Gombrich geflissentlich verschwiegen wurde. Der Band umfaßt neben den Krankenakten von der Hand Ludwig Binswangers auch die autobiographischen Aufzeichnungen Warburgs aus jener Zeit, den Briefwechsel zwischen den beiden Persönlichkeiten, Wärterprotokolle sowie Aufzeichnungen und Briefe von Warburgs Assistenten Fritz Saxl. »Die unendliche Heilung« wird zum einmaligen Zeugnis der Begegnung zweier bedeutender intellektueller Protagonisten des 20. Jahrhunderts.

06.01.2008

Gegen Irrsinn hilft der Wilde Westen
Wie der Kunsthistoriker Aby Warburg sich selber heilte: Endlich gibt es die Krankengeschichte

Im Oktober 1918, kurz vor Ende des Weltkriegs, holte Aby Warburg seinen Revolver und drohte, seine Frau und die drei Kinder zu erschießen. Er hatte einen psychotisch-paranoiden Schub und war in seiner Zwangsvorstellung davon überzeugt, dass seine Familie von unbekannten Verfolgern entführt, verschleppt, gefoltert und getötet werden würde und nur der Selbstmord bliebe. Glücklicherweise konnte man dem Wahnsinnigen die Pistole rechtzeitig entwenden. Die Psychose hatte sich in den letzten Kriegsmonaten angekündigt. Warburgs Schüler Carl Georg Heise besuchte ihn Ende 1918 in Hamburg und fand ihn "völlig zerstört", aber noch nicht "irrsinnig" vor: "Sein Gehirn arbeitete fieberhaft und hemmungslos, alles übertreibend und dadurch verzerrend, doch war die Logik seiner allerdings sehr sprunghaften, immer wieder abreißenden Gedankengänge keineswegs unklar, sondern von einer auf die Spitze getriebenen Schärfe und Folgerichtigkeit, die sich eben deshalb als ungültig im Dunstkreis der Wirklichkeit erwies. Alles, was ihn je in …

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25.08.2008

Der Gefesselte von Kreuzlingen oder Nachrichten aus dem Parkhaus
Durch den Tod hindurchgegangen: Ein notwendiges und zugleich verstörendes Buch dokumentiert die Krankheitsjahre des Kunsthistorikers Aby Warburg
In seiner Besprechung der Gesammelten Schriften von Aby Warburg kam der Burckhardt-Forscher Werner Kaegi 1933 in der Neuen Schweizer Rundschau als einer der ersten Autoren unverhohlen auf Warburgs Krankheitsjahre und den Aufenthalt im Sanatorium Bellevue in Kreuzlingen zu sprechen. Der angehende Historiker war dem Hamburger Gelehrten im Herbst 1921 bei einem Spaziergang im Park zufällig begegnet und mit ihm in ein kurzes Fachgespräch über die Florentiner Kulturgeschichte geraten. Ebenso überrascht wie beeindruckt von dem Kenntnisreichtum und der Beredtheit des Kranken hat sich die Begegnung dem Studenten tief eingeprägt.
In seiner Erinnerung zeichnet Kaegi das Janusgesicht der Krankheit, die zwischen Furor, Stupor und Humor schwankt: Der da unter Bäumen sich ergeht, kann in lichten Momenten sein Gegenüber fast vollständig vergessen machen, dass er seit Herbst 1918 an schweren Depressionen und Wahnvorstellungen leidet und seinen Alltag nur …

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Perlentaucher-Notiz zur SDZ-Rezension

25.08.2008

Von dem Foto auf dem Buchumschlag lässt sich Michael Diers nicht in die Irre führen. Hier geht’s nicht um den Warburg der Vorkriegszeit, sondern um die Krankenjahre des berühmten Kunsthistorikers, ein laut Diers eher bescheiden beackertes Gebiet in der jüngeren Warburg-Literatur. Um so verdienstvoller erscheint Diers die deutsche Erstausgabe des Buches von Davide Stimilli und Chantal Marazia. Stürzt die Edition von Warburgs Krankenakte den Rezensenten auch in ein Wechselbad der Gefühle, zwischen Verstörung (über die Härte der klinischen Fakten aus dem Sanatorium Kreuzlingen) und Ermutigung (über Warburgs selbsttherapeutische Energie), so entschließt sich Diers dennoch dazu, beim Betrachten des intim Menschlichen in diesem Buch sich nicht als Voyeur zu fühlen, sondern die Person Warburg, ihre Verwurzelung im 19. Jahrhundert, ihren durch den Ersten Weltkrieg mitbedingten Wahn und ihre Heilung aufmerksam und mit Gewinn nachzuvollziehen.

© Perlentaucher Medien GmbH

Autorenporträt zu "Ludwig Binswanger; Aby M. Warburg"

Aby M. Warburg, geboren 1866 in Hamburg. Begründung der kulturwissenschaftlichen Disziplin der Ikonologie und die nach ihm benannte Bibliothek für Kulturwissenschaft in Hamburg. Der Autor verstarb 1929 in Hamburg.

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