Bringing Out the Dead - Nächte der Erinnerung
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Bringing Out the Dead - Nächte der Erinnerung

Regie: Scorsese, Martin; Darsteller: Cage, Nicolas; Turturro, Aida; Roman, Cynthia; Omilami, Afemo; Johnson, Cullen Oliver; Nascarella, Arthur; Arquette, Patricia; Goodman, John; Rhames, Ving; Sizemore, Tom; Anthony, Marc; Hurt, Mary Beth; Curtis, Cliff; Serrano, Nestor; Buchvorl.: Connelly, Joe; Musik: Bernstein, Elmer; Buch: Schrader, Paul;
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Bringing Out the Dead - Nächte der Erinnerung

Wie eine Armee der Toten belagern sie nachts die Straßen von New York: Junkies, Verrückte, Heimatlose, Selbstmordkandidaten oder schwangere Prostituierte, die selbst noch Kinder sind. Mittendrin: der von Selbstzweifeln geplagte Unfallsanitäter Frank. Manchmal rettet er ihnen das Leben und fühlt sich wie Gott. Manchmal aber kommt er zu spät oder trifft eine falsche Entscheidung. Dann zeigt die Hölle ihre Fratze, wachsen Hilfe suchende Körper aus dem Asphalt, spuken Geister in Franks Kopf herum und lassen ihn nicht zur Ruhe kommen... Martin Scorseses jüngstes Werk, das "Kundun" und "Taxi Driver" in Einklang bringt, ist ein hypnotisches, über einen Zeitraum von 72 Stunden angesiedeltes Drama um einen Mann, der im Duell mit dem Tod sein eigenes Leben aus den Augen verloren hat und im Grunde selbst gerettet werden muss. Beklemmend das Drehbuch (Paul Schrader), atmosphärisch die Kameraarbeit (Robert Richardson), brillant das Spiel von Nicolas Cage und vorzüglich die Inszenierung. Ein intellektueller "Gespensterfilm" für ein aufgeschlossenes Publikum.
Quelle/Copyright: Entertainment Media Verlag

New York, Anfang der 90er Jahre. Frank Pierce (NICOLAS CAGE) ist ein Rettungssanitäter, der nachts seine Einsätze fährt, der zu wenig schläft und zu viel gesehen hat. Franks Blick hat sich unter den Anforderungen des Jobs verbogen und verengt, bis er nur noch das Leid wahrnimmt, den Schmerz und den Tod. Frank lebt in einem Alptraum: Die Geister derer, die er nicht mehr retten konnte, verfolgen ihn und er droht, daran zu zerbrechen – anders als seine Kollegen, von denen jeder seinen Weg gefunden hat, um mit dem Schrecken umzugehen: Larry (JOHN GOODMAN) tröstet sich mit Essen, Marcus (VING RHAMES) mit Jesus, und Walls (TOM SIZEMORE) schwelgt in sadistischen Allmachtsphantasien. Bis Frank auf Mary (PATRICIA ARQUETTE) trifft, deren Vater er als Komapatienten in die Notaufnahme bringt. Mary hat ihre eigenen Sorgen, ihre Drogenvergangenheit, die sie einholt – doch Frank sieht auch die Wärme und Menschlichkeit in ihr und er klammert sich daran, in der Hoffnung, sie und sich selbst zu retten.

Bonusmaterial

DVD-Ausstattung / Bonusmaterial: - Kapitel- / Szenenanwahl - Making Of - Fünfsprachiger Einleger mit Szenenauswahl


Produktinformation

  • Hersteller: Walt Disney Studios
  • EAN: 4011846002383
  • Best.Nr.: 20127392
  • Artikeltyp: Film
  • Datenträger: DVD
  • Erscheinungstermin: 01.04.2002
  • Sprachen: Deutsch, Englisch, Spanisch, Ungarisch
  • FSK: Freigegeben ab 16 Jahren gemäß §14 JuSchG
  • Untertitel: Deutsch, Bulgarisch, Portugiesisch, Spanisch, Italienisch, Französisch, Englisch
  • Regionalcode: 2
  • Bildformat: 1:2, 35/16:9
  • Tonformat: Dolby Surround
  • Gesamtlaufzeit: 116 Min.
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 03.05.2000

Gottes einsamste Männer
Auf den Straßen von New York: Martin Scorseses Film "Bringing out the Dead"

Sie bewegen sich mitten durch die Wirklichkeit und sind doch kein Teil von ihr. Wie auf einem Schiff gleitet Travis Bickle (Robert De Niro) in Martin Scorseses Film "Taxi Driver" durch die Stadt und betrachtet die Menschen, als seien sie eine fremde Spezies an einer gefahrvollen Küste. Auch der Drogenkurier John LeTour (Willem Dafoe) in Paul Schraders Film "Light Sleeper" kreuzt quer durch New York, legt aber nur gelegentlich an, um die Ladung zu löschen, und begibt sich dann wieder an Bord, ans Steuerrad, hinter die Weltschutzscheibe.

Bickle und LeTour sind die Vorfahrer des Rettungssanitäters Frank Pierce (Nicolas Cage), den Scorsese als Regisseur und Schrader als Drehbuchautor nun in "Bringing out the Dead" am Rande der Nacht und der Verzweiflung durch die Straßen von New York schicken. Auch er ist so einsam, dass er seine Gedaken nur uns, dem Publikum, anvertraut. Pierce muss die Drogen, die LeTour unter das Volk bringt, selbst nehmen, weil er die Menschen im Gegensatz zu Bickle nie wieder loswird, nachdem er sie gefahren hat. Meist …

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Martin Scorsese wieder auf heimischem Turf. Wiedervereint mit Drehbuchautor Paul Schrader stellt er nach dem meditativen Dalai-Lama-Epos "Kundun" sein inszenatorisches Talent in den Dienst der Verfilmung von Joe Connellys atemlosen Roman über einen Ambulanzfahrer, der von den Geistern der Menschen verfolgt wird, die er nicht retten konnte. Mit Speed, Action und Galgenhumor durchmißt Scorsese erneut jene Mean Streets, die Travis Bickle in "Taxi Driver" vor einem Vierteljahrhundert zum Amokläufer werden ließen: eine 72 Stunden währende Odyssee ans Ende der Nacht über den altvertrauten Themenkatalog Schuld und Sühne, Verzweiflung und Erlösung. Unterstützt von Vollprofis wie John Goodman, Tom Sizemore und Ving Rhames fügt Nicolas Cage seiner Galerie getriebener Charaktere in einer manischen Over-the-Top-Darstellung ein weiteres Juwel hinzu.

Die - reizvollen - Parallelen zu "Taxi Driver" sind unmöglich zu übersehen. In beiden Filmen stehen desperate Einzelgänger im Mittelpunkt, die in ihrem Beruf in der Zeit nach Mitternacht mit den Schattenseiten des Big Apple - Gewalt, Tod, Drogen, menschliches Treibgut - konfrontiert werden und die eigene ausgebrannte Existenz in dem Gesehenen und Erlebten wiedererkennen und spiegeln. In beiden Filmen ist es die manische Fixierung auf die Rettung eines gefallenen Engels, die die Erlösung der Helden herbeiführen soll. Doch was "Bringing Out the Dead" wirklich spannend macht, sind die Unterschiede, die Variationen der alten Motive: Während "Taxi Driver" mit kühler Präzision auf die unausweichliche Apokalypse zusteuert, mit einer Hauptfigur wie eine tickende Zeitbombe, trägt dieses "Dantes Inferno" in Hell's Kitchen die Züge eines fiebrigen Amphetamin-Rausches, in dem der zur Passivität verdammte Antiheld Frank Pierce kurz vor der Implosion steht. Und so ist der Mord, der in dieser Geisterstunde am Ende steht, kein Befreiungsschlag der letzten Konsequenz, sondern ein fast zärtlicher Akt der Gnade, der Pierces Lämmer - zumindest kurzfristig - zum Schweigen bringt.
Bis es so weit ist, legt "Bringing Out the Dead" einen weiten, unkonventionellen Weg zurück, der den Gesetzen eines wahren Alptraumes folgt. In den frühen 90er Jahren kreuzt er als Ambulanzfahrer durch die schmutzigen Straßen des Prä-Giuliani-New-York. Von der Erinnerung an den von ihm nicht verhinderten Tod der jungen Asthmatikerin Rose in eine spirituelle Krise gestürzt, hat sich das kurze High des Lebenrettens angesichts all des Elends und der gebrochenen Körper in ein nimmer enden wollendes Tal der Tränen verkehrt. Resigniert stellt Frank im Voice-Over fest, daß er weniger Retter als Chronist ausgelöschten Lebens ist. Seine Kollegen kompensieren die Konfrontation mit dem allnächtlichen Wahnsinn auf ihre Art: Larry (John Goodman) lenkt sich mit Essen ab, Marcus (Ving Rhames) schwört auf Religion, und der sadistisches Rassist Walls (Tom Sizemore als Zorn Gottes) reagiert auf die Trostlosigkeit mit Gewalt. Nur Frank hat keinen Rettungspuffer - bis er die ehemalige Heroinabhängige Mary (Cages Ehefrau Patricia Arquette) kennenlernt, die Tochter eines zwischen Leben und Tod schwebenden Mannes, den Frank nach einem Herzinfarkt ins Krankenhaus eingeliefert hat. Ihre nicht immer völlig überzeugenden Szenen im Auge des Hurrikans bilden das Gegengewicht zu den zunehmend irrwitziger werdenden Nachttrips - von Kameramann Robert Richardson mit grellen, immer wieder grotesk beschleunigten Bildern festgehalten und von Thelma Schoonmaker fantastisch im Rhythmus von "Janie Jones" von den Clash geschnitten (fabelhaft: die halluzinatorische Sequenz, in der Pierce den auf einem Fahnenmast aufgespießten Drogendealer Cy rettet). Die Beziehung zwischen Frank und Pierce ist auch der Katalysator für die Resolution von Franks Dilemma: Kann man in dieser absurden Welt, in der Gott Unschuldige wie Rose sterben und Drogendealer leben läßt, Zeichen setzen? So steht dieser Horrortrip in die Zeit nach Mitternacht trotz seiner radikalen Energie und seines nackten Wahnsinns als Meditation über die Kraft und die Grenzen des Glaubens "Kundun" in seinen letzten Bildern doch wieder näher als "Taxi Driver". ts.
Quelle/Copyright: Entertainment Media Verlag