Mit der Einsicht, daß "Gewalt kein Objekt der Polemik, Irrsinn
kein Gegenstand der Satire" sei, hat Karl Krauss sein
Schweigen im Anblick des Grauens begründet, das mit Hitlers
'Machtergreifung' ins Leben getreten ist. Der Versuch, über
dieses 'Versagen' Rechenschaft zu geben, sollte im Herbst
1933 auf vierhundert Seiten der 'Fackel' erscheinen; aber
weil die Schrift unversehens doch zu einer Abrechnung mit dem
Nazi-Regime geraten war, deren Publikation Menschenleben hätte
gefährden können, ist sieunveröffentlicht geblieben. Heute
erscheint die entsetzte Diagnose, die Kraus mit der 'Dritten
Walpurgisnacht' dem 'Dritten Reich' gestellt hat, wie
eine Prognose von Stalingrad bis Auschwitz - und kann darum auch
für einen triftigen Beweis der Möglichkeit gelten, daß Weltkrieg
und Holocaust schon den Vorgängen abzulesen waren, die sich in
dieser Schrift aus den ersten Monaten des Regimes angeführt und
aufgeschlüsselt finden. Die Neuausgabe des von Kraus im Herbst 1933
aufgegebenen Werke
Karl Kraus, 1894-1936, gilt heute als einer der bedeutendsten Sprach- und Kulturkritiker des 20. Jahrhunderts. Mit seiner Zeitschrift 'Die Fackel' und seinem literarischen Schaffen war er unbestechlicher Kommentator des kulturellen und politischen Zeitgeschehens.
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