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Plötzlich steht es doch tatsächlich im Laden: <strong>Gran Turismo 5</strong>. Können Sony und Entwickler Polyphony Digital mit ihrem selbsternannten Real Driving Simulator nach zig Verschiebungen die hohen Erwartungen erfüllen?<br/><br/><strong>Geduld ist gefragt</strong><br/><br/>Nach der ganzen Vorfreude wird der Beginn erst einmal zum Geduldsspiel. Nach dem Patch-Download wartet noch eine ca. 45-minütige Installation von acht GB. Diese ist zwar freiwillig, macht aber aus ultralangen (immer noch zu) lange Ladezeiten. Diese treten selbst im umständlich verschachtelten Menü auf. Was nützt die Spielerei mit verschiedenen Menühintergründen, wenn die simple Suche nach dem passenden Wagen für das gerade ausgewählte Rennen zur Klick-Orgie wird? Das ganze Bedienungsdesaster zieht sich von den Optionen bis zur Songauswahl durch das ganze Spiel. Menü geht 2010 definitiv anders.<br/><br/>Und auch bei ca. 800 der über 1000 Autos wägt man sich ein paar Jahre zurückversetzt. Das Gros der Wagen sind nämlich meist nur grafisch leicht aufgehübschte Modelle aus PS2-Serien-Vorgängern. Eckig, klobig, pixelig und ohne(!) Cockpitansicht kommen die nur beim Gebrauchtwagenhändler in zufälliger Folge erhältlichen Autos daher. Mit dabei sind unzählige Varianten von japanischen Autos aller Jahrgänge (gähn), aber auch meist ältere Modelle westlicher Hersteller.<br/><br/>Dem gegenüber stehen ca. 200 Premiumfahrzeuge direkt beim Neuwagenhändler. Diese sind schick bis ins Kleinste animiert und mit passendem Cockpit. Auch hier sehr japanolastig, doch ebenso mit richtigen Größen des westlichen Automobilbaus wie Lamborghini Gallardo LP560-4, Chevrolet Corvette ZR-1 oder Mercedes SLS AMG. Letzterer ist übrigens eines der ganz wenigen 2010er Modelle. Fraglich bleibt die Auswahl der Wagen: Porsche fehlt u.a. gänzlich, der Bugatti Veyron ist nur ein Gebrauchter, während ein Kübelwagen VW Premium ist?<br/><br/>Die Zweiklassengesellschaft zeigt auch ihre Auswirkungen beim Schadensmodell. Nur die Premiumfahrzeuge werden rudimentär und auch immer nur optisch bei Crashs in Mitleidenschaft gezogen. Trotz Vollkontakt mit Mauern oder Gegnern bei Höchstgeschwindigkeit samt wilder Überschläge bleibt es maximal bei klappernden Stoßfängern. Einzig die wenigen Rallye-Autos wie u.a Citroën C4 WRC haben ein detaillierteres optisches Schadensmodell.<br/><br/><strong>Die Lizenz zum Fahren</strong><br/><br/>Herzstück des Spiels ist wie eh und je der GT-Modus. Geldanhäufen, Pokale gewinnen, Erfahrungspunkte sammeln und dadurch im Level aufsteigen ist hier die Devise. Dafür gibt es zum einen den A-Spec-Modus mit zahlreichen Rennserien und Meisterschaften, die nach und nach, je nach Level freigeschaltet werden. Der Einstieg ist hier überaus zäh, da das Startkapital nur für einen lahmen Gebrauchtwagen reicht. Auch die ersten Siegprämien lassen den Kauf von Traumwagen a la Ferrari & Co noch nicht zu. Erst viele Spielstunden, zig Rennsiege, einige Level-Aufstiege und ungezählte Autokäufe später, zeigt das Spiel sein wahres Gesicht. Mit schnellen Flitzern und den entsprechenden Rennen kommt auch mehr Spielspaß auf. Lange Ladezeiten und die frustrierende Suche nach den passenden Autos für die Einhaltung der Rennvorgaben trübt aber immer wieder den Spielfluss.<br/><br/>Da geht es in den ebenfalls Level-abhängig freischaltbaren Spezial-Events sofort richtig zu Sache. Sei es beim Kart, bei der Nascar mit Jeff Gordon, Rallye mit Sebastien Loeb oder anderen Rennherausforderungen. Doch auch hier gibt es Ausrutscher, wie etwa quälend ödes Verfolgungskriechen mit dem alten VW T1 Samba Bus. Meist sind hier auch die Vorgaben ordentlich knackig, nichts für Neueinsteiger, eher für Freaks mit einem Fable für das Herauspressen der letzten Zehntelsekunde. Einstellbare Schwierigkeitsstufen täten dem ganzen GT-Modus ohnehin gut.<br/><br/>Bekannt aus den Vorgängern: Die Fahrerlizenzen. Durch das Absolvieren der berüchtigten Aufgaben wie Bremstest, Pylonen fahren, Ideallinie halten, usw. erwirbt man immer höhere Fahrerlizenzen und steigt damit ziemlich schnell im Level auf.<br/><br/>Wer keine Lust hat selber zu lenken, kann im B-Spec-Modus quasi als Team-Manager sein Glück mit selbst erstellten Fahrertypen versuchen. Per Knopfdruck gibt man dabei Befehle wie "Schneller fahren", "Überholen", usw. Doch Vorsicht, setzt man den Fahrer zu sehr unter Druck (erkennbar an der Mentalanzeige), gehen ihm die Nerven samt Auto durch. Sprich, ein Abflug von der Strecke ist unausweichlich. Klingt spannend, ist aber auf Dauer langweilig, zumal die eingefahrenen Erfahrungspunkte - im Gegensatz zum Geld - nur im B-Modus zählen.<br/><br/>Zusätzlich beinhaltet der GT-Modus noch Trainingsfahrten um sich an Material und Strecke zu gewöhnen.<br/><br/><strong>Grafik mit Macken</strong><br/><br/>Apropos Strecken: Hier gibt es zwar viel Bekanntes aus den Vorgängern, dennoch ist für jeden was dabei. Ob Rennstrecken wie Nürburgring Nordschleife, Daytona oder Tsukuba Circuit, plus Stadtkurse in Rom oder Madrid, oder Rallye-Pisten durch Alaska oder die Toskana. Doch auch hier ist die Qualität zweischneidig. Viel zu oft pflanzen bzw. klonen die Entwickler einfach 2D-Pappbäume, -zuschauer oder -kulissen an den Streckenrand. Andere Kurse wie Rom oder Madrid strotzen wiederum nur so vor Details. Auch der auf einigen Strecken fest vorgegebene Tag- und Nachtwechsel ist nicht perfekt. Nachts ist es viel zu dunkel, die Scheinwerfer reichen zum realen erhellen der Strecke nicht aus. Zudem sind die Schatten arg verpixelt, es gibt immer wieder Tearing und Kantenflimmern.<br/><br/>Die Wettereffekte wirken sich zwar auf das Fahrverhalten aus, sind aber ebenfalls nicht up-to-date. Pfützenlose Strecken samt stets sauberer Autos sind genauso peinlich, wie Pixelregentropfen oder Viereckschneeflocken auf der Windschutzscheibe. Die ist ja bekanntlich nicht bei jedem Fahrzeug zu sehen, daher steuert man die Wagen dann aus der Stoßstangen-, Dach- oder nur(!) einer Verfolgerperspektive. Bei den beiden letzten fehlt komplett der Rückspiegel. Das HUD ist aufgeräumt und zeigt alle wichtigen Infos.<br/><br/>Der Hintergrundsound bietet von Klassik über Jazz bis hin zu Techno ein breites Spektrum. Dieses reicht beim Motorensound von 'Rundum gelungen' bis zum Staubsaugersound. Dabei muss man besonders wieder bei den Gebrauchtwagen klangliche Abstriche hinnehmen.<br/><br/>Vorbildlich die speicherbaren Wiederholung samt Grafikfilter, der Fotomodus und die Community-Features. Fotos, Fahrzeuge oder andere Gimmicks lassen sich mit Spielern aus der Freundesliste teilen oder verschenken. Abrundet wird das Ganze mit GT-TV, das mehr und mehr Videos rund um die Automobile Welt bieten soll.<br/><br/><strong>Simulation pur</strong><br/><br/>Die Fahrphysik wird dem Simulationsanspruch weitestgehend gerecht. Hin und wieder reagieren die Wagen allerdings einen Tick zu schwammig auf die Lenkbefehle. Neueinsteiger dürfen Fahrhilfen wie u.a. ABS, Ideallinie oder Traktionskontrolle zum Teil in zehn Stufen zuschalten. Dennoch werden viele Spieler mit dem PS3-Pad an ihre Grenzen stoßen. Ein Lenkrad ist im Grunde Pflicht, sodass man nicht zuletzt dank Force-Feedback und sensiblerer Dosierung bessere Rundenzeiten in den Asphalt brennt. Freaks verändern zudem schraubengenau das Fahrzeugsetup.<br/><br/>Negativ fällt die ideallinienverliebte Gegner-KI auf. Auf einer 15 Meter breiten Rennstrecke einfach mal ausweichen ist nicht, vielmehr knallt einem der Gegner ins Heck und dreht einen dabei auch noch zu gerne um. Strafen gibt es selten, auch Abkürzen ist sehr großzügig erlaubt.<br/><br/>Dazu gesellt sich eine peinliche Kollisionsabfrage. Wie eine Billardkugel prallt man von jedweder Begrenzung (selbst von Plastikabsperrbändern!) der engen Streckenschläuche ab. Beim kollidieren mit anderen Autos gibt es zudem einen Magneteffekt. Die Wagen scheinen sich sekundenlang zu verkleben. Das Ganze schreit eigentlich nach einer zeitgemäßen Rückspulfunktion, die wir hier sträflich vermissen.<br/><br/>Da es bei den Rennen nur selten Leistungsbeschränkungen gibt, ist das Starterfeld meist wild zusammengewürfelt. Motzt man sein Auto entsprechend auf, geht man der dümmlichen KI so aus dem Weg, nutzt gleichzeitig aus, das es keine Gummiband-KI gibt und rast fast immer vornweg. Der Besuch beim Autoteilehändler lohnt also. Hier gibt's stärkere Motoren, Getriebe, Reifen, Stoßdämpfer, Karosserieteile, usw. Blamabel: Teile für die Bremsen fehlen Wagen waschen, Ölwechsel oder Lackierung ändern kann man im Bereich GT-Auto. Felgen darf man hier auch wechseln, zumindest bei Premiumautos. Mehr Individualisierung gibt es leider nicht.<br/><br/><strong>Multiplayer, Streckeneditor, Sonstiges</strong><br/><br/>Neben dem GT-Modus bietet das Spiel noch einen Arcade-Modus mit Einzel-, Zeit- und Drift-Veranstaltungen. Hier ist übrigens dreistufig ein Schwierigkeitsgrad auswählbar. Auch Splitscreen-Rennen mit einem weiteren Spieler sind möglich.<br/><br/>Online dürfen maximal 16 Spieler gegeneinander antreten. Die Einstellungsmöglichkeiten wie Fahrhilfen, Strafsystem, Boost-Funktion oder Startaufstellung gehen in Ordnung. Für eine homogenere Leistungsdichte und das schnellen Einladen von Freunden fehlt es aber an Komfortfunktionen. Neu in der Serie ist der Streckeneditor. Dieser zeigt sich leider etwas halbgar. Durch ändern weniger Parameter kann man vorgefertigte Rohlinge leicht abändern. Ein wirkliches bauen oder gar nachstellen von Originalstrecken ist damit nicht möglich.<br/><br/>Das Spiel unterstützt in Verbindung mit der Eye-Kamera auch Headtracking. So richtig wollte das System bei unseren Tests aber nicht funktionieren. Die 3D-Unterstützung konnten wir mangels entsprechender Hardware leider nicht testen.<br/><br/><strong>Gran Turismo 5 gegen Forza Motorsport 3</strong><br/><br/>Im systemübergreifenden Vergleich muss sich Gran Turismo 5 seinem Xbox 360-Konkurrenten <strong>Forza Motorsport 3</strong> geschlagen geben. Schon die Menüführung ist bei Forza 3 deutlich durchdachter, schneller und pfiffiger. Sofort wird einem u.a. das passende Auto für das entsprechende Rennen angeboten. In Sachen Individualisierung bietet Forza ebenfalls mit Vinyls und Sonderlack viel mehr Möglichkeiten. Die Fahrzeugpalette ist wiederum auf der PS3 umfangreicher. Erkauft wird dies aber durch viele Varianten vom gleichen Modell und japanolastige Auswahl plus die grafisch altbackenen Gebrauchtfahrzeuge. Nimmt man nur die Premiumautos, liegen beide Titel wieder gleichauf, wobei Forza 3 das deutlich bessere Schadensmodell aufweisen kann. Den Vorteil den GT 5 bei der Streckenauswahl hat, büßt es bei der Streckengrafik wieder ein. Bei der Auswahl der Rennserien hat GT 5 mit Rallye und Nascar klar die Nase vorn. Doch beides ist nur halbgar umgesetzt und kann mit entsprechenden Spezialtiteln nicht mithalten.<br/><br/>In Sachen Fahrphysik gibt es wieder Gleichstand. Die Steuerung gerade mit Gamepad geht bei Forza aber deutlich besser von der Hand. Auch in Sachen Schwierigkeitsgrad im Karrieremodus liegt das Xbox-Spiel vorn. Die Karriere an sich ist spritziger und motivierender als der A-Spec-Modus. Dafür punktet GT 5 mit zahlreichen Spezial- und Lizenz-Veranstaltungen.<br/><br/>Kurzum: Es sind beides tolle Rennspiele, wobei aber Forza 3 etwas runder daherkommt und GT5 eher bieder und altbacken wirkt.<br/><br/><strong>Fazit</strong>: Das lange Warten hat sich nur bedingt gelohnt. <strong>Gran Turismo 5</strong> ist ohne Frage ein gutes Rennspiel aber weit von dem absoluten Tophit - der es ja gerne sein will - entfernt.<br/><br/>Zwar stimmt der Umfang und auf der Strecke macht es auch echt Spaß. Aber drumherum ist es zu altbacken und hat viel zu viele kleine Fehlerchen und unerwartete Designschnitzer.<br/><br/>Auf der PlayStation 3 als Simulation konkurrenzlos gut, fährt es systemübergreifend <strong>Forza Motorsport 3</strong> hinterher.<br/><br/><strong>Wertung</strong>: 83 von 100 Punkten (Tino Grundmann/GameCaptain.de)
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