Transnationale Vergangenheitspolitik - Frei, Norbert (Hrsg.)

Norbert Frei (Hrsg.) 

Transnationale Vergangenheitspolitik

Der Umgang mit deutschen Kriegsverbrechern in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg

Hrsg. v. Robert Frei
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Produktbeschreibung zu Transnationale Vergangenheitspolitik

Nach dem Ende der nationalsozialistischen Besatzungsherrschaft in Europa sahen sich die Alliierten und die von Deutschland überfallenen Nationen, aber auch die einstigen deutschen Verbündeten und die beiden deutschen Staaten mit der ungeheuren Aufgabe konfrontiert, die Kriegs- und NS-Verbrechen der Deutschen zu ahnden. Anhand von 15 Länderstudien wird in dem vorliegenden Band erstmals systematisch gezeigt, wie unterschiedlich diese Aufgabe angegangen wurde: Die Auseinandersetzungen waren vielfach mit erheblichen juristischen Problemen und mit heiklen Fragen der zwischenstaatlichen Beziehungen und der internationalen Politik verbunden.
In transnationaler und vergleichender Perspektive wird deutlich, wie stark das Interesse an einer Ahndung der Verbrechen Konjunkturen unterworfen war, wie die nationalen Öffentlichkeiten reagierten und wie das Thema den Neuanfang nach der Katastrophe des Zweiten Weltkrieges mitprägte.

Produktinformation


  • Verlag: Wallstein
  • 2006
  • Ausstattung/Bilder: 2006. 656 S.
  • Seitenzahl: 656
  • Beiträge zur Geschichte des 20. Jahrhunderts Bd.4
  • Deutsch
  • Abmessung: 231mm x 156mm x 52mm
  • Gewicht: 1000g
  • ISBN-13: 9783892449409
  • ISBN-10: 3892449406
  • Best.Nr.: 14088741

Perlentaucher-Notiz zur FR-Rezension

Ein hervorragend abgestimmter Band mit dem besonderen Vorzug, auch grenzübergreifende Probleme und Einflüsse zu thematisieren: Rezensent Dietmar Süss lobt insbesondere, dass die unterschiedlichen Rechtstraditionen und kulturellen Hintergründe der beteiligten Länder, wie Polen, Frankreich oder den USA mit umfangreichen Quellenstudien analysiert werden. Im Falle der Sowjetunion beispielsweise arbeite Andreas Hilger eine klare Dominanz des Politischen bei den strafrechtlichen Kriegsverbrecherprozessen ab 1943 "präzise" heraus. Die Amerikaner wiederum griffen auf Erfahrungen aus dem amerikanischen Bürgerkrieg zurück und waren zudem flexibel in der Praxis. Auch die "kluge" Einleitung des Herausgebers Norbert Frei hat dem Rezensenten gut gefallen.

© Perlentaucher Medien GmbH
Norbert Frei, geb. 1955, war Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Ruhr-Universität Bochum und Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora. Derzeit lehrt er Neuere und Neueste Geschichte an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und ist Leiter des »Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts«

Leseprobe zu "Transnationale Vergangenheitspolitik"

Bestrafen und erziehen (S. 94-95)

Nürnberg und das Kriegsverbrecherprogramm der USA


Frank M.Buscher

Die Vereinigten Staaten sammelten schon früh erste Erfahrungen mit Krieg und Kriegsverbrechen, waren doch sowohl die Vor- und Gründungsgeschichte als auch die spätere Westexpansion des Landes von vielen bewaffneten Konflikten und Gewaltausbrüchen gekennzeichnet. Diese Ereignisse boten jedoch nur einen Vorgeschmack auf das, was sich gegen Mitte des 19. Jahrhunderts auf amerikanischem Boden vollzog. Der Sezessionskrieg, den die Armee der verbündeten Nordstaaten von 1861 bis 1865 gegen die Konföderationstruppen des Südens führte, übertraf vorausgegangene militärische Auseinandersetzungen nicht nur an Brutalität und Zerstörungswut, sondern forderte mit mehr als 600 000 Toten auch den bis dahin höchsten Tribut an Menschenleben.

Für die junge Nation war diese bittere Erfahrung in mehrfacher Hinsicht prägend. Erstens vermittelte sie einen zuvor unbekannten Eindruck von dem, was eine ideologisch aufgeladene, totale Kriegführung an Destruktivität und schweren Verbrechen nach sich ziehen konnte. Ausdruck dieser inhumanen Tendenz waren beispielsweise rassistisch motivierte Massaker, die Teile der konföderierten Armee an afroamerikanischen Angehörigen der Unionstruppen verübten. Aber auch die unerträglichen Haftbedingungen in den Kriegsgefangenenlagern sowie die mutwillige Zerstörung von Privateigentum gehörten zu den abstoßenden Begleiterscheinungen jenes Krieges.

Eine zweite langfristige Folge des Bürgerkriegs war, daß er eine kollektive Abwehrhaltung gegenüber dem Süden hervorrief, die in vielen Aspekten den Stimmungen ähnelte, die nach dem Zweiten Weltkrieg in bezug auf Deutschland verbreitet waren. Typische Erscheinungen des im Süden traditionell verwurzelten Rassismus – beispielsweise die Verweigerung des Kriegsgefangenenstatus für afroamerikanische Armeeangehörige – galten als Beleg dafür, daß die Konföderierten Barbaren waren, die dringend vom Norden zivilisiert, modernisiert und demokratisiert werden mußten. Zum Erbe des Sezessionskrieges zählte drittens, daß die siegreiche Union nach Kriegsende einzelne Angehörige der konföderierten Truppen unter dem Verdacht der Beteiligung an Kriegsverbrechen strafrechtlich zur Verantwortung zog.

Leseprobe zu "Transnationale Vergangenheitspolitik"

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