Geschichtswissenschaft jenseits des Nationalstaats - Osterhammel, Jürgen

Jürgen Osterhammel 

Geschichtswissenschaft jenseits des Nationalstaats

Studien zu Beziehungsgeschichte und Zivilisationsvergleich. Ausgezeichnet mit dem Preis Das Historische Buch, Kategorie Thematischer Schwerpunkt 2004 und der Kategorie Außereuropäische Geschichte 2001

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Produktbeschreibung zu Geschichtswissenschaft jenseits des Nationalstaats

Geschichte in weltbürgerlicher Absicht
Jürgen Osterhammels Buch ist ein Plädoyer - ein Plädoyer für die Integration aller Regionen der Erde in den Horizont einer "normalen" Geschichtswissenschaft. Afrika, Amerika, Asien und Ozeanien sollten nicht in einem Teilbereich "Außereuropäische Geschichte" abgehandelt werden, sondern selbstverständlicher Bestandteil einer Historie mit universalem Blickwinkel sein.


Die deutsche Geschichtswissenschaft ist in weiten Teilen von einer nationalgeschichtlichen Perspektive gekennzeichnet. Die in diesem Band gesammelten Aufsätze sind als Einspruch gegen diese einseitige Prägung zu verstehen. Jürgen Osterhammel behandelt zwischen den Polen Vergleich und Beziehungsgeschichte verschiedene Themen der Weltgeschichte, wobei der Begriff "Beziehung" sich nicht auf dem Bereich der internationalen Politik beschränkt, sondern andere Arten von Beziehungen wie etwa Kulturtransfers in gleicher Weise einbezieht. Auch geht es in diesem Band nicht um "Außereuropäische Geschichte" - letztlich eine Kategorie einer auf Europa zentrierten Historie - sondern vielmehr darum, Amerika, Asien, Afrika und Ozeanien in den Horizont einer "normalen" Geschichtswissenschaft zu integrieren. Neben eine nationalgeschichtliche und eine auf Europa zielende Historie könnte so eine Geschichte in weltbürgerlicher Absicht treten. Dabei geht es nicht um Antworten von globaler Gültig keit, sondern um Fragen in einem universalen Horizont.


Produktinformation


  • Verlag: Vandenhoeck & Ruprecht
  • 2001
  • 2. Auflage
  • Ausstattung/Bilder: 2001. 368 S.
  • Seitenzahl: 384
  • Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft Bd.147
  • Deutsch
  • Abmessung: 238mm x 156mm x 27mm
  • Gewicht: 574g
  • ISBN-13: 9783525351628
  • ISBN-10: 3525351623
  • Best.Nr.: 09845893
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 26.02.2002

Keine Insel namens Europa
Jürgen Osterhammel sprengt die Grenzen der deutschen Historie
Historiker brauchen hierzulande immer etwas länger. Während Politikwissenschaft und Soziologie die Globalisierung längst als Thema entdeckt haben, nähert sich die Geschichtswissenschaft dem Thema nur zaghaft. Man begründet das unter anderem damit, nicht dem Zeitgeist huldigen zu wollen, und verschweigt dabei einen anderen, vielleicht wichtigeren Grund für die demonstrative Skepsis und Zurückhaltung. Denn sich den Prozessen der Globalisierung zuzuwenden, bedeutet Abschied nehmen von bequemen Denkmustern und Analysekategorien nicht zuletzt im Zeichen des nationalen Paradigmas und des Eurozentrismus. Das kostet Mühe, und nicht zuletzt deswegen haben über die Jahre nur wenige deutsche Historiker den doppelt engen, nationalstaatlichen und europäischen Horizont transzendiert.
Widerspruch und Doppelsinn
Zu ihnen gehört Jürgen Osterhammel, seit längerem einer der produktivsten und innovativsten Historiker der internationalen Beziehungen in Deutschland. Er legt nun unter dem programmatischen Titel „Geschichtswissenschaft jenseits des Nationalstaats” …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 22.04.2002

Wer hat was gegen westliche Kultur?

Im Jahre 1720 besuchte Mehmed Efendi, ein Gesandter des Sultans, die französische Hauptstadt. Am Pariser Leben fielen ihm, wie der Konstanzer Historiker Jürgen Osterhammel in einem Aufsatz unter dem Titel "Differenzwahrnehmungen" berichtet, "das öffentliche Auftreten von Frauen und die fehlende Trennung zwischen männlicher und weiblicher Sphäre" auf. Der Diplomat hatte noch keinen Anlaß, seinen Herrn für einen kranken Mann zu halten, dem er Medizin hätte besorgen müssen. Daß die Haremsdamen daheim gegen den Leiter lieblicher Lustbarkeiten rebellieren könnten, um wie die Mätresse des französischen Königs öffentlich in Erscheinung treten zu dürfen, wäre dem Reisenden nicht eingefallen. Heute liegt über allen "orientalischen" Bildern des "Okzidents" der Schatten einer Weltordnung, die zu Anpassung oder Abstoßung nötigt. Osterhammel stellt fest: "Die teils staunende, teils schelmische Unbefangenheit eines Mehmed Efendi ist nicht mehr möglich, seit die Verwestlichung unaufhaltsam geworden ist."

So wollen Ian Buruma und Avishai Margalit in der Angst vor der öffentlichen Frau eine mächtige Triebkraft jener …

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'Jürgen Osterhammels 'Geschichtswissenschaft jenseits des Nationalstaats' meint angesichts dieser vielfältigen Genres ein 'Jenseits', das ebenfalls seine Geschichte hat, die er kenntnisreich nachzeichnet: es geht um die Universalgeschichte. Osterhammel schwebt ganz klar eine Renaissance der 'Weltgeschichte' vor. Und da er um die Vorurteile und Missstimmungen weiß, mit der eine große Zahl der Spezialisten historischer Forschung in Deutschland der 'Weltgeschichte' begegnen, setzt er sich um so sprachgewandter und sachkundiger für sie ein.' (Torsten Bathmann, H-Soz-U-Kult)

Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Begeistert ist Rezensent Eckart Conze von der Arbeit des Historikers Jürgen Osterhammel - und das nicht erst seit diesem Aufsatzband. Dass der "innovative" Osterhammel "Einspruch erhebt gegen die nationalhistorische Selbstbezogenheit der deutschen Neuzeithistoriografie und ihren Europazentrismus", dass er versucht, Alternativen zu entwickeln zur üblichen Anthropologisierung und wie er Gesellschaft und Kultur in Beziehung zueinander und zu einer "globalen Geschichtsschreibung" setzt, das gefällt Conze außerordentlich. Er lobt auch das hohe Niveau der hier versammelten 14 Studien und hat keine Zweifel, dass der Band die ihm zukommende Verbreitung finden wird. Die einzige Sorge des Rezensenten ist, dass insbesondere "progressive Historiker" sich Osterhammels bedienen könnten in ihren Argumentationen gegen die Politikwissenschaft - denn das ist nur möglich, ohne ihn gelesen und verstanden zu haben, meint Conze.

© Perlentaucher Medien GmbH
Prof. Dr. Jürgen Osterhammel, geb. 1952, ist Inhaber des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Konstanz.
Er ist Autor zahlreicher Veröffentlichungen zur europäischen und asiatischen Geschichte seit dem 18. Jahrhundert.
Für "Die Entzauberung Asiens" erhielt er den "Gleim-Literaturpreis" und den "Anna-Krüger-Preis des Wissenschaftskollegs zu Berlin" und für "Die Verwandlung der Welt" (2009) den "NDR Kultur Sachbuchpreis".

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