Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension
Dieser Band scheint ein recht eigenartiges und faszinierendes Erlebnis zu bieten: Es handelt sich um einen Bildband über das Hollywood der Dreißiger - "die goldene Ära von Hollywood", so Rezensent Andreas Platthaus - aber ohne jedes Foto! Und statt dessen mit den Zeichnungen Robert Nippoldts, der laut Platthaus grandios an einen realistischen Schwarzweißstil von Zeichnern wie Alex Raymond anknüpft. Der Band enthält aber nicht nur stilistisch-atmosphärische Sensationen, sondern ist zugleich lehrreich - und dies dank der stupenden Kenntnisse von Platthaus' Kritikerkollegen Daniel Kothenschulte, der sich gerade zu dieser Zeit des Kinos blendend bescheid wisse und in seinen Porträts damaliger Filmgrößen überraschende Akzente setze.Trotz kleiner Mängel im Detail ist Platthaus sehr zufrieden.
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 | Besprechung von 28.10.2010 |
Eine goldene Zeit in schwarzer TuscheRobert Nippoldt zeichnet uns das Bild von Hollywood in seiner schönsten BlüteDie Beine von Marlene wollen gar nicht enden. Das kennt man zwar aus ihren amerikanischen Filmen (während der "Blaue Engel" eine diesbezüglich doch noch eher kompakte Frau zeigte), aber so drastisch wie Robert Nippoldt die Dietrich auf dem Umschlag seines neuen Bilderbuchs in Szene setzt, haben sie nicht einmal der Kameramann Lee Garmes oder der Fotograf Eugene Robert Richee als Verantwortliche für das visuelle Image der großen Paramount-Diva festgehalten. Dabei bedient sich Nippoldt eines Fotos von Richee als Vorlage für seine Zeichnung, aber er schneidet die Schauspielerin darauf so geschickt an, dass außer Kopf und Beinen kaum mehr etwas sichtbar bleibt. Und so funktionierte ja auch die Wirkung der Dietrich aufs amerikanische Publikum in den dreißiger Jahren.
Es war die goldene Ära von Hollywood, und welchem Jahrzehnt wenn nicht diesem in jeder Hinsicht emblematischen sollte man einen Bildband widmen? Das Besondere indes ist der Verzicht auf jedes Foto zugunsten von Illustrationen aus der Feder des …
»Die Texte sprechen in klassischer, aber unprätentiös moderner Sprache über ebenso klassische, aber nicht mehr ganz so moderne kinematographische Phänomene. Das Stöbern darin hat Spaß gemacht ... und good old Tod Browning, schön, dass er nicht ganz in Vergessenheit gerät.« (Tom Tykwer)
»So leichtfüßig, so lebendig, so geistreich, aber vor allem so originell wurde diese Epoche sicher noch nie porträtiert.« (DeutschlandRadio Kultur)
»Der Illustrator Robert Nippoldt hat mit dem Buch "Hollywood in den 30er Jahren" eine wunderschöne Hommage an diese magische Zeit geschaffen.« (Die Zeit)
»Wunderbare Zeichnungen im Stil von Filmplakaten aus den 30er Jahren - Glamour pur.« (DeutschlandRadio Kultur)
»Für uns ist Hollywood bis heute ein Ort der Sehnsucht, und die Lektüre dieses Buches wird dazu führen, diese Sehnsüchte in uns zu mehren.« (Die Welt)
»Dem Mythos Hollywood ist dieses tolle Buch gewidmet. Ganz angemessen in glamouröses goldenes Leinen gehüllt, dokumentiert es auf einzigartige Weise die sensationellste Zeit der Traumfabrik ... Die goldenen Zeiten von Hollywood - sie stecken in diesem Buch.« (3sat bookmark)
»Ganz in Gold kommt dieses Schmuckstück daher. Zu Recht, denn in Robert Nippoldts verführerischem Band paaren sich Grafik und Glamour zu einem wahren Buchkunstwerk. Standing Ovations!« (Freundin)
Eine goldene Zeit in schwarzer Tusche
Robert Nippoldt zeichnet uns das Bild von Hollywood in seiner schönsten Blüte
Die Beine von Marlene wollen gar nicht enden. Das kennt man zwar aus ihren amerikanischen Filmen (während der "Blaue Engel" eine diesbezüglich doch noch eher kompakte Frau zeigte), aber so drastisch wie Robert Nippoldt die Dietrich auf dem Umschlag seines neuen Bilderbuchs in Szene setzt, haben sie nicht einmal der Kameramann Lee Garmes oder der Fotograf Eugene Robert Richee als Verantwortliche für das visuelle Image der großen Paramount-Diva festgehalten. Dabei bedient sich Nippoldt eines Fotos von Richee als Vorlage für seine Zeichnung, aber er schneidet die Schauspielerin darauf so geschickt an, dass außer Kopf und Beinen kaum mehr etwas sichtbar bleibt. Und so funktionierte ja auch die Wirkung der Dietrich aufs amerikanische Publikum in den dreißiger Jahren.
Es war die goldene Ära von Hollywood, und welchem Jahrzehnt wenn nicht diesem in jeder Hinsicht emblematischen sollte man einen Bildband widmen? Das Besondere indes ist der Verzicht auf jedes Foto zugunsten von Illustrationen aus der Feder des dreiunddreißigjährigen Nippoldt, der auch sonst für die gesamte Gestaltung des Buches verantwortlich zeichnet - wie er es schon bei den 2004 beziehungsweise 2007 erschienenen Vorgängerbänden "Gangster - Die Bosse von Chicago" und "Jazz im New York der wilden Zwanziger" getan hatte. Sein Schwarzweißstil in der Tradition der realistischen Zeichner Alex Raymond oder Milton Caniff passt perfekt zum Amerika der Zwischenkriegszeit, und deshalb war die Wahl von Thema und Zeit fürs dritte Werk eine naheliegende.
Eines aber hat der begabte Illustrator einem anderen überlassen: die Abfassung der Texte. Mit Daniel Kothenschulte gewann er dafür einen der renommiertesten deutschen Filmkritiker und einen enzyklopädischen Kenner der ersten Jahrzehnte des Kinos. Das merkt man dem Buch wohltuend an. Immer wieder verknüpft Kothenschulte die Leinwandereignisse der Dreißiger mit der Zeit davor und danach, und so vor allem wird erst richtig deutlich, mit was für einem unendlich kreativen und finanziell ertragreichen Jahrzehnt man es hier zu tun hat.
Es ist die Detailfülle in Kothenschultes Porträts der wichtigsten und einiger überraschenden, weil eher unbekannten Protagonisten des damaligen Hollywoods, die dieses Buch so lehrreich macht. Und es sind Nippoldts Bilder, die es sehenswert machen. Wie er etwa Charlie Chaplins "Lichter der Großstadt" in einem zweiseitigen Comic nacherzählt, der natürlich auf jede Sprechblase verzichtet, weil das Werk eine der letzten Stummfilmsensationen war, oder wie plötzlich beim Kapitel über den Siegeszug von Technicolor auch eine Doppelseite in tiefem Rot und Gelb erglüht (und diese beiden Farben bei der Erwähnung im Text auch noch bunt gesetzt werden), das ist einfach Augenlust.
Da kann man verschmerzen, dass zweimal Sätze im Nichts enden, weil wohl etwas sorglos redigiert wurde, dass als erster Mickymausfilm in einer Schemazeichnung "Plane Crazy" für 1928 genannt wird, der aber erst 1929 und nach "Steamboat Willie" in die Kinos kam (was Kothenschulte auch schreibt), oder dass die Typographie auf Groteskschrift-Initialien mitten in den in Serifenschrift gehaltenen Zeilen setzt, wenn vom Autor ein Absatz vorgesehen war. Das sind der Mätzchen zu viele. Aber wer bemerkt sie schon in der sonstigen Pracht?
ANDREAS PLATTHAUS
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Robert Nippoldt wurde 1977 in Kranenburg am Niederrhein geboren. Nach der Schule verirrte sich der Richtersohn kurz in den Rechtswissenschaften, bevor er im Sommer 1999 nach Münster kam, um dort an der Fachhochschule Grafik und Illustration zu studieren.
Sein Diplombuch Gangster. Die Bosse von Chicago fand gleich einen Verleger, und Nippoldt konzentrierte sich fortan auf die Buchkunst. Nach zwei jähriger Arbeit erschien im Herbst 2007 sein zweites Buch Jazz im New York der wilden Zwanziger , das von der Stiftung Buchkunst zum schönsten deutschen Buch 2007 gekürt wurde. Nippoldts Arbeiten wurden in zahlreichen Ausstellungen u.a. in Berlin, Darmstadt, Essen, Frankfurt, Leipzig und München gezeigt. Seine Serigrafien sind käuflich erhältlich. Wenn er nicht gerade schnorchelt oder versucht, seine Gitarre zu stimmen, zeichnet er vermutlich im Moment in seinem Atelier am alten Güterbahnhof von Münster.